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Archive for Mai 2013

Von den gerade relevanten Themen habe ich mich gegen den Spargel entschieden. Nachdem der liebe Freund beim letzten Mal anmerkte, dass er nun zum dritten Mal in diesem Jahr Spargel äße, und zwar immer bei uns, dachte ich, man muss auch mal etwas sein lassen können.

Deshalb konzentrierte ich mich auf die in diesem Jahr bereits aromatischen und süßen Erdbeeren aus der Region und – Ottolenghi. Sie haben meinen Vorspeisensalat inspiriert, zu dem ich gebratene Zucchini-Scheiben gab und ihn mit Sumach überstreute. Und ich habe mich endlich an ein mich schon seit Beginn anlachendes Rezept gewagt: die Tarte Tatin Surprise aus Blätterteig, Oreganoblättchen, Karamel und Kartoffeln, ein bisschen halbgetrocknete Cherrytomaten und gebratene Zwiebel, Ziegenribeaupierre. Sagenhaft. Der kritischste Esser am Tisch sagte: „Rund. Da passt alles zusammen.“

200 g Kirschtomaten halbieren, salzen, pfeffern und mit Olivenöl beträufeln – ab in den 130 Grad warmen Ofen. Für 45 Minuten so was. Kartoffeln: egal welche, Hauptsache sie schmecken, kochen, in gleich dicke Scheiben schneiden, mit oder ohne Haut, nach Geschmack und Kartoffelalter. 1 in dünne Scheiben geschnittene Zwiebel in Olivenöl oder Butter golden braten.

Dann 40g Zucker mit 10g Butter im Topf karamellisieren lassen, in eine mit Backpapier ausgelegte Tarteform – Springform geht auch – fließen lassen und gleichmäßig verteilen, Oreganoblättchen drauf, dann die Kartoffelscheiben. Salz und Pfeffer nach Belieben. Die Zwischenräume mit den Tomätchen und der Zwiebel ausfüllen, oben drauf Ziegenhartkäse in Scheiben.

Ich mochte ihn eher mild, weil ich den Stall nicht schmecken mag und zerlaufen muss er natürlich auch. Ribeaupierre von der Ziege hat sich hervorragend geeignet. oben drauf eine Platte Blätterteig – ich mache ihn nicht selbst, weil dann ein schnelles Gericht zum zeitfressenden Edelabendschmaus mutiert – die man an den Seiten so ein bisschen vorsichtig reinstopft. Bei 200 Grad 25 Minuten backen, dann auf 180 runter und nochmal ca. 15 Minuten, bis einen die Blätterteigdecke so anlacht, dass man es nicht mehr aushält. Heiß oder warm, eventuell mit grünem Salat.

Was macht es da noch, dass das Erdbeerdessert nur halb perfekt war? Die obere Schicht Löffelbiskuit nicht weich, der Cremepart nicht schmelzig genug? Geschmeckt hat’s ja doch schon auch.

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Ziemlich ergiebiges Thema, habe ich festgestellt. Nette Nachbarn und weniger nette. Nachbarschaften. Nachdem ich berichtet hatte, was ich auf die Schnelle alles in die engere Wahl gezogen hatte – u.a. die Tipps von kurbjuhn und joulupukki -, sagte der Mann: „Allein mit Filmen zu diesem Thema könnten wir den Rest unserer Tage rumkriegen.“

Geworden ist es dann Spike Lees Do the Right Thing. Den wollte ich immer schon mal sehen. Ich fand ihn sehr ungewöhnlich, aufwühlend mit all seinen Ambivalenzen. Seiner Sehnsucht und Hoffnung, dass friedliches Zusammenleben möglich ist, seiner Erkenntnis, dass das Scheitern dieser Hoffung vielleicht der Menschheit? dem System? immanent ist. Die Konflikte zwischen den Protagonisten unterschiedlicher Herkunft sind nie einfach zu lösen, nie simpel in Ursache und Wirkung, nicht des einen Schuld, immer aller Verantwortung. Keiner ist besser oder schlechter als die andere: Schwarze, Hispanics, Asiaten, Italo-Amerikaner. Erhoffte Antworten gibt er keine, es bleiben Verwirrung, Frustration – und die Hoffnung aufs nächste Mal.

"Wir stehen noch" sagt Mother Sister nach der Nacht, in der Radio Raheem, der schwarze Aktivist mit der kaum zu bändigenden Wut im Bauch, der von niemandem so richtig geliebt wird, nicht wirklich gewollt von einem weißen Polizisten umgebracht wird und die multiethnische Nachbarschaft in ungewohnter Einigkeit dem bis dahin geschätzten Italo-Amerikaner Sal die Pizzeria zerschlägt und anzündet. In der sie, die alte, sanfte, weise Frau des Viertels, wie besessen schreit: "Burn him down." Vielschichtig ist Do the right thing, ein Film zum Öfter-Sehen, für die Sammlung.

Vielleicht hat auch mich das Motiv der Hoffnung inspiriert beim Motto fürs nächste Mal: „Es ist heiß“.

