Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Oktober 2010

Heute habe ich die Erfahrung. Aber wohl nicht genug für Plov. Immerhin sah er so aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Das Problem: statt eines köstlich lockeren Reisgerichts hatte ich eher so eine Art Risotto, usbekisches Risotto. Der Geschmack war gut, wirklich.

Gehen sollte es ungefähr so: eine Handvoll Fleisch nach eigenem Geschmack (bei mir Schwein, Rind und Lamm), nicht zu mager, wird nicht zu klein geschnitten, angebraten, eine große Menge (hier 2 1/2) Zwiebeln gewürfelt und dazu gegeben. Dann Koriander und Cumin mörsern und dazu, Lorbeerblätter, Salz, Pfeffer, nach Belieben und wenn keine kleinen Kinder mitessen – Chili oder Cayennepfeffer, eine kleine Handvoll Berberitze. Darüber eine Schicht grob geraspelte Karotten (hier: 4 große) und darüber rohen, gewaschenen Reis, ungefähr die Hälfte der Fleischmenge. In den Reis drückt man eine Knoblauchknolle. Ja, richtig: K N O L L E. Das Ganze mit Brühe aufgießen und salzen, bei niedriger Temperatur schmoren bzw. quellen lassen. Ab hier bin ich keine verlässliche Begleiterin mehr.

Der vermutete Fehler: zuviel Brühe und zu viel Fett. Der Reis war gar, fast zu gar, aber die Flüssigkeit noch nicht komplett aufgesogen. Allerdings kann ich fast nicht weniger Wasser reingeben, es muss ja überstehen. Oder muss es nicht? Varianten wären: anderer Topf, anderer Reis, weniger Flüssigkeit, eventuell nicht Brühe sondern nur Wasser und den Geschmack nur durchs Fleisch-Zwiebelgemisch entstehen lassen. Mehr Mut zum Längerköchelnlassen. Keine Angst vor verkokelten Topfböden. Wie gesagt, der Geschmack war gut. Fand ich und noch ein glaubwürdiger Gast.

Wenn ich wieder jemand gefunden habe, der dieses Gericht essen möchte, kann ich weiter experimentieren.

Advertisements

Read Full Post »

Eigentlich habe ich gar keine Zeit, ich bin am Geldverdienen. Aber erstens war endlich wieder Filmabend und das Thema „Liebe heilt alle Wunden“, das der geliebte Mann fast abgelehnt hätte wegen des hohen Kitschfaktors und weil ihm halt nicht so recht was einfallen wollte, dann doch herausragend erfüllt mit Kirschblüten – Hanami, dem einzigen mir bekannten Dörrie-Film, den ich nicht für prätentiös und überbewertet halte. Mit einer vergötterungswürdigen Schauspielerleistung Elmar Weppers. Und dem Motto für nächste Woche: „Männer in Frauenkleidern“.

Ich bin dankbar für eine Einengung der großen in Frage kommenden Auswahl durch hier eingehende Tipps. Obwohl aus mehreren Gründen fast schon feststeht, was es nächsten Dienstag sein wird.

Und zweitens habe ich beschlossen, gelegentlich hier auch darüber zu schreiben, wenn mir ein Gericht besonders gut gelingt, dessen Rezept ich nicht eins zu eins aus einem der in vier Regalmetern vorhandenen Kochbücher abschreiben könnte.

Nun steht heute an, meinen ersten Plov seit vielen Jahren zu kochen. Plov ist ein Gericht, das ich aus Russland mit nach Hause gebracht habe. Dort haben sie es wiederum aus einer der südlichen Exrepubliken, laut Internet aus Usbekistan. Gelernt habe ich es ohne jeglichen Schnickschnack, Fleisch, Karotten, Zwiebeln, Reis und Knoblauch. Salz und Pfeffer. Mehr war an Zutaten im winterlichen Sibirien auch nicht zu bekommen. Das Ganze stammt aus einer Zeit, in der ich mich an Rezepte gehalten habe, weil mir an Erfahrung und Selbstsicherheit mangelte. Deshalb ist das Gericht auch meistens nichts geworden, ich hatte ja kein Rezept, nur inspirative Maßgaben.

