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Archive for März 2012

Offside hat es nicht ganz getroffen, richtig einsam war niemand in dem Film von Jafar Panahi. Die Frauen, die versuchen zum WM-Qualifikationsspiel Iran-Bahrain verkleidet ins Stadion zu kommen, werden schnell aufgegriffen und gemeinsam am Rand des Stadions von jungen Soldaten bewacht. Die sie bewachenden Soldaten sind nicht richtig garstig zu ihnen, so dass auch da nicht groß das Gefühl der Einsamkeit der Gruppe in der Gesellschaft aufkommt. Mottotreue ist wohl nicht meine Stärke.

Richtig garstig wäre wahrscheinlich der nie auftretende, aber in den Gesprächen allgegenwärtige und so wie ein Damoklesschwert drohende Oberst. Und das wäre sicher die Sittenpolizei, in deren Gewahrsam die ungehörigen Frauen am Ende des Tages übergeben werden sollen. Doch es handelt sich um eine Komödie und so löst sich am Ende alles in den patriotischen Feiern zur gelungenen Qualifikation auf.

Jafar Panahi ist der iranische Regisseur, der 2010 zu sechs Jahren Gefängnis sowie zwanzigjährigem Film-, Reise- und Interviewverbot verurteilt wurde.

Einen solchen Film betrachte ich anders als andere. Ein wenig habe ich das Gefühl wie bei einem übermalten Gemälde. Die komödiantische Tünche ist gut, aber nicht ganz überzeugend und darunter liegt die wenig lustige Auseinandersetzung mit dem System, das alle ausnahmslos in seinen Fängen hält. Das Spiel mit der Zensur ist nie einfach und der Mangel an Einblick in das tatsächliche Leben im Iran seitens der Zuschauerin erleichtert das Verständnis nicht. Viele Fragen werden nicht beantwortet, vor allem aber nicht diejenige, wie nah die Darstellung im Film an der Realität oder an der Utopie liegt. Aber Offside weckt den Wunsch, genau dies herauszufinden.

Für das nächste Mal erwarten uns „Brot und Spiele“. Taramtata. Apropos Brot: zum Essen gab es dieses Mal aufgehübschte Reste von der Quiche und der Mousse, dazwischen in Butter gedünsteten Butterkohl und Gelbe Rüben, mit Erbsen in Farbe, Geschmack und Konsistenz kontrapunktiert auf Kartoffelbrei. Nicht spektakulär, aber durchaus wohlschmeckend. Wenn auch nicht für die Kinder am Tisch. Man kann nicht immer alles schaffen.

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Am Sonntag war ein vegetarischer Freund zu Gast. Ich konnte mich austoben: drei Gänge gänzlich ohne Fleisch. Die Herren waren wandern, ich habe Kinder ins Theater ausgeführt.

Kleiner Einschub zum Thema Kultur mit Kind in Berlin: Hans Wurst Nachfahren sind verlässlich gut, auch für Erwachsene mehr als nur zu ertragen. Es gibt ein kleines Cafe zum Draußensitzen. Üblicherweise wird es voll. Richtig voll, weshalb man nicht zu lange im Cafe draußen verweilt, sondern sich ca. 20 Minuten vor Beginn an die Saaltüre stellt, um dann nicht in der letzten oberen Ecke die nächsten 45 Minuten mit je einem Kind auf dem angewinkelten Knie zu verbringen. Vorbestellen ist ratsam. Ich war mir beim „Sängerkrieg der Heidehasen“ nicht ganz sicher mit der Altersangabe. Für 4-jährige finde ich es teilweise noch schwer zu verstehen, außer natürlich für diejenigen, die den anderen sowieso weit voraus sind. Aber mit denen kann man ja dann auch schon in die Deutsche Oper gehen. Für die anderen schien es mir, wie gesagt, ein wenig ambitioniert. Den beiden mitgebrachten Kindern, 4 Jahre, hat es allerdings trotzdem gefallen, auch wenn sie die Geschichte nicht ganz nachvollziehen konnten.

