Archiv der Kategorie 'dienstag abend'

09
Dez
09

Der verlorene Schatz

Thema verfehlt! Ja, wirklich, ich gebe es zu – es gab kein Flüstern, nicht im Dunkeln und nicht anderswo. Der geliebte Mann möchte drakonische Straf-Maßnahmen ergreifen und sieht nicht ein, dass Risikofreude auch belohnt werden muss. Wer hätte auch gedacht, dass es in einem Film aus der sogenannten Schwarzen Serie keine einzige Flüsterszene gibt? Wahrscheinlich liegt es an der Besetzung, denn nach einer halben Stunde war mir plötzlich klar: Bogart flüstert nicht. Das ist so ähnlich wie zu wissen, dass Cary Grant nie der Böse ist. Manche Dinge muss man als gegeben hinnehmen, ob sie einem nun passen oder nicht.

Dafür haben wir einen hervorragenden Film mit einem wie meist grandiosen – ich erwähnte es schon – Humphrey Bogart gesehen, nämlich Der Malteser Falke von John Huston. Da muss man nicht so viel meckern, finde ich. Noch dazu angesichts des leckeren Essens davor.

Der gute Freund will nicht wiedergutmachen, was ich verpatzt habe und weigerte sich, nächsten Dienstag die Vorgabe „Flüstern im Dunkeln“ korrekt erfüllen zu müssen. Er hält einen Faux Pas pro Jahr für hinnehmbar, zumal sich das jetzige (Jahr) ja schon dem Ende zuneigt. Er wird uns einen Film zeigen, der sich mit einem „Verlorenen Schatz“ beschäftigt. Oder auch nicht, denn er hat ja auch noch eine Fehlauswahl frei..

26
Nov
09

Flüstern im Dunkeln…

…oder „Schweinsfüße sind aus“. Ich brauche Eure Hilfe…

Der geliebte Mann hat uns zum Thema „There’s no business like show business“ Ginger e Fred gezeigt, einen der letzten Filme von Fellini mit seiner Ehefrau Guiletta Masina und Marcello Mastroianni. Aus dieser Satire über ein gealtertes Tänzerpaar, deren Integrität umso deutlicher wirkt vor dem absurden Hintergrund einer immer weniger Sinn aufweisenden Fernsehunterhaltung, hätte man alle möglichen Vorgaben ziehen können, und wenn ich auch zugeben muss, dass das „Flüstern im Dunkeln“ eine der Schlüsselszenen im Film darstellt, so ist das Motiv „Schweinsfüße sind aus“ wenig nachvollziehbar und wurde deshalb von mir abgelehnt – für dieses bisher nicht dagewesene Vorgehen erhielt ich Gott sei Dank die Rückendeckung des guten Freundes.

So bleibt es also beim Flüstern. So richtig mag mir nichts einfallen, zumal das Genre der Horror- und Gruselfilme für mich ausfällt – ich mache bereits bei Dracula den Fernseher aus.

20
Nov
09

Aufholjagd

Durch viele Abwesenheiten und einiges organisatorisches Kuddelmuddel bin ich wieder einmal ein wenig spät dran mit der filmabendlichen Berichterstattung und dem damit verbundenen Einholen neuer Ideen. „Dem Himmel so nah“ gekommen sind wir mit dem schwedischen Film Wie im Himmel. Das Gegrummel am Ende, aus dem sich eventuell Worte wie „auf der kitschigen Seite“ oder „ganz schön sentimental“ heraushören ließen, führe ich darauf zurück, dass von den anwesenden Herren möglichst unauffällig weggewischte Tränen ja nun auch kompensiert werden wollen…

Es ergab sich folgerichtig aus dem Hauptmotiv und vielen Nebenmotiven des Films die Vorgabe „Die Macht des Liedes“ fürs nächste Mal, welche brilliant und hundertprozent stimmig durch eine meiner geliebten britischen Produktionen erfüllt wurde, nämlich mit Little Voice mit einer wunderbar ordinären Brenda Blethyn, die nur im englischen Original funktioniert (das in Verbindung mit englischen Untertiteln auch verständlich wird).

