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Archive for April 2009

Also, Sauras „Carmen“ war es wohl nicht so für die Herren. Der geliebte Mann schlief rundheraus nach 5 Minuten ein und lieferte am Ende die glasklare, glockenhelle Analyse der Flamenco-Inszenierung des klassischen Carmenstoffs: „Ich habs nicht so mit Tanzfilmen.“ Und: „…und wenn die da so komisch tanzen…“. Der Freund war höflicher, gemäßigter, aber nicht begeistert. Unterstelle ich ihm nun mal.

Insgesamt geht es ja aber nicht nur um Gefallen, sondern auch um cineastische Bildung.

Und ich? Ich habe „Carmen“ zum ersten Mal mit 14 gesehen, und dann gleich 4 oder 5mal. Ich hatte den Soundtrack auf LP, und muss ihn oft gehört haben, denn die Musik war immer noch vollkommen vertraut, auch in ihrer Reihenfolge, auch die flamencotypischen Stampf- und Klatschfolgen zum Auftakt. Immerhin wollte ich nie Flamencotanzen lernen – seit Antonio Gades, Christina Hoyos und Laura del Sol war mir klar, dass ich arme Mitteleuropäerin nie irgendeine Klasse darin erringen könnte.

Die absolute Faszination würde der Film nicht mehr auf mich ausüben, wenn ich ihn heute zum ersten Mal sähe. Ob es daran liegt, dass er in seiner Entstehungszeit der frühen 80er verhaftet ist, oder daran, dass ich seit längerem der Pubertät entwachsen bin, wer weiß? Gut zu sehen sind sie allemal, der Film und Antonio Gades, und bei einigen der Pas-de-Deux-Szenen kann ich gut und gerne immer noch auf Repeat drücken, wenn es denn das noch gäbe.

Ach ja, die Aufgabe für das nächste Mal besteht in der zugegeben uneleganten Anweisung, einen Film zu zeigen bei dem erneut die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verwischt werden…ich bin gespannt.

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Dienstag abend ist reserviert. Für vegetarisches Essen, einen Film und einen lieben Freund. Angefangen hat alles ganz anders: aus geplanten Arbeitstreffen wurde ein wöchentliches gemeinsames Abendessen, das häufige Gesprächsthema Film hat konsequent zu der nun bereits seit über einem Jahr bestehenden Einrichtung des dienstäglichen Filmabends geführt, der sich im Übrigen auch noch als sehr familientauglich erweist, weil sich auch die Kinder riesig auf den abendlichen Essensgast freuen.

Wie spannend: neben viel cineastischer Ahnung hat der Freund ein Faible für Science Fiction und Effekte, Neuland für den geliebten Mann und mich. Beide Herren sind älter als ich, kennen daher naturgemäß mehr Filme als ich – kein Grund für die arrogant hochgezogene Augenbraue „Den hast Du noch nie gesehen?“…

Zuerst zeigten wir alle, was uns in den Sinn kam – die beiden gaben sich ein grobes Thema vor, ich traf meine Auswahl intuitiv-spontan. „Das siebte Siegel“, „Freaks“, „12 Monkeys“, „Vertigo“, „Bless the Beasts and Children“, „The Crying Game“, „Gernstls Suche nach dem Glück“. Bis auf einen fand ich keinen richtig schlecht.

Seit Kurzem stellen wir uns einer neuen Herausforderung: derjenige, der den Film ausgesucht hat, greift ein Motiv heraus, das dem nächsten als Vorlage dient. So führte die Vorgabe Geschwister zu dem köstlich-skurrilen Trainmovie „Darjeeling Limited“, das daraus herausgegriffene Moment der Zugreise zum komisch-traurigen „Zug des Lebens“, aus dem uns wiederum der Narr den schon lange nicht mehr gesehenen „Mein Freund Harvey“ bescherte.

