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Archive for Oktober 2013

Eigentlich sollte ich das hier gar nicht schreiben. Die Schlange ist mir bereits zu lang, manchmal. Aber ich will mal nicht so sein, denn dafür könnte ich zur Vegetarierin werden und den Grund dafür möchte ich nicht vorenthalten: Der Käsestand Allerlei Käse bietet jeden Mittwoch und Samstag auf dem Markt am Karl-August-Platz Käse ausschließlich in Bioqualität.

Das für mich wirklich Ausschlaggebende ist allerdings die Qualität und die Vielfalt des Angebots: Von Leuchtturmkäse einer kleinen dänischen Kooperative, Deichgrafkäse von den Salzwiesen über Cheddar aus der gleichnamigen Höhle in Somerset, jungem Pecorino aus Italien zu einer Auswahl vom nahegelegenen Brodowin und Siebengiebelhof. Letzterer lieferte kürzlich versuchsweise auch Vorzugsmilch und Rohmilchquark, ob der Versuch weitergeht, ist mir aber augenblicklich nicht bekannt.

Außerdem wird man vorzüglich beraten vom Betreiber, der beseelt scheint von purer Begeisterung für sein Produkt. Er kann nicht nur den Geschmack des jeweiligen Käses einleuchtend beschreiben, sondern auch von den verschiedenen Herstellern oder der Geschichte dieses oder jenes Rezeptes erzählen. Dazwischen lässt er das Angepriesene probieren.

Ich kaufe Käse mittlerweile fast immer hier. Ein bisschen Zeit muss mitgebracht werden, Schnellkauf ist woanders. Und ganz billig ist es natürlich auch nicht – wie soll es? Dafür verzichte ich dann halt auf die teure Biowurst.

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Ich kann nicht nähen. Wirklich nicht. Es muss sich auch keine und keiner bemühen, mir das jetzt ausreden zu wollen. Ich. Will. Nicht. Nähen. Ich hasste Handarbeit zu Schulzeiten. Zu schlampig, zu hudelig, zu wenig Durchhaltevermögen. Aber ich habe gelernt zu häkeln, stricken und sogar sticken. Alles schon mal unter Beweis gestellt. Und es macht mir auch mal Spaß, zumindest eine Weile lang. Ca. eine Sockenlänge. Wenn ich keine Ärmel ein- und Fäden vernähen muss.

Nähen kann ich nicht. Und – ich mag es auch nicht, Kein Spaß, überhaupt keiner. An der Nähmaschine werde ich aggressiv und sauer. Auf die Welt, auf das blöde Stück Stoff, auf diejenige, die mir das eingebrockt hat, also meistens mich. Damals.

Jetzt tut mir das das erste Mal in meinem Leben leid. Weil ich nämlich einen ganz reizenden Nähblog entdeckt habe, mit Schnittmustern im Angebot, die mich wirklich mal ansprechen: die Plaudereien aus Nähkästchen und Schnittlabor von Stefanie Kroth. Mit Schnittmustershop. Ich werde es nicht ausprobieren, ich kann es einfach nicht. Aber vielleicht jemand von Ihnen? Ich weine derweil ein wenig um eine nicht zu nützende gute Gelegenheit.

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0:3 haben sie an unserem letzten Abend in Irland verloren, gegen die deutsche Mannschaft. Wir sahen das Spiel in der Bar des Flughafenhotels, außer uns waren kaum Interessenten. „Wer interessiert sich hier schon für eine randständige Garnisonssportart?“ fragt der geliebte Mann mit Null Fußballverständnis.

Vielleicht ist da was dran. Die irischen Sportarten Gaelic Football und Hurling scheinen sich größerer Beliebtheit zu erfreuen. Immer noch oder wieder? Am Wochenende vor unserer Ankunft fand das All Ireland – Finale in Croke Park in Dublin, dem traditionellen ‚Home of Gaelic Games‘ und Schauplatz tragischer Geschichtsereignisse, statt. Unser Taxifahrer mit Dauerkarte erzählte uns von der mehrtägigen Party rund ums Stadion und dass er seine zwei Dauerkarten für Tausende von Euros oder einen zweiwöchigen Urlaub auf Mallorca mit allem losgeworden wäre. Er hat sie aber natürlich nicht hergegeben.

