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Archive for März 2011

Wenn er mit der großen Natur auf Tuchfühlung geht. Das gilt auf jeden Fall für den 23-jährigen Kenichi, der Anfang der 60er Jahre heimlich von Osaka aus mit einem Segelboot aufbricht, um als erster Japaner auf diese Weise den Pazifik zu überqueren. Ernsthafte Filmkenner werden mit den Augen rollen: Ich kannte Kon Ichikawa nicht, aber schließlich ist Japan als Filmland für mich sowieso bisher terra inkognita. Er war es, der diese auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte Anfang der 60er verfilmt hat.

Was soll ich sagen? Ich glaube, der Film Alone across the Pacific war gut. Das heißt, das, was ich davon gesehen habe, hat mich beeindruckt und trotz aller Naturgewalt hatte er Witz. Zum Beispiel in der Szene, in der er sich laut einredet, dass das Essen aus der Dose ganz hervorragend sei, oder noch besser, seine Ankunft im Hafen von San Francisco, wo er wie ein Alien beäugt wird. Aber – Sie ahnen es schon – so richtig kann ich nicht mitreden, weil ich eingeschlafen bin. Ich war leider so müde am letzten Dienstag abend, dass es wohl nur ein nervenzerreissender Thriller geschafft hätte, meine Augenlider am Zuklappen zu hindern. Ich finde es mal wieder sehr schade, denn der Film wäre es wohl wert gewesen.

Ich hoffe, nächstes Mal bin ich wacher, wenn der geliebte Mann was zum „Willkommen in der Neuen Welt“ zeigt.

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…oder was sonst lässt mich gelegentlich eine so große Distanz zum jungen Volk empfinden? Und nicht nur, wenn es um Justin Bieber geht.

Bin ich nur spießig, wenn ich die mittlerweile gängige Beschimpfungsformel ‚Opfer‘ für ein weiteres Indiz einer rückwärts gewandten Bewegung hin zum frühkapitalistischen Recht des Stärkeren und weg von der Zivilisation und ihren Errungenschaften (Abschaffung der Todesstrafe, Empathie als Handlungsgrundsatz, UN-Resolution gegen Folter, Gleichberechtigung der Religionen, Rassen, Geschlechter, Lebensformen, etc.) halte? Sehe ich es mal wieder zu eng?

Andererseits gehört dies hier zum witzigsten, was ich bisher diese Woche gelesen habe:

Am Samstagabend gehen wir mit unserer Ersatzfamilie essen im „Mädchen ohne Abitur“ und ich erzähle, dass mich neulich eine Freundin fragte, was mit meinem Bauch los sei. Sie dachte, ich wäre schwanger, und ich schämte mich und meinte nur, äh, vielleicht bin ich dicker geworden, weiß nicht.
Aurélie schüttelt den Kopf. „Das war eine total dumme Antwort“, sagt sie mit diesem wunderbaren französisch-englischen Akzent, den außer ihr niemand auf der Welt hat. „Also, du hättest einfach sagen müssen: Das ist meine Wampe, du Opfer!“ (Margarete Stokowski in der taz vom 29.03.2011)

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…nach einem Sonnenwochenende an der Ostsee wieder ins normale Leben zurückzukehren: Atomkatastrophe in Japan kann sich Jahre hinziehen – weiteres Beben in Nordjapan – in Libyen weiß keiner so recht warum, wohin und vor allem wo wird es enden? – in BW wird das unmöglich Geglaubte wahr: Mappus bekommt die Rechnung serviert für seinen autoritären, verlogenen und intriganten Politikstil, die FDP für den ihrigen als Klientelpartei auch – Grund zum Jubeln finde ich jedoch nicht, immerhin stehen nur knapp 25% der Badener und Württembergerinnen hinter ihrem neuen Ministerpräsidenten; knapp 40% fanden wohl, Mappus hätte weitermachen sollen – außerdem müssen sie dort jetzt erstmal den Müll wegräumen. Ob sie das können?

