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Archive for September 2013

Reisetagebuch Irland / 1

Nach anderthalb Tagen Dublin in Donegal angekommen. Erstmal tief ausatmen.

Tor zum Westen

Auch wenn fast alle Teilnehmer der kleinen Reisetruppe noch gerne ein wenig geblieben wären. Die Liebe zur schmutzigen alten Stadt habe ich wohl an die große Tochter weitergegeben, vielleicht ist es auch genetische Vorbelastung. Der geliebte Mann hatte in anderthalb Tagen gerade mal genug Zeit um herauszufinden, dass es zehnmal so lange dauern würde, um alles anzusehen, was ihn interessiert. Und vermutlich auch darüber hinaus nicht langweilig würde.

Meine Befürchtungen einer argen Enttäuschung nach den vielen Jahren haben sich nicht erfüllt. Die Zuneigung – und die Vertraulichkeit – waren sofort wieder da, ließen sich selbst durch den Anblick von Temple Bar nicht verscheuchen.

Eineinhalb Tage waren auch mir nicht genug, und doch fast zu viel mit kleinem Kind. Dublin ist keine Stadt für Kinder, war es noch nie – zumindest nicht in meiner Wahrnehmung. Aber doch offenbar eine Stadt für Teenager. Oder für bestimmte Teenager. Und für mich. Für bestimmte Leute. Eckig und kantig, laut, lebendig, bunt und nicht ordentlich, außer vielleicht um die neuen Bankenpaläste herum; eher nicht sauber, jung, sehr jung – nach wie vor.

Temple Bar wird woanders stattfinden, und ein bisschen altes Temple Bar gibt es auch noch am alten Ort, wenn man in die Hinterhöfe schaut. Oder ins Irish Film Institute.

Rathmines

Das ganz Neue habe ich eher von der Ferne gesehen, was nicht daran liegt, dass es mich nicht interessiert. Es befindet sich nur einfach in einer Gegend, in der ich mich auch früher nicht bewegt habe. Zu ernst waren die Warnungen der Einheimischen vor den Gefahren, die dort lauern.

new dublin

Jetzt weiß ich, dass ich wieder hinfahren möchte. Öfter. Mit mehr Zeit und mit größerem Kind. Und dass ich mich nicht mehr davor fürchten muss. Wir können immer noch ganz gut miteinander, Dublin und ich.

Für die Fotos danke ich herzlich Stroheim vom Strandgut.

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Vor ein paar Wochen auf einem Straßenfest erlebte ich Marktforschung der anderen Art. Ein paar junge Leute mit starker Verbindung nach Ägypten – ich habe nicht nachgefragt welche, sondern einigermaßen unbeabsichtigt dem Ende eines Gesprächs gelauscht – planen, DAS ägyptische Straßenessen nach Berlin zu bringen. Dafür gaben sie an die Vorbeilaufenden Kostproben und einen Fragebogen zu Ge- und Missfallen und Kostenbereitschaft ab.

Schon beim Hingucken wusste ich: es ist absolut mein Ding. Eine Kohlenhydratbombe aus Reis, Nudeln, Linsen und Kichererbsen. Mit Tomatensauce. Was es nicht ist: raffiniert. Insofern kann ich die Journalistin des Guardian verstehen, die den Londoner Hype um dieses doch sehr grundsätzlich sättigende Gericht nicht ganz nachvollziehen mag.

Gefunden habe ich diesen Artikel auf der Suche nach verschiedenen Macharten (oder diese oder andere) weil es mir wiederum gut gefallen hat, ich aber nicht bereit sein werde, auf Grund des Modefaktors großes Geld für diesen Imbiss auszugeben, so dass ich mich schon länger mit dem Gedanken getragen habe, es einfach selbst auszuprobieren. Kann ja nicht so schwer sein, ist es auch nicht. Der Geschmacksviefalt halber habe ich mich für die Zugabe frittierter Zwiebeln und passierten Knoblauchs mit Koriander entschieden und wegen der Kinder das ganze entschärft.

