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Realitätsverlust

Jetzt kommen wir nicht mal mehr richtig zum Filmabend … der letzte war vor Wochen. Dazwischen: Besuch, Elternabende, schwierige Verhältnisse. Morgen soll er tatsächlich endlich wieder stattfinden, und ich bin froh, dass ich mein Motto noch weiß: “Es lebe der Wintersport!”. Allerdings habe ich fast vergessen, was der vorherige – offizielle – Film war, aus dem dieses Motto entstanden ist.

Es gab seither zwei außer der Reihe:
1) Ken Loach’s Angel’s Share: ein witziger, liebevoller Film mit vom Regisseur gewohnten Motiven: der Kampf des Underdog, die Problematik der sozialen Zusammenhänge – bei Lieblingsregisseur Loach kann man ruhig von Klassen reden -, Nordengland oder Schottland, und nicht zuletzt der gute Kerl, der alles dafür gibt, um Leuten aus diesen Zusammenhängen heraus zu helfen. Das klingt jetzt ein bisschen unattraktiv, und ich behaupte auch, es ist nicht einer der ganz großen Loach-Filme, aber dennoch macht er Freude und ist vermutlich besser als zwei Drittel Filme, die es hier in die Kinos schaffen.
2) An Education, gezeigt vom lieben Freund in Abwesenheit des dritten Filmguckers, hat mir ausnehmend gut gefallen, obwohl ich das nicht richtig begründen kann, da die Welt einer 16-jährigen im England der 1960-er gar nicht so hundertprozentig mein Thema ist. Aber mal ab von der guten Unterhaltung währenddessen blieb er mit seinen Bildern und spritzigen Dialogen noch länger bei mir, kam mir immer wieder in den Sinn und das mag ich sehr an einem Film.

Ehrlich gesagt, war das anders beim Mottogeber: Spellbound hat viel mit Realitätsverlust zu tun, mit Wintersport auch und ist gut anzusehen. Aber langen Nachhall ruft er nicht hervor, höchstens vielleicht Erinnerung an das Amüsement, das sich unweigerlich einstellt bei den Studioaufnahmen der wilden Skihetzjagd. Nun ja, vielleicht auch das nicht der beste des Großmeisters Hitchcock?

Egal, mal sehen, was der morgige Abend bringt, das heißt, ich weiß es ja. Aber sage es nicht. Nicht jetzt.

Versteckt

Ich.Komme.Zu.Nichts.
Hoffentlich nur im Moment, Zeiten ändern sich ja auch wieder.
Jedenfalls, zum Motto “Versteckt” habe ich Der dritte Mann gezeigt, das hatten die Mitgucker sich irgendwie gewünscht und ich wollte ihn schon lange mal wiedersehen.
Und wissen Sie was? Der ist immer noch gut. Einer von den ganz Guten, sozusagen. Ich erzähle da auch gar nicht mehr dazu, denn entweder Sie kennen ihn oder Sie sollten ihn sich ganz schnell mal ansehen. So einfach ist das nämlich mit manchen Filmen.
Zu essen gab es eine Kräutersuppe, die gut aber nicht spektakulär war. Und Eton Mess, dieses Mal mit Himbeeren, dieser Hauch von Nachtisch, den ich mir bei Kurbjuhn abgeguckt habe. Geht auch mit Joghurtanteil, wenn nicht ausreichend Sahne im Haus ist. Aber nicht nur mit Joghurt, sonst ist es kein Eton Mess mehr.
Die Vorgabe für diese Woche war dann “Freundschaftsdienst” und der liebe Freund kam entscheidungsunfreudig mit 4 Filmen an, aus denen es dann der Film Mona Lisa geworden ist. Ich war dafür, weil er erstens von einem meiner Lieblingsregisseure, nämlich Neil Jordan, ist und zweitens und wichtiger, weil Bob Hoskins die Hauptfigur spielt und ich es recht und billig finde, dass wir, wenn wir uns schon wenigstens informell den Cineastenstatus zuschreiben, großartige Filmleute im Todesfall nochmal extra würdigen. Das ist so meine Macke und ich habe festgestellt, auch die des lieben Freundes.
Zu bedauern war die Wahl dann auch keineswegs. Der Film ist ungewöhnlich vielschichtig, ein bisschen 80er, aber auf jeden Fall geeignet, um Diskussionen anzufachen über mögliche Interpretationen, Moral, Hass, Angst, Notwehr, Identifikation. Wer allerdings eine klare Botschaft möchte, lässt lieber die Finger von Mona Lisa.
Das Essen: Spargelsuppe (lecker, vom Mann), Auflauf aus Bulgur, Zucchini, Tomaten, Schafskäse – einer der wenigen vegetarischen Standards hier; sehr simpel, lebt von den Zutaten – und Rhabarberkompott mit Quark. Fein.
Das Motto fürs nächste Mal: Realitätsverlust.

Ganz selten …

… gibt es Dinge, von denen ich tatsächlich ganz naiv glaube, sie könnten die Welt besser machen. Dieses Filmprojekt gehört dazu:
Rheinland
Sollten Sie das auch so oder ähnlich sehen, können Sie helfen, auch mit ganz kleinen Beiträgen, dass die Finanzierung über Startnext in der nächsten Woche noch klappt.

Update: Sie haben es fast geschafft, noch vier Tage und viel fehlt nicht mehr. Ich drücke so die Daumen: ich will diesen Film sehen!

