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Archive for November 2010

Julie & Julia ist ein netter Film über eine junge Amerikanerin, die auf der Suche nach einem der denkbaren Sinne des Lebens in einem Jahr 524 Rezepte aus „Mastering the Art of French Cooking“ von Julia Child nachkocht und darüber bloggt. Laut Film befand sich Child in einer ähnlichen Phase der Orientierung als sie aus Liebe zu gutem Essen in Paris kochen lernte, anfing Kochbücher zu schreiben und und Kochsendungen zu moderieren, um die französische Küche in Amerika zu etablieren. Ihr starker Einfluss auf das kochende US-Amerika hält offenbar bis heute an. Powells Blog gewann ebenfalls schnell an Popularität, obwohl der Vergleich eventuell etwas hinkt.

Manchmal treibt die Suche nach dem Motto für die nächste Auswahl seltsame Blüten. Üblicherweise bestehen zwei der drei Filmfreunde darauf, die Filme im Original mit Untertiteln zu sehen, so auch dieses Mal. Die waren von gar nicht so schlechter Qualität, manchmal eventuell zu verstiegen, so dass es an einer Stelle bei dem Satz „Es ist rezent.“ zu deutlichen Verständnisschwierigkeiten kam. Mich persönlich irritierten sie so, dass ich weder weiß, was im Original gesagt wird, noch um was es in dieser Szene tatsächlich geht. Den Mottogeber wiederum hat der Satz so beeindruckt, dass er ihn sich bis zum Schluß gemerkt hat und – zunächst scherzhaft – als Vorgabe für den folgenden Filmabend stellte. Ein kurzes Geplänkel mit dem Versuch, die Bedeutung der Aussage zu klären, führte im Endeffekt dazu, dass der geliebte Mann aus einer gewissen ihm eigenen Sturheit heraus (- „ich weiß woher das Kind das hat“) nicht mehr von dieser Vorgabe abrücken mochte. Nun gut.

Da keiner von uns so genau weiß, wovon wir hier reden, nehme ich als Grundlage, was der liebe Freund zu sagen hatte: „rezent“ bedeute so viel wie ’starker Eigengeruch‘. Weiterhin verwerfe ich komplett die Erklärung aus Wikipedia („Das Adjektiv rezent (Betonung auf der zweiten Silbe) bezeichnet gegenwärtige oder kürzlich vergangene Zustände oder Vorgänge.“) und arbeite den Netzfund ein, dass es sich um eine schweizerdeutsche Beschreibung für ein spezielles Käsearoma (säuerlich-stark) handle. Das alles vermische ich, und nehme mir einiges an künstlerischer Freiheit heraus, um heute abend überhaupt einen Film zeigen zu können. Die Abwegigkeit erlaubt es mir nicht einmal die geneigten Leser um Rat gefragt zu haben. Oder kennt jemand einen Film über rezenten Käse? Über gegenwärtige oder kürzlich vergangene Zustände und Vorgänge? Vielleicht greife ich doch lieber darauf zurück – da kann das Thema kaum verfehlt werden.

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Manche Leute lachen mich aus, wenn ich erzähle, dass ich wieder im Allgäu war, Rind kaufen. Also gut, fast alle lachen. Das Amusement basiert häufig auf der als absurd empfundenen Vorstellung einer mit Fleisch gefüllten Tiefkühltruhe in einem Privathaushalt. Viele finden es auch schlichtweg unsinnig, für ein paar Fleischstücke soweit zu fahren. In Brandenburg gibt es doch auch Kühe?

Mein Gott. Natürlich fahre ich nicht für sogar weniger als ein Achtel Rind ins Allgäu. Erstens ist der Löwenanteil (kann man das sagen bei einer Kuh?) für meine Mutter. Sie, die schon seit Jahren dieses Fleisch bezieht, den Bauern kennt und den Jungtieren sommers Jahr für Jahr beim Herumtollen auf der Weide zugesehen hat, braucht kein ganzes Viertel als kleinste zu erstehende Einheit mehr, möchte aber auf die herausragende Qualität und den praktischen Vorrat nicht verzichten.

Ich wiederum nehme die Gelegenheit wahr, ins alte Zuhause zu fahren, Familie tanken, Freunde treffen. Weil ich meine Mutter zum Bauern fahre und mit ihr das Rind hole, habe ich eine herrliche Ausrede dafür, von Berlin ins Allgäu zu fahren für ein bisschen weniger als ein Achtel Rind.

