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Archive for Juni 2013

Von Ulrich Seidel fallen mir gleich zwei Filme ein, die zum Motto „Ein Platz an der Sonne“ passen. Würde ich einen davon an unserem Filmabend zeigen, wäre der Eklat absehbar. Die Frau mag Seidel nicht, er wäre denunziatorisch und übergriffig. Mit dem guten Freund diskutierte ich nach dem Besuch eines anderen Film des Wiener Regisseurs in einer Kneipe das Gesehene, mit dem Ergebnis, dass er irgendwann erbost aufstand und grußlos verschwand.

Es heißt, Ulrich Seidel sei in einer streng religiösen Arztfamilie aufgewachsen und sollte eigentlich Priester werden.  Dann muss man vielleicht solche Filme machen, sezierend bis ins Schmerzhafte, radikal und mit einer verstörenden Aufgeschlossenheit für das Hässliche, die den wahren  Philanthropen erkennen lässt. Mich faszinieren seine Filme.

„Import Export“ begleitet Olga, eine junge ukrainische Krankenschwester und den jungen, arbeitslosen Österreicher Pauli auf ihrer Suche nach einem „Platz an der Sonne“  im jeweiligen Herkunftsland des Anderen.

In „Paradies: Liebe“ sucht eine 50-Jährige Kenia-Urlauberin die Liebe von „Beach Boys“, die am Strand auf Europäerinnen warten, um ihre Dienste anzubieten, muss aber erkennen,  dass sie dort zwar Sex aber keine Zuneigung kaufen kann.

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Und noch ein Film, den ich an unserem Filmabend unter dem Motto „Ein Platz an der Sonne“ nicht zeigen werde. Immerhin ist er in die engere Wahl gekommen.  „Ein blonder Traum“ ist ein Film aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise und einer der damals erfolgreichsten dazu. In mehrfacher Hinsicht geht es in dieser Dreiecksgeschichte zwischen der blonden Schönheit Jou-Jou (Lilian Harvey) und zwei Berliner Fensterputzern (Willy Fritsch und Willi Forst) um einen Platz an der Sonne.

Jou-Jou, die sich ihren Lebensunterhalt als Wurfgeschoss in einem Wanderzirkus verdient, träumt von einer Filmkarriere in Amerika. Die beiden Willys verschaffen ihr zunächst mal ein Dach über dem Kopf: In einer Art frühen Wagenburg vor den Toren der Stadt, wohin es damals viele verschlagen hat, die sich ein Leben anderswo nicht mehr leisten konnten. Die beiden Filmlieder „Wir zahlen keine Miete mehr, wir sind im Grünen zuhaus“  und „Irgendwo auf der Welt gibt´s ein kleines bißchen Glück“ treffen die Hoffnungen vieler Menschen Anfang der 1930er. Das Lexikon des Internationalen Films urteilt streng: „Das optimistische Musical-Lustspiel von 1932, das die soziale Not der Zeit sehr bewusst ausklammert, konnte von den Millionen Arbeitslosen zum ermäßigten Eintrittspreis von 30 Pfennig gesehen werden. Einer der großen Ufa-Erfolge.“

Von dem Film werden übrigens – zu der Zeit nicht unüblich – zeitgleich auch eine französische und eine englische Version hergestellt. Lilian Harvey spielt in allen Versionen ihren Part, lediglich die Willys werden ausgetauscht.

Den Drehbuchschreibern Walter Reisch und Billie Wilder,  dem Produzenten Erich Pommer und dem Komponisten der Filmmusik, Werner Richard Heymann, gelingt es, in die USA zu emigrieren und dort im Filmbereich Fuß zu fassen. Der Texter der oben genannten Lieder, Robert Gilbert, wird als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt, flieht nach Wien, dann nach Paris, schließlich in die USA. 1944 nimmt er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Lilian Harvey verlässt 1939 Deutschland und begibt sich nach Frankreich. Nach der Besetzung Südfrankreichs geht sie 1942 nach Hollywood. Zuvor ist sie vor französischen Soldaten und in der Schweiz in Programmen für die Stärkung der alliierten Kriegsmoral aufgetreten. 1943 erkennt ihr das NS-Regime die deutsche Staatsbürgerschaft ab.

Willy Frisch und Willi Forst setzen ihre Karriere in Nazi-Deutschland fort, vermeiden ihre Beteiligung an allzu krassen NS-Propagandaschinken.

Fritsch wird Mitglied der NSDAP und Präsidialrat der Kameradschaft der deutschen Künstler. Im August 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs nimmt ihn Goebbels in die Gottbegnadeten-Liste der Schauspieler auf, die er für die Filmproduktion braucht, womit Fritsch vom Kriegsdienst freigestellt wird.

