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Archive for Januar 2013

Das Essen vor dem vergangenen Filmabend war im Gegensatz zum Film eher stimmungserhellend. Wenigstens das.

Zur Vorspeise gab es Kalamataoliven in Kräuteröl, jahreszeitlich nicht ganz angemessene, aber dennoch feine, kleine bunte Tomätchen, ein bisschen Schafskäse und all dies vor allem als Beilage zu einem grandios aromatischen, sehr milden Olivenöl aus Ligurien, das ich letzten Samstag auf der Grünen Woche erstanden habe. Jede andere Verwendung, als es mit bestem weißen Brot aus dem Schälchen zu tunken, wäre schade drum.

Hauptgericht war eine gelungene Gemüse-Tajine aus Kürbis, Steckrübe, Kartoffel, Möhre, Mairübchen (heißt jetzt halt anders) und Wurzelpetersilie. Zwiebel, Knoblauch, Ingwer in Öl dünsten, Tomatenmark dazu, mit etwas Brühe (keine 250 ml) aufgiessen, Safran, Kreuzkümmel, Kardamom hinein, dann das kleingeschnittene Gemüse, mit dem Saft einer Orange aufgießen, mit Salz und Pfeffer würzen. Deckel drauf. Ich habe es in einer Tontajine gemacht, hat dieses Mal wirklich funktioniert. Geht aber bestimmt auch im Topf. Dazu gab es Couscous und Sauerrahm. Dem Nicht-Vegetarier fehlte das Fleisch. Mir nicht. Das kleine Kind hat sich auf den Couscous beschränkt.

Zum Nachtisch: in Butter gebratene Bananen mit Honig. Mit Joghurt und gehackten Mandeln serviert. Kam ziemlich gut an.

PS: Kleingeschnittene getrocknete Aprikosen und Pinienkerne waren auch mit drin. Das Obst und die Möhren hätte man weglassen können, sagt die große Tochter.

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Katyń von Andrzej Waida ist harte cineastische Kost, aber das war bei diesem Motto nicht anders zu erwarten. Es geht, wie der Name vermuten lässt, um die Massenmorde, die die russischen Mitbesatzer an polnischen kriegsgefangenen Offizieren an verschiedenen Orten in Russland verübt haben, für die stellvertretend das Massaker von Katyn steht.

Es geht um Polen und seine Menschen als Opfer der größenwahnsinnigen Machtansprüche seiner despotischen Nachbarn. Großartig und den Film im Kern erfassend ist die erste Filmszene, in der auf einer Brücke die Flüchtlichsströme zusammenprallen, der eine von Osten auf der Flucht vor der russischen Besetzung, der andere von Westen, weg von den deutschen Angreifern.

Dass die Massaker in der Tat von der Roten Armee auf Befehl von Josef Stalin verübt wurden, erscheint auch angesichts des schier unerträglichen Zynismus, mit dem beide Seiten nach dem Verrat der vorgeblichen Brüderschaft zwischen den menschenverachtenden Despoten der jeweilig anderen die Taten in die Schuhe schieben und das für sich propagandistisch nutzen, eher wie ein Zufall.

An der Geschichte mehrerer Angehöriger von verschwundenen Offizieren zeichnet Waida ein eindrüchliches Bild davon, welche Bedeutung dies vor allem für das neue Polen unter sowjetischem ‚Schutz‘ hat, das diese grausame Lüge unter dem Deckel halten muss. Die dies nicht tun oder nicht wollen, haben wenig Chancen zu überleben.

Ob ich mit der Vorgabe „Zwischen den Fronten“ beim nächsten Mal dann doch wieder einen Schenkelklopfer präsentieren kann – wer weiß?

Das Essen: bunt und wärmend; passt hier nicht her, gibt einen eigenen Post.

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Winter in Berlin

Kurz bevor wir uns unsere jährliche Dosis – hoffentlich – echten Winter im Allgäu abholen, ein paar Impressionen vom Winter in der großen Stadt. Kurz. Aber nicht schlecht.

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Letzten Dienstag gab es nur abgespeckten Filmabend. Der liebe Freund war malade und der Mann und ich haben alleine geguckt, und zwar das Nikolausgeschenk von ihm an mich: Broadway Danny Rose von Woody Allen.

Was soll ich sagen? Ich bin froh, immer noch nicht alle Woody-Allen-Filme gesehen zu haben, so dass solche cineastischen Entdeckungen für mich noch möglich sind. Der Film ist eine liebevolle Hommage an die in den hinteren Reihen, ein herzerwärmend komisches Gegenstück zur Würdelosigkeit der Vorführprogramme der Privaten.