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Gegenwärtig beschäftigen mich beim Kochen verschiedene Themen, in der Konzentration gelegentlich zum Leidwesen derjenigen, die es essen sollten: Rhabarber, Erdbeeren, Spargel und Ottolenghi. Von letzteren habe ich das pinkfarbene Plastikbuch zur vegetarischen Küche – und das Material des Einbandes mag unangenehm anmuten, Eiweiß lässt sich jedoch hervorragend und ohne Rückstand davon entfernen – und „Jerusalem“, und ich bin so begeistert, dass ich beide am liebsten von vorne bis hinten durchkochen möchte. Mal abgesehen von den Süßkartoffelgerichten vielleicht.

Großartig daran finde ich die für mich neuen Inspirationen, was Kombinationen und mir bis dato nicht so geläufige Zutaten wie Granatapfelsirup oder auch Tahine angeht, aber auch neue Umgangsweisen mit verschiedenen Gemüsen, die Offenheit zur Interpretation, die vielen der Rezepten innewohnt und die Tatsache, dass man fast alle der Gerichte auch lauwarm essen kann. Das nimmt Druck raus.

Dass es endlich wieder Spargel gibt, macht mich richtig glücklich und weil ich weiß, dass es in ein paar Wochen wieder vorbei ist damit, komme ich nur schwer an den Ständen mit der frischen Ware aus dem Umland vorbei. Damit ich das Gemüse bis zum Ende der Erntezeit wenigstens einwöchentlich unterbringe, ohne dass sich die Tischgesellschaft gelangweilt abwendet, fange ich nach den ersten paar klassischen Mahlzeiten mit Kartoffeln, Schinken, Nussbutter/holländischer Soße an, nach neuen Präsentationsformen zu suchen.

Gestern ist das außerordentlich gut gelungen: Spargel mit Orangenvinaigrette und Kräuter-Couscous. Ziemlich simpel und was für eine grandiose Kombination – Spargel und Couscous. Der Spargel wird geschält in einem Bräter in relativ viel Butter angebraten, gesalzen und gepfeffert, dann mit dem Saft und der abgeriebenen Schale von zwei bis drei unbehandelten Orangen und 1 Eßlöffel herben Honig übergossen und solange gedünstet, bis er die richtige Weiche für den individuellen Geschmack hat.

Für den Couscous 200g in 200ml kaltem Wasser und Salz nach Geschmack quellen lassen, Kräuter (bei mir: Pimpinelle, Kerbel, Petersilie, Estragon) fein hacken, Couscous in Butter rösten, Kräuter untermischen. Alles zusammen: fein. Echt.

Zur Vorspeise gab es Ottolenghi-inspirierten Salat aus Tomaten, Gurke, Radieschen und Frühlingszwiebel, Petersilie und Schnittlauch, mit einer Vinaigrette aus Weißweinessig, Zitronen- und Orangensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer, Knoblauch.

Und zum Nachtisch der Hammer: von Utechts Sonntagskuchenbeitrag angepikst ein Victoria sponge cake mit Rhabarberkompott und Sahne. Ich sag’s Ihnen: mächtig, köstlich, glücklichmachend. Die Angaben zum Teig habe ich von hier. In Ermangelung zweier gleich großer Springformen habe ich einen Kuchen gebacken und in der Mitte durchgeschnitten. Nachdem bei der Fadenmethode das Garn gerissen ist, hat es mit großem Messer einwandfrei geklappt.

Das Kompott war aus ein klein wenig Apfelsaft mit Zucker (war zuerst zu wenig, kann aber beim Köcheln noch nach Belieben gesüßt werden), Vanilleschote und -mark aufgekocht, Rhabarber dazu und solange geköchelt, bis er weich war. Ich hatte zuviel Flüssigkeit, habe deshalb mit wenig Stärke gebunden. Abkühlen lassen, Kuchensandwich belegen.

Wie gesagt: köstlich.

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… und die Männer schicken Frau und Kinder aufs Land, während sie selbst in der brütend heißen Stadt bleiben um zu arbeiten und das wilde Leben mit Wein, Weib und Gesang Pokerspiel zu genießen. Klingelt es?

Oder haben Sie – so wie ich – den Film auch noch nie gesehen und das bisher nur einfach nicht an die große Glocke gehängt, weil sie keine Lust auf diese hochgezogenen Augenbrauen und das unabdingbare „Wie, den hast Du noch nie gesehen?“ hatten. Wenn Ihnen diese Situation generell nicht unbekannt ist, kann ich Ihnen zum Schließen der Lücken nur einen Filmabend mit ausgewiesenen Cineasten empfehlen.

In diesem Fall allerdings war ich enttäuscht. Zugegeben, ich bin weggenickt und darf mir vielleicht kein Urteil anmaßen. Aber das Wegnicken hatte dieses Mal auch mit dem Film zu tun, mir war ein wenig langweilig. Ein bisschen zu viel Klischee rauf und runter: Der von seiner nun abwesenden Ehefrau zur Abstinenz angehaltene Ehemann, der wie ein Pavolv’scher Hund auf den rund verpackten Hintern der dummen Blonden einsteigt, sich nun eben doch Zigaretten und Whisky zu Gemüte führt, etc. all das wirkte auf mich anachronistisch und nicht mal in der Rückschau sonderlich komisch.

