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Archive for März 2013

Der Grund, warum ich über die bravouröse Einlösung des Mottos vom letzten Dienstag noch nicht geschrieben habe, liegt in erster Linie an der peinlichen Tatsache, dass ich wieder einmal eingeschlafen bin. Nein, halt, das ist nicht fair, mir gegenüber. Ich bin seit langem mal wieder eingeschlafen während des Dienstagfilms.

Und das lag nur ganz bedingt am Film selbst. Es war kein Reisser, also keiner von denen, die einen an der Kante des Sofas halten, die Hände immer in Bereitschaft sich vor die Augen zu schieben, damit man das Grässliche, Blutige, Gefährliche nicht sehen muss. Das wäre nämlich die einzige Art Film gewesen, die mich wach gehalten hätte (ich war müde, unausgeschlafen, erkältet).

Und so habe ich das letzte Drittel eines wunderbaren Werks von Ari Kaurismäki verpasst, noch dazu des ersten Kaurismäki, der in dieser Runde gezeigt wurde. Und das, obwohl beide Männer erklärte Kaurismäki-Aficionados sind. Dass es wunderbar ist, das Werk vom letzten Filmabend, weiß ich, weil ich ja die ersten zwei Drittel gesehen habe, von Das Leben der Boheme.

Viel dazu berichten möchte ich nicht, das steht mir als Zweidrittelseherin nicht zu. Nur so viel: schauen Sie sich ihn selbst an. Wenn Sie wach und aufnahmebereit sind. Sonst entgeht einem zuviel von Kaurismäkis bittersüßem Humor.

Das Essen mochten immerhin der liebe Freund und ich. Weißes Brot mit Verschiedenem zum Draufstreichen, ein Gemüsegratin aus dem, was da war (Kartoffeln, Möhren, Fenchel, Champignons) Cherry-Tomaten, Pinienkernen, Thymian, Salz und Pfeffer mit Zitronensahne aufgegossen und mit Mozzarella überbacken. Danach – und da gab es sogar Lob vom Mann – Mandeltarte mit Gewürzkompott. Echt gar nicht schlecht.

Das nächste Mal: „Die Männer sind so“. Da bin ich aber echt mal gespannt.

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Vorsätze gebrochen I

Ich hatte abgeschlossen mit Tarantino. Nach Jackie Brown. Ich hatte das Gefühl, alles gesehen zu haben und nun ist gut mit inszeniertem Blutgespritze. Kein Interesse mehr.

Bis Inglorious Basterds habe ich durchgehalten. Bei Kill Bill ein bisschen gewackelt. Kill Bill 2 vor allem nicht gesehen, weil ich Kill Bill 1 nicht gesehen hatte.

Jetzt bin ich schwach geworden: alle, ausnahmslos alle, die ich kenne und ihn gesehen haben, waren begeistert von Django Unchained. Und darunter mehrere, deren Argumentation ich folgen konnte und/oder deren Filmgeschmack ich hochschätze.

Das Ergebnis: ich habe abgeschlossen mit Tarantino. Das war okay, brilliant war es nicht. Kein neues Pulp Fiction. Im Kern ein ziemlich archaisch anmutender Macho-Rachefeldzug. Alles schon mal gesehen, alles schon mal gehört. Außer vielleicht Christoph Walz. Der war toll, charmant und herrlich anzuhören. Der war es fast wert, finde ich.

Die Verwendung der Sklaverei, der Elends, der Unterdrückung, der Demütigung war in meinen Augen reine Kulisse für Tarantinos Gewaltästhetisierung und das kunterbunte und wohl auch gekonnte Zitieren aus der Filmgeschichte der letzten hundert Jahre. Das mochte ich nicht.

Also. Die nächsten vier bis fünf Tarantinos werden keine Chance bei mir haben. Glaube ich. Wahrscheinlich. Aber er überlegt ja wohl sowieso, das Medium zu wechseln und Bücher zu schreiben. Denen entgehe ich leichter als den Filmen.

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…befindet sich das spanische Filmteam, das einen kolonial-kritischen Film über Kolumbus in Bolivien dreht, weil dort alles viel billiger zu haben ist als in der Karibik, inklusive die Arbeitsleistung der ortsansässigen indigenen Bevölkerung.

Lieben Dank an Joulupukki für den Tipp: mit Tambien la Iluvia habe ich das Motto 100% erfüllt und wir einen großartigen Film gesehen, der noch nachhallt und eine leidenschaftliche Diskussion ausgelöst hat. Über Zivilcourage, Identifikation, Kolonialgeschichte und -gegenwart, Zeitgeschehen, gesellschaftliches Engagement, gewaltsame Umstürze. Die viel zu lange gedauert hat für einen konzentrierten Arbeitstag heute. Also alles so wie es sein sollte beim Filmabend.

