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Archive for August 2013

Ich wäre vermutlich nicht darauf gekommen, obwohl es auf der Hand liegt. Der liebe Freund schon: Natürlich schreit dieses Motto nach der Geschichte der Jungfrau von Orléans. Nach Jeanne D’Arc, die im Namen Gottes für Frankreich in den Krieg gegen die Engländer zog, um – als sich das politische Geschehen gedreht hatte – schlussendlich als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.

Ausgesucht hat er sich eine frühe Verfilmung: La passion de Jeanne d’Arc, ein französischer Film aus dem Jahr 1928, unvertont aus Geldmangel, gedreht von dem dänischen Regisseur Carl Theodor Dreyer.

Mein Ré­su­mé: schauen Sie sich ihn an, ich glaube, es ist ein Meisterwerk. Er zeigt die Gerichtsverhandlung, Verurteilung und Verbrennung der Heiligen Johanna, übermittelt meisterlich den Gegensatz zwischen der jungen, von Gott und ihrem Glauben ebenso wie von ihrer Liebe zu Frankreich getriebenen, wenn nicht besessenen Kämpferin und den alten, satten, dekadenten Männern des Klerus und des Adels. Er zeugt von ihrer tiefen Überzeugung und deren Streben nach Macht und Position im Politischen wie im Gesellschaftlichen.

Aber tun Sie das nicht zu später Stunde, wenn Sie nicht mehr 120% aufnahmefähig sind. Der Film verlangt dem Publikum viel ab, er fordert Konzentration und eine Rezeption, die nicht meinen heutigen Sehgewohnheiten entspricht. Ja, tatsächlich, gegen meinen erklärten Willen bin ich wieder einmal eingeschlafen und es tut mir sehr, sehr leid, weil ich das Gefühl habe, tatsächlich etwas verpasst zu haben. Nur gut, dass sich der liebe Freund den Film gleich zugelegt hat, so kann ich ihn vielleicht nochmal ausleihen?

Was ich noch mitbekommen habe, ist die aufregende Geschichte des Films, der nämlich wenige Monate nach seiner Erstaufführung einem Brand zum Opfer fiel. Auch eine mühsame Rekonstruktion aus Doubletten und Restmaterial durch Dreyer selbst ist verbrannt, so dass lange Zeit nur eine – wohl nicht sehr authentische – Rekonstruktion übrig geblieben ist. 1981 wurde dann in einer Nervenheilanstalt nahe Oslo eine Version der ersten unzensierten Fassung mit dänischen Zwischentiteln in so gutem Zustand aufgefunden, dass sie restauriert und mit vermutlich originalähnlichen französischen Zwischentiteln versehen werden konnte.

Ärgerlich finde ich, dass meine Müdigkeit und die späte Anfangszeit einem aufwändigen Abendessen geschuldet waren, das mir nicht geschmeckt hat. Die Vorspeise war simpel und gut (dabei hätte man es bewenden lassen sollen…): fertige Pasten vom türkischen Laden, Oliven, weißes Brot, der Rest von der selbstgemachten Guacamole. Der Nachtisch war ebenso simpel und in Ordnung: Himbeer-Marscarpone-Joghurt.

Aber die Pilzlasagne von Ottolenghi war enttäuschend und das muss nicht unbedingt die Schuld von Ottolenghi sein. Vielleicht haben die Pilze nicht gut zusammengepasst, mindestens der Kräutersaitling war zäh. Ja, zäh. Hatte ich auch noch nie zuvor. Der Manouri ergab keine schmelzende Creme, sondern bröckelte. Die Bechamel dominierte nicht angenehm, die Deckblätter warem manchem zu wenig durch. Insgesamt nichts, was auf der Zunge zergeht, sondern eher was einen umhaut in seiner Vehemenz und Deftigkeit. Schon beim Kauen war die Herausforderung an die Verdauung zu spüren. Ich werde sie nicht nochmal probieren, da ich eine Ahnung habe, dass auch eine verbesserte Variante nicht zu meinen Lieblingsspeisen gehören wird. Kann nicht immer klappen.

„Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme.“ Der geliebte Mann hat nächste Woche etwas vor. In irgendeiner Form muss seine Wahl etwas mit dem Heine-Zitat zu tun haben.

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Es sind zwei Gründe, die mich vom Bericht über den letzten Filmabend abgehalten haben, jedenfalls zwei Hauptgründe neben vielen anderen, weniger wichtigen.

Zum einen ist das Leben zur Zeit schnell und vielfältig, das Muttersein spielt sich in den Vordergrund. Einschulung der kleinen Tochter, Elternabende allenthalben, Kontakthalten zum großen Kind. Schrittweises Loslassen scheint die Devise des Augenblicks bei beiden, und wenn ich mich auch für ganz gut darin halte, die Selbstständigkeit meiner Kinder zu unterstützen und sie nicht übermäßig zu beglucken, fallen mir die großen Schritte doch immer erstaunlich schwer.