Nett durch Flair und Stil, aber halt nicht mehr. Fand ich. Über Das Verflixte 7.Jahr. Fanden die beiden Herren Cineasten übrigens auch, hatten ihn amüsanter und kurzweiliger in Erinnerung.

Nächste Woche: „Nette Nachbarn“. Das Ansinnen Rosemaries Baby zu zeigen, habe ich bereits abgelehnt, ich habe es ja nicht so mit Grusel. Any thoughts? Spannend war übrigens das vorhergehende Essen, aber dazu ein andermal.

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Gott sei Dank: der Weinversand Vinatis liefert NICHT mit DHL. Von denen ist mir nämlich schon seit Monaten niemand persönlich begegnet, dem ich hätte sagen können, wie hundsmiserabel ihre Leistung geworden ist, seit ich im 4.OG wohne. Ich arbeite hier, ich bin die meiste Zeit anwesend und dennoch habe ich gefühlt ewig keine Sendung von DHL mehr direkt bekommen.

Das Dutzend Flaschen hätte ich vermutlich mit dem Fahrrad von der ‚Postfiliale‘ abholen und dann selbst nach oben schleppen dürfen. Wieso begreift eigentlich DHL nicht, dass ich, wenn ich das wollte, einfach hier zum Weinhändler gehen könnte? Dass ich nicht mehr auf ihre Dienste zurückgreife, wenn diese Dienste nicht geleistet werden? Und dass ich nicht die Einzige bin, die das so handhabt?

Freue mich neuerdings sehr über die Freundlichkeit und Kompetenz der Zusteller von Hermes und GLS …

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…wie sie fallen.

Und wenn sie auf den 15. August fallen, und man ist als mittelalter Mann nicht mehr nur mit der Versorgung der eigenen alten Mutter, sondern noch mit drei anderen alten Frauen konfrontiert, dann feiert man Ferragosto eben zuhause mit gerade noch erstandenen Meeräschen auf Kartoffeln, einer leichten Gemüseboullion und genug Chablis.

Ein feiner, kleiner, köstlicher Debütfilm von Gianni Di Gregorio, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in einem: die lakonische Geschichte eines Pranzo di Ferragosto, eines ‚Festmahls im August‘. Einmal sehen reicht – zumindest mir – nicht, ich habe den feinsinnigen, subtilen Humor erst beim jetzigen zweiten Mal richtig genießen können. Absolut empfehlenswert!

Zu Essen gab es Spargel grün/weiß, sonst klassisch: mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise (und brauner Butter für die Puristen). Zur Vorspeise gemischten Salat, zum Dessert Erdbeeren mit Sahne. Frühling! Endlich!

Was es beim nächsten Filmabend zu essen gibt, weiß ich noch nicht, der Film wird irgendwas zu tun haben mit „Sommer in der Stadt“. Passt ja. Hoffentlich.

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Vor ein paar Tagen habe ich den Crosstrainer zum ersten Mal ausprobiert. Das üben wir dann noch mal. Vielleicht lieber erst bei Freunden, die so ein Gerät zu Hause rumstehen haben. Allein. Im Moment habe ich noch Angst, dass ich runterfalle. Zuerst bin ich rückwärts gelaufen. Das heißt, das Ding ist rückwärts gelaufen, ich nur einfach mit. Ich weiß nicht, ob mein Puls auf 160 geschnellt ist, weil ich es so anstrengend fand oder weil ich so aufgeregt darum gerungen habe, mich nicht völlig zum Affen zu machen.

In der Sauna dann der erste Kulturenclash. Eine ältere Dame mit russischem Akzent beklagte sich lautstark und beifallheischend darüber, dass bei der eben stattgefundenen Wassergymnastik eine junge Frau mit T-Shirt, BH und langen Hosen im Wasser war. Ihr Problem war nicht so der hygienische Aspekt, den sie erst beim Ringen um stichhaltige Argumente aufgefahren hat, als die dahinter vermutete falsche Scham. „Da hat bloß noch der Wintermantel gefehlt. Wir sind doch hier alle Frauen, da muss man doch nicht…am Freitag, da kommen hier auch Männer her, da können sie sich dann verschleiern…manchmal sitzt ja auch jemand von denen hier in der Sauna – im Badeanzug! Stellen Sie sich mal vor! Das Plastik der Badeanzüge gibt chemische Stoffe ab, das ist nicht gut. Und dann gehen sie in die Läden, wo es nur sexy Klamotten gibt, ganz verschleiert, was wollen die denn da?“

„Na, die ziehen das dann nur zu Hause an.“ Eine der Anwesenden ist mit in die gerechte Empörung eingestiegen, eine andere hat höfliche, aber uninteressierte Laute von sich gegeben. Ich habe nichts gesagt. Und bin bald gegangen. Nicht immer reibungsfrei, dieses Multikulti.

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