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Vor der Hochzeit III

Der dritte Film zum Thema war etwas ganz anderes: der liebe Freund hat uns eine klassische amerikanische Screwball-Komödie aus den 1940-ern, The Lady Eve (Die Falschspielerin), gezeigt. Da ich früher immer am Wochenende mit meiner Mutter solche Filme im Fernsehen gesehen habe, dachte ich lange Zeit, ich kenne das meiste aus diesem Genre. Aber immer häufiger stelle ich fest, dass die Auswahl im deutschen Fernsehen eine eindeutig beschränkte war, und gerade die älteren Screwballs offenbar nicht gezeigt wurden. So hatte ich bis vor zwei Jahren nie Bringing up Baby (Leoparden küsst man nicht) gesehen und diesen kannte ich auch nicht.

Spritzig und witzig, für die Zeit sehr freizügig gedacht, hat der Film mit Barbara Stanwyck und Henry Fonda viel Spaß gemacht, nur das Ende kam als Auflösung so unvermittelt und unerklärt, dass wir uns danach gefragt haben, ob ein zu plumper Studioschneider hier am Werk war und ob es damals wohl auch schon Director’s Cuts gab…

Das Essen war simpel, aber gut. Das Bärlauch-Mandel-Pesto wollte aufgebraucht werden, und so gab es das klassisch über die Pasta, Salat dazu und Panna Cotta mit Orangenragout zum Nachtisch.

Ein neues Motto wurde auch gezogen, dieses Mal war ich die Glückliche, deren Vorgabe nun für die nächsten drei Wochen gilt: “Familienfest”. Auch dies eher eine leicht zu erfüllende Aufgabe.

Marktmorgen

Mal abgesehen von den Waren, die es so auf einem Markt zu kaufen gibt und selten so auch woanders, mag ich Markt, weil er mehr menschelt als die meisten anderen Verkaufsorte, die ich so frequentiere. Es ist – meist – mehr Zeit, mehr Muße, mehr Gespräch.

Heute war es besonders schön: noch nicht viel los, kein so hübsches Wetter, recht früh am Vormittag. Frühstücksgebäck für die große Tochter nebst Gast aus England beim “Brotgarten” besorgt, wo man es am Stand wie im Laden fast ausschließlich mit grandios freundlichen Menschen zu tun hat und beste Vollkornbrote und -kuchen, aber auch eher wenig verbreitete oder sogar originäre Spezialitäten wie knusprig-weiche Seelen oder saftig-fruchtige Apfelbrötchen erstehen kann. Und dann ist auch noch der Lieblingsbrotgärtner am Stand, bei dem ich immer das Gefühl habe, genau in diesem Moment die Lieblingskundin zu sein.

Die Tomatenfrau verkauft dieser Tage biologisch Angebautes aus Sizilien, gerade auch Zitrusfrüchte, die so lecker aussehen, wie sie schmecken. Due Mandarinen -ja, Mandarinen, keine Clementinen – haben Kerne, aber schmecken nach Kindheit. Am Gemüse- und Obststand ist es unspektakulär, ein paar Äpfel, unbehandelte Zitronen, 2 Kiwis. Sollte die Avocado innen braun sein, wie von einem anderen Kunden letzthin angemahnt, soll ich auf jeden Fall beim nächsten Mal Bescheid sagen. Man sieht ja so schlecht rein.

Der Käsehändler meines Vertrauens übergibt gerade an eine Vertretung, die so viel Leidenschaft fürs Produkt mitzubringen scheint wie er selbst, und ja, sie haben auch heute Burrata, köstliche, sahnige, zarte, schmelzige Burrata, meine kulinarische Neuentdeckung.

Beim Neulandfleischer höre ich das Ende der Konversation mit meinem Vordermann, die Fleischerin habe sich schon Sorgen gemacht, ob er wieder krank sei, aber nein, und Gott sei Dank, und “Bitte noch drei Ihrer guten Buletten”. Nein, kleiner hat er es nicht, die Münzen habe er gerade der jungen Frau nebenan am Blumenstand gegeben. “Na, dann weiß ich ja, wo ich sie wiederkriege.” “Aber seien Sie nicht zu grob, sie ist doch eine so freundliche junge Frau.”

