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Archive for Oktober 2012

Heute schrieb mir eine der Besten – dieselbe, die mir den Perutz empfohlen hat – eine Nachricht, die daran erinnerte, dass ich mich mit ihr zusammen an diesem Tag vor 20 Jahren auf eine fast unglaubliche Reise begeben hatte, eine Reise, die fast sechs Monate dauerte und nach der anfänglichen Wegstrecke mehr oder weniger an einem Ort stattfand. Und über die ich immer einmal schreiben wollte. Vielleicht tu ich es noch.

Es war in meinem jungen Erwachsenenleben ein sehr einschneidendes Erlebnis, prägend in dem Sinn, dass die Welt danach anders war als vorher. Die Verbundenheit zu dem Land, in das diese Reise führte, besteht lange nicht mehr mangels Auffrischung, aber die Erinnerungen sind teuer und die Freundschaft zu dem Menschen, mit dem ich sie teile, ist eine tiefe, anhaltende geblieben, die weit über diese Erinnerungen hinausgeht.

Ich habe die eine heute angerufen, und ihr meine Rührung auf den Anrufbeantworter gestammelt. Aber jetzt fällt mir ein – sie ist gar nicht in der Stadt, nicht in der Nähe ihres Anrufbeantworters. Vielleicht, bestimmt aber ist sie online und deshalb auf diesem Wege: Ja, Du, schön wars, mit das Schönste, was ich je erlebt habe.

Walenki

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Um nochmal darauf zurückzukommen…
Der Engel enttäuschte mich dann doch noch – als Gegenentwurf taugt er nicht so richtig, der Verräter:

Der Engel Asael senkte sein Haupt und seine Gedanken flogen zurück durch die Jahrtausende zum Urbeginn der Zeiten.
„Ja, sie war schön, Namea, die Schwester des Tubalkain, der die Spangen schmiedete und die goldenen Ketten“, sagte er leise. „Schön war sie und lieblich. Schön war sie wie ein Garten in der Frühlingszeit um die Stunde, da der Morgen anbricht. Ja, sie war schön, die Tochter des Lameth und der Silla.“
Und wie er der Geliebten seiner fernen Jugend gedachte, fielen zwei Tränen aus den Augen des Engels, die waren den Menschentränen gleich.

Und dann war es auch noch das letzte Kapitel: was soll ich denn jetzt lesen?

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Früh im Jahr war ich mit dem Mann als unser gegenseitiges Weihnachtsgeschenk in Prag, seit langer Zeit einmal wieder eine große Liebe der anderen Art besucht. In dem Zusammenhang hat mir eine der Besten – ausgesprochene Pragliebhaberin und -kennerin – Nachts unter der steinernen Brücke von Leo Perutz empfohlen, das ich uns dann dort zugelegt und im Lauf der letzten Monate unter den Stapeln der noch nicht gelesenen Büchern aus den Augen verloren habe.

Gott sei Dank habe ich es wieder gefunden, sonst wäre mir dieser großartige Fabulierer entgangen. Geschichte und Geschichten, verwoben zu einem Roman um Prag, den Kaiser, die Judenstadt, die schöne Ester, Rabbi Löw und den Streit der Engel.

Einer von ihnen, Asael, fragt den Rabbi:

„Ihr Menschenkinder“, sprach der Engel weiter, „gar arm und voll von Kümmernissen ist Euer Leben. Warum beschwert Ihr es mit der Liebe, die Euch den Sinn verstört und Eure Herzen elend macht?“

Ich überlege, ob ich vielleicht lieber Engel geworden wäre?

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Windburger

Ich mag Hamburger außerordentlich gerne. Auch mit Käse, also dann Cheeseburger. Oder vegetarisch – richtig, Veggieburger. Hauptsache im Brötchen, mit Salat, Tomate, Soßigem. Und dazu gute Pommes: nicht zu fett, nicht zu hart, am liebsten aus echten Kartoffeln.

Die üblichen Verdächtigen liefern da nur wenig Zufriedenstellendes, denn interessanterweise kann viel schief gehen beim Burger. Sind eben viele Komponenten, die alle auch nicht schmecken können.

Mich sehr zufriedengestellt hat der Cheeseburger und die hausgemachten Pommes beim Windburger in der Windscheidtstraße. Auf jeden Fall das Brötchen, der Salat, der Käse, die Soßen, die Pommes. Das Rindfleisch-Patty ist für manchen vielleicht ein bisschen sehr durch und damit ein wenig trocken – ich mag es so, ist ja genug Saft in den anderen Zutaten. Auf jeden Fall schmeckt es nach Rindfleisch.

Die Auswahl ist groß, auch in Hühnchen und, ich glaube, dreimal vegetarisch. Alles in zwei Größen zu 3 bis 5 Euro. Dazu noch Extras wie Röst- und Schmorzwiebeln, Cole Slaw, Krautsalat,…Insgesamt ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis.

Dazu kommt: sehr freundliche Bedienung, interessantes Getränkeabgebot mit den üblichen Modelimonaden, Ketchup und Mayo in der Flasche auf dem Tisch, ein netter Laden zum Wohlfühlen auch mit Kind, man ist fast versucht, länger zu bleiben, weil es so nett ist. Tut man dann aber doch nicht, weil schon mehrere Leute auf den Platz warten. Was gut ist, ist auch gut besucht – so gehört es sich. Ich gönne es ihnen und werde alles dafür tun, dass dieses Charlottenburger Diner sich noch möglichst lange hält. Meine Kinder werden es mir vermutlich danken.

