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Archive for Oktober 2011

Meine Mutter war in ihrem Umfeld immer eine der experimentierfreudigsten Köchinnen. Gekocht wurde jeden Tag trotz Berufstätigkeit, schnelle, einfache Gerichte; am Samstag, was neben Haushalt erledigen möglich war und am Sonntag dann das Besondere.

Während bei anderen Familien im Bekanntenkreis üblicherweise das Spektrum der bayerischen Küche mit der Maßgabe „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ abgearbeitet wurde und somit Sonntag mittag um 12 der Schweinsbraten auf dem Tisch stand, wurden wir gerade wochen- und samstags häufig mit der Vielfalt der bayrisch-schwäbischen Kulinarik mit Anleihen in Österreich und Böhmen, also mit Dampfnudeln, Kraut- und Kässpätzle, Arme Ritter, Reiberdatschi und – ganz selten auch – Fiseelerspatzen (sauer eingebrannte grüne Bohnen mit Spätzle), versorgt.

Gleichzeitig orientierte meine Mutter sich – gelegentlich zum Leidwesen meines dem Geschmack nach eher konservativen Vaters – schon früh gern an ferneren Küchen wie der italienischen, der griechischen und der damals noch mit Fug und Recht ‚jugoslawisch‘ genannten. Bei uns gab es Cevapcici, Lasagne, Szegediner Gulasch, böhmische Knödel, Moussaka, ein koreanisches Reisgericht, dessen Namen ich nicht mehr weiß und das über eine koreanische Angetraute von Freunden der Familie auf unseren Speisezettel gelangte. Relativ häufig kam Besuch zum Essen, manches gehörte zu bestimmten Gelegenheiten, einiges kam nur auf den Tisch, wenn mein Vater nicht zum Mittagessen da war.

Bei all dem war meine Mutter eher pragmatisch als dogmatisch, sie kochte nach mit und nicht selten auch ohne Rezept. Was es bei uns als Bolognese gab, traute ich mich heute nicht mehr so zu nennen, aber gut ist es und ich mache die Hackfleischsoße zu den Spaghetti bis heute so. In späteren Jahren belegte sie einen Kochkurs für Thailändisches Essen, biss damit bis auf wenige Ausnahmegerichte aber endgültig auf Granit bei meinem Vater, dem diese Küche selbst in 10% Abmilderung ungenießbar scharf erschien.

Spargel kannte und verweigerte ich schon früh, in meinen Teenagerjahren fand Fisch und Meeresgetier in verschiedenen Variationen Eintritt in die häusliche Auswahl an Speisen. Ohne Ausnahme war die Qualität der Zutaten immer hervorragend. Dem Genuss, Lebensmitteln und Getränken wurde bei uns zu Hause immer ein bevorzugter Platz im Haushaltsbudget eingeräumt. Beim Discounter einzukaufen habe ich erst in der haushälterischen Unabhängigkeit gelernt.

Ähnlich ihr selbst liebte ich alles ‚Ausländische‘, was meine Mutter kochte, aber vor allem all die Speisen, deren Hauptzutat das ist, was andere nur als Beilage durchgehen lassen – oder als Nachtisch: Käsespätzle, Krautkrapfen, Reiberdatschi. Grießknödel- und Brätknödelsuppe. Dampfnudeln, Apfelstrudel, Zwetschgenknödel. Langweilig fand ich den Standard: Braten, Gulasch, Schnitzel, Rouladen. Mit Knödel, Kartoffelbrei, Spätzle. Nicht unessbar, aber nichts zu Bejubelndes.

Wie gut meine Mutter auch diese Gerichte zubereitet, habe ich erst viel später zu schätzen gelernt, als es sich keineswegs mehr um Speisen handelte, die unendlich oft verfügbar schienen. Nach und nach haben sie Einlass gefunden in mein Repertoire, oft geht dem Kochen ein Anruf in die alte Heimat voraus: wieviel Milch brauchts nochmal bei 10 Semmeln für die Knödel? In was liegen die Dampfnudeln, um eine richtige Scherre zu bekommen?

