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Fast Forward

Das war jetzt kein Motto für einen der zuletzt gesehenen Filme. Das beschreibt meinen Versuch, hier und jetzt auf den gegenwärtigen Stand unseres Filmabends zu kommen, ohne Sie zu langweilen.

Stehen geblieben waren wir beim “Großen Zampano” und der Essenz von Traurigkeit, La Strada. In der Tat folgte kein lustiger Film zum Thema “Einsamkeit”, obwohl es einen solchen bestimmt gibt, wenn man lange genug sucht.

Traurig war das, was wir gesehen haben, allerdings in dem Sinn auch nicht. Eher aufregend, dunkel und ein wenig schräg. Ein Alpenwestern. Mir hat Das finstere Tal großartig gefallen, der diesmaligen Filmabend-Besucherin nicht so sehr. Zu blutig, zu grausam. Sie mochte auch meistens die Western nicht besonders, die ich gerne mit meinem Vater geguckt habe. Von ihr habe ich eher die Liebe zu Cary Grant, Zarah Leander und Jean Gabin.

Weil es nicht beim Blutigen und Traurigen bleiben durfte, ich nicht im Westerngenre hängen bleiben wollte und es ja ein wenig unvorhersehbar bleiben soll, habe ich zum Motto “Mein ist die Rache” einen weiteren Wes-Anderson-Film gezeigt. In Die Tiefseetaucher (The Life Aquatic with Steve Zissou) geht es um Vergeltung an einem Jaguar-Hai und andere Skurrilitäten. Wes Anderson halt. Zumindest der geliebte Mann und ich mögen diesen Schabernack ja.

Meine Vorgabe an den lieben Freund war dann “Untiefe” und dazu hat er uns gestern den australischen Thriller Todesstille gezeigt. Der geliebte Mann war ein bisschen am Nölen, weil alles so schrecklich unrealistisch war. So hat halt jeder seine Strategie, um der permanent gegenwärtigen Spannung ein wenig den Druck zu nehmen…

Ich selbst habe mich sehr zurückgehalten, um die Countenance zu wahren, und meine Mitgucker nicht durch permanentes Auf- und Ablaufen und laute Selbstgespräche sowie wiederholtes Verlassen des Raumes in den Wahnsinn zu treiben. Dafür habe ich beim völlig belanglosen Zünden einer Leuchtrakete aufgeschrien. Irgendwo musste die Aufgeregtheit ja hin.

Mir ist ziemlich schnuppe, wie realistisch das Hochseesegeln geschildert war, so wie mir oft egal ist, ob eine erzählte Geschichte der Wahrheit entspricht, wenn sie nur gut erzählt ist. Der Film war spannend, seine Bilder sind auch heute noch in meinem Kopf und verursachen einen Hauch von Gänsehaut. Mehr sollte und wollte der Film nicht. Und Nicole Kidman sah niedlich aus. Allerdings auch ein bisschen dumm.

Nächstes Mal gibt es eine irgendwie geartete “Feindliche Übernahme” zu sehen. Wie immer: ich bin gespannt.

Mei, mei, mei

Es gäbe so viel zu berichten und ich habe nicht mal eine überzeugende Ausrede, warum ich es nicht tue.

Ich war Sterneküche essen und auf einem Foodfestival, habe angefangen, mich durch die neue Kaffeeladenlandschaft Kreuzbergs zu trinken und bin gleich beim zweiten Versuch hängengeblieben, die kleine Tochter tanzt auf dem Seil und ich bin das erste Mal neidisch auf die Große, ich habe beschlossen, trotz meiner nur mäßigen Begeisterung für Äpfel beim Abbau einer angeblich außenpolitisch mitverursachten Schwemme mitzuhelfen und wir haben seit dem letzten Mal drei Filme gesehen.

So geht das nicht mit dem Bloggen, Menschenskinder.

Der große Zampano

Es kann nur einen geben. Meinte der liebe Freund und zeigte La Strada.
Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Entweder Sie kennen ihn sowieso und wissen Bescheid. Oder Sie kennen ihn nicht – wie ich vorher – dann schauen Sie sich ihn am besten bald an. Weil er direkt ins Herz geht. Keiner kann so richtig aus seiner Haut. Und man muss nicht abgrundtief böse sein und zerstört doch anderen das Leben.
Nein, fröhlich ist er nicht und fröhlich sind Sie nicht, wenn er zu Ende ist. Aber man sollte ihn gesehen haben, denn er ist ein Meisterwerk. Tatsächlich.
Nächstes Mal sehen wir vermutlich auch keinen Schenkelklopfer. Das lässt ein Motto wie “Einsamkeit” kaum zu.

Businessmen

Fast hätte ich den von Herrn Kurbjuhn empfohlenen Tin Men – jetzt auf die Liste der zukünftig zu zeigenden Filme gerutscht – gezeigt, aber dann kam alles anders.

