Der Februar ist noch nicht vorbei und doch habe ich es bereits drei weitere Male ins Kino geschafft. Jawohl. Den ersten Film – im Gegensatz zum nachfolgenden, leider viel zu kurzen Zusammensitzen mit guten Freunden, die ich nicht oft genug sehe – hätte ich mir sparen können: Der Auftragslover ist so langweilig und platt, wie ich das erwartet hätte, wenn ich nicht, ja, wenn ich nicht eine hinreichend gute Kritik von einem Kritiker meines Vertrauens, nämlich Knut Elstermann von Radio Eins, gehört hätte. Darüber reden wir noch, Herr Elstermann, sollten wir uns je begegnen.
Dann habe ich mich an Another Year von Mike Leigh erfreut. Prinzipiell stehe ich britischem Kino positiv gegenüber und Mike Leigh unter Vorbehalt auch: Naked hat mich verstört, an dem düsteren Menschenbild scheitert mein nicht immer stabiler Optimismus. Secrets and Lies habe ich damals in einer so schlecht synchronisierten Fassung geguckt, dass ich danach den Eindruck hatte, eventuell einen ganz guten Film gesehen zu haben.
In seinem neuesten Werk stellt Leigh nun den gewohnten verkrachten Existenzen das seit langem glücklich verheiratete Paar Tom und Gerri zur Seite und entgegen. Das Paar hat alles, was es braucht zum Glücklichsein: gute, zufriedenstellende Jobs, sich gegenseitig in einer stabilen, respektvollen Beziehung und einen einigermaßen wohlgeratenen Sohn, um den sich höchstens die Sorge um das noch nicht gefundene Lebensglück in Form einer adäquaten Partnerin einstellt.
Um nicht missverstanden zu werden: ich mochte den Film. Ich glaube, es gibt solch zufriedene Menschen, die einerseits Glück hatten und es andererseits zu schätzen wissen, die mit sich und der Welt so im Reinen sind, dass sie anderen davon abzugeben versuchen. In diesem Fall schienen sie mir allerdings eher als eine Art Entwurf des Positiven, an dessen reale Umsetzung der Regisseur selbst nicht so ganz glaubt. Denn viel überzeugender – und interessanter – gezeichnet als die beiden fand ich auch in diesem Film die Figuren der Beladenen, oft beim Alkohol Trostsuchenden, die leicht hysterische Arbeitskollegin auf der verweifelten Suche nach einem Mann, der seine Einsamkeit wegfressende und -saufende Freund, der wortkarge Proll-Bruder, für die alle sich vermutlich auch im nächsten Jahr nichts zum Guten wenden wird. Diese Möglichkeit zu sehen erlaubt Leigh nur den ganz gnadenlosen Optimisten.
Zu guter Letzt hatte ich bei einem allmählich alljährlich stattfindenden, wunderbaren Berlinale-Freundinnen-Treffen, bei dem die eine zur Berlinale angereiste Freundin einen Abend für uns beide anderen Freundinnen freihält, den Film aussucht und die Karten besorgt, die Gelegenheit die irisch-britisch-argentinische (?) Koproduktion The Guard zu schauen.
Ist es einer der besten Filme, die ich je gesehen habe?
Nein.
Hat er Spaß gemacht?
Ja, sehr.
Relativierung von Frage 1: Habe ich bei diesem OoU (Original Westcoast-Irish English ohne Untertitel) alles verstanden?
Nein, aber es klingt gut.
Wie war’s vorher und nachher?
Herrlich.

[...] Seit ich hier lebe, heißt es, es sei so schwierig Karten zu bekommen. Schwierig finde ich es eigentlich nicht, vorausgesetzt, man versucht nicht, in die ganz großen Blockbuster am Premierenabend zu gelangen. Und vorausgesetzt, man hat Zeit zum Schlangestehen und ist flexibel in der Auswahl. Mit dem Katalog in der Hand lässt sich beim Schlangestehen die Veränderung im Kartenkontingent beobachten und zur Not muss spontan umentschieden werden. Meiner Erfahrung nach sind sowieso nicht die im Programm nett klingenden die tatsächlich gut anzuschauenden Filme. Daher liebe ich es so, wenn in diesem Fall jemand anders für mich die Entscheidung trifft. [...]
[...] Seit ich hier lebe, heißt es, es sei so schwierig Karten zu bekommen. Schwierig finde ich es eigentlich nicht, vorausgesetzt, man versucht nicht, in die Premieren mit den ganz großen Namen zu gelangen. Und vorausgesetzt, man hat die Zeit und Geduld zum Schlangestehen und ist flexibel in der Auswahl. Mit dem Katalog in der Hand lässt sich beim Warten in der Reihe die Veränderung im Kartenkontingent beobachten und zur Not muss spontan umentschieden werden. Meiner Erfahrung nach sind sowieso nicht die im Programm nett klingenden die tatsächlich gut anzuschauenden Filme. Daher liebe ich es so, wenn in diesem Fall jemand anders für mich die Entscheidung trifft. [...]