Gegenüber gibt es vermutlich sehr gutes griechisches Olivenöl, mein Blick aber fällt auf die Kalamataoliven, von denen ich ein kleines Schälchen möchte. Nach dem Wiegen bietet mir der Ölmann an, mit seinem guten Olivenöl aufzufüllen, meine Ablehnung wird mit so irritiertem Blick quittiert, dass ich mich bemüßigt fühle, ihm zu sagen, dass sie heute noch auf die Pizza kommen. “Aber doch ohne die Kerne?” “Nein, die Kerne bleiben drin, da müssen meine Gäste durch.” “Sind Sie denn Zahnärztin?”, will nun die freundliche junge Floristin von nebenan wissen. “Das wäre ja dann praktisch.” Auch die Fleischerin von gegenüber findet die Idee witzig, sie lacht auch. Ich verspreche, meine Gäste vorher zu warnen und gehe weiter, zu den Pilzen.

Die Champignons hätte ich schon vorher mitnehmen können, aber wenn es schon den extra Pilzstand gibt? Er ist gerade unbesetzt und ein bisschen Warten macht mir heute nichts aus. Die BetreiberInnen der umliegenden Stände halten nach der Pilzkönigin Ausschau, winken, gestikulieren, einer brüllt quer übers Karree nach ihr und sagt zu mir: “Mensch, dann soll Se halt wenigstens Bescheid geben.” Es dauert eine ganze Weile, der Rufer sagt zum Kollegen: “Sieh mal, so geduldig können Kunden auch sein, nur bei uns muss immer Zack-Zack gehen…” Wir wechseln ein paar Worte über Hektik und Muße und hätte ich noch mehr als drei Euro fünfzig in der Tasche, hätte ich ihm auch einen kleinen Strauß oder ein Balkonpflänzchen abgekauft.

Die Pilzkönigin ist immer noch nicht in Sicht, selbst mir wird es zu lang, aber nun habe ich ja schon so lange gewartet…ein Kollege schlendert herbei: “Die lässt sich ganz schön Zeit, was? Wissen Sie was, ich verkauf’s Ihnen mal. Was brauchen Sie denn?” Den Champignonkauf bringen wir ganz unzeremoniell hinter uns – “wo sind denn hier die Tüten? Wie, das wissen Sie nicht – ich dachte Sie kaufen hier öfters?” “Ja, aber ich muss nie selber einpacken…” – dafür war ich besser beim Gewichtschätzen, 200 g sind nicht so viele Champignons. Sie kommt, aber ich warte jetzt nicht mehr, Ware und Geld sind über die Theke gereicht und ich stehe ja nun wirklich schon lange genug. Ein bisschen Feixen und Spott kündigen sich schon an zu ihrer Ankunft, da muss sie durch und böse wird es nicht werden, bei dieser Menschelei.

Kulinarisches Wochenende

Manche Abende sind äußerst zufriedenstellend als Gastgeberin, einfach, weil alles gelungen ist: das Essen ebenso wie die Unterhaltung(en). So geschehen am Freitag mit den Doppelkopffrauen. Wir treffen uns reihum meist einmal im Monat bei einer von uns zu Hause, zum Kartenspielen. Vorher gibt es Essen, ursprünglich als kleiner Imbiss gedacht für diejenigen, die direkt von der Arbeit kommen. Ein bisschen aus den Fugen geraten hat sich das nun meist zu einem kleinen 3-Gänge-Menü gemausert…

Das sah dann letztens so aus: Die Vorspeise orientierte sich an diesem Rezept von lamiacucina. “Orientiert sich”, weil ich es – wie beim ersten Versuch auch – wieder nicht zum Pistazienpesto geschafft habe. Denn – ebenfalls wie beim ersten Versuch – war der Grund, sich für diese Vorspeise zu entscheiden, das Vorhandensein eines bereits hergestellten Pestos, in diesem Fall ein Bärlauch-Mandelpesto (Bärlauch, Petersilie, Mandeln, Bergkäse, Sonnenblumenöl) aus Deutschland vegetarisch.

