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Archive for August 2009

Münznot

Auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Wuhlheide ziehen wir noch Wasser aus dem Automaten, um die Heimfahrt in der Schwüle zu überstehen. Auf uns kommt eine junge Mutter mit zwei Jungs und einem 5-Euro-Schein in der Hand zu. „Können Sie vielleicht wechseln, für den Automat?“. Wir haben nur 2-Euro-Stücke. Sie dreht sich weg, stoppt in der Bewegung, wendet sich uns wieder zu: „Ach, geben Sie mir halt 4 Euro zurück. Verdursten is ja auch schlecht.“

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Ich nehme nicht gern Abschied. Meine Kinder auch nicht. Als uns gestern mittag unser Feriengast für zwei Wochen verließ, weigerte sich die 2-jährige, „Tschüß“ zu sagen.

Die Große ist mittlerweile so erwachsen, dass sie Konventionen versteht – und oft auch einhält. Aber aus ihren Kleinkindertagen kenne ich es, dass wohl schon leises „Danke“, ab und zu auch mal ein „Bitte“ geäußert wurde, aber nie ein „Auf Wiedersehen“. Und nein, Winken möchte sie auch nicht.

Seit dem Wochenende habe ich das Gefühl, ich soll mich bereits von dem viel zu kurzen Sommer verabschieden. Das Licht ist schon Herbst, die Morgen sehr frisch. Es würde mich nicht wundern, schon der ein oder anderen Nebelschwade zu begegnen.

Bestimmt steht uns ein wunderschöner September bevor, vielleicht sogar ein warmer und sonniger Oktober. Herrlich, aber eben kein Sommer mehr. Institutionen schließen, abends setzt man sich gerne wieder nach innen, gelegentlich muss ich die Heizung aufgedrehen. Die Große ist über den Sommer aus ihren langen Hosen heraus gewachsen. Die Ferien sind vorbei und der Ernst des Lebens beginnt wieder. Oder wie ein Vater heute zu mir seufzend sagte: der Alltag hat uns wieder.

Herbst is wieder worn.
Im Herbst wird gstorbn.

singt Willi Michl. Da muss ich gerade viel dran denken. Ich sage mal noch nicht Tschüß, vielleicht bleibt er doch noch ein wenig, der Sommer.

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Auf meinem Nachttisch liegt noch unausgepackt das Buch über die Liebe von Richard David Precht. „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“ ist ein ansprechender Titel, über den ich eher Gutes gehört habe. Gelesen habe ich ihn nicht.

Und noch weigere ich mich, die Liebe nur als „unordentliches Gefühl“ degradieren zu lassen. Wahrscheinlich nicht mehr lange, aber wie mache ich dann weiter?

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Lang her

Manchmal, wenn ich alte Freunde treffe, die ich aus einem bestimmten Lebensabschnitt kenne, darf ich mit ihnen in diesem Lebensabschnitt schwelgen. Wenn ich es jedes Mal tue, habe ich mir mit diesem Freund nicht genug anderes zu sagen.

Wie auch immer: heute abend war es ein Freund und der Lebensabschnitt spielt in Irland. Im Winterland. Im Land meiner Sehnsucht. Gibt es ein Land um das mehr Sentimentalität, Klischee und Projektionen kreisen?

Ich war lange nicht mehr da, und die Vorstellung dorthin zu fahren macht mir Angst, denn ich weiß nicht, ob das, was ich heute dort finde, meiner Erinnerung entspricht.

Weiß eigentlich jemand, ob es auf den Aran Islands noch das Hostel mit dem launischen Hostelowner gibt, der ein so unglaublich feines vegetarisches Büffet zaubern konnte?

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Den letzten Dienstagsfilm verdanken wir Freunden, die ich am Dienstag nachmittag getroffen habe. Dienstag nachmittag, beinahe auf dem Weg zur besten Videothek Berlins, und ich weiß noch gar nicht, welcher Film es sein soll, zum „Aufwachsen in der Provinz“. Sicher, es gibt da eine Menge zu. ABER: er soll es ja genau treffen, nach Möglichkeit sollen wir ihn nicht alle bereits 5mal gesehen haben – obwohl das kein K.O.-Argument ist -, ich darf mich nicht zu sehr dem Verdacht aussetzen, auf Hollywood-Mainstream zu stehen, während meine Guckkollegen fürs Intellektuelle zuständig sind.

Vor der besten Videothek Berlins gibt es keine Parkplätze. Das ist weiter nicht schlimm, normalerweise komme ich mit dem Fahrrad. Mit dem Auto ist es ein absolutes Muss, vorher zu wissen, was ich dort möchte, also war es höchste Zeit eine Entscheidung zu treffen.