Da bin ich ja gespannt, ob das nächste Woche wieder so gut funktioniert, wenn „There is no business like show business“ einen cineastischen Ausdruck finden soll. Vielleicht darf ich doch endlich, endlich Cabaret sehen?

21
Okt
09

Dem Himmel so nah

Gezeigt wurde zu „Which side are you on“ gestern abend Local Hero, ich glaube ein sehr schöner Film, dem ich aber mit keiner Beschreibung gerecht werden kann, da ich Teile davon – schlichtweg verschlafen habe. Das ist keineswegs mit dem Film an sich zu begründen, sondern liegt an der momentanen Ablehnung, die die kleine Tochter zur Zeit dem Thema Schlaf, auch zu unsinnigsten Zeiten wie morgens um halb fünf, entgegen bringt.

Ich werde ihn mir also irgendwann nochmal ansehen müssen. Mein Empfinden, dass der Zusammenhang mit dem Motto nicht stark ausgeprägt war, wurde mir dennoch vom aussuchenden geliebten Mann im Nachhinein bestätigt. Aber irgendwie kann man ja immer auf der ein oder anderen Seite stehen…Jedenfalls ist meine Aufgabe für das nächste Mal „Dem Himmel so nah“. Ich freue mich auf Hinweise, Ratschläge und gute Worte.

15
Okt
09

Which side are you on?

Nach köstlichen Blätterteigtaschen mit Mangold-Schafskäsefüllung und Salat von gelben Bohnen, Zwiebelkuchen mit und ohne Speck, einem HimbeerFool und Espresso war es fast zu schwere Kost:

Europa von Lars von Trier. Trotz so vieler guter Tipps zum Thema „Film fiktiert Geschichte“ – besser hätte der Freund das Motto nicht treffen können. Ein verstörender, kontroverser (hey, Lars von Trier!), beunruhigender Film, der keine Identifikation zulässt, der Fragen stellt zum Ausgeliefertsein des Individuums an Machtstrukturen, Fragen zu Gut und Böse, zu Deutschen und Amerikanern, und dazu, ob man sich entscheiden muss. Er liefert keine einzige Antwort.

Lars von Trier schert sich nicht um historische Fakten und muss das auch nicht, weil er kein Geschichtsbuch verfilmt, sondern das Warum und Wie damals und immerwährend beleuchtet ohne ein erlösendes Ergebnis.

Der junge Deutsch-Amerikaner, der dem geschundenen Kriegsverlierer und Massenmörder Deutschland ein klein wenig Freundlichkeit entgegenbringen möchte, kann sich nicht entscheiden für eine der beiden korrupten und brutalen Seiten, und reisst so alle ins Verderben. Deshalb zu Recht die Frage fürs nächste Mal: „Which side are you on?“
P.S.: In der nachfolgend ausbrechenden Diskussion wurden bereits verschiedene Vorschläge ins Spiel gebracht. Kohlhiesels Töchter wurde bereits abgelehnt…

01
Okt
09

Film fiktiert Geschichte

Viva Mexico? Pancho Villa? Alles drin in Mexico in Flammen vom russischen Regisseur Sergei Bondartschuk. Boah. Sowjetische Staatskunst. Revolutionskitsch vom Feinsten. Pathos. Gemäldeschlachten. Schlachtgemälde. Revolutionsmasse Mensch, um mir ein Zitat von einem Mitgucker auszuleihen. Dazwischen Franco Nero und Ursula Andress. Oioioi.

Sergej Bondartschuk gehört zu den wichtigsten sowjetischen Regisseuren. Aha. Die Verfilmung von John Reeds Aufzeichnungen über die Revolution in Mexiko hätte doch sicher eine Spur Differenzierung vertragen? Oder vielleicht nicht? Ich kenne das Buch nicht, vielelicht gibt das nicht mehr her als den guten Revolutionär und das Robin-Hood-Prinzip?

Dabei fällt mir ein, dass die meisten sowjetischen Filme, die ich gesehen habe, mir mindestens Schwierigkeiten bereiten. Zu viel russische Seele vielleicht für mein stoisches mitteleuropäisches Gemüt.
Ich lese gerade, Bondartschuk hat auch Reeds Quasi-Fortsetzung über die russische Revolution verfilmt. Ich denke, ich verzichte erstmal.