Heute habe ich erstens die Erfahrung und zweitens ist die Erinnerung an den damaligen Geschmack weit genug verblasst, so dass zumindest darin keine Enttäuschung zu erwarten ist, dass es nicht schmeckt, wie ich es kenne. Und deshalb kann ich heute Koriander, Kreuzkümmel und Berberitze verwenden. Letztere ist angelesene Inspiration, dank derer ich endlich mal wieder dem türkischen Markt am Maybachufer einen Besuch abstatten durfte. Aber das ist ein weiteres Thema.

Wenn es was geworden ist, veröffentliche ich hier. Wenn nicht, dann nicht.

Read Full Post »

Die neue Kita ist gut. Zu weit weg, um sie bequem zu Fuß zu erreichen und mit strikten Regeln. Vielleicht liegt es aber eher am erzieherischen Ton, in dem sie manchmal den Eltern näher gebracht werden, der mich ein bisschen irritiert hat. Das ist dann alles, was es an verwertbarem Futter für die Nörgel-Nelly in mir gibt.

Engagierte, liebevolle Erzieherinnen, die den Kindern viel Aufmerksamkeit schenken, ein selbstbewusstes Konzept, eine kompetente, fröhliche, herzenswarme Leiterin, ein begeisterter Koch. Es finden regelmäßig Ausflüge statt: Theater, Drachensteigen, zum nahe gelegenen Kinderbauernhof. Wie ich aus eigener und anderer Eltern Erfahrung weiß, geht das auch anders.

Und dann ist da noch das Gruppenfrühstück. Jeden Donnerstag bringen die Eltern eines Kindes Frühstück für die ganze Gruppe, für 15, 16 Personen. Das eigene Kind ist in der Gastgeberrolle, die Eltern übernehmen das Catering. Es ist ein überschaubar anstrengender Beitrag von seiten der Eltern und alle 15 Wochen macht es auch Spaß sich etwas halbwegs Gesundes, und gleichzeitig vor dem wählerischen Kindergeschmack Bestehendes zu überlegen.

Beim kürzlich abgehaltenen Elternabend kam die Idee ins Spiel, das Gruppenfrühstück beim jeweiligen Kind zu Hause stattfinden zu lassen. Es gibt keine Verpflichtung, das Angebot wird aber gerne angenommen, wobei Erzieherinnen und Gruppe auch einen längeren Anfahrtweg in Kauf nehmen. Natürlich ist es keine Verpflichtung, wem kann man schon aufzwingen, 15 Kinder in den eigenen vier Wänden willkommen heißen zu müssen. Mein Erschrecken war ob der sofort vor dem inneren Auge entstehenden Bilder von unzähligen Marmelade- und Fetthänden an den Altbautüren, auf dem Sofa, an der Katze und des vorgestellten, begleitenden Lärmpegels kein Geringes.

Aber die Idee ist gut, das Kind vermutlich stolz wie Bolle, man hat mal alle eingeladen und wenn man alles auf ein Zimmer und einen abgeschirmten Korridor zum Bad beschränkt, und dann Augen zu und durch…? Vielelicht eine Putzkolonne beauftragt? Ich werde darüber nachdenken. Eine stärkere Irritation kam beim US-amerikanischen Vater in der Runde auf. Einerseits war ihm die Information völlig neu und überraschend, andererseits hatte er offensichtlich starke Bedenken wegen der fürs Kind fremden Umgebung, fremdes Treppenhaus, fremde Wohnung. Mir blieb verborgen, wovon seiner Meinung nach die besondere Gefährdung ausgeht, vor allem auch im Gegensatz zu anderen Ausflugzielen.

Zugegeben, mir fehlt das Verständnis für die Bedenken. Aber dennoch muss ich sie ernstnehmen, mich mit ihnen auseinandersetzen. Ich vermute, es sind Bedenken aus einem anderen Kulturkreis. In den Vereinigten Staaten ist es weit verbreitet, seine Kinder vor den Unbillen der äußeren Welt so komplett wie möglich abzuschirmen. In bestimmten Milieus werden die Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht, bis sie selbst fahren können. Sie dürfen nur zwei Meter voraus laufen aus Angst, dass sie, ja was? Abhanden kommen? Geklaut werden? Sich ein Loch in der Erde auftut und sie verschluckt? Man sieht, ich tue mir schwer mit dem Ernstnehmen. Ich halte das für Hysterie, jedenfalls und mindestens hier bei uns in Berlin. Und für ein gefährliches Verhindern von Selbständigkeit, Loslösung und Verantwortlichkeit.

