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Businessmen

Fast hätte ich den von Herrn Kurbjuhn empfohlenen Tin Men – jetzt auf die Liste der zukünftig zu zeigenden Filme gerutscht – gezeigt, aber dann kam alles anders.

Beim Recherchieren und Herumgucken bin ich nämlich auf einen ganz speziellen Businessman gestoßen, einen Berliner Geschäftemacher, von dem mich nicht nur die Geschichte interessierte, sondern auch, wie ein Dokumentarfilm sich des Ganzen überhaupt annehmen kann.

Die Rede ist von Norbert Witte, der den insolventen Spreepark nach Peru verschifft hat und dort mit seinem Sohn – es mussten ja mehrere ‘men’ sein – in Drogengeschäfte verwickelt war, die ihm in Berlin, seinem Sohn jedoch in Lima Gefängnisstrafen eingebracht haben. Oder hat er seinen Sohn in die Geschäfte getrieben? Oder wie war das nun genau?

Der Film Achterbahn von Peter Dörfler behauptet nicht, die Wahrheit zu erzählen. Er entwirft vielmehr auf meisterhafte Weise ein Bild mit vielen Facetten, lässt neben Norbert Witte selbst, der 2008 vorzeitig aus der JVA Plötzensee entlassen wurde, andere zu Wort kommen, die dem Protagonisten mehr oder weniger zugetan und mehr oder weniger in das Geschehen involviert waren und sind: eine Tochter, die Exfrau, frühere Schaustellerkollegen, ein Techniker und nicht zuletzt Marcel Witte, der Sohn, der jetzt, nach zehn Jahren, erst die Hälfte seiner Strafe im peruanischen Gefängnis abgesessen hat.

Ein abschließendes Urteil erlaubt der Filmemacher weder sich noch dem Publikum und das macht diesen Film spannend und höchst sehenswert und hat ein intensives Gespräch und viele nachfolgende Gedanken ausgelöst.

Nächstes Mal zeigt der liebe Freund was zu “Der große Zampano”. Wenn er seine Meinung nicht wieder ändert, wissen wir auch schon was. Denn, so habe ich mir sagen lassen, eigentlich kann es davon nur einen geben.

Involtini aus Zucchini

Ich habe es getan, ich bin: Ihnen. Allen. Dreien. gefolgt Und habe SIE ausprobiert, die Zucchiniröllchen. Als Vorspeise. Ohne Zwiebeln, aber mit Knoblauch.

Ich sag’ Ihnen was: großartig! Ich hätte meinen Gästen am liebsten die Oliven und den Schafskäse hingeschoben und die Röllchen alleine gegessen.

Aber sauviel Arbeit. Und eigentlich nichts für ungeduldige Grobmotorikerinnen ohne jedweden Hang zur Perfektion. Zucchini in dünnste Scheiben schneiden mit dem Sparschäler ist eine doofe Arbeit. Die blanchierten Scheibchen zum Trocknen auslegen braucht mehr Platz, als ich auf die Schnelle zur Verfügung habe. Dann das mit der Füllung, die man irgendwie auf dem Scheibchen platzieren muss, am Ende noch gleichmäßig. Pah. Und nicht zu dick. Den Zahnstocher durch das glitschige Röllchen stoßen ohne es zu zermatschen und die Füllung wieder herauszudrücken. Und dann so in Paniermehl wälzen. Mit Zahnstocher, sehr witzig.

Am besten macht man sie unter Zeitdruck. Super Idee, so ein kleines Vorspeischen!

Aber wie gesagt: sie schmecken phänomenal. Es lohnt sich. Planen Sie genug Zeit ein. Nutzen Sie die Herstellung zum Entschleunigen, zum Meditieren. Oder finden Sie einen Dummen lieben Menschen, den Sie dafür begeistern können, die für Sie herzustellen. Egal welche Strategie Sie anwenden, sehen Sie zu, dass Sie in diesen Genuss kommen.

PS: Was ich schon längst mal sagen wollte, ist, dass ich bei allen drei Quellen fürs Rezept, also den Anonymen Köchen, Utecht und lamiacucina sehr gern nach Nachkochbarem suche und (fast) immer fündig werde. Manches ist mir halt zu viel Arbeit, oft zuviel Fitzelarbeit. Nichts für Grobmotorikerinnen. Aber vieles passt auch.

Probieren Sie es mal aus. Oder finden Sie jemanden, der es für Sie tut. Das ist aber jetzt mein letzter Tipp für heute.

Eine Herzensangelegenheit…

…ist es auf jeden Fall für Alvin, sich mit seinem schwerkranken Bruder nach Jahren des kompletten Zerwürfnisses zu versöhnen, und da er selbst zu ihm in den benachbarten Staat Wiscounsin fahren möchte, aber das mit einem Auto nicht mehr darf, tut er es eben mit einem Rasenmäher.