Das Essen war gut, die Vorspeise originell und schmackhaft: Puntarelle als Salat mit Sardellenvinaigrette (zerdrückte Sardellen, zerdrückter Knoblauch, Salz – soweit noch nötig, Pfeffer, Balsamico, Olivenöl zu dickflüssiger Sauce verrühren, gehackte Kapern dazu. Köstlich!) Danach gab es Pasta mit Brokkoli und Tomate, und zum Abschluss Applecrumble Die Krümel waren diesesmal ein wenig zu trocken; zu wenig Butter auf zuviele Haferflocken? Mit Vanillesauce fällt es weniger auf.

Doch nochmal zurück zu den Puntarelle: ein bisschen schade fand ich, dass nur das Innere verwendet wird, so ist ein solcher Strunk nicht sehr ergiebig. Probieren hielt mich allerdings davon ab, mit den äußeren Blättern auch etwas anzustellen – sie waren mir klar zu bitter. Hat jemand Ideen? Erfahrungen?

Die nächste Vorgabe – „Überleben. Es ist das, was wir am besten können.“ – bot sich an, ist aber vielleicht nicht einfach umzusetzen?

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Ich mag Döner. Sehr und schon immer. Irgendwie liegt mir die Kombination aus mundgerecht geschnetzeltem Fleisch, Salat und Brot zum Mitnehmen und unterwegs essen. To go war eh schon immer meins, auch beim Kaffee. So hat jede ihre Leichen im Schrank.

Allerdings habe ich ihn immer seltener gegessen, den Döner, weil ich es meistens nicht mehr schaffte, die Gedanken abzulenken, bevor sie bei den Bildern von eingepferchten, zerrupften, kahlen Tieren aus landwirtschaftlicher Industrie landeten. Wenn diese Bilder sich vor dem inneren Auge formierten, war es meist zu spät, ich hörte schon die höhnische Stimme im Kopf: wie mag wohl ein Tier gehalten worden sein, aus dessen Resten Dein Mittagessen für 2,50 Euro hergestellt wird? Da wäre ein Untersuchungsergebnis, dass gar kein Fleisch im Döner enthalten ist, noch positiv.

Zack, und schon wieder eine Kuh/ein Huhn/ ein Pferd gerettet: da geht es nicht mehr mit dem Döner, auch nicht mit Schawarma, denn ich glaube zwar an den Menschen als Fleischesser, aber auch daran, dass das kein guter Grund ist, ein anderes Lebewesen zu quälen. Also doch lieber Käsebrot zu Hause …

Der Dönerladen in der Wilmersdorfer Straße hatte Neueröffnung und zwar – als Falafel- und Halloumiladen. Billiger Trick, Alibiaktion, denke ich. Der Spieß dreht sich ja trotzdem noch und die vorgefertigten Bollen, die es üblicherweise an fleischdominierten Fastfoodbuden als Falafel gibt: geschenkt. Es mag kein Tier für sie gelitten haben und das ist das einzig Gute, was man über sie sagen kann.

Vorurteile sind blöd, also habe ich gestern die Falafel probiert. Als Teller mit frittiertem Gemüse, Hummus, Sesam- und Mangosauce. Und was soll ich sagen: lecker! Frisch gemacht, so gewürzt, wie ich sie zum Reinlegen finde. Das Gemüse war in Ordnung, die Saucen aromatisch, das Hummus hatte eine schön cremige Konsistenz. Die Falafel jedoch, die waren phantastisch. Da gehe ich wieder hin. Ist kein Döner, aber fein.

Berlin, Wilmersdorfer Straße, schräg gegenüber von Rogacki

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Die Currywurst habe ich schon erwähnt? Die schmeckte nach nicht viel, ich mochte weder die Farbe noch die Konsistenz. Die Sauce war mir ein wenig wie Tomatenmark mit Chilli. Kein Wunder, dass die dann Mayo mit den Pommes essen, zum Ablöschen.

Belgisches Fastfood von Max Frituur: naja. Beides. Zugegebenermaßen hervorragende Pommes, die sogar Maltvinegar vertragen, weil sie dick und aus echten Kartoffeln sind. Oder vielleicht sogar lieber eine der zahlreich angebotenen Saucen, auch wenn für meinen Geschmack oft zu mayonnäsig. Der Burger eher eine Katastrophe, essbar nur dank der Sauce.