Und eigentlich muss ich am Bericht weiterarbeiten. Und ein krankes Kind betütteln. Und Ostseewäsche waschen. Und so einiges anderes Liegengebliebenes. Vom Tatort habe ich gestern wegen der von mir sehr ungeliebten Zeitumstellung nur die letzte halbe Stunde gesehen. Ob er mir wohl gefallen hätte? Und wie ist es mit Ihnen?

Ich glaube, ich fahre wieder. Zurück an die Ostsee.

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Dank der Vorschläge der geschätzten Kommentatoren sind wir schon zu so manch filmischem Schmankerl gekommen, in diesem Fall zu einem allseits höchst positiv aufgenommenen und allen Beteiligten unbekannten. Uzala, der Kirgise ist ein beeindruckender Film über die Freundschaft zwischen zwei fremden Welten, über wildes Land und Urbanität, wobei letzteres deutlich schlechter wegkommt, über die Winzigkeit der menschlichen Kreatur angesichts gewaltiger Natur. Trotz klischeeträchtiger Antonyme und Paarungen wird Kurosawa niemals platt, man fühlt sich nicht, als ob einem der Regisseur eine Botschaft einhämmern möchte. Auch wenn natürlich, wie von einem Mitgucker zu Recht moniert, das Bild des edlen Wilden bedient wird.

Angesichts der starken Bildhaftigkeit des Film war der Fernsehbildschirm schier nicht ausreichend und weckt den Wunsch, einmal die Gelegenheit zu bekommen, das Werk auf großer Leinwand zu sehen. Kritisch fanden der liebe Freund und ich auch die Synchronisierung, zumal wir beide Verfechter des Schauens in Originalsprache sind. Aber beides tat dem gestrigen Filmgenuss nur wenig Abbruch. Das Filmland Japan haben wir damit übrigens nur gestreift, es handelt sich um einen sowjetischen Film unter Beteiligung des Ateliers 41, Japan. Interessant finde ich, dass es zu so einer Zusammenarbeit kommen konnte und ebenso, dass ein sowjetischer Film mehr oder minder unkommentiert die Landnahme unter zaristisch-russischen Vorzeichen zum Thema hat.

„Ganz klein wird der Mensch, wenn er mit der großen Natur auf Tuchfühlung geht,“ sagt der Offizier Arsenjev bei der Ochsentour durch die winterliche Taiga, ein hervorragendes Motto für die nächste Woche.

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Der Sonntag startete mit quasi keinem Frühstück, weil ich die große Tochter schon relativ zeitig von ihrer Übernachtungsstätte bei einer Freundin abholen wollte, um mit den beiden Mädchen die Ausstellung ‚Kompass. Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art New York. The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection‚ im Martin-Gropius-Bau anzusehen. Geht noch bis 29. Mai und ist empfehlenswert.

Trotz positivem Gesamteindruck, musste ich für mich erneut feststellen, dass ich mit ganz moderner bildender Kunst nur teilweise etwas anfangen kann. Ich habe mich früher gern über das Bildungsbürgertum in Form älterer Damen beim Augsburger oder Würzburger Theaterbesuch lustig gemacht, die jede auch nur ansatzweise moderne Inszenierung unter schnippischem Protest in der Pause verließen, um sich gegenseitig im Theatercafe oder beim Italiener nebendran in ihrem jeweiligen Kunstbegriff, der bestenfalls noch den Impressionismus einschließt, zu bestätigen. Und die Kritiker der lokalen Zeitungen taten es ihnen dann am nächsten Tag nach.

Die Flucht aus dem Theater hatte übrigens zum Teil auch mit dem Theatercafe oder dem Italiener nebendran zu tun, bei denen es sich vortrefflich sitzen und über das moderne Zeugs lästern ließ, eine Tätigkeit, die unter Umständen viel mehr Spaß macht als bildungsbürgerliches Theater zu schauen. Diese Erfahrung ist auch meine eigene, wobei es bei uns natürlich nicht um das Moderne an der Inszenierung ging, sondern ums Provinzielle. Nun ja. Ich selbst bin noch bis zur klassischen Moderne gekommen, darüber hinaus nur bedingt. Um das Klischee voll zu bedienen: Joseph Beuys gefällt mir persönlich am besten als Wahlkämpfer für die Grünen. Seine Kunst spricht nichts in mir an.