Nun könnte man dies für unlauteren Wettbewerb halten, dass ich mir Inspiration im öffentlichen Raum der Blogs hole, aber es geht ja nicht um Wettbewerb, sondern um cineastische Entdeckung, nicht wahr? Deshalb werde ich gelegentlich die Reihe hier fortsetzen, wobei mir der ein oder andere Rat sicher gelegen kommt. Ich bin heute dran mit den aus Todd Solonsz‘ bitterbösem „Happiness“ stammenden Gefährliche Begierde. Ein weites Feld – ich werde vom Ergebnis berichten.

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Zu Pflanzen habe ich ein phasenweises Verhältnis. Die Tatsache, dass ich mich ab Spätsommer, Herbst immer weniger um sie kümmere, das Gießen vergesse, sie nicht zurückschneide, umtopfe oder was man sonst so alles mit ihnen anstellen könnte zu dieser Jahreszeit, entspringt keinem Gefühl der Ablehnung oder des Widerwillens gegenüber Clematis, Fetter Henne, Rosmarin und Gummibaum, sie sind mir plötzlich egal, ich habe kein Verhältnis mehr zu ihnen.

„Plötzlich“ und „mehr“ führen schon dorthin, wo ich das Problem liegen sehe: wenn ich sie nicht im Frühjahr pflanzen, säen und aufbauen würde, wäre das Ganze halb so schlimm: ich hätte keine Topfpflanzen oder würde mich für Kakteen und Sukkulenten begeistern, die im Prinzip auch ohne mich auskommen.

Aber nein, im März, April fange ich an, Ranukeln in den Balkonkasten zu setzen, auf dem Staudenmarkt im Botanischen Garten neu angehende, unbekannte, sensible Pflänzchen zu erstehen, Kräuter zu säen. Dabei vergesse ich jedes Jahr, wie sehr die Katze frisch gekeimten Dill, Basilikum und Petersilie zu schätzen weiß. Kurzum ich widme meine Zeit und auch – ich muss es zugeben – einen kleinen Teil meiner Liebe der Begrünung des Balkons und gelegentlich bekommen auch die den Winter überlebt habenden Zimmerbäumchen von dem überschäumenden Enthusiasmus noch etwas ab.

Der momentane Liebling

Frühjahr ist die Zeit, in der ich mich dazu versteige, mir einen Olivenbaum zu wünschen, eine Kamelie, einen Granatapfelbaum. Ich kenne wenig körperliche Arbeit, die mich so befriedigt wie Gartenarbeit. Balkonarbeit, ich mag mal nicht übertreiben. Aber eben nur bis September.

Die Überlegung ist, wenn ich mir einen Olivenbaum zulege, also einen einzigen wertvollen Baum, der meiner ganzen Hege und Pflege bedarf, vielleicht klappt es ja? Vielleicht kann ich – wenig multitaskingfähig, und ja, ich kann auch einparken – mich auf ein Objekt floraler Hilfsbedürftigkeit konzentrieren, auch ganzjährig. Einen Versuch wäre es doch wert. Finde ich.

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Zuerst dachte ich an einen Aprilscherz. Am 6.? Warum nicht, besser als die Realität wäre es allemal. Wegen Nachbarschaftsstreitigkeiten ist das SO36 akut von der Schließung bedroht. Eine Lärmschutzmauer muss gebaut werden, sonst müssen die Konzerte in Zimmerlautstärke abgehalten werden. Das geht nicht. Das Geld dafür ist nicht da.

Warum macht jemand so was? Wer zieht in die Oranienstraße im Herzen des ‚wilden‘ Kreuzberg und fordert dann sein Recht auf Ruhe?

In einem gerade gelesenen Artikel steht: „Was ist also das Geheimrezept des SO36? ‚Eigentlich gibt es nur vier Punkte: Kein Faschismus. kein Sexismus, kein Rassismus, keine Homophobie‘, sagt Lilo, eine der Betreiberinnen, heute. … Punk trifft Queer. No future, now!“ Das kann man doch nicht schließen!


