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Archive for November 2011

In der Tat. Oder eigentlich doch? Aber selbst als er die 800-jährige Gefängnisstrafe antritt, hofft Virgil Starkwell auf Straferlass um die Hälfte bei guter Führung. Oder er bricht wieder aus. Irgendwie ist er völlig unfähig zu einer Verbrecherkarriere und irgendwie ist es gleichzeitig seine Berufung.

Ich war mir nicht sicher, ob Take the Money and Run nicht in die Kategorie Filme gehört, die in ihrer Zeit gut und richtig waren, die aber jetzt nur noch bestenfalls historische Bedeutung haben. Gehört er nicht. Er ist stellenweise genial witzig, urkomisch und nie dumm. Ein echtes Woody-Allen-Frühwerk. Es ist sowieso kaum zu fassen, dass es über 100 dienstägliche Treffen gebraucht hat, damit endlich ein Film von Allen auf dem Programm steht. Von Woody Allen, dem Lieblingsregisseur meiner jungen Erwachsenenjahre.

Das Hauptgericht an diesem Abend war selbst erfunden und eine gelungene Variante aus der Serie „Kartoffeln mit Teig“: 4 übriggebliebene gekochte Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden, 2 Stangen Lauch in dünne Halbringe schneiden, in Butter und Olivenöl andünsten, wenn sie weich sind, Kartoffeln dazugeben, warm werden lassen, dazu 200 g Ziegenfrischkäse, verlaufen lassen. Ich habe mit Paprika und Majoran gewürzt, gesalzen und gepfeffert, das hat gut gepasst. Die Masse dann auf 2/3 einer Lage Blätterteig streichen und wie einen Strudel zusammenrollen. Diese Menge Füllung hat für zwei Lagen Blätterteig, also für zwei Strudel, gereicht. Mit Ei bestreichen und für ca. 20-25 Minuten in den 200° heißen Backofen. Dazu gab es Salat und Joghurt, angereichert mit Kerbel, Schnittlauch, Knoblauch und Salz. Erstaunlich gut. Dafür waren es nicht die richtigen Äpfel für den Bratapfel: zu mehlig, zu wenig aromatisch. Da half auch das Innenleben aus Marzipan, Holundergelee und Rumrosinen nicht so viel. Ging schon, war aber kein Highlight.

„Verbrechen zahlt sich aus“ sagt Virgil im Interview. Mal sehen, welche filmische Umsetzung dieses Zitats uns in zwei Wochen erwartet. Vorher bin ich noch im Allgäu, glücklich gelebtes Rind erstehen.

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Ein gemütliches Wochenende, eingeläutet von einem wunderbar fröhlichen Kartenspielabend, mit Sendung mit der Maus beim Frühstück und zwei mir neuen Tatort-Kommissaren in Frankfurt, die ich zur Abwechslung mal besser finde als die bisherigen. Vor allem sie.

Da bereitet einen nichts vor auf einen Montag mit beginnendem Zahnschmerz, unterschätzten Autoreparaturkosten und dringend wartender Steuererklärung. Aber schon gar nichts. Das kann nur noch besser werden. Wenigstens scheint die Sonne.

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Kommenden Montag gehe ich ins Konzert. Und ins Kino. Pippo Pollina weilt in Berlin. Schon als Teenager hatte ich die Tendenz, mir die Bands immer wieder anzusehen. Über die damalige Auswahl schweige ich mich lieber aus, oft habe ich es auch nur zwei- oder dreimal geschafft, da ich sie erst entdeckt hatt,e als ihr Stern bereits im Sinken begriffen war. Gelegentlich auch fast nicht mehr zu sehen. Pippo Pollina habe ich nun schon viermal gesehen und gehört und von Sinken kann bei diesem Stern keine Rede sein.

Unter anderem liegt es sicher daran, dass Pippo Pollina ein ausgezeichneter Musiker ist, der es mir von einem zum anderen Mal gar nicht erlaubt, seine Musik langweilig zu finden. Weder, wenn er alleine mit der Gitarre und Klavier auf der Bühne zugegen ist, noch wenn er von anderen exzellenten Künstlerinnen begleitet wird wie z.B. letztes Jahr von den vier Streicherinnen des Piccola Orchestra Altamarea. Geschichten erzählen kann und tut er auch – hier in Berlin üblicherweise auf Deutsch – humorvolle, nachdenkliche, bestürzende. Er ist ein Weltverbesserer und es gibt wenige Menschen, denen ich das abnehme. Wenn es irgendwer schafft, dann vielleicht Pippo Pollina mit seiner Musik.