Wunderbares Kino.

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Mein Film ist eine Komödie, weil ich nur so unerträgliche Qual darzustellen vermag. Todd Solondz

Welcome to the Dollhouse von Todd Solondz ist eine etwas andere Junior-Highschool-Komödie, rabenschwarz, erbarmungslos und realistisch.

Dawn, der von allen verlachte und von niemand unterstützte Teenager ist die ungeliebte mittlere Tochter, die nachvollziehbar abgelehnte Streberin. Erfahrene Erniedrigungen gibt sie schon mal nach unten weiter, sie ist eine Petze und eine Besserwisserin. Sie ist nicht unbedingt sympathisch.

Sie ist ein Opfer – wie fast alle in diesem Film – aber sie benimmt sich nicht wie eines. Sie lässt sich nichts gefallen, nicht von der Truppe cooler Jungs, die sie und andere quälen und mobben, nicht von der hysterischen auf die jüngere Schwester fixierten Mutter, nicht vom smarten älteren Bruder. Sie ist tough und ich fühle mit ihr als sie sich in den älteren, blitzschönen Herzensbrecher Steve verliebt, der sich die Computerkenntnisse ihres nerdigen älteren Bruders für die Highschool zunutze macht. Auch als sie den Zettel nicht ihrer verzogenen kleinen Schwester gibt, was zur Katastrophe führt.

Die Sache mit Steve wird bei Solondz natürlich nichts, aber immerhin reiht er sich nicht in die Parade ihrer Peiniger ein, mag es auch nur seiner bodenlosen Selbstverliebtheit zuzuschreiben sein. Die Katastrophe trifft im Endeffekt nicht die Schwester, sondern Dawn selbst. Aber ich bin ganz zuversichtlich: sie wird durchhalten und irgendwann dem Vorstadtparadies entkommen. Es wird nicht leicht und nicht ohne Verletzungen abgehen, aber sie schafft das schon. Was Solondz kann: schonungslos, ehrlich sein und dennoch Empathie erzeugen, seinen Figuren die Würde lassen.

Die Vorgabe war natürlich erfüllt, selbst wenn wir uns nicht ganz einigen konnten, was eigentlich genau der Begriff Vorstadt bezeichnet. Wie sehen Sie denn das? Das Motto für die nächste Woche lautet: „Opfer“. Weites Feld, mal wieder.

PS.: Essen war gut, der Orangensalat mit Roter Beete geriet allerdings mit zuviel Essig statt Zitronensaft etwas zu sauer (falls jemand das nachkocht, ich wäre sehr interessiert wie es geworden ist), die Käsespätzle bergen keine negativen Überraschungen – Essen für die Seele, Waldbeerenjoghurt, auch fein.

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Kurz vor dem Jahreswechsel überraschten uns die Gegebenheiten mit einem kinderlosen Abend. Dieses Mal wussten wir ihn spontan zu nutzen, gingen zum Lieblingskino in nächster Nähe, schauten, was es zu bieten hatte und einigten uns auf etwas, von dem wir beide keine Ahnung hatten: Beasts of the Southern Wild. Ich liebe diese Vorgehensweise. Und unseren Wohnort, der diese durch die Nähe zum Kant Kino überhaupt erst möglich macht.

Doch zurück zum Eigentlichen. Bisher habe ich nicht über den Film geschrieben und es fällt mir auch jetzt noch schwer. Denn zum ersten Mal seit langem hat mich ein Film sehr berührt, bei dem ich mir gleichzeitig schwer tue ihn zu verstehen, rational zu verstehen. Das kann ich auch jetzt noch nicht wirklich, aber ich akzeptiere langsam, dass es nicht notwendig ist. Denn dafür ist es ja ein Film geworden, keine soziologische Abhandlung. Es ist das, was diesen Film ausmacht: es ist für mich die Idealform von Film, sich in erster Linie auf die Bilder zu verlassen und sie nicht nur als Hintergrund für die zu treffende Aussage zu benutzen.

In den Sinn gekommen ist mir das Zauberwort „Magischer Realismus“, den ich aus der Literatur kenne: der Realismus einer Gioconda Belli, eines Gabriel Garcia Marquez und vor allem einer von mir vor Jahren sehr geschätzten Angela Carter, an deren Heroes and Villains ich zum ersten Mal seit Jahren gedacht habe. Dieser Roman einer nachzivilisatorischen Gesellschaft hat mich damals ähnlich fasziniert wie Beasts of the Southern Wild, obwohl ich sonst dem Genre der Utopie oder gar der Dystopie wenig zugeneigt bin.

