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Archive for Oktober 2009

Dem Himmel so nah

Gezeigt wurde zu „Which side are you on“ gestern abend Local Hero, ich glaube ein sehr schöner Film, dem ich aber mit keiner Beschreibung gerecht werden kann, da ich Teile davon – schlichtweg verschlafen habe. Das ist keineswegs mit dem Film an sich zu begründen, sondern liegt an der momentanen Ablehnung, die die kleine Tochter zur Zeit dem Thema Schlaf, auch zu unsinnigsten Zeiten wie morgens um halb fünf, entgegen bringt.

Ich werde ihn mir also irgendwann nochmal ansehen müssen. Mein Empfinden, dass der Zusammenhang mit dem Motto nicht stark ausgeprägt war, wurde mir dennoch vom aussuchenden geliebten Mann im Nachhinein bestätigt. Aber irgendwie kann man ja immer auf der ein oder anderen Seite stehen…Jedenfalls ist meine Aufgabe für das nächste Mal „Dem Himmel so nah“. Ich freue mich auf Hinweise, Ratschläge und gute Worte.

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Heute bei der Agentur für Arbeit: ein kurzes, freundliches Abklären der Sachlage am „Empfang“, dann in den dritten Stock: im Wartebereich nicht mal lange genug gesessen, um das Eingangsformular auszufüllen, bevor der eigene Name ertönt. Alles geht zügig, freundlich, kompetent und klar strukturiert, obwohl die mitgebrachten Unterlagen nicht 100% den Anforderungen entsprechen. Was fehlt, kann ich per Email nachschicken.

Mir ist schon klar, das war das erste Mal und nur die vorbereitenden Gespräche. Aber – ich hatte dies nicht erwartet. Nicht angesichts dessen, was ich sonst von Berliner Behörden kenne und nicht von dem, was ich bisher über diese Behörde gehört habe. Ich bin nicht zum Lesen gekommen (verflixt!), bin nicht herablassend behandelt worden und saß keiner überforderten, missmutigen Harpie gegenüber. Mag es tatsächlich so sein, dass die ans karikaturhafte grenzende Darstellung und Wahrnehmung in der gesellschaftlichen Kommunikation nicht nur das Bild der Arbeitssuchenden, sondern auch das der Vermittelnden verzerrt?

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Nach köstlichen Blätterteigtaschen mit Mangold-Schafskäsefüllung und Salat von gelben Bohnen, Zwiebelkuchen mit und ohne Speck, einem HimbeerFool und Espresso war es fast zu schwere Kost:

Europa von Lars von Trier. Trotz so vieler guter Tipps zum Thema „Film fiktiert Geschichte“ – besser hätte der Freund das Motto nicht treffen können. Ein verstörender, kontroverser (hey, Lars von Trier!), beunruhigender Film, der keine Identifikation zulässt, der Fragen stellt zum Ausgeliefertsein des Individuums an Machtstrukturen, Fragen zu Gut und Böse, zu Deutschen und Amerikanern, und dazu, ob man sich entscheiden muss. Er liefert keine einzige Antwort.

Lars von Trier schert sich nicht um historische Fakten und muss das auch nicht, weil er kein Geschichtsbuch verfilmt, sondern das Warum und Wie damals und immerwährend beleuchtet ohne ein erlösendes Ergebnis.

Der junge Deutsch-Amerikaner, der dem geschundenen Kriegsverlierer und Massenmörder Deutschland ein klein wenig Freundlichkeit entgegenbringen möchte, kann sich nicht entscheiden für eine der beiden korrupten und brutalen Seiten, und reisst so alle ins Verderben. Deshalb zu Recht die Frage fürs nächste Mal: „Which side are you on?“
P.S.: In der nachfolgend ausbrechenden Diskussion wurden bereits verschiedene Vorschläge ins Spiel gebracht. Kohlhiesels Töchter wurde bereits abgelehnt…

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Gestern abend bei 37°: Das Jahr der Entscheidung. Kinder in der 4. Klasse. 4 bayrische Kinder begleitete die Kamera im alles entscheidenden 4. Grundschuljahr. Der Druck, der auf den Kindern lastet, denn hier entscheidet sich die Zukunft, ist beim Zuschauen fast nicht zu ertragen. Es hängt so viel von ihrer in Noten bemessenen Leistung in diesem einen Jahr ab, allzumal im rigiden bayrischen System, das später kaum noch Durchlässigkeit nach oben aufweist – einmal Hauptschule, immer Hauptschule.

