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Das geteilte Land…

…führte unweigerlich zum Geteilten Himmel. Und wie schon weiland in der Schule mit dem Buch konnte ich auch mit dem Film nichts anfangen. Und ich kann nicht so richtig erklären, warum nicht.

Er trifft auf nichts in mir. Ich fühle mich so, als sei ich nicht gemeint. Ich kann mir sogar vorstellen dass er – oder auch der Roman – für jemand anderen Bedeutung hat, für mich halt aber nicht.

Das ist jetzt, ehrlich gesagt, schon eine Weile her. So lange, dass es gestern schon zu einem weiteren Filmabend gekommen ist. Wobei – besonders hoch ist unsere Frequenz im Moment nicht…keine Zeit fürs Schreiben, keine Zeit fürs Filmesehen. Denn alles hat ja so seine Zeit.

Der liebe Freund hat dem Mann das Motto “Abtrünnig” aufgegeben, der geliebte Mann hat es – sehr gut – erfüllt und zwar mit dem österreichischen Schwarz-Weiß-Film von 1985 Heidenlöcher. Ein Heimatfilm der guten Sorte, über den Deserteur Santner, das karge Bergbauernleben, über Stolz und Krieg, über Verrat, Macht, Eigensinn. Zwangsarbeiter, Naziösterreich.

Ein Problem ist die Sprache, deren Verstehen mir als Süddeutscher schwer fällt, für die beiden Hochdeutschen leider eine unüberwindliche Verständnishürde darstellt. Da änderte auch der Versuch des Synchroneinsprechens nichts daran, Untertitel gibt es bei der Standard-Edition nur in französisch.

Fürs Essen war der Mann zuständig. Es war bewusst einfach gehalten und unglaublich lecker: Bratkartoffeln, Salat und Spiegelei. Danach Joghurt mit Baiserstückchen, Apfel und Apfelmus. Auch gut. Allerdings in der Zubereitung doch so erschöpfend, dass nicht alle von uns den Film von Anfang bis Ende gesehen haben…

Daher mag das Motto ein wenig uninspiriert daher kommen, egal. Nächstes Mal bin jedenfalls ich dran: zu “Versteckt” wird sich schon was finden lassen.

Lesetipp

Die große Tochter: Eindrücke aus einer neuen Welt.
Boah.

Abgefüllt

40 Tage sind vorbei. Die Gläser mit Bitterorangen und Gewürzen entleert, der Vin d’Orange in Flaschen und Fläschchen gefiltert. Es ist ganz schön viel geworden.

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Der mit Vanille schmeckt kräftig und süß, ist eher ein Likör. Zum Glas auslecken.

Der mit Zimt, Nelken, Tonkabohne wurde nochmal mit Wein aufgegossen, was ihm sehr gut getan hat. Hier kommt die bittere Note besser zur Geltung, der Alkohol bleibt mehr im Hintergrund, das Gesamtgeschmackserlebnis ist komplexer, um mit dem geliebten Mann zu sprechen.

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Wenn ich es aushalte, werde ich von jeder Sorte eine Flasche lange aufbewahren, um zu sehen, wie sich das Getränk jeweils weiterentwickelt. Wie lange? Wird sich zeigen.

Das Mädchen Wadjda erscheint bei uns erst Ende März auf DVD. Beim Suchen bin ich auf Cycling the Frame bzw. The Invisible Frame gestoßen: 1988 fährt Tilda Swinton mit dem Fahrrad in Berlin die Mauer entlang, gefilmt von Cynthia Beatt. 2009 wiederholt sie das, dieses Mal ohne Mauer.

Beide Filme sind sehr kontemplativ, nicht unattraktiv, dokumentarisch-poetisch, wirken, wenn man sie in Folge sieht. Aber gerade der zweite, längere Film von 2009 verliert dann irgendwann Biss, wirkt in seiner Länge banal, der eingesprochene Gedankenfluss von Swinton aufgesetzt. Auch wenn ich ihr gern beim Radeln durch blühende Landschaften zuschaue.

