Einträge tagged ‘Alltag

23
Mär
09

Hört, hört

Ich höre besser als ich sehe. Nicht im physischen Sinn, sondern wahrnehmungstechnisch. Die neue Frisur des Ehemannes und den Wechsel von Linsen auf Brille beim besten Freund nehme ich nicht unbedingt wahr. Aber ich kann mir unglaublich gut merken, was jemand vor 3 Jahren in einem Gespräch über die Haltbarkeit von Tulpen erzählt hat. Oft im genauen Wortlaut.

Das hat Vor- und Nachteile. Ich werde oft für uninteressiert gehalten, weil ich dies und jenes nicht gesehen habe. Und ich glaube zu viel.

Jedenfalls ist das vermutlich der Grund, warum ich Hörbücher  gerne mag. Potentiell. Der Vorteil: ich gewöhne mich schon in noch adaptierfähigem Alter daran, eventuell irgendwann einmal mit der Alternative zum Lesen – jawohl, von echten Printmaterialien – leben zu können. Mir hat mal jemand erzählt das sei wichtig.

Doch zurück zum Potentiell. Es gab keine Gelegenheiten. Wann höre ich ein Hörbuch? Auto habe ich nicht, das wäre die perfekte Hörbuchhörstätte, zumindest dann, wenn es sich um eine Autobahnfahrt unter der Woche und bei Nacht oder um ein Werk handelt, das nicht viel Aufmerksamkeit erfordert.

Die Idee, unliebsame, mechanische Aufgaben damit erträglich zu gestalten, hatte ich bereits früher einmal, aber die meisten dieser Aufgaben sehen entweder den Einsatz Krach machender Gerätschaften vor oder erfordern das Verlassen des  Zimmers, in dem das Abspielgerät steht. Über die Möglichkeit eines mobilen Tonträgers mag ich nicht diskutieren.

Das ist nun auch nicht mehr nötig. Die Beschäftigungsstruktur innerhalb meines kleinen Mikrokosmoses hat sich leicht gewandelt und zum ersten Mal in meinem Leben muss ich bügeln. Auf regelmäßiger Basis (obwohl – und ich finde, hier ist ein Klammereinschub gerechtfertigt – es sich unglaublich anfühlt, dass die Arbeit, 5-6 Hemden zu bügeln, nur knapp eine Woche anhält).

Und das wird mir in Zukunft Spass machen, ja, ich werde mich nach den einwöchentlichen Bügelstunden sehnen, denn diese Betätigung schreit nach Vorgelesenbekommen. Ich habe es ausprobiert und ich bin begeistert. Zuerst wird der geschenkte Vorrat abgearbeitet, danach plündere ich das Sortiment der örtlichen Stadtbibliothek. Und danach ist wahrscheinlich Zeit für Umstrukturierung.