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Archive for Juli 2010

Selten wurde eine unserer Vorgaben besser erfüllt als diesen vergangenen Dienstag abend mit dem Film The Jazz Singer. Als erster Tonfilm wird zwar noch nicht gesprochen, oder besser: fast nicht, aber die Musik, um die es schließlich geht in der Geschichte, ist „live“. Seltsam zeitlos wirkt das Dilemma des Helden sich zwischen den alten Traditionen des Vaters, einem orthodoxen jüdischen Kantor, und der eigenen Verwirklichung in Form des Jazz und derWelt der Shows und des Broadways entscheiden zu müssen.

Wieder einmal habe ich festgestellt, dass ich Stummfilme mag. Sie scheinen mir immer zu anstrengend aus der Ferne, doch sobald ich mich auf einen einlasse, gefällt mir die Ästhetik, bleiben die Bilder viel länger haften.

Nun ist erst mal Sommerpause, aber dann heißt es im Sinne des letzten Films und im Sinn unseres Filmabends:“The show must go on.“

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Prinzipiell stehe ich Hexen positiv bis unentschlossen ob ihrer Existenz gegenüber. Eine eindeutig positive Erfahrung nach den Inszenierungen „Der kleinen Hexe“ in der Augsburger Puppenkiste als Kind kann ich jetzt verbuchen.

Anfang der 90er war ich eine schlanke junge Frau, das Studium ging dem Ende zu, die ganze Welt schien mir offen zu stehen. Ich hatte Bekanntschaft mit neuen Welten gemacht, ein halbes Jahr in Russland gelebt, fast ein ganzes in Irland, habe mich verliebt wie noch nie, und bin ebenso enttäuscht worden. Voller Energie und Tatendrang wollte ich die Welt erobern und war davon überzeugt, mir nie wieder um „Große Größen“ Gedanken machen zu müssen.

Seither hat sich vieles relativiert, vieles verändert – manches zum Besten, manches nicht so wunderbar. Wie wahrscheinlich oft. Manche Wünsche sind in Erfüllung gegangen, manche nicht. Ich bin nicht reich geworden und – nun ja, nach einigen Jahren, zwei Schwangerschaften, viel gutem Essen und Trinken, wenig sportlicher Ambition und der Überwindung der Nikotinsucht hat das mit den Kleidergrößen nicht so geklappt, wie erwartet.

Einige Zeit habe ich es geschafft, mich so durchzumogeln ohne mir neue Klamotten kaufen zu müssen, Schönes und Weites von einer Freundin bekommen, wie auch immer. Die erste Abteilung für größere Größen, die ich betreten habe, war die von H&M. Ganz praktisch, günstig, nicht der Schick der Ausschußware aus dem Kellergeschoß, wie es früher üblich war für die Frau ab 44. Allerdings für H&M relativ teuer, dafür in der gewohnten Qualität. Und manchmal bin ich zu erwachsen für den Stil. Ulla Popken ist für meinen Geschmack zu teuer, für das was es bietet – außer mehr Stoff natürlich, und nur gelegentlich schick.

Zuletzt bin ich in einem der gängigen Kaufhäuser eher zufällig an den Ständern ab 42 vorbeigelaufen und war entsetzt. Nicht liebevoll retro, sondern schlichtweg bieder, große Teile mit großen Mustern, furchtbare Farben in unangenehmen Materialien. Ist ja egal, die Dicken schwitzen sowieso? Das Zeug an den Bügeln ist zum Fremdschämen, zum Unglücklichwerden. Ich habe angefangen, mich umzusehen. Da muss es doch noch anderes geben? Außer wieder dünn zu werden, was sich so einfach nicht gestaltet?

Gibt es. Eine ganze Menge sogar. Eine ganze Szene, in die das Eintauchen lohnt und Spaß bereitet. Und mehrere Läden in Berlin. Kurvenstolz in Schöneberg zum Beispiel – aber das traue ich mich (noch) nicht. Wer ebenfalls noch nicht bei Größe 46 und figurbetont angekommen ist, oder das schlichtweg nicht als seinen Stil begreift, schaut sich das Atelier Hexenstich in Charlottenburg vielleicht einmal näher an: eigene Entwürfe und anderer Designer schöne Teile aus weichen, fließenden, kühlenden Stoffen, originell, farbenfroh – wenn gewünscht.

