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Archive for Januar 2012

„Leichen im Keller“ hatten in Deutschland einige nach 1945 und bei vielen sind sie vermutlich nie ausgegraben worden. Weil Rosen für den Staatsanwalt eine Komödie ist, und man es dem liebenswerten, scheinbaren Taugenichts Rudi Kleinschmitt von Herzen gönnt, dass das Leben auch einmal gut zu ihm ist, kommt es in diesem Film zur Entlarvung des bieder-fiesen Staatsanwalts, der ebenso unbelehrbar festhält an den alten Zeiten, in denen er bereits als Jurist tätig war und entsprechende Urteile zu verantworten hat, wie an seiner persönlichen Machtposition.

Der Film kommt daher wie ein leichtfüßiges 50-er-Jahre-Panoptikum, doch nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten kritisiert er vehement: die Straflosigkeit der Ewiggestrigen, eine Mentalität des Schwanzeinziehens, die Gier nach dem persönlichen Profit, wenn man will, auch die bestehenden Klassenverhältnisse, die dank des unreflektierten Glaubens an den Wohlstand und unter der dünnen Schicht Demokratie so bestehen, wie sie schon immer waren.

Erstaunlich fand ich die Tatsache, dass der Film von 1959 durchaus Erfolg hatte; verständlicher schien mir das Ergebnis der Recherchen des geliebten Mannes, dass nachfolgende Filme desselben Regisseurs wie Herrenpartie und Kirmes, die sich in weitaus ernsthafterer Form mit den Verbrechen der Faschisten und der Schuld der ganz normalen Bürger befassen, keineswegs mehr Gefallen beim deutschen Publikum fanden.

Die Vorgabe für das nächste mal lautet „Todesurteil“. Ich könnte beim Thema bleiben. Oder die Todesstrafe grundsätzlich in Frage stellen. Oder? Ich freue mich auf Anregungen. Obwohl ich zugeben muss, schon etwas im Sinn zu haben.

Das Essen: geröstete Baguettescheiben mit Olivenpaste vorn weg, blanchierte und in Walnussöl und Butter gedünstete Schwarzwurzeln und Rosenkohlblätter mit roten Zwiebeln, Creme Fraiche und geriebenem Parmesan (daran werde ich noch feilen; vielleicht lieber Bergkäse? gar kein Käse?) zu zerstampften Kartoffeln. Offenbar kein Kinderessen. Danach köstliche in Teig ausgebackene Apfelringe mit Beeren- und Vanillesoße, wozu ich weiter nichts sagen kann, da die Verantwortung fürs Dessert dieses Mal woanders lag.

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Meine Fähigkeit, zur Gelegenheit passende und allseits gefällige gastronomische Einrichtungen zu finden, hat mir schon mehr als einmal Bewunderung eingebracht und eigentlich würde ich sie auch gern zu Geld machen, wenn mir einfiele, wie.

Dabei muss ich rundheraus zugeben, dass ich die Orte weniger finde als sammele. Ich bin nämlich gar keine mutige Entdeckerin, die aufrecht und geraden Blickes in wildfremde Cafes, Bars, Restaurants oder Imbisse schreitet, offen für alles und bereit, auch Reinfälle zu erleben. Vor allem nicht letzteres. Nein, ich höre einfach aufmerksam zu, wenn Menschen aus meinen Kreisen, denen ich bezüglich Geschmack traue und nahestehe, berichten von ihren kulinarischen Erlebnissen außer Haus. Kontakte über einschlägige Blogs und andere soziale Mediennetzwerke tun ihr übriges.

Heute aber war ich mutig. Ich bin in der Otto-Suhr-Allee einem zugegebenermaßen sehr anziehenden Schild zu einem Hofcafe nachgelaufen, zum Hofcafe Zucka, und durfte auf diese Weise ein hübsches Kleinod entdecken. Vorbei an einer Schauspielschule mit Studiotheater führte mich mein Weg in einen zweiten Hinterhof, teils Ziegel, teils Waschbeton, ein paar Sitzgelegenheiten im Freien passierend zu einem ebenerdigen Raum mit Glastür, die den Blick auf einen großen Küchenbereich – und auf dem Blech soeben auskühlende Schokoladencookies – freigibt.

