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Archive for Februar 2011

Obwohl die Biere der Memminger Brauerei bei den Freunden nicht in allzu gutem Ruf standen, bekam der Dunkle Alpkönig bei den meisten gute Noten. Beim Überfliegen der Historie des Unternehmens belustigt mich die etwas beleidigt wirkende Erwähnung des „dunklen Kapitels“ der Brauerei, in dem berichtet wird von den schlechten Zeiten, als

„Tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten zwischen den beteiligten Inhaberfamilien über die konzeptionelle Ausrichtung des Unternehmens im März 1997 dazu [führten], dass der für Technik und Vertrieb verantwortliche Vorstand Jochen Kesselschläger in einer “Nacht- und Nebelaktion“ mit Hilfe der im Aufsichtsrat vertretenen Arbeitnehmervertreter seines Amtes enthoben wurde. Ausschlaggebend waren die Stimmen der beiden Belegschaftsvertreter, die wohl auf Grund der Einleitung von Kosten senkenden Maßnahmen durch den Vorstand Jochen Kesselschläger, zu diesem Schritt bereit waren.“(http://www.memminger-brauerei.de/)

Gott sei Dank sei aber der Familie Kesselschläger schon nach kurzer Zeit der Coup gelungen, sämtliche Aktienanteile der beteiligten Familienstämme in ihren Besitz zu bringen, mit einem finanziellen Aufwand von über 20 Mio. DM, um somit den Fortbestand der Brauerei und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu sichern. Jochen Kesselschläger wurde wohl umgehend wieder in Amt und Würden gesetzt.

Doch damit nicht genug der Unbillen. Noch einmal musste sich das aufwärts strebende Unternehmen mit übel gesinnten Arbeitervertretern herum schlagen:

„Am 20.11.2001 übernahm die Memminger Brauerei 100 Prozent aller Gesellschafteranteile der Ulmer Münster Brauerei GmbH & Co. Vertriebs KG. Die anfänglich gute Umsatzentwicklung wurde durch das Verhalten und durch Pressekampagnen der Gewerkschaft stark beeinträchtigt. Obwohl fast das gesamte Personal der Vertriebsgesellschaft mit den von der Memminger Brauerei vorgeschlagenen Maßnahmen, wie Besitzstandswahrung der Löhne bei gleichzeitiger Beschäftigungsgarantie auf mehrere Jahre, einverstanden war, verhinderte letztendlich die Gewerkschaft eine für die Belegschaft positive Lösung. Durch die Belegschaft des Lagers Neu-Ulm sowie durch die Logistikfirma Tietz, die einen Teil der Ulmer Münster Fahrer übernommen hat, konnten die Ulmer Kunden in unsere Organisation und Absatzgebiete integriert und von der Leistungsfähigkeit der Memminger Brauerei überzeugt werden.“

Na, dann ist ja noch alles gut geworden.

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Die Freundin aus der alteingesessenen Brauereifamilie winkt ab. „Das machen sie doch jetzt alle.“ Na gut, dann ist es halt doch nicht so speziell, wie ich dachte, das Triple vom Schäfflerbräu. Aufgemacht wie ein edler Champagner oder doch zumindest ein vernünftiger Sekt sieht es fesch aus, wie es so im kleinen Laden am Ort präsentiert wird. Der Ladenbesitzer kommt erklärend zu Hilfe. Fruchtig sei es, was ganz Besonderes. Das trinkt man nicht einfach so, sondern mal als Aperitif, oder nach dem Essen. Interessant sei es allemal.

Bei der Bierprobe gab es ein großes Hallo, als die Flasche auf den Tisch kam. So etwas hatte noch keiner der Anwesenden gesehen, geschweige denn probiert. Also doch ein bisschen speziell, das Triple. Ich kann jetzt bestätigen: interessant ist es. Und nein, zum einfach so mal trinken taugt es eher weniger. Ich persönlich muss es gar nicht mehr trinken, die allgemeine Einschätzung war gemischt. Was es genau ist, weiß ich bis heute nicht, nur dass es in der Flasche gärt und mit feinster, selbstgezüchteter Trappistenhefe angesetzt wird. Nun denn.