Eine kurze Recherche im Netz ergibt, dass die Rezensenten dieses Romans in den Siebzigern ähnlich reagierten wie ich auf den Film: Das Buch ist intelligent, hervorragend geschrieben, verstörend. Und irgendwie unverständlich. Ich muss es mal wieder lesen und sehen, was ich heute darüber denke.

Über die grandiose Hauptdarstellerin der Hushpuppy, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, sage ich jetzt nichts mehr. Schauen Sie sich den Film doch selbst an, er hat sicher nicht zu Unrecht mehrere Auszeichnungen bekommen, darunter den Hauptpreis des Sundance Film Festivals und die Goldene Kamera in Cannes für den besten Debütfilm.

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Happy New Year oder wie eine segelnde Freundin schrieb: viel Wind, aber wenig Sturm für 2013 und einen lieben Dank fürs Lesen und Lesenlassen an alle, die mich hier häufig oder gelegentlich besuchen. Schön, dass es Euch gibt, sonst hätte ich ja gar keine Lust mehr, hier etwas zu schreiben.

Zum Beispiel zum Dienstagsfilmabend mit Herrn Stroheim und Herrn Klim mit vorhergehendem vegetarischen Essen und Themenvorgabe reihum, die sich aus dem letzten Film extrahieren lässt. Der erste Filmabend am ersten Tag des neuen Jahres fiel aus und das ist gut so, denn ich habe noch gar nichts zum letzten Film erzählt.

Auch wenn Eigenlob einen, sagen wir mal, nicht immer angenehmen Geruch hat, muss ich mir eingestehen, dass „Er ist ein Mädchen“ aufs Treffliche erfüllt wurde durch den Film Ma Vie en Rose. Um das Beweihräuchern der eigenen Auswahl ein wenig zu relativieren, weise ich darauf hin, dass uns eine Freundinnen-Empfehlung den erstaunlich berührenden französischen Film über Ludovic, den kleinen Jungen, der sich gerne wie eine Prinzessin kleidet und in seinen Träumen mit einer Art Barbiepuppe durchs unbeschreibbar kitschige Barbiepuppenland fliegt, beschert hat. Die ganze Familie gerät in scheußliche Situationen bis zum Absturz in die Arbeitslosigkeit, was weniger Ludovics Cross-Dressing an sich geschuldet ist, als dem Ausbund von Spießigkeit, der sich hier in der Vorstadt zusammenfindet.

Die Übertreibungen und Stereotypisierung sind vollkommen in Ordnung, der ganze Film ist zugespitzt, übertrieben, laut und schrill und vermag es doch, den Zuschauern Zugang zu verschaffen zu den Ängsten, Erwartungen und Sehnsüchten des Jungen wie der Eltern. Außerdem habe ich meine Lieblings-Stereotype aus fransösischen Filmen wieder getroffen: die coole, verrückte und deshalb verständnisvolle Großmutter.

Zu Essen gab es Ofenkäse aus dem Allgäu, eine großartige Erfindung: Käse in der Holschachtel in den Ofen, nach einer kleinen Weile aufscheiden, aufklappen, wer mag, ein Gläschen Weißwein hineinkippen (habe ich nicht gemacht, mag keinen Alkohol an meinem Käse und habe mitessende Kinder als gute Begründung dafür), sonst einfach so nochmal 15 Minuten vor sich hin schmelzen lassen. Mit Brot (Kartoffeln, Schinken, was auch immer) auftunken. Fertig. Apple-Crumble zum Nachtisch.

PS: Nun hätte ich beinahe vergessen, um Ihren geneigten Ratschlag zu bitten, auch wenn ich weiß, dass Herr Klim den gar nicht braucht: das Motto für die kommende Woche lautet „Vorstadtparadies“ und hätte ich vorher nachgedacht, dann wäre mir sicher noch etwas eingefallen, was mich nicht in so gefährliche Nähe zu Hundstage bringt, der wiederum zu den Filmen zählt, die ich nur ungern nochmal sehen möchte. Aber da wir den ja alle schon kennen, ist er sowieso nicht so wahnsinnig attraktiv für uns. Nicht wahr, Herr Klim? … Herr Klim?

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