Zwei kleine Tischchen mit vielleicht 8 Plätzen, eine Tafel mit der Wochenkarte: pro Tag ein warmes Mittagessen, alle unter 5 Euro bis auf die Bolognese, da aus Biofleisch. Es duftet appetitlich, als einziger Gast plaudere ich ein wenig mit der Betreiberin dieses charmanten und für die Gegend unerwarteten Schmuckstücks. Seit ca. 1 1/2 Jahren versorgt sie dort die Studenten der Schauspielschule, umliegende Gewerbetreibende und Besucher_innen des Rathauses mit selbst gebackenem Kuchen und Keksen, dem Mittagsmahl, diversen belegten oder überbackenen Brotsorten und natürlich – übrigens gutem – Kaffee. Einmal am Tag zwischen Frühstück und Mittag findet sich ein Englischkurs der nahegelegenen Volkshochschule ein, manchmal kommt jemand von der Straße.

Es klappt gut, pendelt sich ein auf die richtige Größe. Zu stark wachsen darf es gar nicht, da sie dann die eigenen Ansprüche vom Selbstgemachten nicht mehr verwirklichen könnte. Zum Reichwerden ist es nichts, aber zum gut Überleben und dabei „noch das tun, was mir Spaß macht.“ Das Hofcafe ist offen von Montag bis Freitag von 9-16 Uhr. Außer für ihr Cafe backt die Chefin auch für andere Cafes und betreibt Kuchencatering mit allem, was gebacken werden kann – süß und salzig.

Damit es ein Geheimtipp bleibt, muss man nun nicht von anderen Bezirken extra hierher fahren. Aber wer in der Nähe ist, zum Beispiel 2-3 Stunden Wartezeit bis zum Aufruf der eigenen Nummer im Bürgeramt überbrücken muss, kann ruhig mal hingehen. Tut ganz gut, zwischendrin mal ein halbes Stündchen Hofcafeatmosphäre zu tanken.

Hofcafe Zucka
Otto-Suhr-Allee 94

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Der liebe Freund hat den ultimativen Schabrackenfilm gezeigt. So ultimativ, dass ich ihn sogar vorher erraten habe. Denn: Was kann es für bessere Schabracken geben als die reizenden beiden Tanten von Mortimer Brewster?

Viel muss da nicht mehr erzählt werden zu Arsenic and Old Lace (vielleicht eher bekannt unter Arsen und Spitzenhäubchen?) mit einem unglaublich komischen Cary Grant. Und wer ihn nicht kennt, dem darf man nicht viel erzählen vorher. Ich persönlich kenne den Film seit meiner Kindheit – so 10-15 mal werde ich ihn schon gesehen haben. Und vermutlich gestern nicht zum letzten Mal.

Das Motto „Leichen im Keller“ für nächsten Dienstag liegt nahe.

Und was gab es zu essen? Brokkolicremesuppe, so simpel wie gut: Brokkoli in guter Gemüsebrühe weich köcheln, pürieren, pfeffern, salzen, muskatnussen. Klecks Creme Double rein, gutes Weißbrot dazu, fertig. Geröstete Mandelsplitter passen oben drauf.

Das Hauptessen bestand aus etwas zwischen Stampfkartoffeln und Kartoffelbrei, bei dem ich sowohl den im Rezept angegebenen Schmand als auch die üblicherweise eingerührte Butter weggelassen habe, weil das Ganze mit Knoblauchbutter übergossen mir bereits gehaltvoll genug schien (für 4 Personen: 800 g Kartoffeln schälen, in Würfel schneiden, in Salzwasser weich kochen. Mit 4 Eßl. Milch, bei Bedarf noch mehr Salz, Pfeffer und Muskatnuss zerstampfen. Für Knoblauchbutter 30 g Butter zerlassen, 3 Knoblauchzehen in Scheibchen schneiden, goldbraun rösten, entfernen. Kurz vor dem Servieren Butter nochmal aufschäumen lassen).

Dazu gab es in Gemüsebrühe, Butter, Salz, Zucker und Pfeffer (erst aufkochen lassen) 5-7 Minuten gedünsteten Spitzkohl (2 kleine, geviertelte und in Streifen geschnittene) und Zitronen-Safran-Bechamel (10 g Butter zerlassen, 1 Eßl. Mehl hell andünsten, mit 200 ml Gemüsebrühe – ha, der Topf hat sich gelohnt gestern! – und 150 ml Sahne aufgießen, 1 1/2 Eßl. Zitronensaft und 1 Messerspitze gemahlenen Safran einrühren, unter Rühren aufkochen lassen, salzen, pfeffern, immer wieder rühren und leise blubbern lassen, bis „sie nicht mehr nach Mehl schmeckt“, sagt die wissende Freundin). Feine Sache, das Ganze. Das Rezept habe ich von einer äußerst kompetenten Dame vom Gewürzstand Finster in der Augsburger Viktualienhalle. Doch dazu ein andermal.

