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Archive for April 2011

Die Seefahrt selbst war dann eigentlich gar nicht so lustig, aber insgesamt war das Thema ganz gut getroffen mit Radio Rock Revolution. Witzig, intelligent, Rock’n Roll. Als ob es gestern gewesen wäre. Nicht, dass ich das beurteilen könnte, zu meiner Zeit spielte man Pop bereits im öffentlich-rechtlichen Programm, dafür war er nur mehr selten schmutzig und revolutionär. Aber der Film fühlt sich aktuell genug an.

Zum Essen gab es in erster Linie köstliche Reste vom Vortagsbrunch, der kulinarisch und gesellschaftlich ein voller Erfolg gewesen war. Das wird selbst vom ebenfalls gereichten Rhabarberkuchen gesagt, obwohl ich als kreativ Verantwortliche keineswegs mit der gummigen Baiserhaube zufrieden war. Dennoch auf vielfachen Wunsch einer einzelnen sehr geschätzten Anwesenden hier das Rezept:

100 g weiche Butter schaumig rühren, abwechselnd eins von 3 Eigelben (die Weiße aufheben) mit 100 g Zucker und ein Päckchen Vanillezucker (bei mir anderthalb Teelöffel selbstgemachter VZ) dazugeben und rühren, rühren, rühren, bis die Masse toll und hellgelb ist. Dann wieder abwechselnd 250 g mit 3 gestrichenen Teelöffel Backpulver und einer Prise Salz vermischtes Mehl mit jeweils 1 Eßl Milch (insgesamt 1/8l) zugeben und unterrühren. Das Dilemma zwischen Abwechselnddazugeben (=entsprechend längeres Rühren) und der Devise, das Mehl schnell mit der Schaummasse zu vereinen, damit der Teig nicht zäh wird, habe ich nicht gelöst. Nur jeweils kürzer gerührt.

Der Rhabarber war vorher schon geschält und klein geschnitten worden. Jetzt kommt erst der Teig, dann der Rhabarber auf ein eingebuttertes Backblech und dann bei 220° für 35 Minuten in den Ofen.

So habe ich es gemacht, so hat es manchen geschmeckt, so würde ich es trotzdem nicht wieder tun. Mein Kuchen war nach zwanzig Minuten schon mächtig am braun werden. Weil ich wusste, er muss mit Baiser ja nochmal rein, habe ich mich nicht mehr getraut, ihn länger als weitere 5 Minuten drin zu lassen.

Währenddessen habe ich vier Eiweiße (das vierte fiel irgendwo anders an, muss aber nicht sein) mit gut, sehr gut 150 g Zucker und einer Prise Salz steif geschlagen. Das heißt: im Rezept steht halbsteif, auf Nachfrage sagte meine Großtante, von der das Rezept kommt, ’schon gut halbsteif‘ und gerade so halbsteif ist es dann geworden.

Mir ist das noch nie passiert, dass sich das Weiß weigert, steif zu werden und ich hielt das für ein hässliches Küchenmärchen. Ist es offenbar nicht. Es ist hässliche Realität, wenn man am Ostersonntag nachmittag in der Küche vor seinem vorzeitig braun gewordenen unbedeckten Rhabarberkuchen steht mit neben sich nur einer Rührschüssel halbsteif geschlagenes Eiweiß.

Doch es blieb ja nichts, die weiße Pracht kam, wie sie war, auf den Kuchen und wieder ab in den Ofen, nach Rezept bei derselben Temperatur, bis sie halt so leicht hellgelb ist, die Haube. Fieserweise hält sie sich mit Hellgelb nicht auf: sie entwickelte sich übergangslos von weiß zu kräftig braun. Außerdem roch es verbrannt, kein Wunder, so dunkel wie der Rührteig vorher schon gewesen war. Ich machte den Ofen aus und holte das Blech aus dem Ofen.

So ließ ich es dann einfach in der Küche stehen, und ging um mich emotional und mental auf einen Osterbrunch ohne Rhabarberkuchen einzustellen. Am Montag ergab das Anschneiden des Kuchens, dass tatsächlich NICHTS verbrannt war, und der Geschmack insgesamt durchaus zufrieden stellte, nur wie gesagt, ich hätte das Baiser gerne knusprig, fluffig, leicht gehabt als perfekten Kontrapunkt zum saftigen Rhabarber. Andere fanden ihn gut, gerade so wie er war. Hatte ich das schon erwähnt?

Trotz allem: ich würde alles genauso wieder machen. Nur die Gradzahl am Backofen schon für den Kuchen runterschalten (180? 200?) und für’s Baiser noch um einiges weiter und dafür länger drin lassen. Aber das kann ja jede halten wie sie oder er das gerne möchte.