 

Ein zweites Zwickel haben wir auch getestet, vom Allgäuer Brauhaus. Das Allgäuer Brauhaus besticht durch besonders liebevoll gestaltete Etiketten, urwüchsig-traditionell.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Brauerei mitnichten um einen regionalen Familienbetrieb. Seit seiner Gründung 1911 bereits als Aktiengesellschaft übernimmt das Allgäuer Brauhaus immer mehr regionale Brauereien, 1921 den ortsansässigen Marktführer, die Stiftsbrauerei.

Diese Politik setzt das Unternehmen über die Jahre fort, so dass es im Raum Kempten mehr oder weniger eine Monopolstellung inne zu haben scheint. Mittlerweile gehört es zur Radeberger Gruppe, eine Tatsache, die sich aus der hauseigenen Webseite nicht so leicht herauslesen lässt.

Die Biere sind in Ordnung, das Zwickel kam in der Runde besser an als jenes vom Schäffler, mir hat es speziell das Büble-Bier angetan, obschon ich die Bezeichnung oder vielmehr die eventuell damit verbundene erzieherische Tradition nicht weiter hinterfragen möchte.

Die Vermutung stand im Raum, dass es vielleicht doch als Zeichen der Zugehörigkeit zum großen Allerweltsbierkonzern gerechnet werden könnte, dass alle getesteten Produkte so konsensfähig waren, gefällig durch Gewohnheit, sozusagen. Doch ich muss ja nicht gleich zynisch werden, nur weil die Biere allgemein mundeten.

Das hat übrigens auch das einzige „normale“ Dunkle, das wir probierten. Ich persönlich mag dunkles Bier nicht so gern, außer es ist gut gezapftes Stout. Ich trinke ja auch kein Malzbier. Der Alpkönig Dunkel stammt aus einer anderen nicht mehr so regionalen Brauerei, der Memminger nämlich. Die Vorverkostung eines recht flachen Alpkönig Kellerbieres versprach nicht so recht Gutes. Der Grund, warum die Sorte dennoch Aufnahme in unsere Reihe fand, liegt bei Herrn Hirnbein, auch bekannt als der „Alpkönig“, der weiland die Weitnauer Brauerei gegründet hatte, die wiederum 1986 von den Memmingern aufgekauft wurde.

Carl Hirnbein und das Dunkle

Carl Hirnbein (1807 – 1871) stammte aus dem Ort, wo wir gelegentlich mal Urlaub machen, war Agrarreformer, Hotelbesitzer, Großbauer, Brauherr und was weiß ich noch alles. Ihm ist die Umwandlung des Allgäus vom nicht mehr lukrativen Flachsanbau zur Milchwirtschaft und Käseherstellung zu verdanken. Literarisch wurde er in der 1934 bis 1936 erschienenen Trilogie des dichtenden Priesters Peter Dörfler Alpkönig, Nothelfer und Zwingherr gewürdigt, an die sich in diesem Haushalt bisher trotz aller Faszination mit ihm, der das Allgäu, wie wir es nun kennen, so vehement geprägt hat, noch niemand gewagt hat.

Zur Memminger Brauerei gibt es noch ein bisschen mehr zu erzählen, doch dazu bald.

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Meine erste Weinprobe fand vor vielen Jahren unter der Würzburger Residenz statt: in einem historischen Kellergewölbe mit riesigen Fässern beim Schein der in Bocksbeutel aufgestellten Kerzen. Die anwesenden, erfahrenen Weinprober hatten allerlei deftige Brotzeit dabei, an der sie uns großzügig teilhaben ließen. So inspiriert und angenehm betüdelt habe ich selten eine Veranstaltung verlassen.

Bei der Eröffnungsrede

Um so etwas selbst durchzuführen, fehlt es mir an Expertise, daher bin ich für einen gegebenen Anlass darauf verfallen, stattdessen eine Bierprobe durchzuführen. Nicht, dass ich mich mit Bier so viel besser auskenne, aber mangels professioneller Vorlage schien mir mein laienhaftes Vorgehen mit netten Geschichten und extraordinären Etiketten leichter zu entschuldigen.

Im Endeffekt haben Auswahl und Vorbereitung Spaß gemacht und es wurde ein außerordentlich lustiger Abend. Konzentriert hatten wir uns auf Biere aus dem Allgäu, weil diese selbst in der Hauptstadt schwer bis gar nicht zu bekommen sind, es sich um ein einigermaßen überschaubares Gebiet handelt, und wir dort wie so oft gerade erst unseren Winterurlaub verbracht hatten, und so die Versuchsobjekte eigenhändig aussuchen und in die Hauptstadt transportieren konnten.

