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Archive for November 2013

Lieber Chris Kurbjuhn,

Danke! Seit Anbeginn unseres wöchentlichen Filmabends warte ich auf die Gelegenheit, endlich diesen Film zeigen zu können. Ich warte nun so lange, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich zu dieser passendsten aller Vorgaben überhaupt an ihn gedacht hätte und bin wirklich froh, dass Dein Tipp nach dem letzten Filmpost mich erinnert hat. (Sorry, joachimnilreb, da hatte kein anderes Freundespaar mehr eine Chance…)

Und so konnten wir endlich gestern Butch Cassidy and the Sundance Kid gucken, diesen grandiosen Banditen-Film mit dem unvergleichlichen Paul Newman, dem unvergleichlichen Robert Redford, der süßen Kathrine Ross, den immer noch sprühenden Dialogen und einem der schönsten Showdowns der Filmgeschichte, der nichts zeigt und doch alles wissen lässt und dabei so konsequent und unvermeidbar scheint wie selten ein Ende.

Um ganz ehrlich zu sein: es gab die Gelegenheit schon vorher. Aber da hatte ich sehr kurz vorher im Radio gehört, wie ein von mir geschätzter Moderator von Enttäuschungen beim Wiedersehen mit diversen Filmklassikern erzählte. Darunter auch dieser Film, der ihm seltsam verlangsamt vorkam, ein Zeugnis seiner Zeit, aus der er kommt, aber leider nicht viel mehr.

Damals wollte ich mir die gute Erinnerung nicht kaputtmachen lassen, jetzt wollte ich es wissen. Was soll ich sagen? Der Moderator (sowie übrigens auch die Schwester des lieben Freundes) und ich sind hier nicht einer Meinung. Trotz manch zeitgeistiger Anmutung (z.B. die zugegebenermaßen teilweise merkwürdige Filmmusik) gehört Butch Cassidy and the Sundance Kid für mich in den Kanon der sehenswertesten Filme aller Zeiten.

Zu essen gab es Feldsalat mit Zwiebelchen und Walnüssen, zum Hauptgericht wollte der vom Augsburger Stadtmarkt herangekarrte Stängelkohl verarbeitet werden. Gestoßen bin ich auf diverse Rezepte mit diesem Gemüse in der Kombination mit Pasta, am Ende habe ich mich an lamiacucina und Anonyme Köche orientiert. Wie schön, dass es sie gibt.

Die kleine Tochter habe ich vorsorglich mit etwas anderem zufrieden gestellt, der liebe Freund und ich mochten es sehr, der geliebte Mann fand das Gericht zu minimalistisch. Gut kam dann aber der Apple-Crumble zum Dessert an – ich liebe diesen Nachtisch für seine Unaufwändigkeit bei maximalem Erfolg.

Für nächstes Mal scheint dem Freund zum Motto „Vorteil Fremdsprachenkenntnisse“ bereits ein passender Film eingefallen zu sein. Den hat er aber natürlich nicht verraten.

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Je älter ich werde, desto mehr weiß ich gewisse Dinge aus der mal enger, mal weiter gefassten Gegend, aus der ich komme, zu schätzen. Von den Menschen, die dort geblieben sind, mal ganz abgesehen, sind das, um nur einige zu nennen, Weißwürste und Leberkäse, Bergwiesen, helles Bier, viel Schnee – und das zweite Radioprogramm des Bayrischen Rundfunks. Wer hier schon länger mitliest, weiß das alles bereits.

Ebenfalls bekannt ist denjenigen, dass ich auf den Fahrten in die alte Heimat in dem Moment, in dem ich die Brückenraststätte Frankenwald passiert habe, anfange, das Autoradio zu trietzen, bis es Bayern 2 gefunden hat. Auf der Rückfahrt wird die Reichweite ausgereizt, bis nichts mehr zu verstehen ist, was erstaunlich schnell geschieht, wenn man die Grenze zu Thüringen überschritten hat.

Das alles mag ziemlich zum Leidwesen der häufig jungen MitfahrerInnen geschehen, die auf der Suche nach einer günstigen Reisemöglichkeit auf mich im einschlägigen Mitfahrgelegenheitsportal gestoßen sind. Mir wenigstens wäre Anfang 20 eine solche Person am Steuer schrecklich alt vorgekommen. Aber da müssen sie durch. Mit der Familie ist das schwieriger.