Gewonnen hat übrigens Dublin, so dass unser Mitbewohner im B&B, der auf Mayo eine kleine Summe gewettet hatte, diesbezüglich leer ausgegangen war. Er erzählte uns dafür von der Hochzeit, auf die er am selben Tag gehen würde: eine 73-jährige Freundin hatte vor wenigen Wochen in Paris von ihrem 81-jährigen Freund einen Antrag bekommen. In Paris. Auf seine Frage, ob der Freund denn vor sie hingekniet sei dazu, meinte sie, ja, sei er und sie hätte es echt mit der Angst zu tun bekommen, ob er wieder hochkomme. Aber das war natürlich nur ein Scherz, der alte Herr sei so fit, der könne heute noch Football spielen. Gaelic Football, versteht sich.

Croke Park musste übrigens auf öffentlichen Druck hin während der Bauarbeiten am anderen Dubliner Stadion in der Lansdowne Road von 2007 bis 2009 auch Fußball und Rugby beherbergen, sehr zum Verdruss der GAA (Gaelic Athletic Association), dem Verband für irische Sportarten wie Gaelic Football und Hurling aber auch Irish Handball, Camogie und Rounders. Ich weiß nicht mit Sicherheit, wovon bei letzteren die Rede ist …

Eine Woche später kamen wir genau rechtzeitig zur zweiten Halbzeit der Wiederholung im All-Ireland-Finale, dieses Mal in Hurling, in Donegal an. Wiederholt wurde, weil das erste Spiel mit einem Unentschieden geendet hatte. Unser Hausherr machte extra für den geliebten Mann den Fernseher an, geschaut habe dann ich. Ich mag nicht behaupten, die Nuancen des Spiels erfasst zu haben, aber ich verstand genug um folgen zu können, und so kann ich Ihnen mitteilen, dass Clare den diesjährigen Titel geholt hat und dass es knapp und spannend war bis zur letzten Minute. Außer mir hat sich noch die kleine Tochter interessiert, die große Tochter und der Mann bevorzugen Rugby, die andere Garnisonssportart, die allerdings recht weit verbreitet zu sein scheint, wenn man von den Sportübertragungen in den Pubs ausgeht.

Fast überall wurden Rugbyspiele mit irischen Mannschaften übertragen. Es gibt vier davon in der Celtic League, und zwar entsprechend den alten Provinzen: Connaught, Leinster, Munster und Ulster. Eine Aufteilung die nicht republikanisch anmutet. Das Interesse meiner Familienmitglieder wird begründet mit „weil hier mal wirklich etwas passiert“ (Tochter) bzw. „es mal richtig zur Sache geht“ (Mann). Nun ja. Wer es mag. Und versteht… Die kleine Tochter fand auch das interessant, wenn auch bedenklich gewalttätig.

Ich hätte mich übrigens gefreut, wenn die ‚Boys in Green‘ am Freitag gewonnen hätten, die deutsche Mannschaft hätte sich sicher noch anders qualifiziert. Aber vielleicht muss man einfach akzeptieren: sie können es nicht wirklich. Pure Begeisterung, singende Fans und Kampfgeist helfen nicht viel, wenn einem der Ball vom Fuß hüpft, man keine Tore schießen kann und nur der Torwart zu wissen scheint, was er tut. So würde ich sagen: ist nicht wirklich ihr Ding.