SO36 Bleibt

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Noch ein Grund, Moabit nicht zu verlassen. Mein Lieblingskino steht in Moabit. In der ehemaligen Heeresfleischerei ist seit 1991 die Kulturfabrik-Moabit zuhause: „1991 schließlich wurde das Gebäude mit dem Wohlwollen des Berliner Senats besetzt und wieder eröffnet; die KULTURFABRIK Moabit wurde geboren.“. Oho.

Nebst anderer kulturell-sozialer Einrichtungen beherbergt eine Etage den Filmrauschpalast. Ich war leider lange nicht mehr da, daher weiß ich nicht sicher, ob sie immer noch das „einzige Kino mit persönlicher Ansage vor dem Film“ sind. Hier habe ich mich im tiefsten Winter mit Gasbrenner an den wunderbar komischen Szenen von Down by Law ergötzt und die Anweisung des Vorführers befolgt, nach umgekehrtem Zwiebelprinzip immer wieder eine Schicht Wärmendes anzulegen. Am Ende war ich völlig durchgefroren.

Hier hat mich ein guter Freund hergebracht, um Tokyo Decadence zu sehen – ein Film, zu dem der zur Ansage Verdonnerte meinte, er wisse selbst nicht, was diesen Film zum Kultfilm werden ließ und warum er jetzt und hier gezeigt würde. Ich stimmte bald mit ihm überein und fragte mich, was mir der befreundete Mann an meiner Seite sagen möchte.

Hier war ich in einer Spätvorstellung um halb elf zum ersten Teil der herrlich absurden Filmversion von Lars von Triers The Kingdom mit dem mittlerweile guten Freund verabredet und habe erst vor Ort realisiert, dass der Film über drei Stunden dauert. Dieses Mal war die Auswahl so gut getroffen, dass ich wider Erwarten nicht eingeschlafen bin.

Im Programm sind zwei bis drei Filme pro Monat, oftmals abseitige, Filmschätze, Kultfilme. Oft welche, die ich im normalen Programm verpasst habe. Die Atmosphäre ist locker, improvisiert und entspannt, der Wein günstig. Früher durfte man rauchen, wenn keiner der Besucher was dagegen hatte. Ideal.

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In meinen ersten Jahren in Berlin sind sie mir aufgefallen und auf die Nerven gegangen, die Leute, die tunlichst ihren Kiez nicht verlassen. „Ich bin bis acht beim platzhalter (Arbeiten, Trommeln, Yoga, Wohnung streichen, …), vielleicht können wir uns bei mir um die Ecke treffen?“ „Also, wenn es geht, irgendwo auf dem Weg vom Büro zu mir nach Hause.“ „Na gut, dann halt in der Mitte zwischen Kreuzberg und Charlottenburg“. In der Mitte zwischen Kreuzberg und Charlottenburg liegt der Potsdamer Platz. Viel Geld für wenig Qualität. Und die Multiplexe, in denen der von mir favourisierte Film in die Besenkammer verbannt wird.

Ja, die Wege sind weit, und man ist zwangsläufig viel unterwegs. Dafür lebe ich in der Großstadt und nicht in Werder, Zeuthen oder Waldsieversdorf. Ich habe mir das ausgesucht und die meisten meiner bewegungsunwilligen Freunde auch. Und es ist doch spannend, auch andere Ecken zu entdecken als die ewig eigene? Ein guter Freund wurde es deshalb, weil er immer bereit war, sich mit mir an interessanten Orten zu treffen, die weder bei ihm noch bei mir um die Ecke lagen. Damals dachte ich, es liegt daran, dass er in Moabit wohnt.