Am darauffolgenden Donnerstag fand das Gruppenfrühstück bei einem Kind zu Hause statt. Ohne das Kind des amerikanischen Vaters. Meine Tochter sagte mir, es durfte nicht mitkommen. Ob das nun so stimmt, weiß ich nicht. Dreijährige schnappen gelegentlich etwas außerhalb des Zusammenhangs auf. Wenn aber doch: Muss ich das nun akzeptieren? Auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann? Wenn ich es für hysterisch und sogar falsch halte? Einem anderen Kulturkreis zugehörig? In der Klasse der Großen durfte der muslimische Junge aus eher fadenscheinigen Gründen nicht mit zur Klassenfahrt und kein intensives Gespräch der Lehrer und der Schulleitung konnte daran etwas ändern. Das hat viele aufgeregt, aber im Endeffekt kennt man das ja, das ist halt ein schwer integrierbarer Kulturkreis, diese Muselmanen. Ich fand es falsch und schade für das Kind, akzeptiert habe ich es schlussendlich doch, ohne Auseinandersetzung, ein weiteres Teil im Puzzlebild der Stereotypen und Vorurteile.

Ich hoffe, dieses Mal traue ich mich, mich auseinanderzusetzen, ernstzunehmen und dann herauszufinden, ob anders auch seine Berechtigung hat oder Hysterie einfach Hysterie bleibt.

Read Full Post »

Gestern kam die Verleihung des Deutschen Fernsehpreis. Im Ersten um 21:45, direkt nach dem Tatort, After-Prime-Time sozusagen. Keine ganz gute Sendezeit, aber immerhin lässt sich da noch einen Großteil des Tatortpublikums abgreifen.

Es gibt Unterhaltungsformate, die bauen auf die eher unangenehmen menschlichen Eigenschaften wie Sensationsgier, Häme und die Erleichterung darüber, dass andere noch dümmer, noch dicker, noch schlechtere Eltern, noch ärmer, noch arbeitsloser, etc. sind. Sie funktionieren, denn: sie unterhalten, leider, irgendwie.

Das gelang der Verleihung des Deutschen Fernsehpreis nicht. Selten habe ich etwas Belangloseres, Langweiligeres gesehen als diese Veranstaltung. Uninspirierte Laudatoren mit auswendig gelerntem Gesumse, die Jurybegründung vom Band eingespielt. Esprit und Charme zeichneten die Dankesreden keineswegs aus.

Schon die Nominierungen zumindest der Kategorien, bei denen ich noch zugesehen habe, werfen schon ein wenig versprechendes Licht auf deutsche Fernsehkultur: Stefan Raab ist das Beste, was an Entertainment aufzubieten ist, sein „Star für Oslo“ gewinnt gegen Mario Barth und X-Faktor. Die besten Sportsendungen des Jahres sind die Berichterstattungen von Sky, RTL, ZDF und ARD zur Fußball-WM 2010. Sieger: RTL. Die deutsche Fußballnationalmannschaft erhält den Ehrenpreis der Stifter, da wird doch mal die Prioritätensetzung deutlich. Umso bitterer die Einblendungen aus den vergangenen 60 Jahren Fernsehgeschichte: da weiß man, was man mal hatte an „Dalli Dalli“ und „Ein Herz und eine Seele“.

Heute habe ich nachgelesen, das Niveau der Nominierungen und Preisträger stieg im Verlauf der Feier wohl doch noch ein wenig. Innovative Ansätze vermisse ich trotzdem. Auf spiegel.de habe ich dann auch noch erfahren, dass Regeländerungen viele Medienschaffende auf die Palme gebracht hatte, so dass sie mit Protesthemd und -button anreisten und teilnahmen. So irrelevante Kategorien wie Drehbuch, Nebendarsteller und Regie sind abgeschafft. Das mag traurig sein, nicht auf dieser Veranstaltung auftreten zu müssen, kann sich jedoch jeder Medienmensch, der einigermaßen seine Sinne beisammen hat, nur wünschen. So sind ja auch einige gar nicht angetreten um den Preis entgegenzunehmen, was dem Ganzen eine erfrischende Note gab, belustigend und aussagekräftig vor allem der Hinweis des Sportchefs von RTL, Günter Jauch sei wegen der Arbeit an seinem neu erstandenen Weinberg nicht in der Lage, den Preis persönlich entgegen zu nehmen.