Ansonsten habe ich dieses Mal:
1) die Rote Bete im Ofen gegart und damit mehr Aroma erhalten,
2) die lauwarme Bete in sehr dünne Scheiben geschnitten,
3) nur mit Maldon Sea Salt gewürzt,
4) statt Mozzarella Burrata, meine neue kulinarische Liebe, verwendet, aus dem einfachen Grund, weil der beste Käsehändler Berlins eine hatte,
5) die Fave weggelassen, weil ich keine frischen gefunden hatte und
6) Mandeln darüber gestreut, weil die besser zum Bärlauch-Mandelpesto passen.
Voller Erfolg. Hat dieses Mal auch mir einwandfrei geschmeckt. Nächstes Mal dann mit Pistazien.

Auch das Hauptgericht war ein zweiter Versuch und auch dieser deutlich besser gelungen als der erste wegen
1) mehr Soße und
2) – ich muss es leider zugeben – nicht selbstgemachten, sondern getrockneten Cannelloni. Da reden wir ein andermal drüber…
Das Rezept stammt aus Italien vegetarisch, es geht um Cannelloni mit Ricotta und Spinat mit Bechamelsauce. Ich bin der Variation gefolgt und habe die Bechamel- durch Tomatensauce und den Spinat durch Mangold ersetzt. Dafür habe ich die Cannelloni außer mit Parmesan auch mit Büffelmozzarella überbacken. Alles zusammen: total lecker. Und gar nicht so viel Arbeit, nachdem ich darauf gekommen bin, die Cannelloni nicht mit dem Löffel füllen zu wollen, sondern mit der Spritztülle.

Also: Tomatensugo nach eigenem Rezept herstellen, ich bin auch hier Claudio del Principe gefolgt, der da sagt: Zwiebel ODER Knoblauch in gutem Olivenöl, und davon nicht zu wenig, angehen lassen, passierte Tomaten aus dem Glas oder Dosentomaten oder reife, aromatische Tomaten, die es hier fast nicht mehr gibt und gewiss nicht im April, bester Qualität verwenden, köcheln lassen, bis die Konsistenz passt, gut salzen, vorsichtig pfeffern, eventuell Geschmackvolles erst am Schluss ran, z.B. frischen Basilikum. Oder so. Ich habe Sauce von zwei kleinen Dosen Tomaten gemacht.

Mangoldblätter (die Mengenangabe für Spinat ist 500g, da die Strünke wegfallen, ist das für den Mangold zu wenig; ich hatte ca. 800 g) von den Strünken trennen, – vielleicht haben Sie für diese eine andere Verwendung? – waschen und in kochendem Salzwasser blanchieren, gut ausdrücken und klein hacken. 400g Ricotta cremig schlagen, 2 Eier mit 100g Parmesan verquirlen, mit dem Spinat/Mangold zum Ricotta geben, mit Salz, Pfeffer und ein wenig Muskatnuss würzen. Ein bisschen Sauce in eine Auflaufform geben, darauf dann die gefüllten Cannelloni (ca. 16 Stück, bei mir waren es, glaube ich, zwei mehr, und, ja, – falls Sie sich das fragen – in einer 250 g Packung sind mehr als 16), darauf wieder Sauce, mit Mozzarella, wenn gewünscht, belegen, nur geriebenen Parmesan darüberstreuen tut es auch.

Der Ofen war natürlich bereits auf 200° vorgeheizt, da kommt die ganze Angelegenheit jetzt rein und bleibt dort, bis der Käse appetitlich gebräunt ist, ca. 20 bis 30 Minuten. Im Rezept wird empfohlen, am Schluss für 5 Minuten für die Kruste die Grillfunktion zu nehmen, ich habe das weggelassen, weil meine Käsedecke eh eher von der weich-schmelzigen Sorte war. Meiner Meinung nach ist das kein Essen, dass ofenheiß gegessen werden muss, man kann es getrost erst noch kurz ruhen lassen, gerne auch ein paar Minuten länger als die 1-2 angegebenen.

Zum Nachtisch gab es aus dem Neuen Bayrischen Kochbuch von Alfons Schuhbeck die “Karamellisierte Rahmcreme”, um nicht zu sagen “Crème Brulée”, denn als solche passte sie ja dann nicht mehr ins Bayerische Kochbuch. Eine Panna Cotta im Übrigen schon, die läuft dort nicht unter Sahnepudding. Aber München ist halt schon irgendwie auch Italien.

