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Archive for März 2010

Okay, okay, ich nehme es zurück. Die Agentur für Arbeit ist hinter den beim ersten Besuch geweckten Erwartungen zurückgeblieben. Weit zurückgeblieben. Die Begegnungen mit meinem Arbeitsvermittler verliefen ganz gut, im ersten Gespräch hat er mir zu verstehen gegeben, dass die Agentur in punkto Arbeitsbeschaffung vermutlich nichts für mich tun könne, da sich die Arbeitgeber in solchen Branchen und Bereichen, in denen ich mich bewege, bei der Suche nach Kompetenz nicht an die Agentur wenden würden. Aha. Also keine Arbeitsvermittlung sondern…?

Was zwischen den Zeilen und durch die Blume klar wird: ich bekomme das Geld und dafür habe ich mir so schnell wie möglich einen Job zu suchen und zwar selber. Dabei darf ich gern auf das weitreichende Informationsangebot der Agentur zurückgreifen. Abgesehen davon, dass ich irgendwo auf der Webseite als Bürgerin und gelegentlich auch als Kundin angesprochen werde, wird der Ductus vor allem im Schriftlichen allmählich härter. Es ist nicht leicht festzumachen, aber dennoch bin ich von einer Absicht überzeugt, wenn bei jedem Kontakt das Gefühl entsteht, dass der Bezug von Arbeitslosengeld eine Gnade ist, die mir bei Ungehorsam schnell entzogen werden kann.

Wenn also die Agentur innerhalb von 3 Wochen nicht in der Lage ist, eine temporäre Abmeldung meinerseits verwaltungstechnisch zu bewältigen, und mir zum Monatsende fälschlicherweise den Gesamtbetrag überweist, dann liegt irgendwie die Schuld doch bei mir. Daher „habe ich …zu erstatten“; und die „überbezahlten Leistungen“, für die die Voraussetzungen weggefallen sind, „werden zurückgefordert“. Wie man halt mit Kundinnen und Bürgerinnen so spricht.

Einen vorläufigen Gipfel habe ich erreicht mit dem Besuch der Veranstaltung „Existenzgründung – Ein Weg aus der Arbeitslosigkeit“. Die beiden Damen, die ich bei meiner Ankunft eindeutig als wartende Teilnehmerinnen identifiziert hatte, präsentierten via PowerPoint nicht viel Neues. Das Gros der vermittelten Information kannte ich bereits von den vorangegangenen Beratungsgesprächen und den darin ausgehändigten Broschüren. Trotzdem hatte mir mein Arbeitsvermittler diese Veranstaltung sehr ans Herz gelegt. Einerseits spiele ich tatsächlich mit dem Gedanken an eine Selbständigkeit, andererseits sind mir in den letzten Wochen wenig brauchbare Stellenanzeigen untergekommen. so dass sich die Quote an Bewerbungen bis zum nächsten Treffen schlecht erfüllen lässt. Wir erinnern uns an die gefühlte Instabilität der gewährten Gnade.

Jedenfalls wurde also so vor sich hin präsentiert, auch Fragen beantwortet, nach Teil 1 folgt Teil 2, es geht jetzt vor allem um die Möglichkeit zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung während der Gründerzeit. Eine Einzahlung von 12 Monaten sichert ein halbes Jahr ALG1, längere Einzahlung entsprechend mehr Bezug. Wenn es denn mit der Selbständigkeit doch nicht so klappen sollte. Ja, auch das war mir bereits vorher zwei-, dreimal sehr empfohlen worden, eventuell auch schon für die temporäre Abmeldung. Der Antrag liegt hier auf meinem Schreibtisch.

Ein Nebensatz lässt dann allerdings aufhorchen: gesichert besteht diese Möglichkeit nur bis 31.12. 2010. Nochmal: 2010? Eine Frau fragt nach: verstünde sie richtig, dass, sollte sie jetzt beginnen, Beiträge in die freiwillige Arbeitslosenversicherung einzuzahlen und sollte die gegenwärtige Regierung im Laufe des Jahres beschließen, diese Möglichkeit nicht über die bisherige Frist zu verlängern, die eingezahlten neun Monatsbeiträge noch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld erzielen und sozusagen verloren sind? Nein, nein, wenn man in den nächsten zwei Jahren wieder abhängig beschäftigt ist, dann werden die 9 Monate mitgerechnet. Und wenn ich nach zweieinhalb Jahren die Selbständigkeit beenden muss und auf die Schnelle keinen Job in Anhängigkeit finde?