Zurück zu Kompass: Manches gefällt mir gut, manches verstehe ich nicht oder nur, wenn ich die dabeihängenden Texttafeln zur Intention oder Hergehensweise der Künstler_in lese. Und da denke ich, warum weigert sich das Kunstwerk, sich mir ohne Worte zu erschließen? Und warum ist es dann ein Bild/eine Installation/eine Skulptur geworden und kein Text? Ich kenne den kleineren Teil der Namen, aber ich bin ja auch Banausin.

Sehr spannend sind die nachfolgenden Gespräche im Museumscafe, das mich gestern mit der Qualität des Milchkaffees leider wieder wenig überzeugte, obwohl ich es doch so gern schätzen würde. Die Mädchen finden, dass bunte Rechtecke mit jeweils einer Linie kein Kunstwerk sind. „Manches von denen könnte ich doch auch malen.“ Stimmt. Und ich bin dann in Erklärungsnot. Siehe oben. Wobei ich immerhin nicht gesagt habe, dass ich auch finde, dass es keine Kunstwerke sind. Zu explizite Darstellungen des menschlichen Körpers führen zwangsläufig zu Kichern in verschämter Faszination. Die Frage, wie mir denn das gleichnamige Bild mit dem Penishut gefalle, habe ich ehrlicherweise mit „Gar nicht, ich finds eklig.“ beantwortet. Das wiederum fand ich ganz schön befreiend.

Nach dem Zurückkommen dann ein kurzes Arbeitsgespräch zur Farbgebung einer Webseite, das daran gescheitert ist, dass bisherige Bemühungen in grün nicht das dunkelblaue Logo berücksichtigten…danach kam frische Pizza mit selbst gewähltem Belag auf den Tisch und danach gab es den passablen Tatort aus Hannover. Wobei ich gerechterweise sagen muss, dass ein Furtwängler-Tatort schon grottenschlecht sein muss, damit er mir kritische Worte entlockt. Dazu mag ich die Figur der Charlotte Lindholm zu gern. Vielleicht kann ich bei der GEZ ein Sonntagabendabo bekommen?

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Dienstag. Das Wochenende war durchwachsen. Eigentlich ärgert mich das, das Leben ist zu kostbar, um durchwachsene Wochenenden zu verleben. Andererseits lassen einen die durchwachsenen Wochenende die guten umso mehr schätzen. Der Zwang zur sinnvoll verbrachten Freizeit geht mir zudem auch auf den Geist. Also gut, dann dieses Mal eben ein durchwachsenes Wochenende.

Freitag abend war mit dem Besuch bei Freunden ein schöner Einklang, ihre Ecke im von mir nicht allzu häufig frequentierten Weißensee eine sehenswerte, die Bewirtung reichlich und köstlich, die Gesellschaft angenehm und inspirierend. Sehr beeindruckt hat mich dabei ein neues Kindsitting-Arrangement: die große Tochter hat auf die kleine aufgepasst, sie ins Bett und zum Schlafen gebracht. Am unruhigsten war dabei ich.

Der Samstag war geprägt von Topfbrotbacken – besser als beim zweiten, noch nicht so gut wie beim ersten Mal, Einkauf und kindgerechtem Nachmittagsprogramm: Eisessen und Spielplatz. Wir sind aus Forschungszwecken schweren Herzens unserem Eisladen untreu geworden. Ein Kardinalsfehler war es nicht, aber zukünftig werde ich doch die paar Schritte um die Ecke weitergehen und mich wieder am Selbstgemachten der Eismanufaktur in der Seelingstraße erfreuen. Nicht nur Sorten, die es an jeder Ecke gibt, cremig ohne Wasserklümpchen, geschmacksintensiv ohne naturidentisch, die Sorbets wunderbar fruchtig und – ich kann es nicht anders ausdrücken – erfrischend, überhaupt: ‚Vanille‘ schmeckt wie Vanille, ‚Schokolade‘ wie Schokolade. Was will ich mehr? Dass sie bald wieder das Limonensorbet mit ins Sortiment aufnehmen.