Trotz meiner mehr als ambivalenten Haltung gegenüber Alfons Schuhbeck ist dieses Kochbuch eines meiner Standardwerke. Nirgendwo darin wird empfohlen, doch lieber die Fertigsuppen von Escoffier zu verwenden oder gleich bei McDonalds zu Abend zu essen, noch kommen seine eigenen Gewürzmischungen, auch schon gelegentlich mit Geschmacksverstärker versetzt, in den Rezepten vor. Es handelt sich einfach um ein Kochbuch mit – mehr oder weniger bayrischen – Standardgerichten, die durch kleine Raffinessen und ein bisschen mehr Aufwand große Wirkung erzielen; mit Rezepten, die zum allergrößten Teil höchst verlässlich und sauber recherchiert und dokumentiert erscheinen.

So funktioniert auch die Rahmcreme jedes Mal, bis auf die Karamellproblematik, die ich aber nicht dem Rezept und auch nicht Alfons Schuhbeck in die Schuhe schieben kann. Ich kann mit dem blöden kleinen Bunsenbrenner, den wir zu diesem Zweck unser eigen nennen, nicht umgehen. Bis unsere Grillfunktion den Zucker karamellisiert hat, ist leider die ganze Crème wieder warm und nichts ist es mit dem Kontrapunkt, den die kalte Creme gegenüber der warmen, knackigen Karamellschicht setzt. Schmecken tut sie trotzdem. Das war das Einzige, was vielleicht an diesem Freitagsabendsdoppelkopfessen in meinen Augen nicht ganz rund war. Die Unterhaltung war sowieso und erwartbar über jeden Zweifel erhaben. Und ja, ich habe an dem Abend gewonnen. Und nein, ich glaube nicht, dass das irgendetwas mit dem vorhergehenden Essen zu tun hatte.

Für den Rest des Wochenendes zeichnet kulinarisch der Mann verantwortlich, nämlich mit den schönsten und leckersten belegten Broten am Samstag abend, und es ist nicht übertrieben, dass ich für seine belegten Brote so manche warme Mahlzeit stehen lasse, weil sie nicht nur durch ihr gutes Aussehen punkten, und mit Torte und Hauptgericht für den Sonntag.

Da hatten wir nochmal liebe Gäste, welche, von denen, die wir leider viel zu selten sehen. Es gab Fenchelhuhn (ein großartiges Standardrezept des Mannes nach Poletto) mit selbstgebackenem Weißbrot (von mir; ein erster, ganz gelungener, aber nicht umwerfender Versuch; insgesamt scheint es sich bei diesem Thema um eine solche Wissenschaft zu handeln, dass ich noch nicht weiß, ob ich mich weiter damit beschäftige). Und zum Nachmittagskaffee süchtig machende Zimtwecken und eine sizilianische Ostertorte, die mir leider zu mächtig ist und zu “kandiert” schmeckt – ich mag kandierte Früchte nicht, ebenso wenig wie Zitronat und Orangeat. Den Gästen hat sie augenscheinlich gemundet, aber mehr als ein Stück haben sie leider auch nicht geschafft…

Vor der Hochzeit II

Ich habe an Muriels Hochzeit gedacht, mich aber dann doch für einen Film entschieden, den ich schon bei mehreren Filmabenden in die engere Wahl gezogen, aber nicht gezeigt hatte. Ich habe ihn 2005 im Kino verpasst und will ihn seither gern sehen. Auch deshalb weil mir Zeitgeschichte über einen Film – oder Literatur – häufig zugänglicher wird als über angeblich objektive Argumentationen der einen oder anderen Seite.

Die syrische Braut Mona heiratet von den von Israel annektierten Golan-Höhen aus nach Syrien. Eine durch die drusische Familie arrangierte Heirat, den Bräutigam, einen syrischen Komödianten, kennt sie nur vom Fernsehen. Die Grenzüberschreitung bedeutet, dass sie ihre Familie vermutlich nie wiedersehen wird, weil ihr Israel mit syrischem Pass die Einreise und Syrien die Ausreise verweigern werden.