Mein Mitfahrer auf dem Weg nach Augsburg war dieses Mal ein zurückhaltender, vielleicht auch, weil es ihm nicht ganz leicht fiel, Deutsch zu sprechen und zu verstehen. Mir war es recht, ich war nicht in Plauderlaune. Die Mitteldeutscherundfunksvermeidungs-CD war gerade zu Ende, als wir nach Bayern hineinfuhren. Der Lieblingssender war schnell gefunden, aber im ersten Moment war ich nicht sicher, ob die Anzeige des Radios richtig liegt: die Musik klang außergewöhnlich orientalisch in meinen Ohren und ich dachte, einen Weltmusik- oder einen Fremdsprachensender erwischt zu haben.

Bevor ich aber weitersuchen konnte, bat mich der Beifahrer, die Musik ein bisschen lauter zu stellen, ein Wunsch, dem ich natürlich nachkam. Und siehe da: wir waren beim „Breitengrad“ gelandet, der samstäglich/mittwöchigen Auslandreportage, in der es in diesem Fall um Jugend und Heiraten in Marokko ging, dazu die mich orientalisch anmutende Musik, Hochzeitsmusik marokkanischer Herkunft.

Ob mein Mitfahrer die Reportage mochte, ob er genügend davon verstanden hat, um das zu beurteilen – ich weiß es nicht, obwohl auch ein solches Gespräch sehr spannend gewesen wäre. Aber wir genossen beide zu sehr, nicht reden zu müssen, die Fahrt verlief auf eine angenehme Weise schweigend, zuhörend, in freundlicher Stimmung.

Mit der jungen Frau auf der Rückfahrt hatte ich mehr Gesprächsstoff, wir unterhielten uns phasenweise angeregt, mit Pausen, in denen sie versuchte zu schlafen und sich und die angestrengten Stimmbänder von ihrer schweren Erkältung zu erholen. In einer solchen Pause machte ich das Radio an, um nicht selbst wegzuschlummern. Das allerdings führte dazu, dass es auch ihr nicht gelang, ganz zur Ruhe zu kommen. Grund war offenbar nicht, dass sie sich vom Gerede gestört fühlte, sondern dass sie den Bericht über „Die Lebensaufgabe der Sintiza Rita Prigmore“ so spannend fand, dass sie nicht aufhören konnte zuzuhören.

Nach dem Hinweis auf das nachmittägliche Hörspiel – Die Blendung von Elias Canetti – fragte sie interessiert, was das denn für ein hervorragender Radiosender sei. Leider kam das Hörspiel für uns außer Reichweite, aber häufig lassen sich die Hörspiele, und auch andere Sendungen, auf der Webseite herunterladen.

Neuerdings überlege ich, ob ich nicht gleich bei der Suche nach Mitfahrenden angebe: Interesse an hochwertiger Radiounterhaltung von Vorteil.

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Nachtrag zu gestern:
Zu Essen gab es Lauchkuchen, das Standardrezept, der mittlerweile jedes Mal funktioniert, und die Quitten in Sirup mit Lorbeer, nach einem Rezept von einem kompetenten Kontakt (-> hotzenplotz) aus dem mittlerweile nicht mehr existierenden Qype: 4 kleine Quitten waschen, Pelziges abrubbeln, halbieren, Kerngehäuse rausmachen (da baue ich auf Ihre Kreativität oder Ihre ausgefeilten Küchengerätschaften; bei mir ist es Massaker). In eine ofenfeste Form geben, Zitronensaft und -zeste von einer Frucht drüber, eine Zimtstange, ein bis zwei Lorbeerblätter, 100 bis 150 ml Ahornsirup und 350 g Zucker, kann auch ein bisschen weniger sein, aber nicht viel weniger, alles rein und drüber.

Dann mit heißem Wasser halbhoch auffüllen und bei 180° abgedeckt in den Ofen – je nach Quitte 1-2 Stunden. Das kann man warm essen, lauwarm, aber auch kalt und in dem hocharomatischen Sirup halten sich die Quitten auch ein paar Tage. Creme Fraiche oder so dazu, gerne auch Cantucchini, hatte ich aber gestern nicht.

Ich habe dieses Gericht seit mehreren Jahren immer wieder einmal im Spätherbst gemacht und war bis auf das erste Mal immer enttäuscht. Weil ich aber so gerne möchte und ja auch wusste, dass es es in sich hat zu schmecken, habe ich es immer wieder probiert und seit gestern weiß ich: es liegt an den Quitten und es ist nicht in Ordnung, den Hinweis auf „kleine‘ Quitten einfach zu übergehen.

Ich glaube, es geht nicht in erster Linie um die Größe, sondern darum, dass es die kleinen, verwachsenen, oft nicht so schön anzuschauenden Früchte vom Bauern oder den Freunden mit Garten sind, mit denen das Rezept funktioniert, und nicht die knallgelben Riesenbomber, die aussehen als kämen sie aus der Manufaktur. Ich glaube, die sind eher zum Abmalen als zum Verarbeiten, aber vielleicht liege ich da falsch, vielleicht haben auch sie ein kulinarische Berechtigung, nur eben eine andere.