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Ich habe es jetzt raus: wir gehen da nur noch in den Ferien hin. Kaum Leute, leere Duschen, Platz in der Umkleide. Und wie durch einen Zauber sind alle entspannt und freundlich. Naja, zumindest entspannt-ER. Es hat mich sogar eine andere Mutter angelächelt. Und ich zurück. Echt wahr.

So lässt sich doch ein nasser Ärmel viel leichter ertragen. Und danach waren wir Burger und hausgemachte Pommes essen. Aber dazu ein andermal.

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Bahn-Bashing ist langweilig. So wie alles Bashing, wenn es nicht originell, weil neu und/oder gut formuliert ist. Normalerweise nehme ich sie sogar in Schutz, die Deutsche Bahn. Ich fahre nämlich gerne Zug. Viel lieber als Auto. Ich freue mich geradezu auf Zugfahrten, zumindest wenn ich sie alleine antreten darf. Ich bashe also keineswegs, ich bin nur so überwältigt, dass ich davon berichten möchte, gar nicht böse gemeint.

Letzte Woche habe ich es mir richtig gegeben: ich bin fünfmal Zug gefahren, keine Tour unter vier Stunden. Und dann habe ich noch mein Kind nach Süddeutschland geschickt. Allein. Mit der Bahn. Und ich war erstaunt: von fünfmal Zugfahren und einmal in den Zug setzen gab es keine einzige Fahrt ohne Verspätung. Einmal habe ich den Anschlusszug zu einem wichtigen Geschäftstermin verpasst, während die nächste mögliche Verbindung ausgefallen ist. Hätte ich nicht trotz meines offenbar doch nicht grenzenlosen Optimismus einen Puffer von anderthalb Stunden eingebaut, wäre der ganze Tag für die Katz‘ gewesen. Einen Anschlusszug habe ich nur bekommen, weil er noch mehr Verspätung hatte als mein Zubringer. Dafür teilte ich mir das beschränkte Platzangebot mit allen Menschen, die freitags abends von Richtung Westen noch nach Berlin wollen.

Ein echtes Problem scheint für die Deutsche Bahn die Wagenreihung darzustellen. Sooft, wie ich im letzten halben Jahr – häufig kurz vor oder bei Einfahrt des Zuges – gehört habe, dass der Zug heute (!) in veränderter oder umgekehrter Wagenreihung einfährt, womit regelmäßig Stampeden ausgelöst werden vom einen Gleisende zum anderen, hätte ich den Tipp an die Bahn, die Wagenstandsanzeiger zu entsorgen. Die verwirren nur und wiegen in falscher Sicherheit.

Bestimmt glauben Sie mir jetzt nicht, denken, ich würde um der Erzählstruktur willen übertreiben, aber ich schwöre, für den wöchentlichen Höhepunkt hat die Bahn selbst gesorgt: der Zug gestern fuhr mit 35-minütiger Verspätung in den Berliner Hbf ein, mit zugegebenermaßen ziemlich früh angekündigter veränderter Wagenreihung und – als Sahnehäubchen obendrauf – ohne Wagen 24 und 27. Das war der, in dem für das Kind kostenpflichtig ein Platz reserviert war. Es brauchte auch nur vier reichlich bemitleidenswerte Mitarbeiter und -innen des Unternehmens, um für dieses Problem eine Lösung zu finden.

Doch, ich fahre wirklich gerne Zug. Am liebsten in der Schweiz.

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Der letzte Film ließ uns sehr uneins zurück: der liebe Freund hat für das Thema der nicht zueinanderkommenden Königskinder den israelisch-deutschen Film Sof Shavua B’Tel Aviv (Alles für meinen Vater) ausgewählt. Das Motto war sicher getroffen, und während der Freund und ich die Vermenschlichung der „anderen Seite“ rühmten, findet der geliebte Mann, dass die Darstellung des Selbstmordattentäters als überaus sympathischer junger Mann, als solcher Spielball mächtigerer Zirkel, unzulässig ist, weil er das Selbstmordattentat entkriminalisiert.

Ich hingegen finde es nicht nur zulässig, sondern für eine differenzierte Auseinandersetzung der so verfahrenen Standpunkte notwendig, vom Bild des fanatischen, durchgeknallten Dschihad-Kämpfers auch mal wegzukommen und sich anzusehen, wer den Konflikt mit Mitteln der Gewalt führt, wer ihn will und inwieweit das von der Mehrheit der nicht-radikalen Bevölkerung auf beiden Seiten gewünscht wird bzw. inwieweit sie darunter leidet. Dazu kommt noch, dass eventuell die Bedürfnisse und Sichtweisen auf das Thema ganz andere sind, ob ich vor Ort und involviert bin oder ob ich analytisch von der Ferne das absolute Falsch und Richtig versuche zu erfassen.

Ich habe vor kurzem Das Schwein von Gaza gesehen, dem man einen ähnlichen Vorwurf machen könnte, nur dass die Botschaft hier auf Humor gründet. Beides – der Humor wie auch die Märchenhaftigkeit von Alles für meinen Vater sind meiner Meinung nach sinnvolle Stilmittel, um stereotype Feindbilder zu durchbrechen und damit neue Herangehensweisen zu ermöglichen.

Aber egal, welcher Meinung man zu diesem Film ist, allein für die Auseinandersetzung lohnt es sich bereits, ihn anzusehen. Die vom geliebten Mann gekochte Suppe mit allerlei frischem Gemüse und Hülsenfrüchten war ausgezeichnet, schön würzig und kraftspendend nach einem langen Tag unterwegs. Und der Nachtisch aus Pflaumen, Trauben, Joghurt und Baiser eine echte Krönung.

Nächste Woche folgt dem Motto: „Du lebst nur einmal.“ Mal sehen, was passiert.

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