Weiteres Update: sie haben es geschafft! Das ist mir doch auch einmal ein Ausrufezeichen wert. Falls jemand von Ihnen mitgeholfen hat, freut mich das besonders.

Das geteilte Land…

…führte unweigerlich zum Geteilten Himmel. Und wie schon weiland in der Schule mit dem Buch konnte ich auch mit dem Film nichts anfangen. Und ich kann nicht so richtig erklären, warum nicht.

Er trifft auf nichts in mir. Ich fühle mich so, als sei ich nicht gemeint. Ich kann mir sogar vorstellen dass er – oder auch der Roman – für jemand anderen Bedeutung hat, für mich halt aber nicht.

Das ist jetzt, ehrlich gesagt, schon eine Weile her. So lange, dass es gestern schon zu einem weiteren Filmabend gekommen ist. Wobei – besonders hoch ist unsere Frequenz im Moment nicht…keine Zeit fürs Schreiben, keine Zeit fürs Filmesehen. Denn alles hat ja so seine Zeit.

Der liebe Freund hat dem Mann das Motto “Abtrünnig” aufgegeben, der geliebte Mann hat es – sehr gut – erfüllt und zwar mit dem österreichischen Schwarz-Weiß-Film von 1985 Heidenlöcher. Ein Heimatfilm der guten Sorte, über den Deserteur Santner, das karge Bergbauernleben, über Stolz und Krieg, über Verrat, Macht, Eigensinn. Zwangsarbeiter, Naziösterreich.

Ein Problem ist die Sprache, deren Verstehen mir als Süddeutscher schwer fällt, für die beiden Hochdeutschen leider eine unüberwindliche Verständnishürde darstellt. Da änderte auch der Versuch des Synchroneinsprechens nichts daran, Untertitel gibt es bei der Standard-Edition nur in französisch.

Fürs Essen war der Mann zuständig. Es war bewusst einfach gehalten und unglaublich lecker: Bratkartoffeln, Salat und Spiegelei. Danach Joghurt mit Baiserstückchen, Apfel und Apfelmus. Auch gut. Allerdings in der Zubereitung doch so erschöpfend, dass nicht alle von uns den Film von Anfang bis Ende gesehen haben…

Daher mag das Motto ein wenig uninspiriert daher kommen, egal. Nächstes Mal bin jedenfalls ich dran: zu “Versteckt” wird sich schon was finden lassen.

Lesetipp

Die große Tochter: Eindrücke aus einer neuen Welt.
Boah.

Abgefüllt

40 Tage sind vorbei. Die Gläser mit Bitterorangen und Gewürzen entleert, der Vin d’Orange in Flaschen und Fläschchen gefiltert. Es ist ganz schön viel geworden.

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Der mit Vanille schmeckt kräftig und süß, ist eher ein Likör. Zum Glas auslecken.

Der mit Zimt, Nelken, Tonkabohne wurde nochmal mit Wein aufgegossen, was ihm sehr gut getan hat. Hier kommt die bittere Note besser zur Geltung, der Alkohol bleibt mehr im Hintergrund, das Gesamtgeschmackserlebnis ist komplexer, um mit dem geliebten Mann zu sprechen.

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Wenn ich es aushalte, werde ich von jeder Sorte eine Flasche lange aufbewahren, um zu sehen, wie sich das Getränk jeweils weiterentwickelt. Wie lange? Wird sich zeigen.

Das Mädchen Wadjda erscheint bei uns erst Ende März auf DVD. Beim Suchen bin ich auf Cycling the Frame bzw. The Invisible Frame gestoßen: 1988 fährt Tilda Swinton mit dem Fahrrad in Berlin die Mauer entlang, gefilmt von Cynthia Beatt. 2009 wiederholt sie das, dieses Mal ohne Mauer.

Beide Filme sind sehr kontemplativ, nicht unattraktiv, dokumentarisch-poetisch, wirken, wenn man sie in Folge sieht. Aber gerade der zweite, längere Film von 2009 verliert dann irgendwann Biss, wirkt in seiner Länge banal, der eingesprochene Gedankenfluss von Swinton aufgesetzt. Auch wenn ich ihr gern beim Radeln durch blühende Landschaften zuschaue.

“Das geteilte Land” hat sich daraus als Motto fast zwangsläufig ergeben.

Zur Vorspeise hat der geliebte Mann Gemüse und Halloumi gebraten, als Hauptgericht gab es meinen Lieblingslinseneintopf ohne Fleisch mit Hohenlohischen Räuberlinsen, die mir eine der besten beim Berlinalebesuch mitgebracht hatte: ganz köstlich-nussige Linschen (Puy-Linsen) mit ohne Einweichzeit, perfekt als Hauptzutat im simplen Eintopf (für zwei: 250g Linsen, Frühlingszwiebeln und 250 g Kartoffeln in Öl andünsten, mit 1l Gemüsebrühe aufgießen, 20 Minuten köcheln; ganz klein geschnittene Paprika und Apfel, jeweils einen, dazugeben, nochmal 10 Minuten köcheln, Frischkäse nach Bedarf mit rein, mit Salz und Pfeffer abschmecken, fertig. Nicht von der Einfachheit abschrecken lassen.) . Und dann schnöden, aber leckeren Himbeerquark. Gänzlich unraffiniert, aber gut.

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