Am Abend dann der Versuch chinesisch zu kochen. Oder halt irgendwie asiatisch. Wie es dazu kam? Ich habe versucht, die letzten beiden Wochen ‚Kiste‘ zu spielen, d.h. Gemüse einzukaufen, das ich interessant finde, ohne bereits zu wissen, was ich daraus machen möchte oder wie man damit umgeht. Eine Ahnung hatte ich schon, als ich den Pak Choi in den Wagen lud, aber die Kohlart selbst verarbeitet vorher noch nie.

Pfannengerührtes Schweinefleisch mit Gemüse und Glasnudeln. Es war nicht schlecht, mir ist zum ersten Mal nichts angelegen im sündhaft teuren gußeisernen Wok, weil ich mich an ein paar Tipps gehalten hatte, die ich wohl bei früheren Versuchen nicht so ernstnehmen wollte und die hauptsächlich mit Geduld zu tun haben: den Wok richtig heiß werden lassen, das Öl richtig heiß werden lassen, nur kleine Portionen auf einmal anbraten. Und genug Öl nehmen. Meiner Erfahrung nach ist der Wok entgegen meiner früheren Erwartung nicht zum fettreduzierten Braten geeignet. Das Ergebnis war okay, aber nicht umwerfend. Die Gemüse waren auf den Punkt, es gab wenig Flüssigkeit, obwohl ich die Marinade vom Fleisch hinterhergekippt hatte. Der Geschmack war in Ordnung, aber irgendwie unspektakulär. Trotz chinesischer Wokgemüsegewürzmischung von Ingo Holland. Vielleicht nehme ich nächstes Mal doch Schnitzelfleisch oder gar Nacken? Es hat spannender geduftet als geschmeckt. Merkwürdig.

Abends war die Luft raus, ich war zu platt für irgendetwas, die Programmverantwortlichen der mir zur Verfügung stehenden ca. 20 Sender wohl auch. Ich überlege, doch wieder aus der GEZ auszutreten.

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Darauf bin ich stolz, habe ich es doch selbst erfunden. Und die Kochbücher, die es aufgreifen, ohne dass ich bewusst mit den Autoren (Jamie Oliver oder Cornelia Schinharl vom sehr interessanten Biokistenkochbuch) in Kontakt getreten bin? Ich weiß es nicht, ehrlich nicht. Also gut, dass ich es auch mit Kürbis ausprobiert habe, das kann schon die Anregung durch Oliver gewesen sein. Aber der Rest, der kommt von mir.

Es ist super simpel und super lecker: man kann alles nehmen, was wurzelig oder knollig ist oder scheint. Ich habe bisher genommen: Rote Bete, Karotten, Pastinaken, Kartoffeln, Goldrübchen und eben Kürbis. Und Fenchel. Letzterer zählt zwar zum Wurzelknollengemüse, aber es hat nicht gefunzt – Fenchel wird trocken und zäh in dieser Zubereitungsart. Kürbis gehört nicht zu den Wurzeln, auch nicht zu den Knollen und es funktioniert trotzdem. Hervorragend.