Ja, dann ist es weg, das Geld. Aber das sei ja bei vielen Versicherungen so. Also sie selbst zum Beispiel zahle seit Jahr und Tag hunderte von Euros in eine KfZ-Versicherung, aber ihr Auto sei nie geklaut worden und auch sonst ist nichts passiert. Diese Beiträge sind schließlich auch weg.

Schuld ist der Gesetzgeber. Spätestens jetzt frage ich mich, warum diese Frau einen Job hat und viele andere hier nicht. Mit Kompetenz hat es jedenfalls nichts zu tun. Ich bleibe, obwohl ich mich mehr als vergackeiert fühle. Ich will wissen, was es mit den angekündigten Unternehmensberatern auf sich hat. Das dauert nicht lange, denn viel mehr hat die Agentur nicht zu sagen.

Weil, die kommt jetzt nämlich von den Unternehmensberatern, die kennen sich da besser aus, die sind da im Gegensatz zur Agentur zuständig und die können das dann noch erklären. Was denn alles? Wo man das beste Existenzgründerseminar bekommt, die Notwendigkeit, ein solches zu besuchen, die Kofinanzierung des professionellen Coachings zur Businessplanerstellung und wer einem die beste Tragfähigkeitsbescheinigung ausstellt. Die anfallenden Kosten von ca. 100 EUR für diese von der Agentur geforderten, von einer weiter nicht hinterfragten fachlich kundigen Stelle auszufüllende Stellungnahme lassen alle der zu dieser Verkaufsveranstaltung anwesenden Unternehmensberater beim Anpreisen ihrer Dienste unter den Tisch fallen. Eine billige Verkaufsveranstaltung mit Menschen, von denen nicht wenige auf kompetente und differenzierte Information und Hilfestellung angewiesen wären.

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Unweigerlich treffsicher hat der gute Freund den Film zum etwas floskelhaft klingenden Motiv ausgesucht: natürlich fragt One flew over the cuckoo’s nest nach dem, was den Menschen ausmacht, nach Freiheit und eigenem Willen, und nach der Würde, die doch so eigentlich unantastbar sein sollte.

Als ich ihn vor vielen Jahren das erste Mal gesehen habe, war ich enttäuscht. Mein Urteil: zu Mainstream, zu sehr an der Oberfläche. Ehrlich gesagt, ich glaube, der Kritikerin von damals fehlte es schlichtweg an Lebenserfahrung, sie konnte das Gesehene mit nichts in ihrer eigenen Realität in Einklang bringen. Aber ich werde jetzt nicht hämisch, sie war noch ziemlich jung, keine zwanzig. Wenn man da nicht an die eigene intellektuelle Kraft glaubt und sich deshalb ein paar Beschränktheiten erlauben darf, wann dann?

Heute sehe ich den kongenialen Jack Nicholson und die grundsätzlichen, immer aktuellen Fragen, die nach dem Lebenswerten dieses Lebens. Manchen Filmen – wie auch Büchern und Theaterstücken – haftet der Geist ihrer Zeit zu sehr an, und es lässt sich in ihnen kaum Relevantes für das Jetzt finden. Ich lasse nichts über manche kommen, aber insgeheim macht sich leise Enttäuschung breit. Milos Formans Werk aus der Mitte der 70er hat jedenfalls anderes Format. Und daher ist die Vorgabe „Freiheit, die ich meine“ fürs nächste Mal mehr als gerechtfertigt.

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Die große Schwester war eine Woche nicht da. Der kleine Fratz singt „Im Frühtau zu Berge“. Auch das hat sie nicht von mir.

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Dem Rat einer nicht nur belesenen sondern auch besehenen Mitbloggerin gefolgt bin ich und habe nicht nur die Zeit der Träume miterlebt, sondern in erster Linie ihr Ende. Nächstes Mal, wenn Mutzi H. Europa allerdings davon redet, dass einem das Herz bricht, werde ich dies ernster nehmen und mir gut überlegen, ob ich dafür gewappnet bin.

Darren Aronofskys „Requiem for a Dream“ ist ein Film über Menschen, die auf der Überholspur leben, sich das Leben ein bisschen bunter, wilder machen wollen, die Träume haben, von denen Du ganz schnell weißt, dass sie nicht in Erfüllung gehen werden, nicht in Erfüllung gehen können, denn sie haben ihre Seelen nicht dem Teufel verkauft, sondern sich der Droge. Drogen, die sie in den absoluten Zerfall führen: seelisch, körperlich, geistig. Sie verlieren einen Arm, ihre Würde, ihre Freiheit und ihren Verstand. Und Du siehst ihnen dabei zu und hältst es am Ende fast nicht mehr aus.