Am Anfang hatte ich noch Schonzeit und sie schüttelte sich irgendein vermutlich passendes Maß aus dem Ärmel. Heute muss ich selbst sehen, wo ich bleibe: „na halt so viel, dass sie nicht schwimmen, aber feucht sind.“ Wie meistens merke ich erst als zu viel drin ist, dass weniger besser gewesen wäre. Nicht viel zu viel, aber halt doch. Nur so viel, dass man mit Semmelbrösel ausgleichen kann. Das darf man, aber wenn mans wirklich kann, dann braucht mans nicht…

Die Semmelknödel waren fast perfekt. Das Gulasch auch. Ziemlich undogmatisch habe ich hier geguckt und mich an diese Menge Zwiebeln gehalten sowie das Reinheitsgebot beachtet (kein anderes Gemüse ans Pörkölt), dann hier geguckt und darauf verzichtet, das Fleisch extra anzubraten, und dann gemacht, was mir richtig schien. Ein echtes Pörkölt war es nicht, sondern eher ein Augsburger Saftgulasch ungarisch-österreichischer Art. Wie ich das von zu Hause eben kenne. Ganz schön lecker, so ein süddeutsch-osteuropäisches Fleischgericht mit Knödel. Wobei wir hier mal außer Acht lassen, wozu Österreich nun eigentlich gehört. Vielleicht gibt es demnächst mal Schnitzel. Mit schwäbischem Kartoffelsalat. Den kann ich mittlerweile auch schon. Einigermaßen.

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Manchmal bin ich ja auch faul. Mir waren ein paar Ideen durch den Kopf gegangen, aber ich gebe zu, nachdem ich Herrn Kurbjuhns ansprechenden Tipp gelesen hatte, habe ich die Suche nach dem geeigneten Film eingestellt: Das große Rennen rund um die Welt schien mir perfekt auf das Motto zu passen und meiner Neigung zum Amüsanten entgegen zu kommen. Und das wurde – wahrscheinlich – nicht enttäuscht, das jedenfalls ist mein Eindruck nach dem Gespräch mit den Mitguckern.

Ich selbst bin leider mal wieder eingeschlafen. Im Liegen Filmschauen ist nichts für mich, schon gleich gar nicht nach einem langen Tag, gutem Essen und mit gesundheitlicher Beeinträchtigung an mehreren Ecken und Enden. In so einem Fall schaffen es nur die wirklich nervenaufreibenden Geschichten, mich wachzuhalten. Soll aber gut gewesen sein, lustig allzumal, und von den Anfangssequenzen her kann ich das bestätigen.

Nun gut. Ich hoffe, das nächste Mal wieder fit zu sein, wenn der liebe Freund seine Auswahl zum Thema „Der Bessere möge gewinnen“ zeigt. Ich gelobe Besserung.

Das gute – und reichhaltige – Essen im Vorfeld: gebratener Fenchel auf Brot, Linseneintopf mit Kartoffeln, Paprika, Apfel und Frischkäse, und Milchreis mit Apfelmus. Ganz schön mächtig, machte aber wie erwartet warm.

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Jetzt kommt es also doch noch, das berüchtigte Rezept für Zwetschgenknödel.

Man nehme ca. 12 kleine Zwetschgen, die man entkernt und mit Würfelzucker füllt. Bei mir hat der Kartoffelteig auch für ein paar mehr gereicht, das hängt davon ab, wie dick man ihn um die Frucht herum haben möchte. Mit der Menge tue ich mir eh schwer bei diesem Gericht, in meiner Erfahrung essen die Leute durchschnittlich eher vier als drei Knödel und ich habe lieber zu viel auf dem Tisch als zu wenig.