Dafür bin ich gespannt aufs nächste Mal mit dem etwas akademisch anmutenden Thema: Geschichte im Film – Fiktion und Interpretation. Wenn man das oft genug wiederholt, und dann beim Wort Fiktion hängenbleibt ergeben sich weitaus pfiffigere Formulierungen, die es vieleicht sogar besser treffen.

09
Sep
09

Viva Mexico! (?!)

Tolles neues Motto…grummel, grummel, es lässt sich bestimmt was finden, aber so spontan kommt mir da nichts in den Sinn. Vielleicht nochmal ein Western? Gestern gab es den ersten in unserer illustren Reihe von cineastischen Schmankerln. Und es war ein verhältnismäßig neuer, moderner Western, auch wenn das Leben im texanischen Grenzgebiet anmutet als hätte sich seit damals nicht viel verändert. Das Thema von Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada war allerdings nicht der Kampf zwischen guten weißen Kolonialisten und bösen indianischen Ureinwohnern. Auch nicht gute Staatsmacht gegen bösen Banditen.

Nein, das Thema war wie bestellt „Grenzüberschreitung“ – schwierig, egal in welche Richtung: sowohl den illegalen Einwanderern aus Mexiko als auch Tommy Lee Jones mit der Leiche eines mexikanischen Freundes und einem entführten Grenzbeamten auf dem Weg zum mexikanischen Heimatdorf des erschossenen Freundes wird es von den US-Grenzern schwer gemacht, das jeweilige Ziel zu erreichen. Ich erzähle nun nicht weiter, um nicht mehr vorweg zu nehmen für die Interessierten unter Euch.

Es ist auf jeden Fall ein Western: ein Guter und ein Böser, Weiße und Nichtsoweiße, der Saloon wird zum Diner. Es gibt Cowboys und Entrechtete. Das mag manchmal ein wenig simpel erscheinen, aber es ist ein schöner Film, ein guter und spannender Western, der seinem brisanten Thema gerecht wird. Und ich bin doch immer wieder froh, wenn die Richtigen wenigstens im Film recht behalten.

Und nun? „Viva Mexico“. Ich fange schon mal an zu recherchieren.

13
Aug
09

Aufwachsen in der Provinz

Den letzten Dienstagsfilm verdanken wir Freunden, die ich am Dienstag nachmittag getroffen habe. Dienstag nachmittag, beinahe auf dem Weg zur besten Videothek Berlins, und ich weiß noch gar nicht, welcher Film es sein soll, zum „Aufwachsen in der Provinz“. Sicher, es gibt da eine Menge zu. ABER: er soll es ja genau treffen, nach Möglichkeit sollen wir ihn nicht alle bereits 5mal gesehen haben – obwohl das kein K.O.-Argument ist -, ich darf mich nicht zu sehr dem Verdacht aussetzen, auf Hollywood-Mainstream zu stehen, während meine Guckkollegen fürs Intellektuelle zuständig sind.

Vor der besten Videothek Berlins gibt es keine Parkplätze. Das ist weiter nicht schlimm, normalerweise komme ich mit dem Fahrrad. Mit dem Auto ist es ein absolutes Muss, vorher zu wissen, was ich dort möchte, also war es höchste Zeit eine Entscheidung zu treffen.

Ich schwankte: Ich warte seit langem auf einen Grund, Peppermint Frieden zu zeigen, aber es hapert daran, dass ich nur schwache Erinnerungen daran habe und deshalb mir mit der Zuordnung zu unseren Mottos schwer tue. It’s a wonderful life ist nur deshalb ein Weihnachtsfilm, weil er immer zu der Zeit im Fernsehen gezeigt wird. Aber trotzdem. Cinema Paradiso habe ich schon an anderer Stelle gezeigt. Zudem war noch ein Gast zugegen, von dem ich weiß, dass er Filme liebt, aber nur bestimmte, und dem ich weder einen langweiligen Abend bescheren wollte noch mir schiefe Blicke wegen meiner kruden Auswahl.

