Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for September 2012

Sie erinnern sich: wir haben zu Fahrrad den Hügel erklommen oder sind – die Kinder vor uns her treibend bzw. hinter uns herziehend übers national-pompöse Olympiagelände gehetzt, um noch einigermaßen pünktlich den Vorhof zur Hölle die Schwimmhalle zu erreichen.

Im Vorraum stellen Kind und ich unsere Schuhe mitsamt den Strümpfen ab, denn nun beginnt der schuhfreie Bereich. Illegalerweise im Umkleidebereich zurückgelassene Straßenschuhe werden kostenpflichtig entfernt…Die Strumpfhose will das Kind aber nicht schon im Vorraum ausziehen, das ist ihr peinlich. Noch kann ich mit ihren kleinlichen Befindlichkeiten umgehen, zumindest wenn ich die Zähne zusammenbeiße. Die deutlich zu wenigen Umkleidekabinen sind alle belegt mit Kistchen, aus denen Klamotten der bereits Umgezogenen quillen, auf der Bank im großen Gemeinschaftsdamenumkleidebereich finde ich noch zweieinhalb Zentimeter Ablagefläche auf der Bank. Das Kind zieht sich im Idealfall schon mal selber aus, während ich zur Eile antreibe: in anderthalb Minuten soll ich sie geduscht und passend gekleidet am Beckenrand abgeben.

Toilettengang ist jetzt keiner mehr drin, und hatte ich nicht vor dem Losgehen gefragt? Die Strumpfhosenfüße sind bereits nass. Mal abgesehen davon, dass man im kühlen Herbst sich eventuell mit nassen Füßen draußen den Tod oder wenigstens die Lungenentzündung holt, sehe ich das Zorngeheul für danach voraus: DIE KANN ICH NICHT ANZIEHEN! DIE IST JA NASS! Aber was schert mich das jetzt? Husch zu den Duschen und ins Wasser mit dem Fratz der Süßen.

Eine der fünf Duschen ist vielleicht frei, das kleine Kind bekommt sie nicht an, ich schlängle mich – voll bekleidet außer an den Füßen – zwischen verschieden temperierten Wasserstrahlen durch, drücke auf den Knopf, ziehe nicht schnell genug zurück. Der Hemdsärmel trieft. Super. Im Wasser ist ja jede Menge Chlor, das desinfiziert bestimmt, so sauber muss das Kind also nicht sein. Flugs nass den Badeanzug übergestreift – Sie sehen die Unvereinbarkeit des Vorhabens mit dem Zustand? Man streift nicht flugs einen Badeanzug über einen nassen Kinderkörper, das kleine Kind selbst schon gleich gar nicht. Es ziept und bleibt hängen und tut weh. Gejammer und Geschrei zieht die schon mächtig gespannte Nervensaite noch ein bisschen fester an.

Mir baumelt die umgehängte Handtasche von der Schulter, nur halbnass im Gegensatz zum Ärmel und dem einen Hosenbein (warum auch immer) und erwischt das Kind am Ohr. Sie hält sich im Vergleich mit mir tapfer, ist trotz meinem Gezeter immer noch voller Vorfreude aufs Schwimmenlernen.

Ich selbst bin insgesamt ziemlich nass bis ich sie abgegeben und mich vorschriftsgemäß auf die Tribüne begeben habe, um mutterstolz ihre Fortschritte zu begutachten. Dort obenhin steigt die warmfeuchte Luft der Halle, an Trocknen ist nicht zu denken, lohnt sich auch gar nicht. Gefühlte weitere 200 Kinder in verschiedenen Kompetenzstufen – davon alle höher als meine, was Schwimmen angeht – ziehen auf unterschiedliche Weise bei ohrenbetäubendem Gepfeife und Geschrei ihre Bahnen im großen Becken. Habe ich schon erwähnt, dass ich Schwimmbäder nicht mag und die Erinnerungen ans eigene Schwimmenlernen keine guten sind? Noch weniger an meine drei bis vier Auftritte im Schwimmverein der Freundin, bevor ich zur Erkenntnis gelangt bin, dass Verein auch nicht so mein Ding ist.