Er hat mich noch tagelang beschäftigt, die Bilder haben mich verfolgt und ich hatte auch erstmal keine Lust, über ihn zu schreiben, dieser beeindruckendste Anti-Drogen-Film meines Lebens. Ich war froh als er zu Ende war und ich möchte ihn niemals wieder sehen. Aber ich bin auch froh, dass ich das jetzt weiß.

P.S.: MIr ist kene gute Überleitung eingefallen, die gibt es einfach nicht zu einer Titelzeile eines Herbert Grönemeyer – Liedes. Ich entschuldige mich auch in aller Form dafür, dass ich eine solche als Vorgabe für den nächsten Film ausgesucht habe, aber sie hat sich mir so hartnäckig in Hirn gebohrt als ich darüber nachgedacht habe, was vom Menschen übrig bleibt, wenn er solch umfassender Zerstörung anheim fällt. Der gute Freund muss nun – hoffentlich nächsten Dienstag – einen Film zum Thema „Wann ist der Mensch ein Mensch“ aussuchen, und wenn ich mir auch sicher bin, dass er diese Aufgabe wieder einmal bravourös lösen wird, kann ein wenig Anregung sicher nichts schaden.

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Eigentlich begeistert mich die Tatsache, zwei Töchter zu haben, und auch dass die kleine Tochter so eine tolle große Schwester hat. Heute morgen kräht es zweijährig vom Kindersitz, bis sich klar und deutlich „Facebook“ heraushören lässt. „wewewe“ sagt sie schon länger. Die Große und die KLeine sind manchmal zusammen am Computer. Natives halt. Das Krähen geht in Gesang über: „…sie ist ein Monster und sie macht mir Angst, Monstaaa,sie ist ein Monstaaa und sie macht mir Angst…“. Von mir hat sie das nicht, ich finde, sie ist zu jung dafür. Die Große übrigens auch.

Letzthin kam es zu einer der ersten dieser Freuden mit einer halbwüchsig werdenden Tochter, die sich wahrscheinlich vollständig nur durch den eigenen Fernseher im Kinder-, Verzeihung, Jugendzimmer vermeiden lassen – ein Konzept, das mir nicht gefällt. Wir haben uns einen Fernsehabend lang die Echo-Verleihung, die große PR-Aktion der Musikindustrie, angetan. Inhaltsloses Moderatorengeplapper, autistisch anmutende Wortfetzen von Sido, Unwitze von Lobredenhalter Pocher. Das Highlight für die 10-jährige: der Auftritt von Rihanna. Oha. Aber Hallo. Sehr, sehr sexy Performance als Ausgleich für den glatten Sound? Wenn mein Kind den expliziten Text vielleicht nicht zur Gänze verstehen sollte – was ich im Übrigen nicht glaube – die Bühnenshow macht alles klar.

Und nun? Verbieten am liebsten. Zurück zu Rolf Zuckowski, bitte. Hm. Meinen spontanen Unmutsäußerungen wurde mit „Ich bin doch keine sieben Jahre mehr alt.“ begegnet. Nein, nein. Weiß ich ja. Sie ist schon zehn. Für den Moment mache ich mich schlau und kein großes Gewese. Bin aufmerksam und studiere das Angebot.

Der lustigste Moment an dem Abend: Udo Lindenberg hält die Laudatio für Jan Delay. Ich glaube, meine Tochter glaubt, er ist ein Alien. Was – wie der gute Freund gestern anmerkte – nicht ganz weit von der Realität entfernt ist. Ich starte jetzt eine Gegenkampagne – quasi präventiv. Und wenn alles gut geht tönt vom Rücksitz bald: „…und Fritz der Cowboy wurde nur Manager bei der Müllabfuhr…“.

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In meinem Job bin ich auf die Zuverlässigkeit von Kurierdiensten einigermaßen angewiesen. Habe ich jetzt schon verloren?

Ein Audio-File sollte seinen Weg zu mir finden. Abgabetermin: Montag, 9:00 Uhr. Die Datei: zu groß um sie zu mailen, kein Herunterladen möglich. Also ein Übernacht-Kurierdienst. Auswahl: DHL Express. Ein Fehler? Die Sendung kam nicht am Samstag. Weder vor 10 Uhr, wie vereinbart, noch danach. Sie kam am Montag um halb neun und ich hatte keine Chance mehr den Auftrag fristgerecht abzugeben.

Gott sei Dank war die stark komprimierte Datei, die mir doch noch freitags per Mail zugegangen war, von so guter Qualität, dass ich damit arbeiten konnte. Und so weiß ich auch die folgenden Dateien auf einem sicheren Weg zu mir. Mit DHL Express sind sie das nämlich sicher nicht.

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