Ich bin gern im Allgäu, meine Begeisterung wächst je älter ich werde. Ich treffe gern diesen Allgäuer Bauern, der auch Musiker ist, mit seiner kritischst von den Nachbarn beäugten Angusrinderzucht. Die Kälber trinken die Milch ihrer Mütter, verbringen das Jahr im großen Stall und auf der Weide: ungespritzt, unbehandelt – Tier und Futter.

Dieses Jahr war die Schlachtzeit noch nicht zu Ende und die hygienischen Bestimmungen nicht mehr so streng. Wir durften den Stall betreten. Ich musste schon schlucken beim Betrachten der Jungtiere. Das ist auch in Ordnung so. Ich esse Fleisch und ich weiß, wo es herkommt. Es schadet nichts, sich das gelegentlich vor Augen zu führen, muss ja nicht im Detail sein.

Der Bauer behandelt seine Rinder mit sehr viel Respekt, er weiß,was er von ihnen bekommt und schätzt sie sehr. Überhaupt wirkt er sehr zufrieden, er lebt gern dort, wo er ist, möchte mit der Großstädterin auf keinen Fall tauschen. Er hat Zeit für einen kleinen Plausch, einen Espresso, die ersten Lebkuchen. Erzählt vom Musikerstammtisch, vom Holz, von seinen Tieren und der guten Qualität des Fleisches. Quasi vegetarisch sei es, veredeltes Gras. Und er isst ihn selber so gern, den Braten ohne Antibiotika und anderem Gift. „Nett isch des“ sagt er immer mal wieder. Ich habe schon schlechtere Standardsätze gehört.

Aber nein, ich würde für ein paar Stücke Fleisch nicht durch die ganze Republik fahren. Echt nicht.

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Als Schwarz-Gelb die Regierungsgeschäfte übernahm, dachte ich, kälter als unter Rot-Grün angestoßen und unter Schwarz-Rot fortgeführt könne das soziale Klima in diesem Land nicht mehr werden. Aber sie lassen sich doch noch ganz schön was einfallen.

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Literaturen

Nach zwei Wochen Abwesenheit fragt mich meine große Tochter, ob ich gerade etwas zu lesen hätte. Ich bejahe, frage nach. Sie erklärt mir, dass sie die Lektüre vom dritten Teil der Tintenwelttrilogie verschoben hat, ihr gerade die rechte Lust fehlt, so dass ich sie haben könnte. Sie liest jetzt nämlich lieber Oliver Twist. Auch wenn sie sich weiter weigert, „Die rote Zora“ oder Mirjam Pressler zu lesen – sie hat meine Qualitätsansprüche wohl einfach nicht mehr nötig.

Die Kleine hat Fernsehen und Filmschauen für sich entdeckt, und würde dieser neuen Neigung gerne von morgens bis abends nachgehen, am liebsten immer wieder dasselbe. Heute habe ich endlich verstanden, dass sie einen Kater zitiert, wenn sie den Kopf schräg legt, mich fragend anschaut und sagt: „Was sagst Du, alter Mann?“ (Petterson und Findus)

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Ich hinke hinterher. Dieses Mal habe ich eine großartige Ausrede, sogar mehrere. Ich war verreist. An die Ostsee. Dann habe ich gearbeitet und dann war ich quasi nochmal verreist. In die Herkunftsstadt. Und dort ist mir dann das Auto nachhaltig kaputt gegangen. Fast komplett. Ich habe dann doch nochmal kräftig investiert in den alten Herrn, was er mir bei der Ankunft in Berlin mit zwei maroden Stoßdämpfern und einem losgelösten Unterbodenblech gedankt hat. Vielleicht war das transportierte Sofa doch zu schwer für ihn. Dazwischen habe ich meine Laune mit absurdem Augsburger Humor über den tiefsten Punkt hinweggetröstet.

Aber mittendrin konnte es zu den „Männern in Frauenkleidern“ zu diesem Zeitpunkt nur Manche mögen’s heiß geben, zum Gedenken an den großartigen Tony Curtis. Direkt nach der Ankunft zurück in Berlin folgte der nächste Klassiker zum Thema „Geld allein macht nicht glücklich“: Citizen Kane. Für mich ein ‚endlich‘, da ich dieses Meisterwerk tatsächlich noch nie gesehen hatte.

Wie es weitergeht? Ich bin sehr gespannt auf den „Liebling der Massen“. Vielleicht fällt ja dem einen oder der anderen etwas dazu ein?

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