Eine rührende Geschichte ist The Straight Story von David Lynch, in der sowohl sein Hang zum Freakigen im ganz Gewöhnlichen als auch eine aus The Elefant Man bekannte tiefe Empathie und grundsätzliche Freude am Positiv-Menschlichen zum Ausdruck kommen. Ich habe den Film nicht zum ersten Mal gesehen und wieder so gemocht, dass es vermutlich auch nicht das letzte Mal war. Halt doch auch einer der Großen, dieser Lynch.

“One for the Road” war nicht nur das nächste Motto, sondern so hieß auch gleich die vom geliebten Mann gezeigte englische Produktion um eine Gruppe Männer, die sich zwangsverpflichtet zu einem Kurs wegen alkoholbedingtem Verlust des Führerscheins zusammenfinden, im Prinzip weitersaufen und sich ziemlich an der Realität vorbei als erfolgreiche Geschäftsleute wähnen, die versuchen, mit einem Deal untereinander das Beste für sich herauszuziehen. Die Interessen gehen dabei so weit auseinander, dass das nicht gelingen kann und alles in einem großen, eskalierenden Besäufnis endet.

Nein, der Film war nicht ganz schlecht, aber ich weiß einfach nicht, was er soll. Betrunkenen Männern zugucken, wie sie sich zum Affen machen, ist nicht mein Ding. Lustig war er nur bedingt, wie das Thema schon vermuten lässt. Vielleicht für jene, die gerne betrunkenen Männern zugucken, …Eine Auseinandersetzung mit Rausch und Sucht findet nicht statt. Also: naja.

Für den kommenden Filmabend wäre ich offen für Empfehlungen. Nicht, dass mir gar nichts einfiele zum Thema “Businessmen”. Aber den großen Knüller habe ich jetzt noch nicht im Sinn. Anybody?

 

… solange die Erinnerung noch frisch ist.

Zum Thema “Hang zum Küchenpersonal” ist mir fast unmittelbar ein Film in den Sinn gekommen, den ich vor ein paar Jahren im Kino gesehen habe und unbedingt nochmal sehen wollte, weil ich ihn herzerfrischend fand: Fatih Akins Soul Kitchen.

Ein bisschen Märchen mit großartig zickig-arrogantem Kochkünstler, einem griechischen Brüderpaar (mit dem überaus geschätzten Moritz Bleibtreu als Kleingauner), gut wirkendem Aphrodisiakum und – Motto fürs nächste Mal – einer Herzensangelegenheit. Oder mehreren. Dazu köstliche Dialoge – FilmVERGNÜGEN passt hier mal so richtig gut.

Zu essen gab es an diesem schwülen Sommerabend kalte Gurkensuppe, die geht in verschiedenen Variationen immer. Die gestrige bestand aus 1 guten Gurke, 2 Knoblauchzehen, ca. 200g Joghurt, bisschen Schmand, Limettensaft, Salz Pfeffer, einen Tick Kreuzkümmel, Minze. Bisschen Ingwer schadet auch nicht. Alles in den Mixer (außer Minze, die kommt klein geschnitten am Schluss hinein) und dann ab in den Kühlschrank. Feine, erfrischende Sache.

Außerdem ein wenig Käse, Tomaten, Salat, Hummus, Auberginencreme. Fladenbrot.

Für den Nachtisch kam die Inspiration aus einem meiner neuen Lieblingskochbücher: Deutschland vegetarisch von Stevan Paul und Katharina Seiser – vielleicht schreibe ich ein andermal mehr dazu.

Die “Errötende Jungfrau” ist im Original mit 200 g Johannisbeeren und 300 g Erdbeeren. Angesichts des Angebots am Obststand der Wahl habe ich spontan beschlossen, das geht mit Himbeeren genauso gut. Bis auf ein paar ausgewählte Exemplaren zermixt man die Beeren zu Fruchtsauce (weil ich die Kernchen nicht so schätze, habe ich sie noch durch ein Sieb gepresst), verrührt 500 ml Buttermilch mit Zucker, lässt 150 ml der Fruchtsauce mit Agar-Agar aufkochen und gießt sie dann vorsichtig und unter ständigem Rühren in die süße Buttermilch. Darunter hebt man 150 ml geschlagene Sahne und dann ab in den Kühlschrank.

Wie befürchtet funktioniert das pflanzliche Geliermittel mal wieder nicht so gut wie Gelatine, das ist aber eher eine Konsistenz- als Geschmacksfrage. Ganz flüssig blieb die Sache ja glücklicherweise nicht. Nach Rezept kommt auf die feste Creme ein Rest geschlagener Sahne, die makellosen zurückbehaltenen Früchte und der Rest Fruchtsauce. Nochmal pure Frucht dazu schmeckt fein und sieht gut aus, die zusätzliche Sahne werde ich nächstes Mal weglassen.

Kam alles ganz gut an bei der Cineastengesellschaft.

Nachtrag: ich habe am Tag danach nochmal von der Süßspeise probiert und beschlossen, den gar nicht so kleinen Rest wegzuwerfen: es hat Klümpchen. Ich lasse das mit den biologischen Geliermitteln, es funktioniert nicht bei mir. Tipps sind willkommen!