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Heimatlos

Eine schier endlos scheinende Liste hat der geliebte Mann uns aufgezählt an Filmen, die wir zu diesem Thema NICHT sehen. Filme über Vertreibung und Flucht, über das Nirgendwoankommen, Geschichten aus aller Welt und aus allen Zeiten. Manche Filme, die man erwarten würde, gibt es zum eigenen Erstaunen gar nicht, von anderen wiederum unzählige.

Es wurde dann ein Film, den wir alle nicht kannten, noch nicht mal gehört hatten wir von ihm. Und so ganz verstehe ich das nicht, denn er ist es wert, ihn zu kennen. Parked ist eine irisch-finnische Koproduktion, kein Kracher, ein leiser Film über Fred, einen älteren Mann, den es unspektakulär, aber nachhaltig aus der Bahn wirft, weil der Bürokratismus an der individuellen Lebenssituation scheitert und damit er am Leben. Und über seine unwahrscheinliche und doch so substantielle Freundschaft zu einem anderen Verlierer der Gesellschaft, dem jungen Junkie Cathal, meisterhaft gespielt von Colin Morgan.

Meisterhaftes Spiel zeigt auch Colm Meaney als Fred und die Geschichte geht ganz schön nahe ohne ins Sentimentale abzurutschen. Manchmal erscheint der Film vielleicht zu ruhig, man verliert ein wenig die Konzentration, manchmal ein bisschen zu wenig subtil in seiner Bildsprache. Aber im Vergleich mit vielem, was ich in den letzten Jahren im Kino gesehen habe, ist er großartig, geht unter die Haut, erzählt seine Geschichte bravourös. Und das lässt mich wieder einmal stutzen: wie viele andere großartige Filme, Bücher, Lieder kenne ich auch nicht, weil sie nicht das Glück (oder die finanziellen Möglichkeiten) erfahren, in den Fokus der Öffentlichkeit zu gelangen?

Ich bin dann nächstes Mal dran mit dem Motto „Ein Freund, ein guter Freund.“ Na, das kann ja nicht so schwer sein, nicht?

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St. Martin

Laternenumzug, ach wie rührend. Mit den Kleinen durch den dunklen Novemberabend ziehen, Liedchen trällern, an deren erste Strophe ich mich bis heute erinnere als wäre es gestern. Am liebsten noch mit weißem Pferd voraus – ein Highlight des mütterlichen Daseins. Wie glänzende Kinderaugen, in denen sich die Lichter des Weihnachtsbaumes spiegeln…

Highlight, ja klar. Das Kind quengelt, meist von Anfang an, weil es ihm zu kalt ist, die Laterne ständig vom Stock fällt, es neben hmhmhm gehen will, die aber lieber mit sososo läuft. Früher ist die Laterne abgebrannt, oder das Selbstgebastelte war nicht winddicht genug, um das Teelichtflämmchen am Leuchten zu halten. Heute sind die Batterien alle oder das Billigplastikding hat einen Wackelkontakt. Irgendwas ist immer. Manchmal findet man das Kind im Dunkeln nicht mehr, vor allem, wenn sich verschiedene Martinsumzüge mischen, was in der großen Stadt schon mal vorkommt. Martinsumzugsstau.

Bei den Würstchen/ dem Süßkram danach ist dann alles zu spät: die Kinder sind müde vom Tag und enttäuscht vom Umzug (siehe oben), die Eltern wollen nochmal kurz mit dem befreundeten Erstklasselternpaar reden, die Kinder zerren und nölen, wollen Würstchen/ noch eine Süßigkeit, bekleckern sich mit Ketchup, kippen dem Nebenkind den Kakao über den Mantel. Das wärmt bestenfalls noch ein paar Minuten, dann wird es in der jahrzeitlich bedingten Witterung kalt im feuchten Gewand.