Erfrischend war auch das Moderationsteam Sonja Maischberger und Kurt Krömer, die bei diesem Schmierentheater allerdings deplaziert wirkten. Krömer agierte frech und wenig beeindruckt von der anwesenden deutschen Fernsehszene, allerdings schien es, dass viele seiner oft wirklich komischen Kommentare beim Publikum die Wirkung verfehlten. Ich möchte sowohl ihm als auch Frau Maischberger die Frage stellen: haben Sie das nötig? Bitte, bitte, nicht, sonst wird es bald richtig dunkel in der fernsehdeutschen Medienlandschaft.

Der Publikumspreis ging an „Sturm der Liebe“. Hat ein Publikum, das diese Wahl trifft, nichts Besseres verdient, als den Deutschen Fernsehpreis? Wenn es sich aus freien Stücken dafür entschieden hat, würde ich sagen, ja, mit Anschaupflicht Preisverleihung und Siegertitel im Anschluss, alle Staffeln ohne Pause. Ich persönlich möchte übrigens keine GEZ-Gebühren mehr zahlen müssen – weder für so eine dilettantische Preisverleihung noch für das, was offenbar das Gros des Fernsehpublikums interessiert.

Oder doch nicht? Die zur Verfügung stehenden Alternativen für den Publikumspreis waren „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ und „Anna und die Liebe“. Jetzt frage ich mich, welches Bild die Fernsehverantwortlichen von ihrem Publikum haben, dass sie ihm solch eine Auswahl präsentieren und ob hier nicht entsprechende Sehgewohnheiten herangezogen werden, die das Deusche Fernsehen immer billiger, nichtiger und dumm werden lassen.

Read Full Post »

Apropos ein Sack Reis: nach dem hervorragenden Kommentar von Robert Misik letzte Woche in der taz zu Meinungsfreiheit und Thilo Sarrazin, hat mich gestern der Wochenbeitrag auf Radio Eins vom sonst eher unpolitischen Horst Evers zu einem ähnlichen Thema außerordentlich amüsiert.

Read Full Post »

Mögen Sie Droste? Ich manchmal. Manchmal geht er mir gehörig auf die Nerven. Vor allem dann, wenn ich die Welt schön finde und das Leben für etwas Gutes halte, denke ich, Wiglaf Droste ist ein Berufsgrantler, ein Miesepeter, der an allem etwas auszusetzen hat, ein Erbsenzähler mit seinen subjektiven Sprachgenauigkeiten. Seit ich vor ein paar Jahren seinen entsprechenden Text in der taz gelesen habe, traue ich mich nicht mehr, davon zu schreiben, dass etwas „Sinn macht“. Denn heißen muss es – korrekt in der mir eigenen Muttersprache, dass etwas „Sinn ergibt“. Nur wer, außer Droste, sagt das? Und wenn schon, wenn halt (ha, noch ein schlimmes Wort untergebracht, ein „Füll- und Nullwort“) was Sinn macht? So wie ich ja auch gerne sage: Das hat meinen Tag gemacht. Auch so eine schöne Übernahme einer englischen Formulierung, die nur noch nicht so richtig Eingang in den deutschen Sprachgebrauch gefunden hat.

Gestern habe ich bei Kisch&Co, meiner seit alther geliebten Kreuzberger Buchhandlung mit modernem Antiquariat, einen günstigen Droste erstanden: „Will denn in China gar kein Sack Reis mehr umfallen?“ Ehrlich gesagt, die nachher beim mittäglichen Imbiss auf der Oranienstraße gelesenen Beiträge haben meinen Tag gemacht. Obwohl das Leben schön war an diesem sonnigen Vormittag endlich mal wieder in 36.

Erstmal: auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit ihm bin, wie Wiglaf Droste schreibt, macht mir schlichtweg Freude, sein meisterhafter Umgang mit dem Wort. Und zweitens: er hat ja recht. Meistens. Oft. Mal mehr, mal weniger. Jedenfalls mag ich wohl Droste. Wenn er mir auch manchmal auf die Nerven geht. Und Sie?

Read Full Post »