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Archive for Juli 2013

Ich habe ein neues Lieblingswort im Englischen. Iguana – Leguan. Und einen großartigen Film entdecken dürfen: John Hustons The Night of the Iguana mit einem wütenden, von seinen eigenen Teufeln gequälten Richard Burton, einer „furios temperamentvollen“ (Zitat vom lieben Freund) Ava Gardner und einer lebensklugen, zutiefst menschenfreundlichen Deborah Kerr.

Mir erschien er nicht zeitgeistig-altmodisch wie so manches ehemals hochgelobte Werk, ich mochte die beiden starken Frauenfiguren, die nicht unbedingt erfüllen, was viele Filme der Zeit als angemessenes Benehmen für eine Frau um die Vierzig propagieren. Er hat mich im Innersten gerührt und sein eher hoffnungsvoller Schlussakkord wird von meinem latent optimistischen Naturell dankbar vernommen.

Irritiert hat mich allein die schablonenhaft – pittoreske Darstellung Mexikos und seiner sinnlich-animalisch anmutenden Einwohner, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun scheinen als zu tanzen und Leguane zu jagen, immer bereit sind für Sex und Fiesta. Nichtsdestowenigertrotz: sehenswert.

So, wir sind wieder dabei, den wöchentlichen Turnus aufzunehmen. Mein Motto für kommenden Dienstag lautet „Tugendbolde“. Na, toll.

Zu Essen gab es Couscous mit Gemüse (was mir auf dem Markt so ins Auge fiel, zusammengeschnippelt, mit Gemüsebrühe, Tomatenmark, gewürzt mit Knoblauch, selbst auf dem Balkon gezogener Pepperoni, Kreuzkümmel und Raz-al-Hanout), dazu Gurkenjoghurt. Zum Nachtisch eine optisch etwas eigenwillige Version der Pesche Ripiene – ohne Eiklar, ohne Fruchtfleisch, dafür mit ungeschälten, ungeformten Pfirsichstücken, die sich keinesfalls leicht vom Stein gelöst hatten…

Egal, mir schmeckte beides, die große Tochter mochte es wohl auch, der liebe Freund ebenso. Der Mann ist nicht zu haben für Couscous mit „Gemüsepamps“ – hielt sich aber einigermaßen zurück mit Kommentaren, der Freundin der Tochter war das Dessert zu marzipanig. Fair enough. Insgesamt jedoch: gelungen.

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Am 14.02.2008 – fast – so bei Qype gepostet, ist dem nicht wirklich viel hinzuzufügen.

Einer meiner ersten Gedanken, wenn ich über diesen Markt schlendere, ist immer: es gibt doch gute Gründe in Augsburg zu leben. Einer davon ist, hier fürs Wochenende einkaufen zu können.

Spätestens nach dem ersten Erwerb von Gemüse, Südfrüchten, Backwaren, Fleisch, Fisch oder Spezereien folgt unweigerlich der zweite Gedanke: das geht nur mit einem richtig gut bezahlten Job. Doppelverdienerhaushalt mit hohem Einkommen.

So viel Auswahl von dieser Qualität hat ihren stolzen Preis.

Aber erstmal der Reihe nach: ich beginne meist bei der Viktualienhalle. Früher hieß sie Käsehalle, aber mit schrägem Blick zum – mittlerweile – großen verhassten Nachbarn wurde sie vor ein paar Jahren umbenannt. Vielleicht auch zutreffender, denn nebst zwei oder drei Käseständen mit regionalem und internationalem Sortiment findet der geneigte Besucher u.a. Gewürze, Biowaren, schlesische Wurstwaren, den Bachbauern mit allem, was die Geflügelwelt so hergibt, und – ich nenne sie mal ‚mediterrane‘ – Leckereien.

Die hintere Reihe bietet verschiedenste kulinarische Möglichkeiten fürs Verschnaufen, Durst- und Hungerstillen.