Wieder zu Hause gab es bei lamiacucina entdeckte Rote Bete Caprese allerdings ohne Pistazienpesto, weil ein solches Pesto aber mit Mandeln ja schon letzte Woche entstanden war. Daher gab es auch keinen Essig in meinem Pesto, so dass ich den getrennt darüber geträufelt habe. Irgendwie ist er aber nicht wieder aufgetaucht im Geschmackserlebnis. An sich ist das Gericht toll, bei mir fehlte es an Würze für den doch sehr subtilen Geschmack von Fave, Mozzarella und leider auch der Roten Bete. Meersalz und Balsamico wurden offenbar aufgesaugt. Mein Tipp fürs nächste Mal: ganz neue junge Randen, nicht ganz weich gekocht, dünner geschnitten als ich das getan habe und wie im Rezept angegeben noch lauwarm auf den Tisch gebracht und man hat ein großartiges Essen, das farblich kaum zu überbieten ist.

Die Lauchquiche aus dem goldenen Vegetarisch-Kochbuch von Gräfe und Unzer war weder raffiniert noch schwierig, hat auch gut einen Teil Dinkelvollkornmehl vertragen und prima geschmeckt, obwohl sie zu lange im Ofen gestanden hatte. Ungewöhnlich fand ich das Wasser im Mürbteig, das sich extrem vorteilhaft auf die Handhabbarkeit des Teigs auswirkt. Die Füllung besteht aus 3 Stangen feingeschnittenem, gedünstetem Lauch, 150 g Creme Fraiche, 4 Eiern, 100 ml Milch, 200 g Bergkäse, Salz, Pfeffer, Gewürz nach Wahl wie Muskatnuss, Paprika, bei Bedarf auch etwas Schärferes.

Dazu einen einfachen Blattsalat, bei mir war es Romana, mit einer – Lob muss auch mal sein – nahezu perfekt gemischten Vinaigrette aus Brombeeressig, Salz, Pfeffer, Apfelsaft und Sonnenblumenöl.

Dessert war ein bewährtes, gut gelungenes, und selbst vom kritischsten Esser am Tisch gelobtes Quarkmousse mit Heidelbeerkompott, wobei sich hier für mich einmal wieder bewahrheitete, dass ich lieber mit saisonalen frischen Früchten arbeite als mit Tiefkühlkost und Zuchtheidelbeeren sowieso nicht viel abgewinnen kann. An die Zutaten für das Pistazienkrokant hatte ich dieses Mal nicht gedacht, das würde ich nächstes Mal wieder tun, denn das Krokant liefert das Tüpfelchen und kann vielleicht über das flache Aroma der TK-Heidelbeeren hinwegtrösten.

Netter Gast, schöner Abend, gutes Essen. So lobe ich mir den Wochenendausklang.

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Das kleine Kind sagt um zwanzig vor acht: darf ich Dir zuschauen, wenn Du das mit den Eiern machst? Ich frage, was mit den Eiern? Na, ich muss doch heute Eier ohne Eiweiß und Eigelb mitbringen, zum Anmalen. Wieso heute? Ich habe Dich gestern gefragt, brauchst Du die morgen und Du hast gesagt, nein, nicht morgen.

Die Stimmlage hebt sich. Aber ich brauche doch heute die Eier zum Anmalen. Klingt bereits verdächtig nach Schreianfall. Das hättest Du mir gestern sagen müssen, ich habe doch morgens vor der Kita keine Zeit für sowas. Das Gesicht verzieht sich. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass noch Zeit ist, bis sie abgeholt wird. Duschen, Anziehen, Kaffee zwischendrin, irgendwie währenddessen oder danach.

Ich sitze da mit dem Eieranstecher und allem, was der alte Stahlschrank an Nadelstärken hergibt. Pusten. Stochern, wieder pusten, stochern. Ich habe das Gefühl mir das Hirn mit raus zu pusten. Kleine Klekse Eiweiß, kaum der Mühe wert. Nach 12 Minuten gebe ich der Versuchung nach und erweitere das untere Loch mit dem Korkenzieher auf Kosten der Eischalenstabilität. Es fehlt nur das Eigelb. Ich puste bis kurz vor dem Umfallen, stochere noch ein bisschen, puste wieder und zerquetsche dabei das fast leere Ei in der Hand.

Eine Freundin erzählte mir vor Kurzem, dass in ihrer Familie hässliche und unangemessene Worte mit Strafgeldern belegt sind. Sch… ist nur in Notfällen erlaubt. Ich kann mir vorstellen, wie ein Notfall aussehen könnte.

PS: Das kleine Kind hatte erstaunlich viel Verständnis. Sowohl für die Verwendung eines hässlichen Wortes als auch dafür, dass sie heute ohne leeres Ei in die Kita geht. Weißt Du, sagt sie, Philippa kam letztes Jahr auch ohne Ei. Ihre Mutter kann das nämlich nicht, Eier auspusten.