Für den Kartoffelteig koche ich 500 g mehlig kochende Kartoffeln. Nun ist mir bekannt, dass es hier verschiedene Dogmen gibt, wie und wann die Kartoffeln erhitzt, gepresst und verwendet werden dürfen. Mein Rezept verlangt Kartoffeln kochen, heiß schälen und pressen und über Nacht auf einem Blech ausgebreitet vollständig auskühlen lassen. Das verlangte in meinem Fall viel zu viel Planung, ich hatte mich doch erst am Mittag dafür entschieden, am Abend Zwetschgenknödel zu machen. Also presste ich heiß, verteilte das Gepresste mit möglichst viel Oberfläche und ließ es ca. eine dreiviertel Stunde auskühlen. Das Ergebnis war perfekt, auch als ich bei weiteren Versuchen genauso vorging.

Verknetet werden die höchstens lauwarmen, gepressten Kartoffeln dann mit 50g Speisestärke, 50 g Mehl, 50g Hartweizengrieß, 1 Ei, 4 Eßl. geschmolzener Butter, gerne braune Butter zwecks dem nussigen Aroma, Zitronenabrieb und dem Mark einer halben Vanilleschote. Dieser Kartoffelteig wird dann um die Zwetschgen gehüllt und so bald als möglich für ca. 15 Minuten in siedendes Wasser gelegt. Sehr gut getan hat den Knödeln, dass in dem Wasser noch ein paar Gewürze mit herumbrodelten: Zimt, die ausgekratzte Vanilleschote, Zitronen- und/oder Orangenabrieb. Mein Rezept sieht noch Ingwer vor, ich habe ihn weggelassen, schien mir nicht nötig.

Die Knödel kann man mit in Butter gerösteten, und mit ein bisschen (Zimt)Zucker karamelisierten Semmelbröseln oder mit ebenfalls mit Butter geröstetem Mohn bestreuen. Beim ersten Mal gab es beides, die Brösel kamen aber eindeutig besser an.

P.S.: Vielleicht habe ich es verdrängt, aber ich will nicht unterschlagen, dass ich ins Kochwasser eine kleine Handvoll Zucker gegeben habe. Bekommt ihnen sehr wohl, den Knödeln.

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Im Moment schreibe ich nicht so gerne. Das liegt ein bisschen daran, dass es mich vom Steuererklären abhält und in erster Linie, weil der Rücken schmerzt. Aber was muss, das muss und zwar gleich doppelt: zu „Alles aus Liebe“ zeigte der liebe Freund nun schon vor zwei Wochen den letzten Mike Leigh-Film, Another Year, bei dem ich wunderbarerweise einfach auf früher Geschriebenes verweisen kann.

Da es bereits wieder spät war, als wir anfingen zu gucken und ich aus wirbelsäulentechnischen Gründen im Liegen schaute, bin ich relativ früh relativ tief eingeschlafen. Ich kann also leider nicht sagen, ob ich ihn dieses Mal anders beurteilt hätte. Zu essen gab es vorher nochmal Zwetschgenknödel, für die ich sicher demnächst das Rezept einstelle. Wirklich.

Für den vergangenen Dienstag war das Motto „Das Herz ist ein einsamer Jäger“, erfüllt durch das ungewöhnliche, spritzige und witzige Werk von Amos Kollek Fast Food, Fast Women. Es geht um die Suche nach Liebe in verschiedenen Lebensabschnitten, darum, mehr Aufregung in Sonntagvormittage zu bringen, um die falschen Lügen und die gerechte Belohnung für couragiertes Auftreten. Um was noch und wie, finden Sie mal lieber selbst heraus, es lohnt sich.

Immer noch liegend war es mir dieses Mal keine Anstrengung, die Augen bis zum Ende offen zu halten. Was sagen Sie dazu, Herr Leigh?

Zu essen gab es das genial einfache Rote-Bete-Gratin (Bete kochen, schälen, in Scheiben schichten, salzen, pfeffern, Sahne drüber und mit Käse überbacken. Total köstlich) mit Pellkartoffeln, danach Quitten aus dem Ofen (gewaschen und halbiert, zusammen mit Ahornsirup, Zitronensaft und -zeste, Lorbeerblatt, Zimtstange, Zucker und halb bedeckt mit Wasser, 170° bis sie weich sind, also ca. 2 Std.) mit Vanilleeis und Cantuccini. Auch gut.