Wieder unter freiem Himmel eröffnen sich mir zwei Möglichkeiten. Unter der Woche am Vormittag kann ich mich linker Hand auf den Bauernmarkt begeben, um Frisches aus dem Umland zu erstehen. Oder ich lasse mich von meiner Nase zur Gasse der Bäcker leiten, die sich an der Fleischhalle entlang zieht.

Hier ist versammelt, was in Augsburg backenderweise Rang und Namen hat, meine Schritte lenken mich allerdings direkt zur Bäckerei Wolf. Ob knuspriges Elsässer, deftiger Walnussknorzen, würzige Bierstange oder Krapfen, Küchle, Hörnle, – ist egal. Alles schmeckt so herrlich, wie es duftet. Die dunklen Sauerteigbrote sind in der Wahlheimat fast unerreicht.

Dann die Fleischhalle: in dem sehr pragmatischen, schnörkellosen Bau lenkt nichts vom Wesentlichen ab: dem hervorragenden Fleisch und der Wurst der Metzger und ihren Imbissangeboten. Eine Leberkässemmel oder ein Paar Weißwürst auf dem Augsburger Stadtmarkt – viel besser kann sich Gott in Frankreich auch nicht fühlen.

Wer nun denkt, bei Obst und Gemüse kann es nur noch langweilig werden, dem sei gesagt, dass ich eine ähnliche Auswahl in Berlin nur vom KaDeWe kenne. Fast immer finde ich an den Ständen etwas, das ich entweder nur vom Hörensagen kenne oder gar nicht. Dieses Mal war es, wie ich glaube, wilder Fenchel. Neben dem Korb mit nie vorher gesehenem dunkelgrünen Kraut. Doch noch wichtiger: die Qualität ist meist 1A, die Beratung äußerst kompetent: „Wenn Sie die Avocado für den Salat brauchen, sind sie super, fürs Guacamole müssten sie noch ein bisschen liegen.“

Und dann noch die Fischer mit den großen Wasserbecken und der Laden mit frischem Wild. Und oben und unten die Blumen. Und manchmal auch dazwischen…

Das Wissen darum, bei welchem Stand man die frischesten Blumen, das beste Lamm, den aromatischsten Bergkäse und die schmackhaftesten Erdbeeren kauft, wird von Generation zu Generation nur innerhalb der Familie weitergegeben. Aber die weiß ja auch, was gut ist.

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Da sich unsere Filmabende in die Sommerpause begeben haben, gibt es hier vorübergehend einige Vorschläge für das anstehende Motto „Ein Platz an der Sonne“.

Einen Film der exakt den Titel trägt wie das vorgegebene Motto, kann
man kaum ignorieren. ”A Place in the Sun” von 1951 hielt Charles Chaplin für den besten Film, der je in Hollywood gedreht wurde.

Der Film wird mit sechs Oscars ausgezeichnet. Dank der sinnlichen Nahaufnahmen bleiben Elizabeth Taylor und Montgomery Clift als eines der großen Kino-Traumpaare im Gedächtnis. Zwischen den beiden entwickelt sich während der Dreharbeiten eine lebenslange, intensive Freundschaft.

Clift spielt einen ambitionierten, aufstiegswilligen, jungen Arbeiter, der seine schwangere Freundin (Shelley Winters) töten will um mit einer gesellschaftlich höher stehenden jungen Frau (Elizabeth Taylor) zusammen sein zu können.

Die Handlung basiert auf dem 1925 erschienen Roman ”An American Tragedy” des Deutschamerikaners Theodore Dreiser. Von einem realen Kriminalfall inspiriert, stellt Dreiser das wirtschaftliche und moralische Klima des Amerikas der 20er Jahre in den Mittelpunkt. Der Autor bereist 1927 monatelang die Sowjetunion und ist in seinen letzten Lebensjahren Mitglied der kommunistischen Partei der USA.