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Hieß das Motto für den letzten Dienstag. Und -juhu – es wurde ganz klassisch: Charlie Chaplins The Immigrant gefolgt von Monkey Business mit den Marx Brothers, die bisher an mir und meiner persönlichen Filmgeschichte – unverständlicherweise – ungesehen vorübergegangen waren.

Was soll ich sagen? Dass die Herren Chaplin und McLeod etwas von ihrem Medium verstanden, lässt sich meiner Meinung nach damit argumentativ belegen, dass beide Filme nicht nur immer noch Spaß machen, sondern unabhängig von der Zeit verstanden werden. Ihnen haftet nichts Zeitgeistiges oder gar Historisches an.

Den 20-minütigen Chaplin hat die große Tochter mitgeguckt und sich nicht schlecht amüsiert. Das spricht für den Film und meine Tochter. Und es hat mich an Fernsehen mit meinem Vater erinnert: „Als die Bilder laufen lernten“ und „Dick und Doof“ waren die Programme, die uns zum Lachen und zum Kichern brachten, während ich meiner Mutter eher die Kenntnis großartiger Werke wie „Casablanca“, „Arsen und Spitzenhäubchen“ oder auch frühe Alain Delons und Jean Gabins verdanke.

Es war ein großartiges, sehr lustiges Filmerlebnis letzten Dienstag. Nach Aganosalat, grüner Spargeltarte mit Safran und Roter Grütze. Meine Vorgabe fürs nächste Mal lautet: „Eine Seefahrt, die ist lustig.“ Das müsste doch zu machen sein?

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Stand Up!

Irgendwie macht es mir Sorge. Wenn „Du Jude“ ein gebräuchliches Schimpfwort wird, einer „ein Spast“ ist oder gar „schwul“. Oder – eben auch – ein „Opfer“. Ich weiß, dass die Sprache das Denken beeinflusst – nicht nur umgekehrt. Deshalb kann ich Politischer Korrektheit ziemlich viel abgewinnen.

Und ich frage mich, was hier los ist. Wenn sich Jugendliche in den USA reihenweise das Leben nehmen, weil sie als homosexuell gemobbt werden – egal, ob und in welcher Art das den Tatsachen entspricht. Wenn 20 auf einen einschlagen, auch wenn er bereits regungslos am Boden liegt. Wenn die Leute keinerlei Hemmungen haben, anonym und online über andere herzuziehen, sie mit Dreck zu bewerfen, Lügen zu verbreiten, sie fertig zu machen.

Und es freut mich, dass es so etwas wie BeLonGTo gibt. Scheint mir dringender denn je.

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Beim Gemüsehändler in der Wilmersdorfer kaufe ich ja nicht mehr ein, seit er mein kleines Kind angefahren hat und danach gleich mich, weil sie sich die Plastiknuckelflasche mit den Zuckerperlen in ihrer Greif- und Augenhöhe geschnappt hat und in den Mund gesteckt hat. Aus der Perspektive des Kindes eine sehr nachvollziehbare Handlung. Aus meiner eine befriedigende Aktion, die dem Handel vorführt, was passiert, wenn die Begehrlichkeiten für Kinder so verkaufsträchtig platziert werden.

Abgesehen davon sind die Preise hoch, aber nicht zwangsläufig die Qualität. Heute hatte ich plötzlich überwältigende Lust auf Erdbeeren und wollte eine Ausnahme machen, ließ noch andere Stände auf dem Weg links liegen, um ‚doch noch mal dem Laden in der Nachbarschaft eine Chance zu geben‘.

Der genaue Blick in die folierten Schälchen ergab aber, dass das, was ich in den meisten Fällen spontan für Schimmel gehalten hatte, tatsächlich Schimmel war, flächendeckend, nicht, wie von mir sogleich vermutet, eine optische Täuschung durch Kondenströpfchen. Mein entsprechender Hinweis an den Herrn an der Obsttheke wurde mit einem unfreundlichen „Ja, ich weiß“ beantwortet. Solche Kundinnen wie ich scheinen eine echte Zumutung zu sein.

Manchmal sehne ich mich nach Moabit zurück, und speziell dorthin.

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Ein Gespräch mit der Freundin hat mich drauf gebracht: ich war ja selbst kürzlich auf der Suche nach einer Füllung für meine Rindsrouladen und vermutlich gibts derer unzählige? Oder doch eher nur klassische? In Variationen? Oder mit anderem Rouladenmaterial?

Ich würde es gerne wissen: Mit was füllen denn Sie ihre Rouladen? Und was wickeln Sie um Ihre Füllungen?