Die sowieso absurde Situation eskaliert beim eigentlichen Hochzeitsakt an einem unwirtlichen Grenzstreifen, wo die Bürokratien der verfeindeten Staatsmächte drohen, die Hochzeit an der Grenze scheitern lassen.

Die Braut selbst passt über weite Teile des Films in ihrem weißen Hochzeitskleid mit dem roten Brautstrauß in der Hand nicht ins Bild, nicht in die staubig-karge Landschaft. Im Gegensatz zu anderen, mehr ausgearbeiteten Figuren im Film agiert sie als Symbol: für die Zerrissenheit der konservativen patriarchalischen Gesellschaft, aus der sie kommt, in der sich der Vater vom Sohn abwenden muss, weil jener aus der Gemeinschaft geflüchtet ist und in der gleichzeitig die mittelalte Schwester gegen den Willen des Ehemannes einen Studienplatz in Haifa beantragt; für die Zerrissenheit der politischen Situation und zuletzt für die Zerrissenheit ihrer persönlichen Situation, in der die klassisch arrangierte Heirat gleichzeitig Flucht aus der Enge des drusischen Dorfs wie auch den Verlust von Schutz und Wärme durch die Familie bedeutet.

Alles in allem: ein großartiger Film, der keine einzige einfache Antwort gibt, der wenig Partei ergreift, außer vielleicht für diejenigen, die selbst bestimmen wollen, wann sie wohin gehen. Und der ein Gefühl dafür vermittelt, wie verfahren und unauflösbar die Situation in jenem Teil der Welt tatsächlich ist.

Das Essen an jenem Abend war dafür unspektakulär, aber effektiv: Spinatstrudel aus Blätterteig und Salat; Eis von Ben&Jerrys. Darf auch mal sein.

Spinat mit Kartoffeln und Ei. Nicht, dass ich dafür wirklich ein Rezept bräuchte, nein, ich bin nur nicht mehr auf die Idee gekommen. Ich hatte das Konzept vergessen. Dabei geht es schnell, unkompliziert und ist gut. Und schmeckt, zumindest in Teilen, vermutlich auch den Kindern.

Ganz schnell geht es allerdings nicht, wenn man frischen Spinat nimmt, denn der will ja erst ordentlich gesäubert sein. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland scheint das Gericht geläufig, ich schaute in beide kochbücher für Inspiration, wollte eigentlich von der Nachbarin das pochierte Ei machen und die grandiose Idee übernehmen, statt Knoblauch einfach einen Bund Bärlauch mit zu verarbeiten. Dafür habe ich aus dem “deutschen” Rezept, dass man statt der nicht sehr geliebten Salzkartoffeln einfach Kartoffelstampf dazu machen kann.

Im Endeffekt habe ich dann gar nichts gemacht, weil mich eine elterliche Pflicht gehindert hat, sondern dankenswerter Weise hat sich der Mann dem Gericht angenommen. Mit Kartoffelstampf, Bärlauch, Spiegel- sowie Rührei für die Kinder. Und ich musste mich nur an den Tisch setzen und durfte genießen. Sogar die kleine Tochter hat Spinat nachverlangt. Obwohl sie den gar nicht mag. Noch nie. Überhaupt nicht.

Gutes von früher

Begeistert hat mich die Biskuitrolle aus Österreich vegetarisch. Mit der von meiner Mutter selbstgemachten Aprikosenmarmelade. Erdbeer wäre auch gegangen. Aber es muss richtig gute Marmelade sein. Mit Sahne und Erdbeeren mag ich die Roulade auch, aber wenn kein ordentliches Obst mehr und noch nicht zu haben ist, dann ist eine fein aromatische Marmelade eine gute Alternative.

Wenn ich mich nicht täusche, gab es Bikuitrolle mit Marmelade früher auch bei meiner Großmutter. Auf jeden Fall erinnert es an Kindheit. Auch dafür liebe ich dieses Rezept. Seit ich weiß, wie man einen Biskuitteig zum Rollen bringt, ohne, dass er bricht, mache ich die Roulade bedenkenlos (Achtung, der im Video beschriebene Teig wird anders hergestellt als dieser hier). Das Einzige, was mich jetzt noch davon abhalten könnte, ist das gefühlt stundenlange Schlagen der Eimasse, denn ohne das wird er nicht: ganz leicht und fluffig und schwammartig.