Der Druck, den sie untereinander aufbauen: denn “ dann muss ich auf eine schlechtere Schule gehen“ und der von den Eltern ausgeht. Hilflose Eltern, die für ihr Kind das Beste wollen – vom Unterbewusstsein unterstützenden Yoga bis zu strengsten Lernzeitplänen. Auch sie sind dem System verhaftet, es ist sehr schwer, sich davon unabhängig zu machen. Bei mir kommt große Erleichterung auf, dass meine Tochter im zwar armen, aber bildungspolitisch experimentierfreudigeren Berlin aufwächst.

Es fällt auf: wieso geht keine Forderung an Schulen, Lehrpersonal, Universitäten, Schule so zu gestalten, dass die Kinder freiwillig lernen. Dass es keine Qual für sie ist, sich das Wissen anzueignen, sondern Freude? Wieso besteht der Probeunterricht an den Gymnasien aus 3-tögigen Testaneinanderreihungen, statt sich die Kinder anzusehen und vor allem anzuhören, um herauszufinden, können sie eigenständig denken, sind sie interessiert an Inhalten, verstehen sie Zusammenhänge und nicht nur, wie sie im Prüfungsfall bestehen?

Sind Noten tatsächlich einer differenzierten Bewertung vorzuziehen? Wie können 10-jährige Kinder so endgültig in Schubladen der intellektuellen Fähigkeiten gesteckt werden? Welchen Sinn macht die Dreiteilung des Schulsystems? Welchen eine nur 4-jährige Grundschule? Und warum, verflixt nochmal, ändert sich hier nichts trotz Pisa und akutem Fachpersonalmangel? Und trotz ausreichender wissenschaftlicher Grundlagen in der Pädagogik und deren Umsetzung in fortschrittlich orientierten Kreisen und Ländern?

Man hat das Gefühl, hier helfen keine kleinen Reförmchen mehr, hier braucht es eine Revolution.

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Die Überlegungen zu Wein im irischen Pub haben mich darauf gebracht: warum gibt es immer wieder Ess- und Trinkbares, das nur in seinem Herkunftsland richtig gut schmeckt? Bei Meeresgetier und Mango ist dies leicht mit dem Frischeargument zu erklären. Aber was ist mit Guinness? Warum erscheint das samtschwarze Gesöff mit der Haube aus cremigem Schaum im Pub in Dublin wie von einem keltischen Gott den Menschen als Geschenk dargebrachte Verführung und im Fiddler’s Green um die Ecke nur als müder Abklatsch mit deutlicher Karamalznote?

Was mir da an Erklärungen schon alles unter kam: es liegt am Gas, mit dem das Bier gezapft oder vom Keller hochgepumpt wird (wird Bier gemeinhin mit Gas gezapft?), welches in Deutschland nicht erlaubt ist, für den Export wird es anders gebraut – auch hier gelegentlich mit der Komponente, dass das Original die strengen Lebensmittelkontrollen in Deutschland nicht besteht. Vielleicht hat es doch einen Grund, dass Barkeeper in Irland ein Ausbildungsberuf ist. Einer der wenigen, dafür dauert die Lehrzeit extra lange. Und dafür gibt es an einer Bar auch nichts Schnelleres, Kompetenteres und Faszinierenderzubeobachtendes als einen irischen Barmann. Vielleicht liegt es dennoch an etwas anderem.