Zugegeben, bei der Auswahl hat es uns ein wenig mitgerissen, jedenfalls brachten wir am Ende 13 Sorten mit nach Hause, obwohl wir auf Weizenbiere komplett verzichtet hatten. In Kleinstmengen ausgeschenkt haben wir tatsächlich 12 davon verkostet.

Wie gemalt

Um eine ausreichende Unterlage für doch einiges an Bier zu schaffen, hatten unsere Gäste wunderbares Brot und feine Biobutter mitgebracht, einen Obatzten und einen mediterran eingelegten Harzer, der nicht nur ungewöhnlich war, sondern entgegen der Befürchtung der dafür verantwortlichen Freundin auch hervorragend geschmeckt hat. Diverse Allgäuer und Augsburger Wurstwaren haben wir selbst beigesteuert ebenso wie meinen geliebten Bergkäse verschiedenen Alters von der besten Käserei, die ich kenne.

Doch zurück zur Hauptsache, den Bieren. Der geliebte Mann wollte sich eigentlich auf das Oberallgäu beschränken, aber das hätte mir nicht erlaubt, die Lieblingsbrauerei meines Vaters mit vorzustellen, das Meckatzer Löwenbräu aus dem Westallgäu. Obwohl mein Vater Weizen trank oder Helles und kein Pils, konnte ich so insgeheim einen Schluck auf sein Andenken trinken. Davon abgesehen hätte ich dann weder Gelegenheit gehabt, das meiner Meinung nach außergewöhnlichste und dabei sehr gelungene Etikettendesign zu präsentieren noch das Lena-Weiss-Lied. Hier handelt es sich um eine dem bayrischen Tanz „Zwiefacher“ nachempfundene Unternehmenshymne, die auf die zumal für die damalige Zeit sehr eigenständige und tatkräftige Unternehmensgründerin zurückgeht. Auch wenn das Lied gerade in anderen Teilen Deutschlands eher belustigend anmutet, ist es doch nicht der schlechteste Mythos, um darauf eine Unternehmensphilosophie zu gründen, in der gesellschaftliche Verantwortung einen festen Anteil hat.

Schäfflertanz - Silber auf Schwarz

Herausgestellt hat sich dann noch, dass die einzige andere anwesende Bayerin den Zwiefachen sogar tanzen kann, auf eine Kostprobe davon mussten wir allerdings verzichten. Ihr wie auch den anderen vorwiegend norddeutschen und preussischen Gästen hat das Pils gut gefallen, besser jedenfalls als das der kleinen regionalen Brauerei Schäfflerbräu in Missen, das durchweg als zu bayrisch, zu wenig Pils empfunden wurde. Von derselben Brauerei kommt ein anderes Lieblingsbier meines Vaters und des geliebten Mannes, das Zwickl.

Zwickelbier ist die generelle Bezeichnung für ein ungefiltertes naturtrübes Bier. Das habe ich gelernt, als ich in einer Berliner Kneipe an der Tafel Zwickel angeboten sah und mich sofort begeistert wähnte, eine Quelle für das Allgäuer Bier aufgetan zu haben. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt, es handelte sich ein naturtrübes Saisonbier der ortsansässigen Lemke-Brauerei. Sicher auch nicht schlecht, aber halt kein Schäfflerbräu.

Eine Fortsetzung wird folgen.

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Fast so wichtig wie das Schauen der Filme ist das vorausgehende gemeinsame Abendessen, das im Übrigen gemeinhin weder etwas mit dem Motto noch mit dem zu zeigenden Film zu tun hat. Beim letzten Mal gab es Möhren-Orangensuppe, ziemlich simpel, ziemlich lecker: Ingwer und Knoblauch in wenig neutralem Öl angehen lassen, klein geschnittene Möhren dazu, gutes Curry (in meinem Fall vom Alten Gewürzamt, Danke, Weihnachtsmann!) drüberstäuben, mit Gemüsebrühe aufgießen, salzen, Möhren weichkochen, alles pürieren, Orangensaft nach Geschmack dazu und abschmecken.