Ansonsten habe ich schnell gelernt, dass es allein meine Angelegenheit ist, darauf aufzupassen, dass mein Essen nicht unbeachtet auf dem Tresen erkaltet, die Hipster hinter der Theke übertönen Geräuschkulisse und Musik im Laden nicht, um die Fertigstellung zu verkünden. Gastfreundliches Benehmen ist wahrscheinlich einfach nicht notwendig, so wie ihnen die Bude eingerannt wird. Ich würde nicht mehr hingehen. Ich bin zu alt für gelangweilte Servicekräfte.

The Livingroom: sehr stylisch, angenehmes Ambiente, klare Strukturen, Service völlig in Ordnung. Das Essen möchte vielleicht ein bisschen mehr sein als es ist. Der Cesar’s Salad solide, aber keine kulinarische Offenbarung. Im Trüffel-Risotto der Reis nicht perfekt, kein cremiger Schmelz mit knackigem Kernchen, das italienische Bittergemüse ein bisschen zu strunkig. Gar nicht schlecht, aber für die Anmutung nicht gut genug.

Der hochgelobte Grieche: Taverna Avli. Gut, schnell, freundlich. Tolle gebratene Babykalamares und Sardellen, das Gemüse gedämpft, mit hervorragendem Olivenöl beträufelt. Unkomplizierte, unprätentiöse Küche aus sehr guten Zutaten. Hat Freude gemacht, man sitzt nett. Kann man gut hingehen.

Taverna Avli
Luisenstr.14
44787 Bochum
Tel. 02 34 / 64 04 778

Livingroom
Luisenstrasse 9-13
44787 Bochum
+49 234 95 35 685

Bratwursthaus
Kortumstr. 18
44787 Bochum
Tel: 0234 – 684270

max Frituur
Kortumstr. 1
44787 Bochum

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Bochum. Jetzt war ich also da. Viel gesehen habe ich nicht, die Arbeit forderte den größten Teil der Tage. Ich bin ein paarmal unsinnig kurz Taxi gefahren, bis ich ein Gefühl für Größenverhältnisse entwickelte.

Schön ist es nicht. Aber interessant. Auffällig: ein fußgängerzonendominierter Stadtkern mit nur neuen Gebäuden, breiten Boulevards, so ganz anders als die Altstadtgässchen und -gassen, die so lange in meinem Leben als das städtbauliche Nonplusultra galten. Und allgegewärtig die Angst und der Versuch das Furchtbare zu bannen: die Schließung des Opelwerkes 2016. Die Katastrophe.

Subtiler, aber sichtbar: ein offensiver Umgang mit der eigenen Geschichte in der dunkelsten Zeit. Das habe ich nicht oft so erlebt in fremden oder auch nicht so fremden Städten.

Eine grundsätzliche Freundlichkeit und eine Liebe zum Essen aus aller Herren und Damen Länder. Die Currywurst: seid mir nicht böse, aber nee, so nicht. „Vielleicht sollte man sie woanders nicht essen, wenn man aus Berlin kommt.“ Sagt die große Tochter. Genau.

Die Menschen: tendenziell sympathisch. Gerade heraus. Habe mit der Zeitungsfrau am Morgen den Papst diskutiert. Sollen mal einen 50-jährigen nehmen, der gleich erstmal das Zölibat abschafft. Waren uns einig, dass der wohl nicht kommen wird. Mein Eindruck: es gibt keine Schwätzer in Bochum. Wahrscheinlich liege ich damit falsch.

Ich würde gerne wieder herkommen, mehr sehen, auch mal außerhalb des Rings, vielleicht auch noch mehr vom Ruhrgebiet, vielleicht, wenn es mal nicht so grau ist?

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Bochum. Neben anderem hieß das für mich auch: allein in der fremden Stadt. Ich war zweimal im Kino, im Union und im Casablanca, zwei auch in ihren kleineren Sälen ansprechende Kinos, habe Lincoln und Hannah Arendt gesehen und war von beiden sehr angetan.

Von Lincoln, weil es gutes Erzählkino ist, 145 Minuten, keine davon langweilig. Unterhaltend im guten Sinn, ein zutiefst befriedigendes Kinoerlebnis, einer der Lieblingsschauspieler in einer für ihn perfekten Rolle.

Hannah Arendt hat mich beschäftigt. Das Prinzip durch differenziertes Denken zu anderen Schlüssen zu kommen als zu den momentan und in einem bestimmten Kreis ‚erlaubten‘. Rational zu sein und die Emotion – der anderen und die eigene – zu vernachlässigen. Die Erfahrung, dass wenige sich die Mühe machen, genau hinzuhören, alles zu lesen, mitzudenken. Aber auch: das Schwelgen in der eigenen intellektuellen Brillianz, das keinen Raum lässt für Sensibilität, für Schmerz, Leid, auch Hass, berechtigten Hass?

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