Und es ist, wie es ist. Das Gericht steht und fällt mit dem Gargrad der Zutaten, die Gefahr ist da, ein musiges Etwas auf den Tisch zu bringen. Das ist gestern nun nicht passiert, wobei der Reis (Thaibonnet) nicht der ideale schien. Mit Knoblauch und Zwiebeln ist es mir tatsächlich nicht mehr mild genug, am besten schmeckte es mir nur mit Tomatensauce. Und einem feinen Salat. Wir hatten Tomaten-Gurken, Blättriges mit Nüssen und Frucht wäre vielleicht noch besser gewesen, könnte die Komplexität des Gerichts deutlich verbessern.

Auch wie erwartet: der Mann mag ein Häppchen davon essen, als ganze Mahlzeit ist es ihm zu langweilig. Die große Tochter fand es in Ordnung, nichts Begeisterndes. Die kleine hat nicht probiert – ich kann es aber dieses Mal dem blöden Infekt zuschreiben, der sie schon ein paar Tage auf nichts Appetit aufbringen lässt.

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Doch, das passt schon. Auch wenn ich gestern etwas ungnädig über den Film angezweifelt habe, dass das Motto gut getroffen wurde. Wurde es. Mit Aguirre, der Zorn Gottes, einem der Herzog-Filme featuring Klaus Kinski.

Der Film hat mich merkwürdig kalt gelassen. Ich kann für Kinski nur wenig Begeisterung aufbringen, ihm zuzuschauen ist mir fast körperlich unangenehm. Kinski spielt halt wieder Kinski, mehr kann ich zu dieser Schauspielleistung nicht vermerken. Neben ihm kommt keiner und keine zur Geltung. Das war auch bei Woyzeck so, wo es schade ist um den Einsatz einer eigentlich grandiosen Eva Mattes, die verzweifelt gegen die vielen Close-Ups von Kinski anspielt. Irgendeine Mühe mit dem Rest der Besetzung hat sich Herzog in Aguirre gar nicht mehr gemacht, scheint mir.

Mir sagt dieser Film nichts. Es bleibt nichts hängen. Manches erschien mir erstaunlich hölzern oder platt, eine Anmutung, die ich schon öfter bei Filmen aus den Siebzigern hatte. Und manchmal glaube ich, ich höre nicht recht: „Aguirre, ich sage es Ihnen auf den Kopf zu: Sie führen etwas im Schilde mit Ursúa, und dafür wird Sie die Strafe Gottes treffen.“ Himmel!

„Ich, der Zorn Gottes, werde meine eigene Tochter heiraten und mit ihr die reinste Dynastie gründen, die die Erde je gesehen hat,“ ist ein Zitat vom Ende des Films, das einem zynisch erscheint, wenn man die Vorwürfe kennt, die Kinskis Tochter Pola gegen ihn erhoben hat.

Meine Aufgabe ist es, ein filmisches Werk zu „Der große Verrat“ zu finden und nächsten Dienstag vorzustellen. Liebe Leserschaft …?

Nur kurz zum ziemlich gelungenen Essen vornweg: Panzanella aus Weißbrot, Balsamico, Basilikum, Zwiebeln, Kapern und Tomaten. Zucchinimus. Oliven. Dann: Blumenkohl-Kartoffel-Curry aus dem goldnen Buch der Vegetarier mit Safranreis. Dann Birnen-Heidelbeersalat mit Knuspermüsli und Sahnehaube, so oder so ähnlich: bei mir ohne Alkohol, Mengen nach Gusto. Die Limette dürfte deutlicher durchschmecken als sie das bei mir getan hat. Der großen Tochter war der Nachtisch insgesamt zu mild. Der geliebte Mann fand ihn ausgezeichnet. Ein rares Wort aus seinem Mund.

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