Das ist es dann auch im Endeffekt, was es braucht zum Gelingen: eine gute Füllung und Schlagkraft. Im Gegensatz zum Teig aus der oben verlinkten Vorführung kommt dieser ohne Stärke und Backpulver aus. Ich habe nichts gegen Stärke und Backpulver, aber ich finde, es schmeckt besser ohne. Allerdings – habe ich das schon erwähnt? – man muss recht lang schlagen.

Und so geht es: Backofen auf 190 – 200 Grad vorheizen. 4 Eier mit 100 g Kristallzucker, 1 Essl. Vanillezucker, einer Prise Salz und dem Zitronenabrieb einer halben Zitrone über Wasserdampf cremig aufschlagen. Im Rezept steht mit dem Schneebesen. Als ich nicht mehr konnte, habe ich das elektrische Rührgerät dafür genommen – bei mir hat es funktioniert. Mit selbigem wird die ganze Masse dann ohne Dampf so lange gerührt bis sie wieder kalt ist. Dann sollte sie deutlich mehr Volumen angenommen haben. Da drunter zieht man vorsichtig 100 g Mehl.

Dann wird das Ganze gleichmäßig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech gestrichen. Backpapier statt Fett ist essentiell, habe ich gelesen. 6-8 Minuten backen, bis er eine appetitliche Farbe hat. Zu dunkel geht relativ schnell….Den gebackenen Teig kippen Sie mitsamt Papier auf ein vorbereitetes und eingezuckertes Tuch. Oder noch mal auf ein Backpapier. Tuch rutscht nicht so leicht weg, Backpapier ist weniger Schweinerei, denn wohin danach mit dem eingezuckerten Küchentuch?

Mit einem Pinsel das am Teig haftende Papier mit kaltem Wasser bestreichen, dann lässt es sich gut lösen. Und jetzt rollen Sie die noch heiße Platte mit Hilfe von Tuch oder Backpapier sofort ein, lassen sie auskühlen und können sie ab dann aus- und einrollen, wie Sie lustig sind – sie bricht dann nicht mehr. Also jedenfalls nicht bei ein-, zweimal Aus- und Einrollen. Aber wozu sollten Sie das noch öfter tun? Eigentlich muss ja nur einmal ausgerollt, die Marmelade, der Quark, die Sahne mit den Erdbeeren aufgestrichen und wieder eingerollt werden. Fertig. So lecker. Und wenn man das einmal Schritt für Schritt gemacht hat auch: einfach und schnell.

Der erste Teil der ersten wichtigen Prüfung ist geschafft und bestanden. Die große Tochter hatte vor ein paar Tagen zusammen mit einer Koreferentin die Präsentation für den Mittleren Schulabschluss (MSA) – ich war nervös, als müsste ich sie selbst halten. Nervöser als sie, glaube ich. Furchtbar wichtig ist es nicht, sie wird die Punkte gut zusammen bekommen, um in der “gymnasialen Oberstufe” weiter zu lernen. Aber trotzdem – es ist ein bisschen wie Generalprobe, Üben für den Ernstfall.

Direkt danach waren die Referentinnen erleichtert und aufgedreht; bis das Kind nach Hause kam, hatte sie sich aber schon beruhigt. Ihr musikalisches Thema beinhaltete eine Performance mit Gitarre und Gesang, so etwas hätte ich in diesem Alter nicht gebracht. Ich bin froh und stolz.

Heutzutage muss bei so etwas auch die Technik funktionieren. Auf meine Frage, ob diesbezüglich alles glatt gelaufen ist, sagte sie: “We didn’t have any technical problems. Only illusions of technical problems.” Gut, dass ich den Blog habe: Ich konnte nicht auf eine perfekt passende Situation warten, um dieses Zitat anzubringen, bevor ich es wieder vergesse. Ich plane, es in meinen Sprachgebrauch zu integrieren.

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