Freunde haben vom mitgebrachten Retsina bei der Rückkehrfeier im griechischen Stil nur heftige Kopfschmerzen davon getragen, keineswegs den Zauber warmer Mittelmeernächte. Meine Mutter mochte Asti nur in Italien. Interessanterweise würde er sie heute auch auf der Terrasse eines kleinen Hotels an der Riviera nicht mehr begeistern. Aber die Änderungen des Volksgeschmacks sind ein anderes Thema. Im eigenen Wohnzimmer mochte sie ihn jedenfalls noch nie.

Wir haben kistenweise Kaffee, Tee, Oliven und einmal sogar Tonic Wasser aus anderen Landen importiert, die Rucksäcke vollgestopft damit, den alten Passat bis zur Beugegrenze beladen. Um die Unbeschwertheit des Reisens wenigstens noch kulinarisch ein wenig zu verlängern. Um den grauen Winter mit ein bisschen Fernweh zu würzen. Doch der Zauber hat nicht mehr gewirkt. Eines der Highlights war ein Oliventopf zur Aufbewahrung der mitgebrachten kleinen Schwarzen aus der Provence. Sie waren nach zweieinhalb Wochen verschimmelt, keine Ahnung, wie man sie haltbar bekommt. Egal, denn hier haben sie gar nicht so gut geschmeckt. Zuhause mag ich gar nicht jeden Tag Oliven essen.

Der Freund, mit dem ich damals unterwegs war, hat letztens seinen Hausrat entmüllt. Als ich zu Besuch kam, stand der Oliventopf auf dem Tisch. Ob ich den mitnehmen möchte, der sei damals bei ihm gelandet, aber Verwendung habe er dafür eigentlich nie gefunden. Ich widerstand meinen Anwandlungen von Nostalgie und Sentimentalität und überließ den Topf einem unbestimmten Schicksal. Möge er jemandem in die Hände fallen, der Oliven auch in den hiesigen Gefilden zu schätzen weiß und überdies ein brauchbares Rezept zur Konservierung hat. Man kann ihn sicher auch mit Gummibärchen füllen.

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Mercedes Sosa ist gestorben. Mir fehlen die Worte, es ist als ob ein ganz persönliches Zeitalter zu Ende geht. Schade, dass das in den hiesigen Medien nicht viele Worte wert ist, vielleicht habe ich sie aber auch einfach nicht gehört. Mercedes Sosa war mein ganz direkter Zugang zu den politischen Liedern Lateinamerikas, zum Canto Popular. Durch sie kam ich auf Viktor Jara, ohne sie hätte ich Atahualpa Yupanqui nicht gefunden. Ihr Konzert war eines der ganz wenigen überragenden Konzerte in meinem Leben, das ohne sie ein bisschen ärmer gewesen wäre. Ich ziehe den Hut und verbeuge mich bis auf die Erde. Wer mehr über sie wissen mag, dem sei dieser Nachruf empfohlen. Oder einfach ihre Musik.

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Warum nicht?

Es beschäftigt mich, seit ich davon gehört habe. Und ich kann es mir bis jetzt nicht erklären, warum sich die Welt so darüber echauffiert, dass Roman Polanski zur Verantwortung gezogen werden soll für ein Verbrechen, dass er zugegebenermaßen begangen hat. Ohne Frage stimmt es nachdenklich, dass die Ankläger in den USA über 30 Jahre gebraucht haben, um die Flucht des weltbekannten Regisseurs zu fassen. Auch ist es zulässig zu hinterfragen, warum der oberste Staatsanwalt in Los Angeles ausgerechnet jetzt den Fall wieder aufrollt. Doch das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wenn Polanski, was er offenbar nie bestritten hat, ein minderjähriges Mädchen mit Alkohol abgefüllt und dann vergewaltigt oder sexuell missbraucht hat, und dieses Verbrechen – wie ich finde, zurecht – nach geltendem Recht nicht verjährt ist, bin ich froh, dass es in dieser Gesellschaft noch jemand kümmert, dass er dafür bisher nicht zur Rechenschaft gezogen wurde. Auf komplette Blödheiten wie Whoopi Goldbergs Annahme, dass es sich sicher nicht um eine Vergewaltigung-Vergewaltigung gehandelt habe, mag ich gar nicht erst eingehen. Oder liege ich komplett falsch?

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