Ich bin gespannt.

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Meine ersten Rindsrouladen: ganz anders als bei Muttern, trotzdem sehr schmackhaft, butterzart. Mit dem Küchengarn bin ich keine Künstlerin, oder vielleicht zu sehr? Das Rezept habe ich vor ein paar Tagen dankenswerter Weise bei azestoru gefunden. Seither war es im System und wollte unbedingt ausprobiert werden. Ich habe Sultaninen (Korinthen waren nicht im Haus) in Rotwein, der dann zur Soße kam, ein bisschen eingelegt und dann grob gehackt tatsächlich zur Fülle getan. Kapernäpfel habe ich weggelassen, mir war nicht nach so sauer. Dafür habe ich eine Hand voll getrocknete Berberitzen mit in den Topf geworden. Ich finde, es hat der Soße gut getan. Ebenso wie nicht wenig Rosmarin.

Dazu gab es Kartoffelbrei und Mangold, weil mir Blaukraut und Wirsing zu winterlich und zu deutsch vorkamen für die neue Art der Roulade. Das Mangold mit Chili und Zitrone war gut, passte aber nicht absolut dazu. Wie gesagt, mir war ja nicht nach sauer. Ein Tipp: wenn Sie die Pilze für die Soße am Anfang vergessen haben – lassen Sie sie weg und werfen Sie sie nicht, so wie ich, ein paar Minuten vor Schluss einfach so noch dazu. Zumindest nicht, wenn es sich um Kräutersaitlinge handelt: sie hatten was von Gummi und nicht mehr genug Zeit um Geschmack abzugeben.

Feines Samstagabendessen.

Und sonst am Wochenende: eine Kiste weniger um den Schreibtisch herum, dabei die verlorenen Lieblingssilberohrringe nicht gefunden.

Sonntag fand für mein Programm ungünstig der Berliner Halbmarathon um uns herum statt. Frühstück und große Tochter abholen in Friedrichshain, vorher verliehene Kinderfahrzeuge auf Alt-Stralau einsammeln, Mittagsverabredung mit dem geliebten Mann zur familiären Nachmittagsgestaltung in Dahlem.

Mit der großen Tochter mal wieder musikalische Übereinstimmungen gefunden: Amanda Blank oder auch Amanda Blank. Und überraschenderweise auch dies hier.

Das meiste hat geklappt, nur zur Verabredung zum Staudenmarkt im Botanischen Garten kamen wir zu spät. Bis ich dort dann noch einen Parkplatz gefunden hatte, war immerhin die Schlange am Eingang wieder kürzer. Der kleinen Tochter fehlte der Mittagsschlaf oder aus anderen Gründen die gute Laune. Sie wollte keine Pflanzen, sondern Tiere sehen und überhaupt eigentlich gar nichts. Erstanden haben wir essbare Bartnelken, und ein paar andere kleine, hübsche Balkonkastenblümchen, wieder einmal Thymian, den robusteren, gewöhnlichen, mit Pflegeanleitung, und eine neue Clematis, da die unsere offenbar diesen harten Winter nicht überlebt hat. Trotz genauester Untersuchung mag sich kein Spitzchen Grün mehr an ihr zeigen.

Fazit: Staudenmarkt macht Spass, wenn einen viele Leute nicht aufregen und man das kleine Kind in sicherer Obhut wo ganz anders lassen kann.

Abends gab es frischen Seelachs, leicht paniert mit aufgehübschtem Kartoffelsalat von Rogacki. Beide Kinder haben mit Wonne den Fisch gegessen, was ich gut verstehe, aber nicht erwartet habe, beim Kartoffelsalat konnte auch die Zugabe von Gurke und Ei nichts gegen mir zu viel Süße ausrichten.

Ich mochte den Tatort. Und ja, ich mag die Berliner Kommissare tendenziell. Und nein, ich fand ihn wieder nicht grottenschlecht. Wobei ich angefangen habe, mir zu überlegen, wann der letzte „richtig gute“ lief und ob man nicht Sonntag abend für Sonntag abend auf etwas hofft, das es gar nicht gibt, nämlich ‚Tatort‘ als anspruchsvolle Krimiunterhaltung.

Danach habe ich mal wieder Zimmer frei geguckt. Ich weiß nicht, warum ich diese Sendung so mag, das Lieblingsessen von Prominenten interessiert mich nur sehr eingeschränkt. Doch wenn die Chemie passt zwischen den Gastgebern und dem Gast, ist es hoch unterhaltsam bis wirklich lustig und mit das Entspannendste für einen Sonntag abend kurz vor dem Zubettgehen, was ich mir in unserer Fernsehlandschaft so vorstellen kann.

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