Was den nun? Man schält alles dieses Gemüse (außer den Hokkaidokürbis, wenn es denn einer ist; bei allen anderen ist das Geschmackssache, ich mag Schale nicht so gern) und schneidet es in Spalten oder Hälften (Karotten z.B.), legt sie auf ein entweder geöltes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech, beträufelt sie mit Olivenöl und Gewürzen. In meinem Fall war es Raz al Hanout, eine nordafrikanische Mischung aus relativ vielen, darunter auch blumigen Bestandteilen, die ich vor ein paar Monaten kennengelernt habe und in meiner Küche nicht mehr missen mag. Genauso gut funktioniert übrigens Baharat, arabischen Ursprungs mit nicht ganz so vielen Bestandteilen, sehr morgenländisch. Darüber grobes Meersalz, wenn Sie das nicht haben, geht auch anderes. Ob noch frischer Pfeffer darüber gemörsert wird, hängt davon ab, welche Mischung und ob sie eine verwenden, in der dann eventuell bereits Pfeffer enthalten ist.

Das alles kommt bei 200° in den Ofen. Und jetzt treffen sie auf die einzige Schwierigkeit bei diesem Essen – wenn man mal von den violett-rot eingefärbten Händen durch die Bearbeitung der Roten Bete absieht: die verschiedenen Gemüse brauchen vermutlich verschieden lang. Kürbis geht relativ schnell, ca. 25 Minuten, Rübchen brauchen entgegen meiner Vermutung genauso lange, wenn nicht ein paar Minuten mehr, (kleine) Kartoffeln wiederum sind nach 25-30 Minuten weich. Definitiv länger braucht die Rote Bete, die man deshalb am dünnsten schneidet, und/oder früher in den Ofen gibt oder vorkocht. Ich persönlich habe das Problem noch nicht zu meiner vollsten Zufriedenheit gelöst, aber den Gästen scheint es bisher nicht aufgefallen zu sein.

Das alles kommt in eine Schüssel oder auf eine Platte und ist ein farblich überzeugendes, vegetarisches Hauptessen. Dazu reiche ich Joghurt oder angerührten Ziegenfrischkäse oder beides gemischt mit Kreuzkümmel, Salz und Knoblauch. Letztes Mal habe ich den Knoblauch nicht in die Frischkäsecreme gegeben, sondern in ganzen Zehen mit aufs Blech gelegt. War auch fein. Gurkensalat passt dazu, gerne auch mit frischer Minze und Zitrone angemacht, Weißbrot, am besten als Fladen. Ganz phantastisch macht sich gehacktes Koriandergrün zum Drüberstreuen. Für die, die es mögen im Schälchen nebenhin gestellt.

Die Gäste waren jedes Mal begeistert und selbst mein härtester Kritiker, zumal wenn es um vegetarische Küche geht, weiß meist nicht richtig was daran auszusetzen und vermisst nicht wirklich das Steak als Beigabe. Das allerdings gibt er nicht zu.

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Es geht ums Geld

Ich mag nicht mehr hinhören und tue es doch, fiebernd nach winzigen Erleichterungen: Strahlung ist soweit zurückgegangen, dass die 50 Arbeiter wieder ihren verzweifelten Kampf gegen die Katastrophe im AKW Fukushima aufnehmen. Die Temperaturen sind leicht zurückgegangen. Der Wind dreht ab.

Ich mag nicht mehr hinhören, weil ich das Entsetzen ganz schlecht aushalte, die Hilflosigkeit und die Wut. Heute morgen sagte der Mann: „Ich mache das Radio an, ich möchte wenigstens mitbekommen, wenn die Welt langsam untergeht.“ Resignation und wieder Wut. Das Geschwätz der Politiker wird unerträglich, die Durchsichtigkeit des Manövers hinsichtlich der bevorstehenden Landtagswahlen widert mich an.

Und noch mehr das ‚Huch, das konnte sich ja gar niemand vorstellen, was jetzt passiert‘.