„An American Tragedy“ wird mehrmals für die Bühne bearbeitet (u.a. von Erwin Piscator). Paramount Pictures erwerben 1930 die Filmrechte und übergeben die Regie zunächst an Sergej Eisenstein, der einige Monate in den USA weilt. Eisensteins Drehbuchentwurf findet zwar die Zustimmung von Theodore Dreiser, aber stellt nach Ansicht der Produzenten die Sozialkritik der Vorlage zu sehr in den Vordergrund. Das Projekt wird gestoppt und die Verantwortung für die Verfilmung schließlich an Josef von Sternberg übertragen, der die meisten Ideen verwirft und praktisch von vorn anfängt. Dreiser ist über das Ergebnis so verstimmt, dass er versucht, die Uraufführung gerichtlich zu verhindern. Am Ende werden ihm 80.000 $ Schadensersatz zugesprochen.

Ende der 40er folgt die zweite Verfilmung des Regisseurs George Stevens mit Clift und Taylor in den Hauptrollen. Theodore Dreiser ist 1945 verstorben und kann nicht mehr intervenieren. Die Romanze zwischen den Hauptdarstellern gerät in den Vordergrund. Kurz vor dem Kinostart wird der Filmtitel von „An American Tragedy“ in das gefällige „A Place in the Sun“ geändert um dem Publikum eine insgesamt positive Botschaft zu vermitteln und sich bewusst von der sozialkritischen Vorlage zu distanzieren.

Die Dreharbeiten für den Film sind bereits Ende 1949 abgeschlossen, doch der Schnitt zieht sich, so dass der Film erst im Juli 1951 in den Verleih geht. Herausgeschnitten werden z.B. beinahe alle Szenen mit Anne Revere, die die Mutter von Clift spielt, weil sie sich kurz zuvor vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe verantworten muss. Ihr Name erscheint auch im Abspann des Filmes nicht. Es dauert 20 Jahre bis sie wieder eine Filmrolle in Hollywood übernimmt.

Für Regisseur George Stevens ist der Film der Anfang seiner „Amerika-Triologie“, die er mit ”Shane” (1953) und ”Giant (1956) fortsetzt.

Montgomery Clift erleidet 1956 einen schweren Autounfall. Nach einer Party bei Elizabeth Taylor fährt er mit seinem Auto gegen einen Telefonmast. Taylor leiste erste Hilfe und entfernt ihm dabei zwei Zähne. Clifts Nase ist zwei-, sein Kiefer viermal gebrochen. Mehrere chirurgische Eingriffe bringen nicht den erhofften Erfolg. Clifts Physiognomie ändert sich. Er leidet unter starken Schmerzen, die er bis zu seinem Tod mit Alkohol und Tabletten bekämpft. Selbstzweifel ergreifen Besitz von ihm.

Clift ist zunächst sehr bemüht, seine Homosexualität geheim zu halten. Es gelingt ihm nicht und Schauspielerkollegen wie John Wayne und Frank Sinatra, aber auch der Regisseur John Houston lassen ihm gegenüber ihrem Schwulenhass freien Lauf. Clift selbst fällt es schwer, seine Homosexualität zu akzeptieren. Er versucht immer wieder, Beziehungen mit Frauen einzugehen, doch sie bleiben flüchtig und unbefriedigend. Erst in den letzten Jahren macht er in der Öffentlichkeit keinen Hehl mehr aus seiner sexuellen Orientierung, verkehrt in Homokneipen und sucht in seinem Cadillac in den einschlägigen Straßen nach käuflichen Sexpartnern.

Zu Beginn der Dreharbeiten zu ”Reflections in a Golden Eye” wird er nackt und leblos auf seinem Bett gefunden – Herzversagen. Sein Schauspiellehrer Bobby Lewis spricht von „dem langsamsten Selbstmord im amerikanischen Showbusiness“.

”R.E.M” und ”The Clash” veröffentlichen später Songs über Montgomery Clift.

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