Der nachmittägliche, sonnenbeschienene Pflaumenkuchen mit und ohne Sahne hat das cineastische Erinnerungsvermögen der Freunde, scheint’s, prächtig stimuliert und so sprudelte der Vorschlagsfluß nur so dahin. Ich verrate hier nun nicht allzuviel, da ich das meiste in die Warteschlange für kommende Dienstagabende eingereiht habe. Auf Heimat haben sie mir viel Lust gemacht, aber das ist als Serienformat für unsere Belange nicht so gut geeignet, das können wir mal als Sonderprogramm ins Auge fassen. Auch der Zweiteiler Teufelsbraten hätte es wohl direkt getroffen, aber Zweiteiler stellen beim späten Filmbeginn in der Wochenmitte eine zu große Herausforderung dar.

Im Absoluten stehend, bei eventueller Polizeistreifung auf den Charme meiner reizenden, im Auto zurückgelassenen Kinder hoffend gehe ich in der Filmgalerie 451 direkt zum Tresen und frage nach den Dorfpunks, der schlichtweg noch nicht als DVD erschienen ist. Also wird es – wie angeraten – Peter BogdanovichsThe Last Picture Show. Melancholisch, amüsant, ein Volltreffer beim gesamten Publikum.

Also Danke und gerne weiter so! Thematisch nahe an der Provinz bewegt sich das nun vorgegebene Motto „Heimat“. Ich bin wie immer gespannt…

12
Aug
09

Sex and Drugs and Rock’n Roll

…nämlich in Schweden. Im finnischen Schweden oder schwedischen Finnland. Darauf möchte ich als Nichteingeweihte nicht näher eingehen um keine Gefühle mit den Füßen zu treten. Schließlich bin ich aus dem bayrischen Schwaben oder dem schwäbischen Bayern und weiß, wie schnell da Fremde blödes Zeug reden können.

Populärmusik aus Vittula erfüllt die Vorgaben hundertprozentig, witzig, unsentimental. Dank an geliebter Mann für ein rundum zufriedenstellendes Filmerlebnis und die dankbare Vorgabe, nächsten Dienstag ums „Aufwachsen in der Provinz“ drehen zu lassen.

12
Aug
09

American Dream

Ach, ach, ach, schon wieder hinke ich den Ereignissen hinterher. Den „American Dream“ haben nämlich schon vor zwei Wochen Johnny Depp und Benicio del Toro in Fear and Loathing in Las Vegas ad absurdum geführt.

Unser Dienstag abend ist ja immer auch die Möglichkeit, sich Filme zu Gemüte zu führen, die ich freiwillig nicht ansehen würde. Es gibt sogar Filme, vor denen habe ich Angst. Davor, dass sie mich zu sehr mitnehmen, zu sehr berühren, zu sehr entsetzen, traurig machen. Filme können das schließlich. Es gab nicht nur einen Kinobesuch, bei dem ich Anfang bis Ende tränenüberströmt vor der Leinwand saß. Das Schrecklichste in meinem Leben habe ich – Gott sei Dank- im Kino gesehen.

Ich dachte, Fear and Loathing in Las Vegas gehört in diese Kastegorie und kam deshalb in meinem bisherigen filmrezipierenden Lebenslauf nicht vor. Doch beim Gucken fiel mir der tatsächliche Grund dafür ein, warum ich Ende der Neunziger darauf verzichtet hatte, ihn mir anzusehen: in den Kritiken wurde Terry Gilliam vorgeworfen, dass er die These nicht entkräftet hatte, dass die drogeninduzierte Odyssee durch den Wahn USA von Hunter S. Thompson nicht verfilmbar ist.

Nicht, dass ich das Buch gelesen hätte, obwohl ich es bereits vor Jahren symbolträchtig im City Lights Bookstore in San Francisco erstanden habe. Aber ich verstehe die Kritik. Ich hatte das Gefühl, zu verstehen, was gesagt werden soll, aber es blieb gewollt und an der Oberfläche. Ich kann mir die literarische Vorlage jetzt vorstellen und wahrscheinlich kann man sie einfach nicht verfilmen.

Ich meine, wenn Gilliam das schon nicht schafft?

(Weiter ging es dann die Woche darauf mit dem sehr treffenden „Sex and Drugs and Rock’n Roll“…)