Beim Recherchieren und Herumgucken bin ich nämlich auf einen ganz speziellen Businessman gestoßen, einen Berliner Geschäftemacher, von dem mich nicht nur die Geschichte interessierte, sondern auch, wie ein Dokumentarfilm sich des Ganzen überhaupt annehmen kann.

Die Rede ist von Norbert Witte, der den insolventen Spreepark nach Peru verschifft hat und dort mit seinem Sohn – es mussten ja mehrere ‘men’ sein – in Drogengeschäfte verwickelt war, die ihm in Berlin, seinem Sohn jedoch in Lima Gefängnisstrafen eingebracht haben. Oder hat er seinen Sohn in die Geschäfte getrieben? Oder wie war das nun genau?

Der Film Achterbahn von Peter Dörfler behauptet nicht, die Wahrheit zu erzählen. Er entwirft vielmehr auf meisterhafte Weise ein Bild mit vielen Facetten, lässt neben Norbert Witte selbst, der 2008 vorzeitig aus der JVA Plötzensee entlassen wurde, andere zu Wort kommen, die dem Protagonisten mehr oder weniger zugetan und mehr oder weniger in das Geschehen involviert waren und sind: eine Tochter, die Exfrau, frühere Schaustellerkollegen, ein Techniker und nicht zuletzt Marcel Witte, der Sohn, der jetzt, nach zehn Jahren, erst die Hälfte seiner Strafe im peruanischen Gefängnis abgesessen hat.

Ein abschließendes Urteil erlaubt der Filmemacher weder sich noch dem Publikum und das macht diesen Film spannend und höchst sehenswert und hat ein intensives Gespräch und viele nachfolgende Gedanken ausgelöst.

Nächstes Mal zeigt der liebe Freund was zu “Der große Zampano”. Wenn er seine Meinung nicht wieder ändert, wissen wir auch schon was. Denn, so habe ich mir sagen lassen, eigentlich kann es davon nur einen geben.

Involtini aus Zucchini

Ich habe es getan, ich bin: Ihnen. Allen. Dreien. gefolgt Und habe SIE ausprobiert, die Zucchiniröllchen. Als Vorspeise. Ohne Zwiebeln, aber mit Knoblauch.

Ich sag’ Ihnen was: großartig! Ich hätte meinen Gästen am liebsten die Oliven und den Schafskäse hingeschoben und die Röllchen alleine gegessen.

Aber sauviel Arbeit. Und eigentlich nichts für ungeduldige Grobmotorikerinnen ohne jedweden Hang zur Perfektion. Zucchini in dünnste Scheiben schneiden mit dem Sparschäler ist eine doofe Arbeit. Die blanchierten Scheibchen zum Trocknen auslegen braucht mehr Platz, als ich auf die Schnelle zur Verfügung habe. Dann das mit der Füllung, die man irgendwie auf dem Scheibchen platzieren muss, am Ende noch gleichmäßig. Pah. Und nicht zu dick. Den Zahnstocher durch das glitschige Röllchen stoßen ohne es zu zermatschen und die Füllung wieder herauszudrücken. Und dann so in Paniermehl wälzen. Mit Zahnstocher, sehr witzig.

Am besten macht man sie unter Zeitdruck. Super Idee, so ein kleines Vorspeischen!

Aber wie gesagt: sie schmecken phänomenal. Es lohnt sich. Planen Sie genug Zeit ein. Nutzen Sie die Herstellung zum Entschleunigen, zum Meditieren. Oder finden Sie einen Dummen lieben Menschen, den Sie dafür begeistern können, die für Sie herzustellen. Egal welche Strategie Sie anwenden, sehen Sie zu, dass Sie in diesen Genuss kommen.

PS: Was ich schon längst mal sagen wollte, ist, dass ich bei allen drei Quellen fürs Rezept, also den Anonymen Köchen, Utecht und lamiacucina sehr gern nach Nachkochbarem suche und (fast) immer fündig werde. Manches ist mir halt zu viel Arbeit, oft zuviel Fitzelarbeit. Nichts für Grobmotorikerinnen. Aber vieles passt auch.

Probieren Sie es mal aus. Oder finden Sie jemanden, der es für Sie tut. Das ist aber jetzt mein letzter Tipp für heute.

Eine Herzensangelegenheit…

…ist es auf jeden Fall für Alvin, sich mit seinem schwerkranken Bruder nach Jahren des kompletten Zerwürfnisses zu versöhnen, und da er selbst zu ihm in den benachbarten Staat Wiscounsin fahren möchte, aber das mit einem Auto nicht mehr darf, tut er es eben mit einem Rasenmäher.

Eine rührende Geschichte ist The Straight Story von David Lynch, in der sowohl sein Hang zum Freakigen im ganz Gewöhnlichen als auch eine aus The Elefant Man bekannte tiefe Empathie und grundsätzliche Freude am Positiv-Menschlichen zum Ausdruck kommen. Ich habe den Film nicht zum ersten Mal gesehen und wieder so gemocht, dass es vermutlich auch nicht das letzte Mal war. Halt doch auch einer der Großen, dieser Lynch.