Ich bin rein, weil ich etwas für eine Hochzeit mit „festlicher Kleidung“ suchte. Die Beratung war kompetent und herzlich, mit frischem Minztee und ein bisschen Geplauder, bequemem Anprobierraum und kleiner Hundedame. Ein freundliches Ambiente, ein Willkommensgefühl und nach anderthalb mal Probieren hatte ich etwas an, das offensichtlich für mich und die Gelegenheit gemacht worden war. Ich werde weiter Fahrradfahren, Susie Orbach lesen und nichts über Hexen kommen lassen.

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Ich hinke sowas von hinterher mit der Filmberichterstattung, es muss an der Hitze liegen. Jetzt ist schon wieder Dienstag und ein neuer spannender Filmabend steht bevor.

Der Ausspruch bei der Verkündung des letztwöchigen Mottos war es, der dann auch die letztwöchige Auswahl bestimmte: „Das ist aber doch jetzt mal gut fürn Western.“ Für das Genre, das wir eher vernachlässigt haben. Ich habe noch Filme zum Thema Todesstrafe in Erwägung gezogen, mich dann aber dagegen entschieden. Ich wollte die gute Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Meine Liebe zu Western kommt von meinem Vater, mit dem ich die Wiederholungen rauf und runter geguckt habe; die Klassiker als auch die B-Movies; Italo-Western und alles von John Wayne. Nie geschafft haben wir „Spiel mir das Lied vom Tod.“ Mein Vater war Fernsehzuschauer, nicht Kinogänger. Doch als das erste Programmkino am Platz endlich an einem Sommersamstagnachmittag den Film zeigte, habe ich ihm das Versprechen abgerungen, mit mir dorthin zu gehen. Er hat mich runtergehandelt auf eine Fahrradtour ins waldig-schattige Siebenbrunn. Obwohl genauso wenig Fahrradfahrer wie Kinogänger war meinem stark rauchenden Vater eine anderthalbstündige Fahrradfahrt eher geheuer als drei Stunden Kino ohne Zigarette.

Ich habe ihn viel später noch in einem anderen Programmkino gesehen, ich glaube, mein Vater auch – im Fernsehen. Da dieser Film zum Angedenken an meinen Vater gehört und ja tatsächlich eine für Dienstag abend ungebührliche Länge aufweist, habe ich mich für einen anderen, eher unbekannten Western entschieden, den ich damals allein gesehen hatte und der mich als jungen Menschen ziemlich beeindruckt hat in seinem Umgang mit dem alttestamentarischen Rachekonzept – und zwar per se, aber auch vor dem Hintergrund der zuhauf konsumierten Westernfilme -: The Bravados. Dass hier selbst Religion als Heilsbringerin – sachte – hinterfragt wird, war mir nicht mehr bewusst.

So leicht bin jetzt nicht mehr zu beeindrucken, Filmästhetik hat sich verändert. Es ist trotzdem ein spannender Western, anders als andere. Oder nicht? Ich glaube, ich muss mal wieder ein paar anschauen.

Basierend auf der übereinstimmend geäußerten Bewunderung des genialen Einsatzes von Musik in The Bravados geht es heute darum, dass „der Film die Musik macht.“

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Mist, ich habe gar nicht mehr viel Zeit. Irgendwie ist mit Fußball und dies und jenem die Zeit zu schnell vergangen und nun habe ich nur noch einen Tag, um mir den ultimativen Film zum Thema „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zu überlegen. Das ist übrigens das Motto aus Bomber und Paganini von letzter Woche (Danke Herr Kurbjuhn!), zu dem ich leider nicht viel sagen kann, weil ich eingeschlafen bin.

Ich möchte dazu erklären, dass das nicht auf die Qualität des Films schließen lässt, höchstens auf seine Actionwertigkeit: ich bin nicht spätfilmtauglich. Wenn nicht ein magenverkrampfender, herzschlagverdreifachender Thriller gezeigt wird, habe ich die Tendenz – im Kino wie vorm Fernseher – nach 22 Uhr einfach einzuschlafen. Wie übrigens auch auf Auto- und Zugfahrten. Ich bin dann wie hypnotisiert und habe keine Chance gegen die Schwerkraft der Augenlider. Da das immer wieder sehr schade bzw. von den Anwesenden eher kritisch beurteilt wird, muss ich eben dafür sorgen, dass die Anfangszeit wieder nach vorne rückt. Ist eh zu heiß, um viel zu essen, gibts zukünftig belegte Brote…

Und morgen eben wie gesagt, mit „Auge…..“

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