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Archive for September 2009

Die Tagesmutter hat den Standort gewechselt. Für mich bedeutet dies: ich muss einen zweimal am Tag zurückzulegenden, liebgewonnenen Weg ändern. Ohje. Am Anfang läuft es nicht rund. Ich bin zuerst falsch abgebogen, musste einen Teil wieder zurückfahren. Ich kenne die idealen Straßenüberquerungspunkte nicht, muss absteigen, weil der Bordstein zu hoch zum Drüberfahren ist. Komme an der falschen Straßenseite raus.

Ein bisschen fühle ich mich wie eine Ameise, der man ihre Straße genommen hat. Jedenfalls denke ich, dass sich eine Ameise dann so fühlt. Ein bisschen aus der Bahn geworfen. Ich muss mich jetzt konzentrieren auf den Weg. Irgendwann, in ein paar Wochen, werde ich ihn optimiert haben. Zwischendrin werde ich in Gedanken versunken auch mal vor der falschen Türe stehen. Oder kurz davor. Vielleicht wird mir der Weg nur optimal vorkommen. Manchmal hilft erst ein Blick auf den Stadtplan oder ins Internet um erkennen zu lassen, dass der gefühlt kürzeste Weg nur Einbildung und dem fehleranfälligen Orientierungsvermögen geschuldet war.

Von hier bis zur Tagesmutter werde ich nicht in den Stadtplan gucken, das finde ich allein heraus. Wenn nicht, ist auch egal. Und ein bisschen Abenteuer ist es ja auch, so ein neuer Weg.

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So ganz komme ich nicht los davon, von diesem Qype. Das liegt einerseits an zugegeben nur noch wenigen Leuten, andererseits aber an der monatlichen Qype City Nacht, die so oft einen angenehmen und lebendigen Abend verspricht.

Ich war sehr gespannt. Das bin ich vor einer QCN natürlich immer, ich weiß ja nie, was sie mir bringen wird. Werden die Gespräche an der Oberfläche plätschern oder neue Gedanken mit nach Hause nehmen lassen? Wird die Mischung der Anwesenden eher Leichtigkeit und Witz bergen oder liegen zähe Stunden vor mir? Keine Ahnung, wie ich darauf komme – langweilig waren bisher die wenigsten QCNs. Während sehr wohl der ein oder andere kulinarische Reinfall dabei war.

In diesem Fall war ich nun aber besonders gespannt auf den kulinarischen Part, da ich mich ja auf vertrautes, aber lang zurückliegendes, ja schon beinahe nostalgisches Terrain begab: Russischen Hering im Pelz habe ich zuletzt wohl vor 15, 16 Jahren gegessen.

Die Frage stellt sich: kann irgendetwas überhaupt irgendwo jemals wieder so schmecken wie damals zu der Zeit meines Uniaufenthaltes in der südsibirischen Stadt Barnaul? (Wie, kennen Sie nicht? Ist doch die Hauptstadt des Regierungsbezirks Altai mit mindestens 750.000 Einwohnern.) In einem russischen Restaurant in Wilmersdorf, das in erster Linie für sein Frühstück berühmt ist?

Ja, ja, die legendären russischen Brunchbuffets…So sehr ich mich auch zu erinnern versuche, viel fällt mir zum russischen Frühstück nicht ein, außer, dass es keine Scheu gab, auch jene Mahlzeit als eine warme zu sich zu nehmen. Mit dem Berliner Phänomen des ausgedehntesten SonntagvormittagbisfrühenAbendgelage hatte es aber nichts zu tun. Jedenfalls nicht in Barnaul.

Worauf will ich hinaus? Der Hering im Pelz war einer der köstlichsten, den ich jemals gegessen habe. Die Kombination aus Kartoffeln, Gemüse, Dill, Rote Bete und Mayonnaise hat selten so perfekt zusammengespielt. Die Pelmenji waren selbstgemacht, der Teig nicht zu weich und nicht zu hart, ein zarter Geschmack unterstützt von der schmelzig-säuerlichen Smetana.

Die Portionen waren nicht groß, was zwar unüblich ist für die russische Küche, es dafür aber erlaubt, mindestens Vor- und Hauptspeise zu sich zu nehmen. Ich mag das.

