Gestern abend bei 37°: Das Jahr der Entscheidung. Kinder in der 4. Klasse. 4 bayrische Kinder begleitete die Kamera im alles entscheidenden 4. Grundschuljahr. Der Druck, der auf den Kindern lastet, denn hier entscheidet sich die Zukunft, ist beim Zuschauen fast nicht zu ertragen. Es hängt so viel von ihrer in Noten bemessenen Leistung in diesem einen Jahr ab, allzumal im rigiden bayrischen System, das später kaum noch Durchlässigkeit nach oben aufweist – einmal Hauptschule, immer Hauptschule.
Der Druck, den sie untereinander aufbauen: denn “ dann muss ich auf eine schlechtere Schule gehen“ und der von den Eltern ausgeht. Hilflose Eltern, die für ihr Kind das Beste wollen – vom Unterbewusstsein unterstützenden Yoga bis zu strengsten Lernzeitplänen. Auch sie sind dem System verhaftet, es ist sehr schwer, sich davon unabhängig zu machen. Bei mir kommt große Erleichterung auf, dass meine Tochter im zwar armen, aber bildungspolitisch experimentierfreudigeren Berlin aufwächst.
Es fällt auf: wieso geht keine Forderung an Schulen, Lehrpersonal, Universitäten, Schule so zu gestalten, dass die Kinder freiwillig lernen. Dass es keine Qual für sie ist, sich das Wissen anzueignen, sondern Freude? Wieso besteht der Probeunterricht an den Gymnasien aus 3-tögigen Testaneinanderreihungen, statt sich die Kinder anzusehen und vor allem anzuhören, um herauszufinden, können sie eigenständig denken, sind sie interessiert an Inhalten, verstehen sie Zusammenhänge und nicht nur, wie sie im Prüfungsfall bestehen?
Sind Noten tatsächlich einer differenzierten Bewertung vorzuziehen? Wie können 10-jährige Kinder so endgültig in Schubladen der intellektuellen Fähigkeiten gesteckt werden? Welchen Sinn macht die Dreiteilung des Schulsystems? Welchen eine nur 4-jährige Grundschule? Und warum, verflixt nochmal, ändert sich hier nichts trotz Pisa und akutem Fachpersonalmangel? Und trotz ausreichender wissenschaftlicher Grundlagen in der Pädagogik und deren Umsetzung in fortschrittlich orientierten Kreisen und Ländern?
Man hat das Gefühl, hier helfen keine kleinen Reförmchen mehr, hier braucht es eine Revolution.
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