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… und ein bisschen Der große Verrat

Vielleicht lag es auch am Film, dass ich über den nun vorletzten Filmabend mit dem Motto „Der große Verrat“ vergessen habe zu schreiben? Viel ist nicht haften geblieben von Der Stich des Skorpion auf den ich beim Recherchieren gestoßen war und von dem ich vorher noch nie gehört hatte. Die Verratsstory um einen ehemaligen Bautzenhäftling, der nach seiner Übergabe an die BRD zum Fluchthelfer wird und auch dort von der Stasi und ihren angeworbenen Helfern und Helfershelfern verfolgt wird, war hoch spannend inszeniert, wies eine Starbesetzung des deutschen Films auf (Matthias Brandt, Jörg Schüttauf, Martina Gedeck, …) und ging doch über eine reichlich undifferenzierte Gut-Böse-Struktur kaum hinaus.

An das vorhergehende Abendessen kann ich mich leider auch nicht erinnern, wird schon nicht schlecht gewesen sein … gestern jedenfalls gab es Auberginenauflauf mit Weißbrot, auch bekannt unter Parmigiana di Melanzane: im Ofen vorgebackene Auberginenscheiben, Tomatensoße mit viel Basilikum, Mozzarella und Parmesan. Feine Sache und nicht kompliziert. Allerdings nichts für den geliebten Mann und die kleine Tochter. Nachtisch war Eton Mess, inspiriert von Chris Kurbjuhn, soweit ich weiß, und selbst ausprobiert in Dunfanaghy.

Das des geliebten Mannes war mit selbstgepflückten und einzumachen versuchter Brombeeren aus Donegal, die wir zu meinem Unverständnis tatsächlich von dort nach hierher transportiert haben – im aufgegebenen Gepäck wegen des Flüssigkeitsanteils, so dass wir die beiden 500ml Gläser tatsächlich intakt ans Ziel gebracht haben. Anders als mein sorgsam ausgewähltes Chutney for Cheese, das ich persönlich nicht als Flüssigkeit, und auch nicht als Creme, definiert hätte und das es deshalb nicht durch die Sicherheitszone des Dubliner Flughafens geschafft hat. Ich hasse die unbeugsame Sicherheitsschnulle dort heute noch. Jetzt werde ich mir mein eigenes einkochen. Das dann hoffentlich besser wird als die Brombeeren. Wobei, so wie sie sind, schmecken sie hervorragend im Eton Mess, wenn man in der Schlagsahne den Zucker weglässt.

Aber zurück zum Thema: in Eton Mess kann ich mich reinlegen, so wie Grandpa Joad in die Trauben Kaliforniens. Er schafft es nicht mehr bis dorthin, sondern stirbt schon zu Anfang des Weges von seiner kleinen, fast unfruchtbaren Parzelle Land in Oklahoma, von der er mit seiner gesamten Familie in der Great Depression vertrieben wird, nach Kalifornien.

The Grapes of Wrath, einen frühen Film von John Ford nach dem Roman von John Steinbeck, hatte ich vorher noch nie gesehen und er hat mich in seiner Kapitalismuskritik und trotz leichtem Hang zum Pathetischen stark beeindruckt. Spannend ist es natürlich noch dazu, was aus dieser Familie wird, die wie so viele andere im „Land, wo Milch und Honig fließt“ oder doch zumindest Pfirsiche und Orangen wachsen und gepflückt werden wollen, Arbeit und neues Zuhause suchen. Und der junge Henry Fonda ist nicht nur gut anzusehen, er ist auch überzeugend als junger, begeisterungsfähiger Hitzkopf, der sich eher in den Dienst der Gesellschaft stellen wird als seine Rolle im Mikrokosmos Familie einzunehmen.

Der geliebte Mann wird nächste Woche etwas zum Thema „Heimatlos“ zeigen. Da findet sich sicher was Gutes.

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Leben in einer globalisierten Welt: die kleine Tochter sieht eine Stechpalme, mir eher bekannt unter dem englischen Namen ‚Holly‘, und sagt: „Schau mal, ein Weihnachtsbaum.“

holly

Weitaus mehr haben sie aber die unzähligen Hinweise auf das bevorstehende Halloween beeindruckt. Kaum ein Laden, der sich nicht in Deko und/oder Warenangebot darauf ausrichtet. Immer wieder wollte sie wissen, wie es kommt, dass das Fest in Irland so viel stärker präsent scheint als bei uns.