Sein Projekt mit dem Jugend Sinfonieorchester Zürich wurde verfilmt, die Dokumentation „Zwischen Inseln“ über die Barrieren dieser Zusammenarbeit und die Überwindung derselben ist am Montag, 21.11.2011 im Babylon-Mitte in Berlin zu sehen. Und nicht nur das, danach spielt Pippo Pollina zusammen mit dem mir unbekannten Saxophonisten Roberto Petroli.

Der einfache Grund, warum ich schon wieder hingehe, ist, dass sich das Leben nach seinen Konzerten immer ein klein bisschen lebenswerter anfühlt.

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Er ist mir nahe gegangen, wie es schon lange kein Film mehr vermochte. Ich saß mit klopfendem Herzen auf der Sitzkante und musste mich beherrschen nicht aufzuspringen, als die beeindruckende Sibel Kekilli als Umay in Die Fremde zurück geht in den Saal, in dem ihre Schwester Hochzeit feiert. Sie geht zurück, um sich und ihrem Sohn das Recht zu erkämpfen, weiter Teil einer Familie zu sein, die sich von ihr abwendet, weil sie ihren Mann verlassen hat.

Am Schluss habe ich ernsthafte Kritik an diesem Film, denn das rationale Herangehen hält die allzu heftigen Gefühle in Schach. Zum einen finde ich, dass der maßgebliche große Bruder extrem undifferenziert dargestellt wird, ein türkischer Macho, dem es nur um sein eigenes Vergnügen und die Familienehre zu tun ist. Zum anderen ist auch die Darstellung des kleinen Jungen fragwürdig: er ist zu sehr Funktion und kaum eigenständiger Charakter. Ein notwendiges Accessoire mit wenig Innenleben.

Womit ich aber wirklich zu kämpfen habe, ist die Frage: musste das sein? Ein Film zum Thema Ehrenmord, der unter Umständen den Eindruck erweckt, als sei das traditionalistische Gebahren der eingewanderten Familie das Typische, das Muslimische, als könne jeder Versuch einer jungen Frau aus diesem Milieu, sich vom Althergebrachten, von ihrer immerwährenden Opferrolle, zu befreien, nur in der Katastrophe enden.

Wasser auf den Mühlen aller selbsternannter Islamkritiker und Multikulti-Basher, unserer aufgeklärten Gesellschaft die bei jedem Kopftuch ‚Zwangsheirat‘ schreit und überhaupt gut Bescheid weiß über die restriktiven Gegebenheiten in der deutsch-muslimischen Parallelgesellschaft. Jede Debatte in diesem Zusammenhang, jedes Stichwort erzeugt einen Strom an Äußerungen voller Vorurteile und kolonialherrschaftlich anmutender Überlegenheit und offenbart vielfach zugrunde liegenden Rassismus, Ignoranz und eine Denkfaulheit, die einen die umgebende Welt praktischerweise in schwarz und weiß einteilen lässt, was es einem wiederum erlaubt, überall mitzureden ohne sich der Anstrengung zu unterziehen sich mit dem Islam, mit der Einwanderergesellschaft oder gar ihren Protagonisten selbst beschäftigen zu müssen. Oder handelt es sich um schlichtes Denk-Unvermögen?

Diesen Leuten bietet dieser Film ein weiteres Argument für ihre selbstgerechte Kritik am mangelnden Integrationswillen der Eingewanderten und einen weiteren Beweis für das hirnlos überall verkündete Scheitern von Multikulti.

Unglaubwürdig fand ich auch die relative Aufgeklärtheit der gezeichneten Familie im Zusammenspiel mit ihrer Unfähigkeit, die fesselnden Normen ihrer Community zu hinterfragen. Und plötzlich muss auch ich mich fragen lassen, wieviel Wissen aus erster Hand ich denn vorweisen kann. Die Antwort ist, nur ein wenig, aber sicher nicht so viel, dass ich es beurteilen könnte, wie sich üblicherweise eine solche Familie in solch einer Situation verhält.

Und was will ich eigentlich mit dem „üblicherweise“? Es gibt das, worum der Film sich dreht. Es gibt Ehrenmorde, es gibt Zwangsheiraten, es gibt junge Menschen, die versuchen, aus traditionellen Zusammenhängen auszubrechen und dafür die Liebe oder zumindest die Anerkennung und die Geborgenheit der Familie verlieren. Vor allem letzteres gibt es überall dort, wo das Milieu, der kulturelle und soziale Hintergrund einen sehr engen Rahmen stecken, mit dem die neue Generation – manchmal auch ausgelöst durch veränderte Einflüsse von außen – nicht mehr klar kommt.