Nächstes Mal ist die Reihe wieder an mir, ich muss etwas finden zu „Lob der Schnelligkeit“. Autorennen sind nicht so mein Ding…

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Endlich macht es wieder Spaß, sich einen Song Contest – in diesem Fall den Bundesvision Song Contest von Stefan Raab – anzuschauen, trotz auf weiten Strecken schlechter Musik und einer Moderationsleistung, bei der man dachte, sie haben die Praktikanten rangelassen.

Der Spaß lag darin, sich das Ganze als Familie anzusehen, die musikalischen Geschmäcker – hauptsächlich generationsbezogen – aneinander zu reiben. Und an Thees Uhlmann, der mit seiner Band für Hamburg auftrat. Dass ich die mag, habe ich an anderer Stelle schon mal erwähnt. Außer, dass die große Tochter dieses Lied ganz schrecklich fand, selbst als ich ihr erzählt habe, dass ihre Patentante mit einem aus der Band verwandt ist, und ich mit ihrem Favoriten nicht so viel anfangen kann, lagen unsere Präferenzen nicht mehr so weit auseinander.

Ganz entsetzlich fanden wir alle das banale Geträller der Repräsentanten von Mecklenburg V., NRW und Brandenburg; dicht gefolgt von Rheinland-Pfalz und Bayern. Ich hätte dieser Gruppe auch noch Glasperlenspiel für Baden-Württemberg und Juli für Hessen zugeordnet. Dafür war ich beim Bayern etwas ambivalenter: Andreas Bourani kann singen und kommt aus Augsburg. Am Text muss er noch feilen, der war schwer erträglich.

Erstaunlicherweise einig waren wir uns bei dem witzigen, dynamischen Auftritt der Sachsen von Kraftklub, auch wenn die Tochter als überzeugte Hauptstadtgöre den Titel höchst kritikwürdig findet. Überhaupt: „die sehen total blöd aus, das ärgert mich echt, dass mir das gefällt.“ Ich bin ganz froh – da ist noch Hoffnung.

Wir alle mochten die Niedersachsen Bosse und Anna Loos. Zugegeben ein bisschen ein Herz für Schlager muss man haben, um zu das Ganze überhaupt Zugang zu finden. Mit meiner alten Liebe für Folk fand ich die Alin Coen Band ganz spannend; dass ich damit offenbar im Gros der typischen Song Contest-Zuschauer und -Abstimmer ziemlich allein stand, hat mich nicht verwundert.

Gewonnen hat dann Tochters Wahl. Einige der ganz Schlimmen (Frida Gold, Jennifer Rostock) haben obere Platzierungen eingefahren, einige verdientermaßen ganz untere (Doreen) und einige unverdientermaßen nur mittlere (Thees Uhlmann).

Eigentlich ist das erwartbar: als Partner von Raabs Bundesvision Song Contest in den Ländern fungieren regionale Privat-Radiosender, die ich nicht hören wollen würde, und wenn es sonst keine Sender mehr gäbe; ich würde aufs Radio lieber ganz verzichten und selber singen. Deren Zuhörerschaft befindet sich musikalisch entweder prinzipiell auf einem anderen Level als ich – und da ist dann auch nichts mehr zu holen – oder sie ist mal gut 30 Jahre jünger.

Das erklärt dann auch den fulminanten Vorsprung vom Berliner Tim Bendzko. Er singt in nicht dummen Worten von essentiellen Themen für eine junge Zielgruppe. Nachdem, was ich an dem Abend alles gehört habe, finde ich es schön, dass mein Kind ihn gut findet.

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„Das Leben ist hart, aber das nehm‘ ich in Kauf.“ Schon lange keine so gute Liedzeile mehr gehört. Kompletter Text – hier.

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