Als Hauptgang folgte einer meiner vegetarischen Standards: die Lauchtorte mit Ziegenfrischkäse aus einem alten Essen&Trinken-Heft.
Aus 200g Mehl, 125 g Butter, einer Prise Salz, 1Eßl. kaltem Wasser und zwei Eigelben einen Mürbteig kneten, ausrollen, Springform auslegen, mit der Gabel in den Boden stechen, mit Teigresten Rand hochziehen. Letzteres klingt einfacher als es ist, da der Teig, dem wahrscheinlich die Ruhe fehlt, recht brüchig ist, sich schlecht ausrollen und noch schlechter zur Wurst formen lässt. Da muss man durch, einfach stückeln, zusammenschieben, drücken, pappen, das Ergebnis wird gut, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Speckwürfel auslassen und anbraten. Da es sich ja um einen meiner vegetarischen Klassiker handelt, lasse ich diesen Schritt aus und dünste die Lauchringe in Öl ein paar Minuten an, großzügig Salz und Pfeffer dazu. Etwas abkühlen lassen, dann auf den Teigboden geben. Darüber wird 200 g Ziegenfrischkäse gebröckelt, darüber wiederum eine glattgerührte Creme aus 200g Creme Fraiche, 2 Eßl. Schlagsahne, 1 Ei, 1 Teel. Senf. Bei 180° für ca. eine halbe Stunde in den Ofen.

Das kenne ich so gut, dass ich weiß, was sich abändern lässt und was nicht. Ein Versuch mit Vollkornmehl konnte nicht überzeugen: entgegen meiner Erwartungen korrespondiert ein kräftigerer Teig nicht mit dem starken Eigengeschmack des Lauchs. Offenbar braucht er im Gegenteil das Feine des sehr mürben Weißmehlteigs. Im Originalrezept steht Creme Double, die hier kaum erhältlich ist. Macht nichts, nehmen Sie Schmand oder Creme Fraiche. Ziegenfrischkäse war gestern keiner zu bekommen: eine Mischung aus Ricotta und Schafskäse funktioniert auch wunderbar.

Zum Nachtisch hatten wir endlich die seit langem zum Ausprobieren anstehende Crème brûlée nach einem Schuhbeck-Rezept aus dem von mir sehr geliebten Kochbuch Meine bayerische Küche. Am Ende bin ich bei der Herstellung dieses altbayrischen Nachtisches („Karamellisierte Rahmcreme“) an der Handhabung des Bunsenbrenners gescheitert. Da ich die Schälchen unter den Backofen-Grill stellen musste, war nicht nur die obere Karamellschicht heiß, sondern leider auch die ganze Creme warm. Das lässt sich noch optimieren; geschmacklich und von der Konsistenz schienen alle zufrieden. Ich auch.

180 ml Milch, 180 ml Sahne und anderthalb Eßlöffel Zucker zusammen mit dem Mark einer Vanilleschote und der ausgekratzten Schote aufkochen lassen, vom Herd nehmen, 15 Minuten ziehen lassen, Schote entfernen. 4 Eigelbe mit anderhalb Eßl. Zucker schnell und gründlich verrühren. Die noch heiße Vanillemilch langsam zum Ei gießen, durch ein feines Sieb in Portionsförmchen umfüllen. Diese auf ein tiefes Backblech stellen, heißes Wasser angießen, bis sie zu einem Drittel drin stehen, 30-50 Minuten bei 150° stocken lassen (bei mir reichten 30 Minuten). Mindestens 4 Stunden kühl stellen. Das ist vermutlich nur wichtig, wenn man die Creme nicht, so wie ich, sinnloserweise am Ende wieder erwärmt. Vor dem Servieren kommt eine Schicht brauner Zucker drauf, der schnell und intensiv karamellisiert werden muss. Wenn jemand dafür eine narrensichere Methode weiß – ich bin für Ratschläge wirklich dankbar.

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Der liebe Freund sagt, er habe sich noch nie so schwer getan mit einem Motto. Entschieden hat er sich letztendlich gegen War of the Worlds für Tirez sur le pianiste von Francois Truffaut. Ich kannte beides nicht, war dann gespannt, ob meine Vorbehalte gegenüber dem französischen Film Bestätigung oder Berichtigung erfahren.

