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Archive for November 2008

Als ich heute morgen drei Minuten vor dem wegen schlechter Sendereinstellung kratzend-krachenden Getöse meines Radioweckers aufwachte war die ganze Ungemütlichkeit dieses Morgens bereits zu hören. Windböen schlagen Regen gegen das Fenster, es ist noch finster draußen. Ein Morgen zum „Nochmal-Umdrehen-Und-Dabei-Die-Decke-Fester-Um-Sich-Wickeln“.

Aber es hilft ja nichts, ich muss raus und mich auf den langen, nicht wirklich attraktiven Weg zur Arbeit machen. Eine dreiviertel Stunde später ist es immer noch nicht hell, das Licht bleibt heute wohl aus. Auf der Putlitzbrücke mit dem von mir geliebten Ausblick auf den Westhafen, auf die Gleise in Richtung Westen und Osten und die berühmten Schrebergärten fehlt freie Sicht auf den Fernsehturm – der ist heute wohl zu Hause geblieben. Die zerfledderten, halb verwelkten Blumengestecke und Kränze, die jedes Jahr am 9. November am Mahnmal für die von hier abtransportierten Juden abgelegt werden, machen die Trostlosigkeit dieses Morgens fast unerträglich.

Auf dem Bahnsteig macht ein sich kerzengerade haltender Mittvierziger eine Frau an wegen ihres Zigarettenrauchs. „Wenn Sie mir Disteln anbieten, brauchen Sie sich nicht wundern, dass Sie keine Rosen zurückbekommen.“ Selbstgerechter Idiot. Wo er diesen Spruch wohl her hat, er scheint sehr stolz auf seine Eloquenz. Gockel.

Meine Stimmung droht ins Bodenlose abzusacken, ich mag diesen November doch nicht mehr und die Menschen in dieser Stadt auch nicht. Was mich rettet, ist der Tchibostand am Gesundbrunnen. Ich steige extra hier aus, obwohl ich weiter muss. Ich kenne kaum andere von diesen Ständen, nehme mal an, der Kaffee ist überall so erstaunlich gut wie hier. Aber hier arbeitet manchmal eine Verkäuferin, die weiß, dass ich Milchkaffee haben möchte und die bei meinem Anblick schon mit dem Becher in der Hand hinter dem Verkaufstresen hervorkommt. Bevor ich noch was sage. Und dann wechseln wir zwei Sätze. Über irgendwas.

Und wenn ich dann in die nächste S-Bahn einsteige, bin ich ein bisschen versöhnt. Mit dem Wetter, dem November und den Menschen.

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