Read Full Post »

„Taming Toddler“ ist der Titel eines Buches, das ich mir kurz nach der Geburt meiner großen Tochter zugelegt hatte. An den Inhalt erinnere ich mich nicht mehr in Gänze, vermutlich, weil der Anfang der Lektüre in die Zeit fiel, in der ich beschloss, keine Elternratgeberbücher mehr zu lesen, da fast alle überzeugend sind, selbst, wenn sie gerade das Gegenteil von dem behaupten, was einen im vorhergehenden überzeugt hat.

Präsent blieb mir einzig die Antwort des Autors, ich glaube, ein Kinderarzt, auf die Frage, ob es schädlich sei, ab und zu mit dem Kind zu McDonalds oder ähnlichen Einrichtungen zu gehen: nein, das sei es nicht, im Gegenteil, es sei sehr heilsam, weil man dort auf eine Menge Kinder träfe, die sich noch schlechter benehmen als das eigene. Ich habe nun den Ort endeckt, wo man auf Eltern trifft, die sich pädagogisch gesehen genauso schlecht benehmen wie ich, wenn nicht schlechter: beim Kinderschwimmkurs.

Hass ist ein Wort, das in meinem aktiven Wortschatz sehr selten zur Anwendung kommt. Ich meine also, was ich sage, wenn ich sage, dass es elterliche Pflichten gibt, die ich hasse. Eine davon ist, das kleine Kind zum Schwimmkurs begleiten. Fast nichts bei der Erziehung der Kinder ist so hart errungen wie das Seepferdchen.

Das ausgesuchte Schwimmbad liegt nicht um die Ecke, sondern erfordert eine knappe halbe Stunde Anfahrt mit dem Fahrrad. Bergauf. Ja, das gibt es auch in Berlin. Oder der Vater des befreundeten Kindes aktiviert sein Car-Sharing, dann geht es schneller. Dann muss man nur noch ein gutes Stück vom halblegalen Parkplatz, so man überhaupt einen findet, durch den Olympiapark, vorbei an einigen der offensichtlichen, und mir fast körperlich unangenehmen Nazibauten, bis die Schwimmhalle erreicht ist.

Doch das ist nur der Anfang.

Read Full Post »

Superthema. Das Feuerzeug in der wohl sehr sehenswerten DEFA-Verfilmung von 1958? Das blaue Licht – dieselbe Geschichte, spätere Adaption, wieder von der DEFA? Vielleicht bin ich ein wenig Sonntagsmärchen geschädigt, ich wollte keinen Märchenfilm für den Filmabend.

Außerdem kam erschwerend hinzu, dass gestern wenig Zeit und ein Trip zur Lieblingsvideothek fürs Abseitige auf keinen Fall machbar war. Die große Video-Kette an der Ecke liefert in erster Linie Mainstream, abgesehen von ein, zwei Arthouseregalen. Das Vorhandensein von Besonderem ist Glückssache, verlassen kann man sich keineswegs darauf. Sie haben keinen der beiden oben genannten Filme vorrätig, auch nicht den braven Rühmann-Schweijk, der vielleicht auch noch gepasst hätte.

Eine Recherche zu Filmen mit einem Soldaten ohne Geld (in Geldnot, finanziellen Schwierigkeiten, ohne Sold, etc.) führte immer wieder auf das Märchenmotiv zurück. Korrupte Militärs scheinen im Film üblicherweise eher aus Gier als aus monitärer Not zu agieren. Der einzige Tipp aus der Leserschaft, Herrn Kurbjuhns Straßen in Flammen, klang nicht so vielversprechend: „Dialoge mau, Handlung schwachsinnig“. Irgendwann fiel mir der irre Kinski ein und seine Darstellung des Woyzeck.

Ich mag den Film nicht so besonders, weil mir Herzogs Fokus auf Kinski (statt Woyzeck) auf die Nerven ging. Ob es nur an Kinski lag? Büchners Drama war damals Thema meiner Facharbeit fürs Abitur – nach der wiederholten Lektüre, mehreren Verfilmungen und dem Versuch, mir eine Aufzeichnung der Oper von Alban Berg anzusehen, war ich ein wenig übersättigt. Vielleicht hätte es Johnny Depp als Woyzeck auch nicht mehr gerissen….