Die große Tochter wiederum ist der Faszination schon beinahe entwachsen. Sie bemängelt, dass die Kostüme für – erwachsene – Frauen wenig mit Gruseln, Grauen oder wenigstens Originalität zu tun haben als vielmehr mit nicht allzu subtiler Erotik – ganz im Gegensatz zu denen für Männer. Ich war es nicht, ich schwöre. Sie ist ganz allein darauf gekommen, kann ja denken, das Kind.

this is halloween

Auch wenn sie einem gelegentlich im Weg herumstehen – aber nur, wenn man motorisiert unterwegs ist, sie scheinen vor Menschen mehr Respekt zu haben als vor Autos -, es gibt nicht mehr so viele Schafe. Diesen Eindruck hat mir Tommy von der Coastguard Station bestätigt. Es lohnt nicht mehr. Eigentlich lohnt gar keine Landwirtschaft im kleinen Stil mehr, aber wenn, dann halten die Leute eher noch ein paar Kühe. Die stehen zwar kaum auf den Straßen herum, dafür aber manchmal vor dem Haus.

Sonst werden noch Esel und Ponys gehalten, um der Überwucherung der Weideflächen Einhalt zu gebieten, was die Schafe ehemals übernommen hatten. Kühe machen das nicht. Die fressen nur Gras, nicht das andere Kroppzeug. Das Ganze hat etwas Familienfreundliches, da Wanderungen mit kleiner Tochter leichter zu bewältigen sind, weil immer wieder weiße Connemara-Ponys und neugierige Esel den Weg beleben.

Geritten wird im Oktober nicht mehr in Irland. Zumindest nicht von Touristen, die ansässigen Riding Centres hatten zu. Die kleine Tochter hat es mit Fassung getragen. Die große ist ohnehin kein Pferdemädchen. Möchte lieber einen Hund.

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Ich mochte in Irland keinen Kaffee – egal, wie gut er gemacht war, und nicht nur in Dublin gibt es mittlerweile an jeder Ecke guten Kaffee. Das finde ich höchst eigenartig, weil ich – selbst guten – Tee zu Hause nur in Ausnahmesituationen trinke. Dass ich schwarzen Tee in Irland und England lieber mag als in Deutschland, wusste ich. Aber dass mir Kaffee einfach gar nicht mehr schmeckt? Wie soll das weitergehen? Und werden wir die Unmengen mitgebrachten Tees aufbrauchen können, bevor er das Aroma verliert?

Das zweite Highlight für die große Tochter nach der großen Stadt: die kleine Stadt. Auch Galway hat ihr gut gefallen, die Entscheidung steht noch aus, wer gewinnt. Mein Tipp bleibt aber Dublin.

Seit einiger Zeit interessiert mich die Vegetation der Orte, an die ich reise, vor allem die blühende. Das hat wahrscheinlich mit dem Alter zu tun. Ich hatte nicht in Erinnerung, dass es so viele Fuchsiensträucher in Irland gibt. Und sonst: ein paar Hortensien in den Gärten, viele rote Beeren, Brombeeren, Brombeeren, Brombeeren, benannte Stechpalmen und eigentlich eher im Frühsommer blühender Stechginster.

Irland ist nicht hauptsächlich Moorland. Nicht mehr. Habe ich im Connemara National Park in einer ausgezeichneten, kleinen Ausstellung über die Moorlandschaft Connemaras und Irlands gelernt. Torfstechen und das Urbarmachen von Flächen für die Landwirtschaft, aber auch Tourismus und generell unachtsamer Umgang mit den Torfmooren hat seit dem 18. Jhdt., aber wie so oft vor allem in den letzten 60 bis 70 Jahren zu einem deutlichen Schrumpfen der ‚peatlands‘ geführt. Seit ein paar Jahren scheint sich ein Bewusstsein dafür zu regen, dass es die verbliebenen Moore wert sind, geschützt und erhalten zu bleiben. Ich drücke die Daumen, dass genug einflussreiche Menschen es ernst meinen und dass es gelingt. Wäre sehr schade drum.