Ab 1936 leitet Forst eine eigene Filmgesellschaft. 1937 wird Forst in den Aufsichtsrat der verstaatlichten Tobis AG und 1938 auch in den Aufsichtsrat der neu gegründeten Wien-Film berufen. Gemäß dem für die Wiener Filme vorgegebenen Motto „Kraft durch Freude“ kann Willi Forst weiterhin unbeschwerte Komödien inszenieren.

Die erste Aufführung nach dem zweiten Weltkrieg von „Ein blonder Traum“ erfolgt am 24. Januar 1971 im ZDF.

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Von psack:

Etwas frankophiles sollte ach nicht fehlen..
http://www.youtube.com/watch?v=_92Cm8gl7Ls&feature=youtu.be

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Von Stroheim:

… und fahre gleich fort mit „Man spricht Deutsch“

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Da ich ja im Moment nichts über Filme zu schreiben habe und auch sonst wenig Zeit für den Blog habe, hole ich die Kommentare mit angedachten und vorgeschlagenen Filmen doch lieber eine Ebene höher…

Von Strohheim:

Da der gute Freund unverständlich lange auf Bornholm weilt und ich, für die Auswahl das Motto betreffend “Ein Platz an der Sonne” verantwortlich bin, aber am nächsten Termin seiner Verfügbarkeit einen Workshop in Frankfurt besuchen muß und sich so eine lange Phase ohne Filmabend ergibt, habe ich mir überlegt, es wäre ganz lustig, bis dahin auf Filme zu verweisen, die ich für den nächsten Filmabend – ich wiederhole “Ein Platz an der Sonne” – in Betracht gezogen habe, die es aber letztendlich nicht geschafft haben, mich zu überzeugen. Ich beginne mit “The Beach”.

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Eigentlich kann ich mir Zeit lassen. Der liebe Freund ist die nächsten zwei Wochen im Urlaub – Filmabend fällt aus. Aber was geschrieben ist, ist geschrieben.

Manchmal ist es so. Manchmal geht mir ein Film sehr nah. Oder es gibt andere Gründe, warum es mir schwer fällt, darüber zu schreiben. Das ist dieses Mal der Fall. Ich hatte noch nie von ihm gehört vorher, weiß gar nicht, ob er in die Kinos kam. Wenn nicht, frage ich mich, wieviele andere hervorragende Filme auch nicht in die Kinos kommen. Und denke mir, dass es sehr schade ist, dass es so viele gute Filme gibt, die von kaum jemandem gesehen werden, weil sie kommerziell nicht ausbeutbar scheinen. Was für ein Verlust.

In Hell – ein Titel, den man zweideutig Deutsch oder Englisch verstehen mag – kämpft eine kleine Truppe, deren Zusammenhalt zum Teil dem Zufall geschuldet ist, in einem postapokalytischen Mitteleuropa ums Überleben. Die Sonne brennt erbarmungslos, die Erde hat sich um 10°C erwärmt, Wasser und Nahrung sind fast komplett vernichtet.

Soweit so wenig Neues. Produzent ist Roland Emmerich, Spezialist für Endzeitapokalypse. Und trotzdem ist Hell anders als anderes, bisher Gesehenes, zumindest für mich, die sich in diesem Genre nur wenig auskennt. Auf jeden Fall ist er unglaublich spannend – die immer bestehende Gefahr bei zu spätem Beginn einzunicken besteht nicht. Aber der Film ist auch berührend, verstörend, näher an mir dran als zum Beispiel Mad Max, den ich eher zufällig mal gesehen und erstaunlicherweise sehr gemocht habe.

Er geht ans Eingemachte, an die Frage, was ist menschlich? wie weit geht Überleben? und wozu? Dem Regisseur, Tim Fehlbaum, wurde für dieses sein Spielfilmdebut vorgeworfen, weit ausgetretenen Wegen des Genre zu folgen, ich kann das so nicht sehen, bin aber wie gesagt, keine Expertin. Der liebe Freund, der den Film ausgesucht und damit das Motto perfekt getroffen hat, aber schon, und wenn das alles schon mal dagewesen sein sollte, muss ich mich fragen, wie konnte es nur so dermaßen an mir vorbeiziehen?

In drei Wochen darf dann der Mann etwas zum Thema „Ein Platz an der Sonne“ aussuchen. Dann muss aber auch mal gut sein mit interner Wetterkompensation.

Zu essen gab es: Spargelquiche ohne Chèvre und abgewandelte Erdbeertaschen (beträufelt mit Ingwersirup) aus Blätterteig. Rote-Bete-Püree von Ottolenghi (aus „Jerusalem“) zur Vorspeise: 900g gekochte Rote-Bete, 250g Joghurt, 1 Chili, 2 Knoblauchzehen, 3 Essl. Olivenöl, Salz, 1 1/2 Essl.Dattelsirup, 1 Essl. Zaatar – Gewürzmischung – zusammenmixen, mit Haselnusskernen, Ziegenkäse und Frühlingszwiebeln garnieren. Oder was halt so ungefähr im Haus ist. Schmeckt gut, nur nicht den Kindern. Alles abgedeckt.

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