Wegen ihm lebe ich heute auch in Moabit und ich habe mich letzthin bei dem frohen Gedanken ertappt, dass ich es bald nicht mehr verlassen muss. Denn neben einer Eisdiele, einer netten Kneipe, einem Irish Pub der besseren Sorte, einem coolen Waschsalon, einer durchaus akzeptablen Auswahl an Weltküche, meiner Lieblingsbuchhandlung, meinem Lieblingsblumenladen, Ali und vielem mehr hat eine Filiale der Dolce Pizza in der Turmstraße eröffnet. Ich war da und war glücklich.

Vielleicht ist das der Kiez: im Gegensatz zu Werder, Zeuthen und Waldsieversdorf hat er tatsächlich alles, was ein Verlassen unnötig macht. Leute, die ich neu kennenlerne, frage ich jetzt erstmal nach ihrer Postleitzahl.

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Gestern im ausverkauften Olympiastadion: Vater und Sohn hinter uns am Kiosk – ich dachte, ich hätte Schwäbisch gehört. Ein Blick zurück bestätigt jedoch das zuvor Wahrgenommene: weiß-blauer gehts nicht, auch das Gesicht ist stammeszugehörig gekennzeichnet. Doch dann die Frage an uns: Wisset Ihr was ä Faßbrause isch? Vor lauter Schreck antworte ich im Dialekt und die fränkische Freundin sagt: Was ganz Süßes. Ah, sagt er, au net von hier.

Ich bin relativer Neuling, es ist mein 4. Livespiel. Eines davon war mit ca. 20 weiteren Besuchern im 20.000 Menschen fassenden Augsburger Rosenaustadion beim Spiel FCA gegen Stuttgarter Kickers. umph-Liga. Das zweite war das Viertelfinale der letzten WM. Deutschland gegen Argentinien. Um eventuell beim Lesen aufkommenden Neid nicht abzuschwächen, erzähle ich nicht, wie schlecht die Plätze waren. War auch egal, echt.

Ich verstehe trotzdem ein bisschen was vom Fußball, weiß, was ein Abseits ist und kann es auch erklären. Kann Ball gespielt von einem fiesen Foul unterscheiden. Das machen meist die anderen. Die Herthaner wurden ein bisschen fies gegen Ende. Mir kam der Gedanke, dass sie nicht die Nerven haben für die Meisterschaft, nicht die nötige unangreifbar machende Arroganz. Ich interessiere mich auch nicht fürs Aussehen der Spieler. Jedenfalls nicht sehr.

Trotzdem sagt der gelbgewandete Herr direkt neben mir: Du gehst nicht so oft zum Fußball, was?

Das Gelb: es sticht unglaublich heraus. Die optische Täuschung erweckte den Eindruck, es wären mehr Dortmund- als Herthafans im Stadion. Vielleicht kam es den Spielern auch so vor.

Zu irgendeinem der 3 Tore hält mein Nachbar auch der Erstbesucherin unter uns die Hand hin und sagt: Gib mir fünfe. Sie lächelt ihn an, zuckt mit den Schultern und hält ihm auch die Hand hin. Der dritten, stadionversierten Freundin war es noch am Abend peinlich, als wir ihr davon erzählt haben.

Fußballgesänge: ich verstehe den Großteil nicht. „Wir – täterätetä“? Dortmund war vor dem Spiel auf dem neunten Platz, aber müssen die eigenen Fans deshalb singen Wir werden nie Deutscher Meister? Vor dem Anpfiff läuft Peter Fox.

Unvermuteter Jubel. Dabei ist auf dem Platz gar nichts passiert oder doch? Ich folge der Blickrichtung der vor mir Stehenden auf die Leinwand. 1:0 für Wolfsburg gegen Bayern. Beim 5:1 kennt die Häme keine Grenzen mehr – Dortmunder und Berliner mit einer Stimme. Das irritiert die Bayerin in mir doch ein wenig.

Jedenfalls gehen wir wieder hin, ins Olympiastadion. Nur näher an den Herthablock, denn gemeinsam verliert sichs leichter. Aber nächstes Jahr wird auch alles anders. Da gibt es dann Union gegen FCA. 2. Bundesliga.

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