“Das geteilte Land” hat sich daraus als Motto fast zwangsläufig ergeben.

Zur Vorspeise hat der geliebte Mann Gemüse und Halloumi gebraten, als Hauptgericht gab es meinen Lieblingslinseneintopf ohne Fleisch mit Hohenlohischen Räuberlinsen, die mir eine der besten beim Berlinalebesuch mitgebracht hatte: ganz köstlich-nussige Linschen (Puy-Linsen) mit ohne Einweichzeit, perfekt als Hauptzutat im simplen Eintopf (für zwei: 250g Linsen, Frühlingszwiebeln und 250 g Kartoffeln in Öl andünsten, mit 1l Gemüsebrühe aufgießen, 20 Minuten köcheln; ganz klein geschnittene Paprika und Apfel, jeweils einen, dazugeben, nochmal 10 Minuten köcheln, Frischkäse nach Bedarf mit rein, mit Salz und Pfeffer abschmecken, fertig. Nicht von der Einfachheit abschrecken lassen.) . Und dann schnöden, aber leckeren Himbeerquark. Gänzlich unraffiniert, aber gut.

Mach’s gut

Heute bist Du gegangen.

Es war ein langes Leben. Jemand mag sagen, ein erfülltes. Ob Du das selbst so gesehen hast?

Getroffen haben wir uns nicht mehr oft, aber vieles vom täglichen Leben der anderen gewusst, manchmal mehr, als mir lieb war. Ich habe mich nicht selten über Dich geärgert, über Deine Forderungen nach ungeteilter Aufmerksamkeit und Dankbarkeit, über Dein Gift, wenn sie Dir nicht erfüllt wurden.

Geliebt warst Du trotzdem. Von Dir habe ich die wertvollsten Geschichten meiner Kindheit, unsere gemeinsamen Tage in Wien, Dublin, Würzburg, Berlin bleiben mir unvergessen. Nur in Russland hast Du mich nicht besucht. Vor ein paar Wochen haben wir das letzte Mal miteinander gesprochen, Du fühltest Dich aufgehoben.

Dein Fortgang reißt ein Loch, so tief wie ein Krater. Ich werde Dich so vermissen.

Im Leben angekommen

Weil es heute schon soweit ist, schreibe ich nur ganz kurz aus Vollständigkeitsgründen zum letzten Dienstag, obwohl dieses oberflächliche Darüberhinweggehen dem gezeigten Film auf keinen Fall gerecht wird.

Der Mann hat zum oben genannten Thema Fahrraddiebe (Ladri di biciclette) gezeigt. Ich kann Ihnen nur raten ihn anzusehen, wenn Sie ihn noch nicht kennen. Auch ich muss ihn mir nochmal anschauen, denn leider war es wieder einer dieser Abende mit spätem Essen und viel Müdigkeit – ich habe nur so viel vom Film mitbekommen, dass ich weiß, ich habe viel verpasst dadurch, dass meine Augen einfach nicht offen geblieben sind.

Zu essen gab es Pasta mit Puntarelle nach dem Rezept von lamiacucina. Ich fand es sehr gut, der liebe Freund auch. Sonst niemand. Zu bitter.

Ich bin heute dran mit dem fröhlich-frischen Motto “Mir san mit’m Radl da”.

Für Freunde der bayrischen Lebensart.

Recht und Moral

Wie merkwürdig das alles ist. Und wie sehr die Berichterstattung der Medien die relevanten Aspekte ausklammert, ich meine die für mich relevanten Aspekte.

Bei Sebastian Edathy wurde durchsucht. Verdacht auf Besitz von Kinderpornographie. Oder so ähnlich. Was denn nun genau? Wann ist etwas Kinderpornographie und damit strafrechtlich relevant?