Moor

Was ich am meisten vermissen werde? Mistress of fire zu sein. Oder wie mein Vater sagte: Zündelwichter.

Kaminfeuer

Die Bilder übrigens: teilweise von mir, der Rest: Dank an Stroheim.

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Auch in Connemara gibt es Leute mit viel Geld, keine Frage. Die neu gesetzten Steinmauern mit den herrschaftlichen Toren und Einfahrten gehören zu großen Gebäuden, die ja auch jemandem gehören müssen. Wem, weiß ich nicht. Daneben immer wieder Verlassenes, Heruntergekommenes, Zerfall, ein seltsamer Kontrast.

Noch auffälliger mag dies allerdings anderthalb Jahrhunderte früher gewesen sein, als reiche Zuwanderer sich in den kargen, aber so wildromantischen Gegenden im Westen Irlands ihre alte Zeiten heraufbeschwörenden Schlösser hinstellen ließen. Mitten in Gebieten, in denen das Leben für die durch die Hungersnöte sowieso stark dezimierte Bevölkerung einen täglichen Kampf darstelte.

Allenthalben stehen sie hier herum, üblicherweise erbaut und aufgekauft von Magnaten verschiedenster Coleur und sind mir bei früheren Besuchen doch nie aufgefallen. So liegt auf unserem täglichen Weg nach Clifden oder darüber hinaus die Ruine des Schlosses der D’Arcy. John D’Arcy hat Clifden gegründet und für sich und seine Familie das Schloss gebaut. Da ihm das Geld ausging, wohnte die Familie nur 40 Jahre dort. Insgesamt war das Schloss 100 Jahre bewohnt, dann fing es an zu verfallen und tut das bis heute. Rundherum weiden Kühe, Connemara-Ponys und Schafe. Ähnliches habe ich nochmal in der Nähe von Ballyconneely gesehen. Im Verfall eventuell ionteressanter als je zu Lebzeiten.

D'arcy

Ballyconneelly

Kylemore Abbey dagegen ist bis heute erhalten, dank der irischen Benediktinerinnen von Ypres. Seinen Bau veranlasst hat Mitchell Henry, ein steinreicher Engländer, für seine Frau, um 1870. Danach gehörte es ein paar Jahre dem Duke und der Duchess of Manchester, bis der Herr des Hauses es der Legende nach beim Kartenspiel verlor. König Edward VII zeigte Interesse, winkte aber ab, als er erfuhr, wie hoch die Unterhaltskosten waren, da sich das ein König nicht leisten könne.

1920 übernahmen die Irischen Benediktinerinnen von Ypres Kylemore Castle und machten es zur Abbey, nachdem sie vorher unterstützt vom englischen Roten Kreuz vor deutschem Beschuss an der Westfront in Belgien über Kanal und Meer geflohen waren. Sie erhielten das Schloss gegen eine zurückzuzahlende Summe, bevor es ebenfalls zur pittoresken Ruine mutierte und gründeten ein Eliteinternat für Mädchen von internationalem Ruf. (Dank an Stroheim für die Fotos und den Hinweis auf die fehlerhaften historischen Daten!)

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Da es sich bei den Irischen Nonnen von Ypres offenbar um einen sehr zurückgezogenen Orden handelte, hatten viele der damaligen Bewohnerinnen Jahre und Jahrzehnte die Klostermauern nicht verlassen. Als die Kriegshandlungen des Ersten Weltkriegs dies unumgänglich machten, hatten einige nicht nur mit der an sich schon gefährlichen Flucht zu tun, sondern waren überdies auch sehr verwirrt und desorientiert, da sie keine motorisierten Gefährte kannten.