“One for the Road” war nicht nur das nächste Motto, sondern so hieß auch gleich die vom geliebten Mann gezeigte englische Produktion um eine Gruppe Männer, die sich zwangsverpflichtet zu einem Kurs wegen alkoholbedingtem Verlust des Führerscheins zusammenfinden, im Prinzip weitersaufen und sich ziemlich an der Realität vorbei als erfolgreiche Geschäftsleute wähnen, die versuchen, mit einem Deal untereinander das Beste für sich herauszuziehen. Die Interessen gehen dabei so weit auseinander, dass das nicht gelingen kann und alles in einem großen, eskalierenden Besäufnis endet.

Nein, der Film war nicht ganz schlecht, aber ich weiß einfach nicht, was er soll. Betrunkenen Männern zugucken, wie sie sich zum Affen machen, ist nicht mein Ding. Lustig war er nur bedingt, wie das Thema schon vermuten lässt. Vielleicht für jene, die gerne betrunkenen Männern zugucken, …Eine Auseinandersetzung mit Rausch und Sucht findet nicht statt. Also: naja.

Für den kommenden Filmabend wäre ich offen für Empfehlungen. Nicht, dass mir gar nichts einfiele zum Thema “Businessmen”. Aber den großen Knüller habe ich jetzt noch nicht im Sinn. Anybody?

 

… solange die Erinnerung noch frisch ist.

Zum Thema “Hang zum Küchenpersonal” ist mir fast unmittelbar ein Film in den Sinn gekommen, den ich vor ein paar Jahren im Kino gesehen habe und unbedingt nochmal sehen wollte, weil ich ihn herzerfrischend fand: Fatih Akins Soul Kitchen.

Ein bisschen Märchen mit großartig zickig-arrogantem Kochkünstler, einem griechischen Brüderpaar (mit dem überaus geschätzten Moritz Bleibtreu als Kleingauner), gut wirkendem Aphrodisiakum und – Motto fürs nächste Mal – einer Herzensangelegenheit. Oder mehreren. Dazu köstliche Dialoge – FilmVERGNÜGEN passt hier mal so richtig gut.

Zu essen gab es an diesem schwülen Sommerabend kalte Gurkensuppe, die geht in verschiedenen Variationen immer. Die gestrige bestand aus 1 guten Gurke, 2 Knoblauchzehen, ca. 200g Joghurt, bisschen Schmand, Limettensaft, Salz Pfeffer, einen Tick Kreuzkümmel, Minze. Bisschen Ingwer schadet auch nicht. Alles in den Mixer (außer Minze, die kommt klein geschnitten am Schluss hinein) und dann ab in den Kühlschrank. Feine, erfrischende Sache.

Außerdem ein wenig Käse, Tomaten, Salat, Hummus, Auberginencreme. Fladenbrot.

Für den Nachtisch kam die Inspiration aus einem meiner neuen Lieblingskochbücher: Deutschland vegetarisch von Stevan Paul und Katharina Seiser – vielleicht schreibe ich ein andermal mehr dazu.

Die “Errötende Jungfrau” ist im Original mit 200 g Johannisbeeren und 300 g Erdbeeren. Angesichts des Angebots am Obststand der Wahl habe ich spontan beschlossen, das geht mit Himbeeren genauso gut. Bis auf ein paar ausgewählte Exemplaren zermixt man die Beeren zu Fruchtsauce (weil ich die Kernchen nicht so schätze, habe ich sie noch durch ein Sieb gepresst), verrührt 500 ml Buttermilch mit Zucker, lässt 150 ml der Fruchtsauce mit Agar-Agar aufkochen und gießt sie dann vorsichtig und unter ständigem Rühren in die süße Buttermilch. Darunter hebt man 150 ml geschlagene Sahne und dann ab in den Kühlschrank.

Wie befürchtet funktioniert das pflanzliche Geliermittel mal wieder nicht so gut wie Gelatine, das ist aber eher eine Konsistenz- als Geschmacksfrage. Ganz flüssig blieb die Sache ja glücklicherweise nicht. Nach Rezept kommt auf die feste Creme ein Rest geschlagener Sahne, die makellosen zurückbehaltenen Früchte und der Rest Fruchtsauce. Nochmal pure Frucht dazu schmeckt fein und sieht gut aus, die zusätzliche Sahne werde ich nächstes Mal weglassen.

Kam alles ganz gut an bei der Cineastengesellschaft.

Nachtrag: ich habe am Tag danach nochmal von der Süßspeise probiert und beschlossen, den gar nicht so kleinen Rest wegzuwerfen: es hat Klümpchen. Ich lasse das mit den biologischen Geliermitteln, es funktioniert nicht bei mir. Tipps sind willkommen!

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