…alles Versäumte nachgeholt, solange ich mich wenigstens an die Filme erinnern kann.

“Es lebe der Wintersport”: Ich habe den zumindest mich verstörenden Schweizer Film L’enfant d’en haut (Winterdieb) gezeigt, der 2012 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet worden ist. Mir hat die Geschichte des Jungen aus dem Industriegebiet, der mit aus dem nahe gelegenen Skiressort geklauter Ausrüstung sich und seine Schwester durchbringt, die Darstellung der Welt, in der er lebt, in all ihrer Ödnis und Einsamkeit ausnehmend gut gefallen, die Reaktion der beiden Mitseher war eher verhalten.

Zu dem resultierenden “Oben und unten” hat der liebe Freund einmal wieder einen Versuch unternommen, uns ein Genre näher zu bringen, das sonst nicht so das unsere ist: In Elysium ist die Erde ein Höllenort, an dem die Unterpriviligierten von Maschinen beherrscht ein von Gewalt und Krankheit gezeichnetes Dasein fristen, während sich die Elite auf die Raumstation Elysium zurückgezogen hat und dort das Leben aus dem Vollen genießt.

Prinzipiell schätze ich diese Versuche des Freundes sehr und meist bin ich positiv überrascht und froh, bestimmte Filme gesehen zu haben, für die ich von alleine niemals die Motivation zum Ansehen aufgebracht hätte, so wie 12 Monkeys oder Blade Runner. Hier erschien mir die Geschichte ein wenig vorhersehbar und ich hatte trotz meiner mangelnden Science-Fiction-Kenntnisse den Eindruck, dass nicht wirklich Neues gezeigt wurde. Jodie Forster war wie immer beeindruckend, aber das reichte mir dieses Mal nicht.

“In besseren Kreisen”, das daraus gewonnene Motto, wurde zu meinem großen Gefallen hundertprozentig erfüllt durch Robert Altmans Gosford Park, quasi Mord im Haus am Eaton Place oder heutzutage eher in Downton Abbey. Ich schätze beides sehr, kann von Maggie Smith in der Rolle der arroganten, gleichzeitig oft verarmten Upper Class Lady kaum genug bekommen und wurde meines Wissens auch noch nie von einem Werk Altmans enttäuscht: ein für mich sehr gelungener Filmabend. Die Herren? Schienen auf jeden Fall nicht so gefesselt, dass es ihnen leicht gefallen wäre, die 2,5 Stunden offenen Auges durchzuhalten ….

Und nächste Woche: “Der Hang zum Küchenpersonal”. Mir wird etwas einfallen, denke ich.

Zu Besuch daheim

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Falls es jemand interessiert: Erdbeere und Aprikose. Von der Mama. Die besten.

Realitätsverlust

Jetzt kommen wir nicht mal mehr richtig zum Filmabend … der letzte war vor Wochen. Dazwischen: Besuch, Elternabende, schwierige Verhältnisse. Morgen soll er tatsächlich endlich wieder stattfinden, und ich bin froh, dass ich mein Motto noch weiß: “Es lebe der Wintersport!”. Allerdings habe ich fast vergessen, was der vorherige – offizielle – Film war, aus dem dieses Motto entstanden ist.

Es gab seither zwei außer der Reihe:
1) Ken Loach’s Angel’s Share: ein witziger, liebevoller Film mit vom Regisseur gewohnten Motiven: der Kampf des Underdog, die Problematik der sozialen Zusammenhänge – bei Lieblingsregisseur Loach kann man ruhig von Klassen reden -, Nordengland oder Schottland, und nicht zuletzt der gute Kerl, der alles dafür gibt, um Leuten aus diesen Zusammenhängen heraus zu helfen. Das klingt jetzt ein bisschen unattraktiv, und ich behaupte auch, es ist nicht einer der ganz großen Loach-Filme, aber dennoch macht er Freude und ist vermutlich besser als zwei Drittel Filme, die es hier in die Kinos schaffen.
2) An Education, gezeigt vom lieben Freund in Abwesenheit des dritten Filmguckers, hat mir ausnehmend gut gefallen, obwohl ich das nicht richtig begründen kann, da die Welt einer 16-jährigen im England der 1960-er gar nicht so hundertprozentig mein Thema ist. Aber mal ab von der guten Unterhaltung währenddessen blieb er mit seinen Bildern und spritzigen Dialogen noch länger bei mir, kam mir immer wieder in den Sinn und das mag ich sehr an einem Film.

Ehrlich gesagt, war das anders beim Mottogeber: Spellbound hat viel mit Realitätsverlust zu tun, mit Wintersport auch und ist gut anzusehen. Aber langen Nachhall ruft er nicht hervor, höchstens vielleicht Erinnerung an das Amüsement, das sich unweigerlich einstellt bei den Studioaufnahmen der wilden Skihetzjagd. Nun ja, vielleicht auch das nicht der beste des Großmeisters Hitchcock?

Egal, mal sehen, was der morgige Abend bringt, das heißt, ich weiß es ja. Aber sage es nicht. Nicht jetzt.

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