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Gut gelöst, das Motto voll erwischt hat der Mann mit Mary and Max (Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?), und uns einen wundervollen Film beschert. Eine bezaubernde, liebevolle Knetfigurenanimation (Sind es illegale Einwanderer, die zu einem Spottlohn jahrelang die Knetarbeit verrichten?) über zwei einsame Menschen an zwei weit auseinanderliegenden Orten in der Welt.

Das Kind Mary mit der konstant Sherry-testenden Mutter und dem der Präparation totaufgefundener Vögel verschriebenen Vater ist hässlich, allein und in ihrer eigenen Welt. Max Horovitz lebt in New York, ist fettleibig, hat das Asperger-Syndrom und ist ebenfalls allein. Die entstehende Freundschaft per Brief erzählt der Film unsentimental und anrührend mit aller Problematik, die sich daraus vor allem für Max entwickelt. Die beiden driften auseinander und kommen doch wieder zusammen, sie treffen sich nicht, und sind einander doch alles.

Die über die Jahre verteilten Geschehnisse wie der Tod der Eltern, eine fahrlässige Tötung, die Überwindung einer Agoraphobie, eine Hochzeit, ein Lottogewinn, ein 8-monatiger Aufenthalt in der Psychatrie, und einiges anderes formieren sich als Hintergrund für die Freundesfernbeziehung. Prädikat: Anschauen.

Wie angekündigt gab es vorher ein Bärlauchsüppchen, zum Hauptessen Schupfnudeln und Spitzkohl und zum Nachtisch Rhabarbercrumble. Und wie immer muss ich bei Schupfnudeln aus Kartoffelteig an selbige aus einem Nudelteig aus Roggenmehl denken – unendlich viel Arbeit macht es, die kleinen Teigkugeln mit einem Finger schnell hin und her zu schupfen, damit sich die typische Form ergibt. Zu Urgroßmutters Zeiten war darin die Macherin so geschickt, dass sie sie schwupp, schwupp, schwupp, so direkt vom Brett ins kochende Wasser schupfte.

Ich habe mich bisher zweimal an diese zeitintensive Machart gewagt und finde das Ergebnis auch unendlich viel leckerer als die jetzt übliche Variante. Aber ich habe nicht mehr so viele Wochenenden zur freien Verfügung. Außerdem fehlt mir ein Rezept für den Teig, da alle Welt heutzutage so tut, als wären Schupfnudeln per se aus Kartoffelteig.

Was es nächste Woche zu essen gibt, weiß ich noch nicht, jetzt mache ich mir erstmal Gedanken zum Film. „Gemeinsam einsam“ gilt es zu erfüllen, da erschwert eher mal wieder die große Auswahl den Entscheidungsprozess. Was nicht heißt, dass weitere Vorschläge nicht noch willkommen sind.

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Die Hautgeschmacksgeber für heute abend stehen bereits fest.
Für vorher:

Für nachher:

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Ich war faul, und habe bis heute nicht vom letzten Filmabend berichtet. Es gab zu viel Leben in den letzten Wochen, nicht genug Zeit zum Schreiben.

Und – ich konnte nicht so ganz viel mit dem Film anfangen: NI NA BIAN JI DIAN (What time is it there?) des taiwanesischen Regisseurs Tsai Ming-Liang. Manchmal habe ich dieses Zugangsproblem mit Filmen aus sehr fernen Ländern. Ich habe das Gefühl, ich verstehe die Bildsprache nicht genug, das Gesehene sagt mir nichts. Deshalb kann ich auch nicht viel dazu sagen.

Das Essen war gelungen und in diesem Fall, liebes Publikum, bin ich hart: das Rezept wird nicht weitergegeben. Nicht jetzt und nicht später. Das geht irgendwie nicht.

Kässpätzle sind meins, ich habe sie endlich so, wie sie sein sollen – also sprich: wie ich sie von meiner Mutter kenne – und das Geheimnis verrate ich nicht.

Meinen Kindern, wenn ich alt und noch grauer bin und sie mir nicht mehr selbst zubereiten kann, vielleicht und wenn sie das wollen. Aber sonst nicht.

Aber ich kann gerne mal welche machen, wenn Sie wollen.

Heute abend heißt es „Long Distance Relationship“. Vorfreude macht sich breit.

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Dienstag - Markttag

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