Vermutlich habe ich es schon mal erwähnt, dass ich eine besondere Beziehung zu Irland habe. Das sage ich aber nicht oft laut, damit ich nicht zu den Leuten gezählt werde, die kritiklos-verzückt drauflos schwadronieren wenn das Gespräch auf Irland und die Iren kommt. Auf die Offenheit und Freundlichkeit, die einem überall begegnet. Und diese Gastfreundschaft! Soweit ich gehört habe, ist diese ziemlich bald an Grenzen gestoßen als der Keltische Tiger vornehmlich Osteuropäer in großem Ausmaß angezogen hat, die in Irland um Brot und Anstellung nachgesucht haben.
So hatte Joyce dem anitsemitischen Schuldirektor doch fast seherische Worte in den Mund gelegt, als er ihn in Ulysses zu Stephen Daedalus sagen lässt:
-I just wanted to say, he said. Ireland, they say, has the honour of being the only country which never persecuted the jews. Do you know that? No. And do you know why?
He frowned sternly on the bright air.
– Why, sir? Stephen asked, beginning to smile.
– Because she never let them in, Mr Deasy said solemnly.
Außerdem kommen die Busse nicht pünktlich. Vielleicht hat sich auch dies durch den wirtschaftlichen Aufschwung geändert, aber zu der Zeit als ich Dublin kannte, war es keine Seltenheit eine halbe Stunde auf einen Bus zu warten, der dann an einem vorbeifuhr, weil er schon mit den Wartenden der vorhergehenden Haltestellen überfüllt war.
Es regnet viel dort. Einen Nieselregen, der auch das sonnigste Gemüt irgendwann knackt und Rheuma, Stirhöhlenvereiterung und Hexenschuß wenn schon nicht verursacht, dann mindestens befördert. Wenn ich so weitermache, gehöre ich gleich zur anderen Spezies, nämlich derer, die – nicht exklusiv in Irland, aber auch – alles schlechter finden als zu Hause.
Unvergessen zwei deutsche Komilitonen, die nicht mal was miteinander zu tun hatten: „igitt, hier trinken ja auch die Frauen Bier aus großen Gläsern“ (??!*:;ÖLHZI BFTDF?) und „Bushmills trinke ich nicht, der kommt aus Nordirland. Das kann ich nicht unterstützen.“ Da hat sich jemand in seiner Betroffenheit besonders viel überlegt…Ein irischer Freund hat mir gesagt, er sieht keine Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern, beide sind ständig in der Welt unterwegs, um allen Leuten in der Fremde klarzumachen, um wieviel besser alles doch bei ihnen zu Hause sei.
Am schlimmsten ist dann noch die Kombination aus beidem, oft Auswanderer, die mit ihren märchenhaften Vorstellungen der ewigen Freundlichkeit und Gastfreundschaft ins gelobte Land gezogen sind, um festzustellen, Realität geht anders, und dies nicht ihren verschobenen und unsinnigen Erwartungen ankreiden, sondern dem Land und seinen Bewohnern.
Dieser besonderen Liebe der Deutschen zu Irland ist jedenfalls vermutlich die Dichte an Irish Pubs in unserem Land geschuldet. Keine Kleinstadt, die auf sich hält ohne Murphys, Shamrock Irish Pub, Fiddler’s Green oder ein Molly Malone’s Viele sind nichts Besonderes, gelegentlich ist ein gute Kneipe darunter, wie in Irland ist keine davon. Aber Authenzität ist sowieso ein oft überschätztes Prinzip.
Einer der besten ist das Lír in der Flensburger Straße. Als Rettung nach einer hippen und überteuerten Strandbar angesteuert, hatte der Biergarten – den es in Irland so gut wie gar nicht gibt, macht ja auch kein Sinn bei dem Wetter – auch nach 22:00 noch geöffnet, obwohl er in einer Wohnstraße liegt. Die Atmosphäre war entspannt und freundlich. Es gibt ordentlichen Wein, was von einem Irish Pub nicht selbstverständlich erwartet werden kann und das Essen ist sehr in Ordnung. Soweit ich weiß, gibt es keine Konzerte.
Es ist ein Ort zum Einkehren und Wohlfühlen. Gastfreundlich im wörtlichen Sinn. Insofern ist es ja vielleicht doch ein kleines Stück von meinem Irland…
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