Und zum Nachtisch wurde aus Vorhandenem mal wieder eine Art Trifle, dieses Mal aus vom Mann selbst gemachtem Apfelmus, Joghurt-Creme Double-Quark-Creme gesüßt mit Ahornsirup plus ganz wenig Kardamom und Löffelbiskuit, die mit einer karamelligen Orangensauce beträufelt waren. Apfelsaft geht ebenso. Auch ganz schön gut.

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Verlust

Vor drei Jahren habe ich Dich zum letzten Mal gesehen. Es ging Dir nicht gut, ich konnte nur an Deinem Bett sitzen und da sein. Ob Du das weißt? Hoffentlich.

Seither überlege ich, wieso Du mir trotz aller Liebe so fremd geblieben bist. Ich glaube, es lag daran, dass Du es weder Dir noch anderen erlaubt hast, sich mit Dir zu beschäftigen. Mir jedenfalls nicht. Jetzt lassen wir den Schmarrn, hättest Du gesagt, wenn ich wirklich Anstalten dazu gemacht hätte. Habe ich ja auch nicht, vielleicht lag es nicht im Wesen unserer Beziehung.

Ich weiß auch nicht, wie Du mich wirklich gesehen hast. Fragen kann ich, Antwort werde ich keine mehr bekommen.

Du fehlst.

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Ein Wochenende nur mit den Kindern steht an. Irgendwie verheißungsvoll unkompliziert. Am Samstag nachmittag wird Kuchen gebacken mit der Nachbarin. Versunken oder Rotkäppchen, ich weiß noch nicht. Ist egal, die Zutaten sind die gleichen. Sonntag nachmittag hat die Große was vor, trifft sich mit Freundinnen und Freunden.

Sonst ist noch alles offen, vielleicht lade ich mir für den Abend jemand ein zum Essen und Reden. Oder wir spielen, das mache ich selten, aber mit Leidenschaft. Andererseits ist ein Abend alleine auch eine gute Gelegenheit, das neue Puzzle anzufangen, das ich mir von einer Freundin mitgenommen habe. Toskana in Gelb und Rot und Blau. Viel Blau.

Keine Angst, ich fixiere meine gemachten Puzzles nicht zum Andiewandhängen. Deshalb kann ich sie gut ausleihen: zurück in den Karton und dann dahin, wo sie herkommen. Puzzlen ist Meditation. Oder Beschäftigung zum Hörbuchhören. Das ist ein Tipp von besagter Freundin – sie hat Erfahrung mit Puzzeln. Und neuerdings auch mit Hörbüchern.

Eventuell gehe ich mit der Kleinen ins Theater oder sonst wohin, wo es ihr gefallen könnte; mal sehen wie das Wetter ist. Zum Abendessen wünschen sich die Mädchen Nudelsuppe, also wäre das auch bereits geklärt und schnell eingekauft.

Herrlich, so viele Möglichkeiten vor sich zu haben.

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Laue Tage

Nun muss ich doch mal was zu diesem Winter sagen, zumindest zu diesem Winter in der Hauptstadt. Viele freuen sich ja über die bisherige gänzliche Abwesenheit von Winter indizierenden Elementen. Sie genießen die lauen Temperaturen, die Tatsache, in normalen bis schicken Schuhen unfallfrei von A nach B zu gelangen und das nahezu reibungslos funktionierende S-Bahnnetz. Haha. Scherz. Aber doch. Allerorten höre ich, Gott sei Dank, kein Winter wie die letzten Jahre.

Bei manchen liegt die Gemütslage ein bisschen anders: sie haben aufgerüstet mit Schneeboots und zusätzlichen Feuerstellen, sich gelegentlich ein Set Spikes zugelegt. Eine Freundin hat sich sogar Langlaufskier gekauft, um hier im Grunewald…Meine kleine Tochter weigert sich zu glauben, dass überhaupt schon Winter ist. Liegt ja kein Schnee. Der Großen passt es auch nicht. Sie will Eindeutigkeit.