Ich schwankte: Ich warte seit langem auf einen Grund, Peppermint Frieden zu zeigen, aber es hapert daran, dass ich nur schwache Erinnerungen daran habe und deshalb mir mit der Zuordnung zu unseren Mottos schwer tue. It’s a wonderful life ist nur deshalb ein Weihnachtsfilm, weil er immer zu der Zeit im Fernsehen gezeigt wird. Aber trotzdem. Cinema Paradiso habe ich schon an anderer Stelle gezeigt. Zudem war noch ein Gast zugegen, von dem ich weiß, dass er Filme liebt, aber nur bestimmte, und dem ich weder einen langweiligen Abend bescheren wollte noch mir schiefe Blicke wegen meiner kruden Auswahl.

Der nachmittägliche, sonnenbeschienene Pflaumenkuchen mit und ohne Sahne hat das cineastische Erinnerungsvermögen der Freunde, scheint’s, prächtig stimuliert und so sprudelte der Vorschlagsfluß nur so dahin. Ich verrate hier nun nicht allzuviel, da ich das meiste in die Warteschlange für kommende Dienstagabende eingereiht habe. Auf Heimat haben sie mir viel Lust gemacht, aber das ist als Serienformat für unsere Belange nicht so gut geeignet, das können wir mal als Sonderprogramm ins Auge fassen. Auch der Zweiteiler Teufelsbraten hätte es wohl direkt getroffen, aber Zweiteiler stellen beim späten Filmbeginn in der Wochenmitte eine zu große Herausforderung dar.

Im Absoluten stehend, bei eventueller Polizeistreifung auf den Charme meiner reizenden, im Auto zurückgelassenen Kinder hoffend gehe ich in der Filmgalerie 451 direkt zum Tresen und frage nach den Dorfpunks, der schlichtweg noch nicht als DVD erschienen ist. Also wird es – wie angeraten – Peter BogdanovichsThe Last Picture Show. Melancholisch, amüsant, ein Volltreffer beim gesamten Publikum.

Also Danke und gerne weiter so! Thematisch nahe an der Provinz bewegt sich das nun vorgegebene Motto „Heimat“. Ich bin wie immer gespannt…

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…nämlich in Schweden. Im finnischen Schweden oder schwedischen Finnland. Darauf möchte ich als Nichteingeweihte nicht näher eingehen um keine Gefühle mit den Füßen zu treten. Schließlich bin ich aus dem bayrischen Schwaben oder dem schwäbischen Bayern und weiß, wie schnell da Fremde blödes Zeug reden können.

Populärmusik aus Vittula erfüllt die Vorgaben hundertprozentig, witzig, unsentimental. Dank an geliebter Mann für ein rundum zufriedenstellendes Filmerlebnis und die dankbare Vorgabe, nächsten Dienstag ums „Aufwachsen in der Provinz“ drehen zu lassen.

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Ach, ach, ach, schon wieder hinke ich den Ereignissen hinterher. Den „American Dream“ haben nämlich schon vor zwei Wochen Johnny Depp und Benicio del Toro in Fear and Loathing in Las Vegas ad absurdum geführt.

Unser Dienstag abend ist ja immer auch die Möglichkeit, sich Filme zu Gemüte zu führen, die ich freiwillig nicht ansehen würde. Es gibt sogar Filme, vor denen habe ich Angst. Davor, dass sie mich zu sehr mitnehmen, zu sehr berühren, zu sehr entsetzen, traurig machen. Filme können das schließlich. Es gab nicht nur einen Kinobesuch, bei dem ich Anfang bis Ende tränenüberströmt vor der Leinwand saß. Das Schrecklichste in meinem Leben habe ich – Gott sei Dank- im Kino gesehen.

Ich dachte, Fear and Loathing in Las Vegas gehört in diese Kastegorie und kam deshalb in meinem bisherigen filmrezipierenden Lebenslauf nicht vor. Doch beim Gucken fiel mir der tatsächliche Grund dafür ein, warum ich Ende der Neunziger darauf verzichtet hatte, ihn mir anzusehen: in den Kritiken wurde Terry Gilliam vorgeworfen, dass er die These nicht entkräftet hatte, dass die drogeninduzierte Odyssee durch den Wahn USA von Hunter S. Thompson nicht verfilmbar ist.

Nicht, dass ich das Buch gelesen hätte, obwohl ich es bereits vor Jahren symbolträchtig im City Lights Bookstore in San Francisco erstanden habe. Aber ich verstehe die Kritik. Ich hatte das Gefühl, zu verstehen, was gesagt werden soll, aber es blieb gewollt und an der Oberfläche. Ich kann mir die literarische Vorlage jetzt vorstellen und wahrscheinlich kann man sie einfach nicht verfilmen.

Ich meine, wenn Gilliam das schon nicht schafft?

(Weiter ging es dann die Woche darauf mit dem sehr treffenden „Sex and Drugs and Rock’n Roll“…)

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