Wieso nicht? Wir hatten das doch schon mal, vor 25 Jahren in der Ukraine. Schon weit vor dem GAU in Tschernobyl haben Atomkraftgegner immer wieder vor solchen Szenarien gewarnt, die Spinner und Panikmacher. Wieso maßte und maßt sich irgendwer an zu versichern, dass so etwas nicht passieren kann? Nicht bei uns, nicht heute und nicht hier? Wieso wurden zahlreiche Atomkraftwerke in unmittelbarer Nähe zur San-Andreas-Spalte im hoch erdbebengefährdeten Kalifornien gebaut? Warum halten europäische Nachbarn weiter an ihren Plänen zum Ausbau der Atomenergie fest? Wieso kommt die deutsche Regierung erst jetzt auf die Idee, die Sicherheit in den deutschen AKWs zu überprüfen? Wieso kann man sieben davon von heute auf morgen ausschalten, ohne dass die Städte im Dunkeln liegen. ICH VERSTEHE ES NICHT.

Vielleicht helfen die Erklärungen der Herren der Versorgungeindustrie weiter. „Wir müssen schauen, wie wir mit dem Moratorium umgehen, und nach drei Monaten wird ja das Spiel wieder neu gespielt.“ Sagt Hans-Peter Villis, EnBW-Vorstandsvorsitzender dem Journalisten vom gestrigen heute-journal. Welches Spiel? Hat er tatsächlich Spiel gesagt?

Verdeckter, subtiler und ums Wohlergehen der Menschen in Japan und besonders der Kollegen in Fukushima besorgt zeigt sich Johannes Teyssen. Dass es ein Spiel um Geld und Vormachtsstellung ist, weist der Vorstandsvorsitzender von E.ON weit von sich. Er sieht die Notwendigkeit, sich den Sorgen der Menschen zuzuwenden, aber er beklagt die zu zu raschen Konsequenzen neigende deutsche Mentaliät – im Gegensatz zur gelasseneren Haltung der europäischen Nachbarn. „Es besteht die tiefe Überzeugung quer durch Europa, dass wir etwas lernen können, lernen müssen, aber dass wir auch in der Lage sind, auch diese Technik vernünftig zu beherrschen. Ich glaube ihre Klimaverträglichkeit, ich glaube auch ihre Sicherheit kann gewährleistet werden….Ich glaube auch, es geht heute nicht um Geld, es geht um die Sicherheit und das Vertrauen.“ Ich glaube es nicht. Und ich glaube auch nicht, dass jemand einigermaßen im Besitz seiner geistigen Kräfte so etwas zu diesem Zeitpunkt von sich geben kann und davon ausgeht, dass ihm geglaubt wird.

Und doch. Es geht nicht allein um die machtgeilen Politiker und die geldgierigen Wirtschaftsbosse. Es ist schwierig, gegen Atomkraft zu plädieren, wenn ich mir von Verivox alle drei Monate die billigsten Stromtarife ausspucken lasse. Ich kann nicht grenzenlos mobil sein und gegen das Stillhalteabkommen der Regierenden mit durchgeknallten Terrorregimen wettern. Wenn ich für kaum Geld bei Kik und Aldi kaufe, muss ich mich nicht über die Menschen wundern, die aus den Herstellerländern der Armut entfliehen. Die Politik eines demokratisch orientierten Staates kann nur so gut sein, wie das Volk, aus dem diese Politik entsteht.

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Ich habe etwas Gefährliches entdeckt, gefährlich lecker, sündhaft lecker. Ungewöhnlich und auch zum Mitnehmen und Gott sei Dank weit genug weg von meinen täglichen Wegen. Genaugenommen habe ich es nicht entdeckt, sondern bin hingeführt worden von der Freundin, die gegenüber wohnt, im Friedrichshain. Oder in Friedrichshain?

Egal. Jedenfalls wohnt sie gegenüber vom Factory Girl!, die Arme. Factory Girl! ist ein schuckeliges, kleines Cafe in der Krossener Straße 16, mit gemütlichen Sitzecken, eine davon im Fenster, und einem herzlich-freundlichen, gesprächsbereiten Herrn hinter der Theke, der einen probieren lässt von den verschiedenen, gerade erhältlichen Sorten von Magnolia. Mich hat er damit schon gekriegt.