Zum anderen war der Film nicht einfach einzuordnen und hat – wie im richtigen Leben auch – zu einer erstmal recht aggressiv geführten Kontroverse unter den Dienstagscineasten geführt. Der Mann wollte im Kleingedruckten nochmal nachlesen, welches Propagandaministerium diesen CIA-Film finanziert hat, während ich es keineswegs so empfunden habe, dass Bigelow in Zero Dark Thirty irgendetwas rechtfertigt – weder die Obsession mit Bin Laden den Drahtzieher des Terroranschlags vom 11. September 2001 zur Strecke zu bringen und schon gleich gar nicht die dazu angewandten Methoden bis hin zur Folter.

Für mich – und der liebe Freund tendierte zu einer ähnlichen Sichtweise – hinterfragt sie das Vorgehen der staatlichen Institutionen der USA ohne einfache Antworten zu liefern. Sie tut das ganz eindeutig aus einer US-amerikanischen Perspektive und warum auch nicht? Ich finde es legitim, nur ein Täterprofil zu erstellen, solange es kritisch ist und nicht rechtfertigend oder gar Verständnis wecken will.

Dass sie sich auf einem sehr schmalen Grad bewegt, ist klar. Dass der ganze Film anders interpretiert werden kann, auch – diese Gefahr besteht bei einer differenzierten, nicht eindeutigen Darstellung immer. Ob er bei US-Patrioten auch so ankommen würde wie bei mir, ist eine Frage im hitzigen Streit. Ich weiß nicht, was in deren Köpfen vorgeht, eventuell nicht. Aber dieses Problem besteht häufig: Nazis haben American History X auch anders interpretiert als vom Regisseur vermutlich intendiert – mit furchtbarem Ergebnis.

Mir liefert dieser Film keine Identifikationsfigur. Nicht in den Personen der CIA-Mitarbeiter, die sich geschäftig-unbeteiligt über den Nutzgrad der durch Folter erzwungenen Informationen unterhalten, nicht in der toughen, gefühlskalten und sozialautistischen CIA-Agentin, die vom Ehrgeiz und wer weiß was noch besessen sich gegen die Männerwelt der Geheimsdienste und Militärs behauptet, was letztlich zur Liquidierung Bin Ladens und seiner engen Helfer führt und schon gleich gar nicht in dem charmanten Sonnyboy mit Hippieattitüde, der aus seinen grausam-brutalen und doch exakt berechneten Foltermethoden keine Genugtuung zu ziehen scheint, sondern business as usual betreibt, alles auf der Seite der – angeblich – Guten, der Träger von Demokratie und freiheitlicher Weltordnung, der Tugendbolde in der eigenen Wahrnehmung.

Es gibt eine Stelle, wo mir fast Verrat droht in der kritisch-distanzierten Haltung des Films. Die Schluss-Sequenz der Ergreifung und direkt folgenden Erschießung Bin Ladens ist dermaßend spannend inszeniert, mit einer Lust am Filmerischen, am Effekt, am Unterhaltenden, dass das Kritische, das Ambivalente ins Hintertreffen gerät und nur mit halbherzigen Platitüden wie dem unglaubwürdigen, in der Aktion auftretenden moralischen Anfall eines Soldaten, dass er töten musste, hinübergerettet werden soll.

Hinüber zu der nun wieder großartigen und meiner Ansicht nach dem Film voll gerecht werdenden Schlussszene, in der die Agentin, die vermeintliche Heldin, allein im Bauch des großen Fliegers sitzt und weint. Was war all das wert? For god and country …

Und damit steht auch das Motto fürs nächste Mal.

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Köstlich und frisch hat er perfekt in die Hitze der vergangenen Woche gepasst, der Salat.

melone-Schafskäse

Orientiert habe ich mich an diesem Rezept von esskultur, im Gegensatz zur Verfasserin bin ich nicht ganz so streng was Außentemperatur und Stückchengröße angeht, nur bei der Qualität der Zutaten dürfen unter keinen Umständen Kompromisse gemacht werden: der Salat schmeckt nur mit aromatischster Minze, festem, würzigem Schafskäse und gut gekühlter, knackig-süßer Melone.

Übrigens scheint es mir ein Erwachsenenessen zu sein: Die große Tochter findet das Essen absurd, die kleine probiert nicht mal davon.

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Man muss Pressack mögen, sonst geht es nicht.

Nahaufnahme

Wenn man das aber tut, steht einer erfrischenden schwäbisch-bayrischen Sommermahlzeit nichts mehr im Wege. Offizielle Schriften führen auf der Inhaltsliste weißen und roten Pressack, Emmentaler, Romadour oder Limburger Käse, Zwiebeln. Meine Mutter sprach noch von hart gekochten Eiern und Essiggurken. Zuerst war ich skeptisch, habe dann darauf bestanden, dass wir entweder Käse oder Eier nehmen, dafür habe ich noch eine grüne Pepperoni hineingeschnitten.

Stadium2

Mit Salz, Essig, Öl, und viel Pfeffer abschmecken. Nach Lust und Laune Schnittlauch drüber, Petersilie (wie hier) geht auch. Die Pressackstückchen würde ich das nächste Mal größer machen, würfeliger. Und mal den Käse dazu ausprobieren, erstmal mit Emmentaler, an Tagen mit viel Geschmackslust den Romadour. Dann aber die Eier weglassen. Ansonsten: jeder Zeit wieder. Schade, dass es in Berlin keinen Pressack gibt.

Gemisch

brot
Tellergericht

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