Manche Leute lachen mich aus, wenn ich erzähle, dass ich wieder im Allgäu war, Rind kaufen. Also gut, fast alle lachen. Das Amusement basiert häufig auf der als absurd empfundenen Vorstellung einer mit Fleisch gefüllten Tiefkühltruhe in einem Privathaushalt. Viele finden es auch schlichtweg unsinnig, für ein paar Fleischstücke soweit zu fahren. In Brandenburg gibt es doch auch Kühe?
Mein Gott. Natürlich fahre ich nicht für sogar weniger als ein Achtel Rind ins Allgäu. Erstens ist der Löwenanteil (kann man das sagen bei einer Kuh?) für meine Mutter. Sie, die schon seit Jahren dieses Fleisch bezieht, den Bauern kennt und den Jungtieren sommers Jahr für Jahr beim Herumtollen auf der Weide zugesehen hat, braucht kein ganzes Viertel als kleinste zu erstehende Einheit mehr, möchte aber auf die herausragende Qualität und den praktischen Vorrat nicht verzichten.
Ich wiederum nehme die Gelegenheit wahr, ins alte Zuhause zu fahren, Familie tanken, Freunde treffen. Weil ich meine Mutter zum Bauern fahre und mit ihr das Rind hole, habe ich eine herrliche Ausrede dafür, von Berlin ins Allgäu zu fahren für ein bisschen weniger als ein Achtel Rind.
Ich bin gern im Allgäu, meine Begeisterung wächst je älter ich werde. Ich treffe gern diesen Allgäuer Bauern, der auch Musiker ist, mit seiner kritischst von den Nachbarn beäugten Angusrinderzucht. Die Kälber trinken die Milch ihrer Mütter, verbringen das Jahr im großen Stall und auf der Weide: ungespritzt, unbehandelt – Tier und Futter.
Dieses Jahr war die Schlachtzeit noch nicht zu Ende und die hygienischen Bestimmungen nicht mehr so streng. Wir durften den Stall betreten. Ich musste schon schlucken beim Betrachten der Jungtiere. Das ist auch in Ordnung so. Ich esse Fleisch und ich weiß, wo es herkommt. Es schadet nichts, sich das gelegentlich vor Augen zu führen, muss ja nicht im Detail sein.
Der Bauer behandelt seine Rinder mit sehr viel Respekt, er weiß,was er von ihnen bekommt und schätzt sie sehr. Überhaupt wirkt er sehr zufrieden, er lebt gern dort, wo er ist, möchte mit der Großstädterin auf keinen Fall tauschen. Er hat Zeit für einen kleinen Plausch, einen Espresso, die ersten Lebkuchen. Erzählt vom Musikerstammtisch, vom Holz, von seinen Tieren und der guten Qualität des Fleisches. Quasi vegetarisch sei es, veredeltes Gras. Und er isst ihn selber so gern, den Braten ohne Antibiotika und anderem Gift. “Nett isch des” sagt er immer mal wieder. Ich habe schon schlechtere Standardsätze gehört.
Aber nein, ich würde für ein paar Stücke Fleisch nicht durch die ganze Republik fahren. Echt nicht.
Und wann gibt es nun den guten Braten? Ich meld mich schon mal an
Soso….da lässt sich sicher etwas einrichten.
Schlimm finde ich bloß das Nebenbei-Fleischessen. Reise und Reverenz hingegen sind doch nur angemessen.
Man sollte eh nicht das Fleisch nebenbei essen, sondern die Beilagen, denn nur das gesunde Fleisch allein mache nicht mal dick, das sind die Knödel und die Soße. Sagt der Allgäuer Viehwirt. Auch wenn Du es ein wenig anders gemeint hast.
Das beste Schweinefleisch bekomme ich in Österreich. Die beste Wurst in einem kleinen Dorf in Nordhessen. Rind kaufe ich allerdings meist um die Ecke, in Angermünde.
Also gibt es tatsächlich Kühe in Brandenburg?
Angus-Rinder. Auf Gut Kerkow. http://www.gut-kerkow.de
Ach, auf Gut Kerkow.
Oachkatzl,
ich mach es mir da schon etwas bequemer mit der Versorgung aus meiner Heimat. Ich lass mir Schwarzwälder Wurstwaren quasi frei Haus liefern. Zweimal die Woche kommt ein kleiner Caravan aus Oberschwandorf im Landkreis Calw, parkt gegenüber – und mir gehen die Augen über. Wunderbarer Speck und Schinken, hausgemachte Würste, Fleisch von bester Qualität. Und als Dreingabe: köstliche Forellenfilets direkt aus dem Rauch.
Und mir läuft tatsächlich das Wasser im Mund zusammen.
[...] Samstag geht’s dahin, wo das Rind herkommt WP_SLIDESHOW_IMAGES = { load: [...]
Vegetarisch veredeltes Gras habe ich noch nie geraucht.
[...] filmische Umsetzung dieses Zitats uns in zwei Wochen erwartet. Vorher bin ich noch im Allgäu, glücklich gelebtes Rind erstehen. Bewerten: Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post [...]