Als mir besagte Freundin davon und vom innewohnenden Suchtpotential berichtete, war ich noch nicht überzeugt: Kekskrümel und Puddingzeug. In verschiedenen Geschmacksrichtungen. Meine erste Assoziation waren Erwachseneneissorten wie Cookies&Cream oder – noch schlimmer – Cookie Dough mit ungebackenem Teig. Und dann vermutlich Aromastoffe, naturidentisch und so weiter, und Farbe.

Aber natürlich ist alles anders. Es handelt sich eher um so eine Art vermixtes Trifle, Keks oder Bisquit (selbstgebacken) und eine feine Creme – aus Mascarpone? – und dann meistens noch Früchte. Schokolade-Kirsch, zum Beispiel. Oder Erdbeer-Weiße Schokolade. Banane. Man kann auch zwei Sorten als eine Portion haben. Sonst gibt es noch interessanten Kuchen, Frühstück haben sie da auch. Der Cappuccino war gut, glaube ich. Ehrlich gesagt, konnte ich mich nicht auf viel mehr konzentrieren als diesen absolut köstlichen Nachtisch auf meinem Porzellanbrotzeitbrett.

Die Inhaberin kommt wohl aus New York City, wo es so etwas in der Art, nur als Getränk, in den berühmten Magnolia Bakeries gegeben hat oder immer noch gibt. Und sie hat auch ein Cafe in Istanbul, wo man Magnolia erstehen kann. Gut für die Freundin, wenn sie über Ostern da ist: Falls die Sehnsucht zu groß wird. Ich überlege schon krampfhaft, ob es nicht bald mal wieder etwas Wichtiges in Friedrichshain zu tun gibt. Oder im Friedrichshain?

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Hundert Filme habe er zur Auswahl gehabt. Mindestens. Das sagte der geliebte Mann gestern abend, als er seine ausgedruckte Liste mit den Filmen präsentierte, die wir nicht zu sehen bekommen sollten. Einiges an deutschem Nachkriegsfilm war darunter, vor allem DEFA-Produktionen; Der Besuch der alten Dame, The Fog – Nebel des Grauens. Dass letzterer das Rennen nicht gemacht hatte, dafür war speziell ich dankbar, da ich Horror und Grauen noch weniger vertrage als ausgedehnte Gefechtszenen.

Gezeigt hat er uns dann Bad Day in Black Rock, mir und wahrscheinlich anderen auch besser bekannt als Stadt in Angst. Zum zweiten Mal sahen wir damit ein Werk von John Sturges, unter anderem verantwortlich für Die glorreichen Sieben und The Great Escape. Spencer Tracy als John J. MacCreedy lüftet langsam und unter viel Spannung das hässliche Geheimnis, das in der nahen Vergangenheit des Zweiten Weltkrieges liegt und alle Bewohner der kleinen Westernstadt Black Rock in seinem Bann gefangen zu halten scheint.

Er ist ein Fremder, der eindringt in eine schreckliche Gemeinschaft, quasi nach dem Motto: „Du bist nicht wie wir, Du bist nicht von hier.“ Damit darf ich mich nun nächste Woche herumschlagen.

Soweit ich das auf dem Sprung in meine dringend benötigte Nachtruhe wahrgenommen habe, hat sich zum Glück keine der von den Mitguckern avisierten und diskutierten Regeländerungen durchgesetzt, die sich in erster Linie um die Übermacht des US-amerikanischen und europäischen Films in unserem Programm drehten. Das reichte von dem relativ harmlosen Vorschlag, dass nicht dasselbe Produktionsland zweimal aufeinander folgen solle bis zu „jede Woche ein anderer Kontinent“, „wiederholte Programmhoheit als Belohnung für die Präsentation besonders außergewöhnlicher Filmländer“ bis zu „alle Staaten dem Alphabet nach abzuhaken“. Ich bin bereits sehr gespannt auf die Produktionen aus Liechtenstein. Ach nein, die Idee hat sich ja dann doch nicht durchgesetzt…

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