Mir ist es nicht so wichtig, ehrlich gesagt. Der Name Edathy ist aufgetaucht im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen kanadischen Kinderpornoring, der über lange Zeit Schreckliches getan hat, Unfassbares. Kinder wurden missbraucht im großen Stil, damit wurde Geld gemacht. Wenn dabei – sozusagen nebenher – auch ‘nur’ Nacktfotos entstanden sind, mit denen es keine strafrechtliche Bewandtnis hat und auf diese, wie Gerüchte nun behaupten, von Herrn Edathy zugegriffen wurde, finde ich persönlich das nicht entschuldbar, moralisch nicht entschuldbar. So wie ich es generell mindestens irritierend finde, dass überhaupt jemand im Netz nach Bildern von nackten Kindern sucht und diese herunterlädt. Ich würde schon sehr genau den Grund wissen wollen, warum das jemand tut. Und vieles anzweifeln.

Allerdings: es ist nur ein Gerücht, wie so vieles in dieser Geschichte. Und auch eine Person des öffentlichen Lebens hat das Recht, nur dann ver- und beurteilt zu werden, wenn eindeutig Schuld feststeht. Möchte ich wissen, ob jemand, der mich in der Regierung dieser Gesellschaft, in der ich lebe, vertritt, ein Interesse an Kindern als sexuelle Objekte hat? Ja, möchte ich. Ob ich ein Recht darauf habe, so lange er nach dem offiziellen Recht dieser Gesellschaft handelt? Eher nicht. Auf keinen Fall aber ist es Recht, dass diese Vorgänge einer Öffentlichkeit präsentiert werden, so lange dieser Person nichts nachgewiesen ist. Ich sehe an mir selbst, was passiert, wenn solche Gerüchte in die Welt gesetzt werden.

Der andere Punkt ist: ich bin keine Verschwörungstheoretikerin, eigentlich nie. Bei Bundes- und Landeskriminalämtern allerdings bin ich vorsichtig. Seit einiger Zeit halte ich da alles für möglich. Was für ein Zufall, dass ausgerechnet Herr Edathy diesen Ämtern im letzten Jahr sehr nahe gekommen ist, sie mehrfach massiv kritisiert hat wegen ihrer schweren Versäumnisse bei den NSU-Morden. Ist er nur lästig oder kann er ihnen tatsächlich gefährlich werden? Wer weiß.

Vielleicht nicht. Vielleicht haben sich auch nur bestimmte Leute in bestimmten Positionen sehr auf den Schlips getreten gefühlt. Vielleicht gibt es nur ganz leichte Berührungspunkte zwischen Edathys IP-Adresse und dem kriminellen kanadischen Unternehmen – wenn überhaupt -, die so geartet sind, dass sie keinen was angehen. Und vielleicht haben bestimmte Menschen die willkommene Gelegenheit ergriffen, auf dieser Basis einen unangenehmen Gegner auszuschalten. Nachhaltig und auf Dauer.

Ich behaupte nicht, dass es so war. Ich halte es nur für möglich. Und ich wundere mich. Dass kaum eine der renommierten Medien bislang auch nur einen dieser Aspekte aufgegriffen hat. Dass sich alles an der Oberfläche aufhält, ein bisschen gerechten Volkszorn entzündet: ob der Geheimnisausplauderei des Bundesinnenministers. Und vielleicht anderer Politgrößen. Komischerweise kaum ob der Geheimnisausplauderei von wem auch immer gegenüber Lokaljournalisten (“Die Harke”), die bei der Hausdurchsuchung vor Ort waren.

Bundesinnenminister Friedrichs ist keiner jener, von denen ich gerne vertreten werde. Dennoch ist sein Verhalten – so unrechtmäßig es nach offizieller Lesart gewesen sein mag – für mich bisher am nachvollziehbarsten und moralisch eher in Ordnung, mag er aus rein menschlichen Beweggründen so gehandelt haben oder um die neue Regierung vor größerem Schaden zu bewahren. Verständlich finde ich ebenso das Verhalten derjenigen, die Sebastian Edathy offenbar von den Anschuldigungen gegen ihn berichtet haben. Nahestehenden sagt man rechtzeitig, wenn sie bedroht werden. Ich fände es eher merkwürdig, würde das nicht geschehen.

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