Sie siedelten sich kurz in England an, wurden dann weiter nach Wexford, Irland gebracht, bevor sie in ihrem immer noch bestehenden Zuhause in Connemara ankamen. Die Boarding School übrigens musste 2010 schließen, den Grund erfährt man nicht so recht. Bewohnt und bearbeitet wird Kylemore Abbey bis heute von den Nonnen, um die Weitererhaltung kümmert sich eine Stiftung.

Doch genug der Schlösser, deren Geschichte(n) zwar oft spannend wirkt – auch durch die erzählerische Begabung der bisherigen irischen Schlossführerinnen -, die aber nicht zuletzt durch ihre Vielzahl, die dann doch immer ähnlichen Motive und Gegebenheiten und ihre an weit zurück liegenden Zeiten orientierte Architektur irgendwann nicht mehr nur die kleine Tochter langweilen.

Nicht sie empfinde ich als Anziehungspunkt dieser Gegend, es ist und bleibt das Land selbst, seine Farben und seine Formen, sein Licht.

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Mittlerweile sind wir in Connemara angelangt. Die Coastguard Station am Eingang zur Bucht von Clifden wurde in den 1920-ern während des Bürgerkriegs zerstört – assoziiert mit der als verräterisch wahrgenommenen Regierung in Dublin, die auf den Deal mit den Engländern eingegangen war, das Land zu teilen. 70 Jahre später wurde das Gebäude rekonstruiert mit dem Zweck, an exponierter Stelle Reisenden ein ‚home from home‘ zu schaffen, darunter gerne und oft Menschen, die in Irland ihre Wurzeln suchen oder sie noch ganz genau kennen, weil sie in den letzten 50 Jahren von hier aus in die Welt gezogen sind, um nicht nur zu überleben.

coastguard station

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„It is beautiful to live here, but making a living is a different thing“, sagt Tommy Whelan, der zuständig ist hier. Und: „Young people from here go away. They go to Australia, Canada, the USA. Our capital is not Dublin, but New York or Chicago. I am more connected to the States than I am to Dublin.“ Wie traurig, von so einem schönen, wilden Ort weggehen zu müssen. Die Sehnsucht scheint zu bleiben, man trifft auf viele, die woanders leben und zu Besuch da sind. Die Nachbarin aus dem Süden der USA bleibt den ganzen Oktober. Ich beneide sie und weiß doch nicht, ob ich es aushalten würde, ganz alleine hier im Außenposten, über zwei Kilometer entfernt vom nächsten Ort mit Laden, Pub, Cafe und Ansprache.

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Clifden bay

Aber ‚beautiful‘ ist es in der Tat. Manchmal sieht es aus, wie ich mir den Wilden Westen der USA vorstelle. Es gibt Berge, Moor und Seen. Und natürlich immer wieder das Meer. Nach jeder Kurve, um die man fährt oder geht, besteht die Möglichkeit, dass einem die Schönheit des Anblicks den Atem nimmt. Jede Tageszeit und jedes Wetter lässt die immerselbe Aussicht ganz neu erscheinen. Und so ergibt das irische Wetter auch Sinn: immer nur Sonnenschein nähme dem Land die Hälfte seiner Faszination. Mal ganz abgesehen von dem Wohlgefühl, einen heißen Tee zu trinken oder sich an einem Torffeuer zu wärmen.

Ausblick02

Nebel

sonnenuntergang

Clifden selbst scheint vom Tourismus zu leben, die Menge der Seafood-Restaurants und Souvenierläden, Wollpullovergeschäfte und Juweliere deutet darauf hin. Doch es darauf zu reduzieren, würde ihm nicht Genüge tun. Am kleinen feinen Buchladen mit einer ausgezeichneten Auswahl auch irischer Belletristik und einem Poster im Fenster, das besagt: „A town without a bookshop is not a town.“ und dem nebenan gelegenen Cafe mit Tagessuppe, Sandwiches, allerlei süßem Gebäck und einer guten Auswahl an Kaffee erfreuen sich auch die Leute, die hier wohnen.

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