Nun gut, ich wäre bereit gewesen, Herzog und Kinski und vor allem der leider zu sehr im Hintergrund agierenden, fantastischen Eva Mattes als Marie nochmal ein Chance zu geben. Oder – wie spannend – zeige ich eine weitere, diesmal ungarische Verfilmung von 1994? Doch leider ist Szász‘ Woyzeck kein Soldat, sondern ein Weichensteller. Also doch der irre Kinski. Ein Blick ins Internet ergibt: der gehört zu den Besonderheiten, die so besonders sind, dass sie in der Kette an der Ecke nicht zu bekommen sind.

Kurz vor dem Aufgeben bin ich (Suchbegriff „Söldner“) am Ende auf ein Werk gestoßen, das ich sowieso schon lange mal sehen wollte. „Sucht Samurai, die Hunger haben“, sagt der Dorfälteste in Kurosawas Shichinin no samurai – Die sieben Samurai. Die finden sie ja dann auch, die Bauern auf der Suche nach Hilfe für ihr Dorf. Die Beweggründe der Samurai gehen tiefer als bis zum knurrenden Magen, aber das Motto ist getroffen. Und – warum auch immer – die Videoworld führt ihn in ihrem Bestand. Bei mir um die Ecke. Besonderer Mainstream?

Ein sehenswerter, vielschichtiger Film, für die Halbzehnuhr-Vorstellung ganz schön lang, aber ich bin dennoch nicht eingeschlafen. Beeindruckend gut inszeniert ist die trotz des gemeinsamen Kampfes immer deutlicher zu Tage tretende Kluft zwischen den Bauern und den Kriegern, die mich dann auch zur Vorgabe fürs nächste Mal geführt hat: Zwei Königskinder.

Ein Kuriosum ist die Laufzeit des Films: sie reicht von 160 Minuten deutsche Kinofassung bis 207 Minuten im japanischen Director’s Cut. Wahrscheinlich handelt es sich bei ersterem um so etwas wie ein Stille-Post-Ergebnis: ich weiß nicht wie sehr fast eine Stunde Wegschnitt die ursprüngliche Intention verfremdet, ich nehme an, beträchtlich. Aber da ich die Langversion nicht kenne – und die Kurzversion noch ganz schön lang finde -, weiß ich ja nicht, was ich vermisse. Vielleicht gehe ich dem mal auf den Grund, wenn viel Zeit ist.

Das Abendessen bestand in gelungener Pizza mit Wunschbelag und Eis, fertig in der Waffel. Kleine-Tochter-Geburtstagsessen mit großem Befriedigungspotential.

Read Full Post »

Die kurze Dokumentation „Noen Gang“ der Filmphantomes aus Norwegen war einer meiner persönlichen Favoriten dieses Jahr.

Read Full Post »

Die Jury sagt, es war schwer, sich für ein paar wenige Gewinner zu entscheiden. Das kann ich gut nachvollziehen. Aber dass dieser hier gewonnen hat, auch. Ich kann zwar nur wenig Französisch, aber man versteht sie auch so, die Antwort auf die Frage:

Was macht der Weihnachtsmann eigentlich im Sommer?

Read Full Post »

Ganz vernarrt bin ich in die Arbeit des Studio Da: um Verständigung, Klang und Bedeutungen geht es in der kurzen Animation, die die Trickkünstler mit russischen und deutschen Kindern mit Behinderungen in den vier Tagen des Festivals geschaffen haben.

Read Full Post »

Gestern ging das 21. REC for Kids zu Ende. Vielleicht schreibe ich über das geliebte Kinder- und Jugendfilmfestival (Filme VON Kindern und Jugendlichen) die Tage noch ein wenig mehr. Für heute nur ein erster Link zu Filmen, die dort im Programm waren, um zu sehen, wie großartig dieses ist:
1) Can we be happy now: eine bezaubernde Animation von Tahnee Gehm, USA

Read Full Post »

Older Posts »