Russisch fand ich hingegen die Kellnerin: sehr schön, ein wenig streng und ein wenig genervt. Ab irgendeinem Zeitpunkt ist sie am hinteren Ende des Tisches gar nicht mehr erschienen. Entweder war es schon Teil der Hinauskomplimentierens oder sie ist einfach nicht mehr von einem oder zwei der besonders angetanen männlichen Mitqypern losgekommen, ich kann es nicht sagen.

Gestört hat es mich insofern nicht, weil ich den ganzen Abend über außerordentlich charmante und interessante Tisch- nachbarn hatte, deren spannende Erzählungen und Berichte mir bei einem weniger leckeren Essen wieder einmal nicht erlaubt hätten, der gastronomischen Seite des Abends viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wie ich es halt kenne von fast den meisten QCNs in Berlin. Deshalb gehe ich ja auch jedesmal wieder hin.

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Tolles neues Motto…grummel, grummel, es lässt sich bestimmt was finden, aber so spontan kommt mir da nichts in den Sinn. Vielleicht nochmal ein Western? Gestern gab es den ersten in unserer illustren Reihe von cineastischen Schmankerln. Und es war ein verhältnismäßig neuer, moderner Western, auch wenn das Leben im texanischen Grenzgebiet anmutet als hätte sich seit damals nicht viel verändert. Das Thema von Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada war allerdings nicht der Kampf zwischen guten weißen Kolonialisten und bösen indianischen Ureinwohnern. Auch nicht gute Staatsmacht gegen bösen Banditen.

Nein, das Thema war wie bestellt „Grenzüberschreitung“ – schwierig, egal in welche Richtung: sowohl den illegalen Einwanderern aus Mexiko als auch Tommy Lee Jones mit der Leiche eines mexikanischen Freundes und einem entführten Grenzbeamten auf dem Weg zum mexikanischen Heimatdorf des erschossenen Freundes wird es von den US-Grenzern schwer gemacht, das jeweilige Ziel zu erreichen. Ich erzähle nun nicht weiter, um nicht mehr vorweg zu nehmen für die Interessierten unter Euch.

Es ist auf jeden Fall ein Western: ein Guter und ein Böser, Weiße und Nichtsoweiße, der Saloon wird zum Diner. Es gibt Cowboys und Entrechtete. Das mag manchmal ein wenig simpel erscheinen, aber es ist ein schöner Film, ein guter und spannender Western, der seinem brisanten Thema gerecht wird. Und ich bin doch immer wieder froh, wenn die Richtigen wenigstens im Film recht behalten.

Und nun? „Viva Mexico“. Ich fange schon mal an zu recherchieren.

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Der gute Freund hat es sich nicht leicht gemacht mit der „Heimat“. Herausgekommen ist ein sehr schöner, sehr ungewöhnlicher Film. Endlich mal eine Doku, das hatten wir bisher nicht am Dienstag abend: „Schlesiens Wilder Westen“ von Ute Badura. Ausgehend von den Menschen, die es angeht, ungewohnte Perspektiven auf einen so idyllisch anmutenden, mit so viel heimatlichen Emotionen besetzten Ort, nicht entblößend, nicht beschönigend.

Und was mir am meisten gefallen hat: kein Kommentar, der mir ein Urteil vorgibt, der mir erzählt, was die Bilder nicht zu erzählen vermögen. Ganz große Klasse und das Thema komplett nicht verfehlt. Mal sehen, ob dies nächste Woche genauso gut gelingt, wenn es um „Grenzüberschreitungen“ gehen soll.

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Jetzt ist er mir zuvor gekommen, der Herr Eichhorn mit der Vorstellung seines Buches. Die wollte ich doch vornehmen, aus Dank, weil er so ein schönes Buch geschrieben hat. Ich mache es jetzt trotzdem noch, weil wenn er es tut, mags ja vielleicht nicht jeder glauben, wie gut das Kaleidoskop der Kulinarik wirklich geworden ist.

Ich hingegen bin Leserin, quasi Userin und damit relevante Zielgruppe. Als Mitglied der solchen kommentiere ich: mir hat es ausnehmend Spaß gemacht, das ganze Buch auf einmal durchzulesen und auch nach über einem Jahrzehnt in Berlin finde ich darin eine Fülle an Nützlichem, Wissenswertem und Essentiellem. Meinetwegen hätte es gern doppelt so dick sein dürfen.

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