Dies im Zusammenhang mit muslimisch geprägten Einwanderermilieus nicht zu zeigen, nicht sehen zu wollen, ist ebenso ignorant wie ohne hinzusehen zu verurteilen. Wenn auch ich genau hinsehe, erzählt Die Fremde nicht vom Üblichen, sondern eine mögliche Geschichte, und er erzählt sie berührend, differenziert und sensibel. Da kann man über den wenig changierenden großen Bruder ganz gut mal hinwegsehen.

„Nichts und niemand hält mich auf“ soll es beim nächsten Mal heißen. Ich schau mal, ob sich dieses Mal eine Erfolgsstory finden lässt. Wenn wem was einfällt….?

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Elvis Costello

Zuerst wollte ich eigentlich ganz viel über das hier schreiben. Aber das haben nun schon andere für mich erledigt. Nur kurz das, was der Tagesspiegel nicht weiß: ich wusste nicht, dass ich an dem Abend einen der ganz Großen zu sehen bekomme. Das war kein alter Herr, der das Portfolio der letzten 30 Jahre runterklampft, das ist ein besessener, großartiger Musiker, der in der Interpretation seiner Stücke Erstaunliches und Niegehörtes liefert. Ein Großmeister.

Mein Eindruck war, es hat ihm Freude gemacht und deshalb hat er zweieinhalb Stunden gespielt. Mich hat es begeistert und ich bin mehr denn je erstaunt, warum das einzige Deutschlandkonzert nicht ausverkauft war.

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Und das hat er auch. Gary Cooper hat sie alle niedergestreckt. Zumindest drei davon, einen hat Grace Kelly gemeuchelt, von hinten, nicht ganz ladylike. Aber nur so konnte der Bessere gewinnen.

Ich hatte gar nicht mehr im Sinn, wie gut High Noon eigentlich ist. Das Geschehen wird in Echtzeit miterlebt, die Minuten bis Zwölf Uhr mittags strecken sich endlos und sind doch zu kurz, um die angeblichen Freunde zur Mithilfe gegen den zurückkehrenden Mörder zu mobilisieren. Keiner mag helfen, keiner mag den Freundschaftsdienst leisten, einmal selbst den Kopf hinhalten, für das, was gut und richtig ist. Und Gary Cooper ist großartig verzweifelt, ungläubig, fassungslos, dass er ganz alleine dasteht, dass keiner zu ihm steht.

Natürlich kann diskutiert werden, was gut und was falsch ist, und vermutlich wäre das Leben im Ort tatsächlich ein klein bisschen spannender, wenn nicht alle immer gut und rechtschaffen sind. Es kann einem auch das Rehlein Grace Kelly und ihr mädchenhaftes Getue auf die Nerven gehen, über ihren Pazifismus lasse ich persönlich nicht viel kommen, auch wenn es etwas albern ist, dass man als Quäker nicht mal mehr Sheriff bleiben darf. Und das Klischee der moralisch eher lockeren, aber dafür mutigen, großherzigen Retterin, ja, mein Gott, wir reden schließlich von Western.

Ich finde, von einem großartigen seiner Art. Und großartig war auch das Essen: ein Gast ist zur Zeit hier und hat diesen Part übernommen: Kässpätzle mit gemischtem Salat; Himbeermascarpone-Creme zum Dessert. Meine sind gut. Ihre sind besser. Sie macht sie ja auch schon länger.

Nächsten Dienstag geht es um „Eine SacheFrage der Ehre“ (Dank an Herrn Stroheim). Da fällt viel ein. Ihnen auch?

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Gerade eben bin ich über den (D)FssgF 7 von Schnuppensuppe gestolpert. Die Idee im Groben: Vollblut- und Schmalspur-Foodblogger (Essen sollte gelegentlich Thema sein im eigenen Blog) schicken sich nach ausgeklügeltem System gegenseitig Leckereienpakete. Ich selbst mag gerade nicht teilnehmen, weil es mich überfordert. Deshalb schicke ich die Aufforderung an meine LeserInnenSchaft, unter der ich so manches Interesse an so was vermute: Macht mit, berichtet davon und dann schaffe ich es vielleicht bei einem nächsten Mal auch.
PS: Und jetzt funktioniert sogar der Link 😉

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