Und ich? Das Positivste, dass ich sagen kann, ist, dass vermutlich die Heizkosten sich in einem erfreulichen Rahmen halten und dass die gelegentliche Dysfunktion der Autoheizung nicht so ins Gewicht fällt. Ansonsten: wenn eine unendliche Aneinanderreihung grau aus der Wäsche guckender Tage, an denen es just IMMER regnet, wenn ich mich mit dem Fahrrad aufmache, um das Kind aus der Kita zu holen, die Alternative sind, ziehe ich deutlich Schnee und Eis mit Rutschpartie, im Parkhafen festgefrorenen Autos, gemeinschaftlichen Anschiebeaktionen und der Freude an einem Glas Heißem vor.

Ein Freund hat mal gesagt: im Winter zeigt Berlin, was es wirklich ist, nämlich eine riesige Ansammlung Stein und Beton. Ich habe mir schicke Boots mit ‚Warmfutter‘ zugelegt. Ich mag sie nicht mehr sehen, diese jämmerliche Farblosigkeit vor meinem Fenster. Ich möchte SCHNEE.

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Das Motto gibt viel her. Thelma & Louise, den ultimativen Freundinnenfilm, habe ich in diesem Rahmen schon gezeigt. Eine gar nicht so lange Recherche hat ergeben, dass auch ein Trotta-Film oder ein finnischer Thriller als erster Film des neuen Jahres gezeigt hätten werden können.

Aber ich habe mich trotz des blöden deutschen Titels Schwedisch für Fortgeschrittene für die schwedische Produktion Heartbreak Hotel entschieden. Und es war eine gute Wahl. Keine brillante, dazu gab es zu viele Ungereimtheiten, zu viele wenig erklärte Entwicklungen zum Positiven. Aber eine gute.

Zwei Frauen in den Vierzigern, die sich gerade oder vor kurzem von ihrem jeweiligen Mann getrennt haben, begegnen sich und freunden sich nach anfänglicher Beschimpfung an. Sie ziehen gemeinsam um die Häuser, bzw. ins Heartbreak Hotel zum Tanzen, bereit für Abenteuer, fast bereit, sich von eigenen und fremden Vorstellungen eines gesetzten Lebens als alleinstehende Frau mit erwachsenem Kind zu lösen.

Ich verzeihe dem Film seinen Mangel an Konsistenz oder Realitätssinn für seinen Esprit und seine Ehrlichkeit im Umgang mit den beiden Hauptdarstellerinnen.

Sie sind echt peinlich, wenn sie – sich mit Tequila betrinkend – viel jüngere Männer bedrängen, denen man ihre abrupte Flucht nicht übelnehmen mag, wenn sie auf der Tanzfläche zu Boden gehen und am Schluss die Polizisten anbaggern, die sie nach Hause bringen, weil sie es selbst nicht mehr vermögen. Man möchte seine eigene Mutter nicht so sehen, wie die Tochter einer der Protagonistinnen, die mit Freundinnen in dieselbe Diskothek kommt, es auch nicht will.

Aber sie sind gleichzeitig nachvollziehbar und unglaublich komisch – in ihrem Danebenbenehmen und in ihrer verkaterten Reue. Sie sind so, dass ich mir vorstelle, dass auch ich es sein könnte, die…. Der Film ist unterhaltsam und wahrhaftig und seine weiblichen Hauptfiguren sind unvollkommen, aber überaus sympathisch. Und deshalb lohnt er sich. Sehr.

Ebenfalls wahrhaftig und sympathisch, wenn auch unvollkommen, war das vorhergehende Abendessen mit Romanasalat mit Birnen, Halloumi und Linsenvinaigrette (das probieren wir nochmal mit geschleudertem Feldsalat und reiferen/aromatischeren Birnen; wenn es dann schmeckt, folgt die Beschreibung), zum Hauptessen die bodenständige Rote Bete, mal schon wieder als Gratin: einfach und gut; und zum Dessert eine Quark-Joghurt-Sahne-Creme Double-Creme mit Orangen-Grapefruit-Kompott, bei dem der karamellisierte Zucker knapp am Verbrennen – und damit Verbittern – vorbeigeschrammt ist. Auch das geht besser.

Ich freue mich riesig aufs nächste Mal. Da zeigt der liebe Freund einen Film nach der Vorgabe „Alte Schabracken“. Das kann nur gut werden.

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