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Herausforderungen

Der gute Freund hat es verstanden, die intellektuelle Diva unter uns, die auf Grund der letzthin gewählten Filme bereits den Verfall des cineastisch Niveaus beklagte, zu besänftigen und – zumindest was mich betrifft – wieder einen pädagogischen Aspekt in unseren dienstäglichen Filmabend einzubringen. Wir sahen Themroc, die Metamorphose vom „Fröhlichen Proletarier“ zum steinzeitlichen Anarchisten.

Ich fand den Film faszinierend, wie er ohne echte Worte Sinn entstehen lässt, wie Bilder, Grunzen, Gesichtsausdrücke die Geschichte des im ewigen Alltagstrott gefangenen Arbeiters Themroc erzählen, der nach einer Standpauke durch den Chef den unsinnigen Job als Anstreicher verlässt, sein Zimmer zumauert, die Außenwand der Wohnung aufschlägt und zum triebhaften Höhlenmensch wird, dessen Anarchismus auch die Staatsgewalt nichts anhaben kann und der nach und nach immer mehr Nachahmer findet.

Allerdings fehlt mir der Mittelteil – meine Augen wollten nicht offen bleiben. Wegen der französischen Herkunft des Werks? Weil er zu sehr ein Spiegel seiner und nicht meiner Zeit ist? Oder bin ich einfach zu bequem geworden, mag dieses „Artyfarty“-Gedöns nicht mehr, sondern lieber „anspruchsvolle Unterhaltung“? Bin ich milde geworden oder faul? Beides?

Schon allein dafür liebe ich unseren Dienstag abend: für die Auseinandersetzung mit dem, was ich mir freiwillig immer weniger aussuchen würde.

P.S.: Der Widerstand gegen die Staatsgewalt kulminiert darin, dass zwei der Polizisten gebraten und verspeist werden. Die Vorgabe fürs nächste Mal: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Kommentare dringend erwünscht.


2 Antworten zu „Herausforderungen“


  1. 9. Juli 2009 um 20:51

    Nicht allein Brot? „Das Große Fressen“, „Delicatessen“, „Jancio der Wassermann“ …
    (Ich hör schon auf.)

    Jedenfalls: Eure Filmereignisse klingen gut. So wie Weinproben …

  2. 9. Juli 2009 um 20:55

    Den wassermannfilm kenne ich nicht, werde mich aber gleich mal informieren. Die anderen beiden wurden schon erwähnt…das Problem ist, dass der bei uns dreien unterschiedlich ausgeprägte persönliche Ehrgeiz es gelegentlich nicht zulässt, einen von den anderen Mitstreitern und -sehern bereits vorgeschlagenen Film zu wählen. Blogkommentare sind offenbar akzeptabler. Sind Weinproben auch manchmal anstrengend?


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