Nun? Ich würde sagen, weder noch. Ich fühlte mich unterhalten, war nicht gelangweilt, bin auch nicht eingeschlafen. Doch so den rechten Zugang fand ich nicht, ich bin mir nicht sicher, um was der Film geht. Der liebe Freund schlug vor, in Anlehnung an Truffauts Annäherung an Alfred Hitchcock, Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?, ein Buch mit dem Titel „Monsieur Truffaut, wie haben Sie das gemeint?“ zu veröffentlichen. Vielleicht besteht ein Zusammenhang damit, dass ich auch nie einen Sinn für die Sprache entwickelt habe, obschon auf diesem Gebiet im Allgemeinen nicht ganz unbegabt?

P.S.: Die Vorgabe für nächste Woche: „Die Schatten der Vergangenheit“. Ein weites Feld?

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Freitag abend in einer sehr feinen Runde eine Allgäuerbierprobe abgehalten. Bericht mit Fotos folgt. Die große Tochter erzählt beim Frühstück, dass sie davon geträumt hat. Kein pädagogisches Highlight, aber ein schöner Abend.

Am Samstag sehr lebhaften Anderthalbjährigen der Freundin gehütet. Er brachte meine Dreijährige auf Ideen. Alle Stühle und Beistelltische waren verschoben, meist Richtung Essbares. Nur einmal vom Hüpfpferd gekippt. Nebenher Gegendemos in Dresden verfolgt. Der Nazi-Aufmarsch wurde verhindert, und die Presse beschäftigt sich mit den linksautonomen Randalierern. War und ist Gewalt nötig oder haben sich nur einige Leute mit zu niedriger Aggressionsschwelle inhaltlich für die richtige Seite entschieden? Allerorts ist von Überforderung und Unterbesetzung auf seiten der Polizei zu lesen. Wäre das Wissen darum, dass man nicht genug und nicht genug erfahrene Polizisten für solch eine Veranstaltung aufbieten kann, nicht ein Grund, Naziveranstaltungen – zumal mehrere gleichzeitig am selben Ort – nicht stattfinden zu lassen?

Sonntag vormittag mit der Großen in der Ausstellung Else Lasker-Schüler. Bilder im Hamburger Bahnhof. 10 Minuten vor Öffnung da zu sein passiert mir selten. Mit uns warteten erstaunlich viele mittelalte bis ältere gutgekleidete Damen. Ich bin sehr beeindruckt von der Künstlerin, habe mich aber in erster Linie wieder an ihre Gedichte erinnert. Jetzt denke ich darüber nach, inwieweit sie doch zur klassischen Moderne gehört, was ein guter Freund verneint, und ob ihre Kunst für heutige Maßstäbe ‚gefällig‘ ist, wie derselbe gute Freund anmerkte. Ihre Biographie fesselt mich, obgleich ich nichts davon halte, sie zur Grundlage für das Verständnis ihrer Kunst zu machen. Danach ein Kaffee im „Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof“. Schönes kaffeehausgleiches Ambiente, aufmerksamer, flinker, freundlicher Service, leider schmeckte der Milchkaffee nicht.

Nach Rinderbraten (Bräter in seiner vorgesehenen Funktion eingeweiht) mit Schupfnudeln (nicht schlecht fürs erste Mal) und Blaukraut (vom letzten Mal noch aus der Tiefkühle geholt) das, was dann kommen muss: Wann hat das eigentlich angefangen, diese Fixierung auf den Tatort als einzig mögliche Sonntagsabendbeschäftigung? In dem Ausmaß, dass Telefonanrufe unabgehoben an uns vorübergehen und beim Abendessen immer die bang-unterschwellig-aggressive Fragestellung im Raum steht: wer bringt die kleine Tochter ins Bett – und verpasst damit vermutlich mindestens den Anfang? Die strategische Planung geht soweit, dass wir uns ums Essenkochen am Sonntagabend reissen, denn wer kocht, muss zwar nach dem Hauptprogramm die Küche putzen, darf aber um 20:15 pünktlich vor der eingeschalteten Glotze sitzen. Es lohnt sich in den seltensten Fällen. Gestern zum Beispiel war Schrott, und ich behaupte, das liegt nicht nur an den völlig unglaubwürdigen Kommissarsdarstellern Thomalla und Wuttke, auch wenn manche Leute mir den Regisseur Buddy Giovinazzo als Kult verkaufen wollen.

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Prinzessinnenbad

Die Prinzessin hat ein Bad genommen. Mit großem Hofstaat.

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