Dieses Jahr war die Krönung. Die DrecksLaterne war noch nicht fertig, als ich zum Abholen kam. Ich musste mit fertigbasteln. Nein, falsch: ich musste fertigbasteln. Das Kind hat unterdessen Puppenhaus gespielt. Habe ich schon mal erwähnt: ich bin da nicht gut drin? Und ich mache es auch nicht gerne, keineswegs. Nicht mit Schere, nein, nicht mit Klebstoff. Auch nicht mit Papier und Draht. Ich bastle so gerne wie ich nähe…

Beim Befestigen des völlig schief gefalteten Eulenschnabels – im Stehen, einhändig, Flüssigkleberflasche mit verstopfter Düse und zugegebenermaßen starkem Druck, um die Verstopfung zu beheben – ist der vordere Teil abgesprungen und der ganze schöne Flüssigkleber im Schwall auf Hemd (meines, apropos hat jemand ein altes Hausmittel? Entfernen von UHU aus Baumwolle? Hierher bitte. Schnell.), Stuhl, Tisch und Boden. Nur ein sehr letzter, sehr verborgener Rest an Countenance und Schamgefühl hat mich davon abgehalten, alles in die Kleberpfütze zu schmeißen, den Plastiklaternenstab mittendurch zu brechen, mein Kind an einen der nebensitzenden Bastelväter abzugeben, der Erzieherin den Hals zu brechen und unter lautem Schluchzen das Gebäude zu verlassen und einen Schnaps trinken zu gehen.

Mein Kind und eventuell auch andere Familienmitglieder werden mir lange dankbar sein für diesen letzten Rest, hoffe ich. Es wurde dann noch ganz nett. Ich habe mein Kind nur zeitweise nicht wieder gefunden. Gequengelt hat es nur, weil es in der Kirche beim Martinsspiel nichts sehen konnte, weil ich nach gefühlt mehreren Stunden nach Hause gehen wollte und auf dem Heimweg, weil es keinen Kakao, keine Marshmellows und keinen Lolli bekommen hat. Sie wusste nämlich nicht, dass es das alles gibt. Hat ja auch eigentlich nix mit Martin zu tun.

Jetzt habe ich auch noch läuten hören, dass er gar nicht der Wunderknabe war, als den man ihn gerne so hinstellt, der gute Martin von Tours, der uns wohl diesen Krampf eingebrockt hat: 20.000 Sklaven soll er gehabt haben und recht brutal in seiner Begeisterung für den christlichen Glauben und seinem Bemühen, diesen den gottlosen Galliern beizubringen, soll er obendrein gewesen sein. Davon erzählt natürlich wieder keiner, aber ich habe mir immer schon gedacht, dass was nicht stimmt mit diesem Typen.

Die Erzieherin würde nächstes Jahr lieber Drachen basteln. Finde ich gut. Solange ich nicht mitbasteln muss.

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…auf die ich mich besonders freue:

Die aserbeidschanisch-deutsche Koproduktion „Die Schaukel des Sargmachers.“ Schon allein wegen des Titels

Drei Animationsfilme aus drei verschiedenen Ländern, die sich mit Nationalsozialismus beschäftigen: „Dresden“ aus den USA, „Andersartig“ aus Deutschland und „Witness No. 501“ aus Schweden. „Dresden“ ist übrigens von Tahnee Gehm, deren Animation „Can we be happy now“ letztes Jahr auf dem REC lief.

Eine Dokumentation über nächtliche Müllentsorgung in der Stadt, die niemals schläft: „We pick it up“.

Erfahrungsgemäß ist es der Rest auch wert, dass ich die nächsten drei Abende in der Weissen Rose verbringe.

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Ab morgen ist wieder REC in Berlin. Das von der Öffentlichkeit zu Unrecht vernachlässigte Filmfestival, auf dem von Mittwoch bis Samstag Filme nicht unbedingt nur für 6-27-jährige, aber ausschließlich von 6-27-jährigen gezeigt werden, wegen der großen Altersspanne in zwei Sektionen.

Im REC for Kids laufen die Werke der 6 bis 15-jährigen an den Vormittagen von 9-13 Uhr mit medienpädagogischer Moderation, das REC – Junges Internationales Filmfestival findet dann jeweils an den Abenden statt, am Mittwoch ab 18 Uhr, Donnerstag und Freitag ab 19 Uhr – mit Filmen und kurzem Juryfeedback zwischen den Blöcken. Einsteigen kann man jederzeit, weil es sich um eher kürzere Filme in zwei 1 1/2 stündigen Einheiten handelt, und es macht auch Spaß, im schönen Foyer der Weissen Rose noch ein Glas Wein oder eine Bionade zu trinken, während man auf den Beginn des nächsten (Kurz-)films wartet.

Dort kann man sich auch ein bisschen mit den Machern des Festivals unterhalten, vielleicht auch mit dem einen oder der anderen angereisten Filmemacher/in oder einem der Jurymitglieder aus den verschiedensten Bereichen des Films und der Medienpädagogik. Denn ausgezeichnet werden die besten Filme, gestaffelt nach Altersgruppen, auch. Oder nominiert für andere internationale Nachwuchsfestivals. Oder sie bekommen vom Dokumentarfilmfestival in Leipzig den DOK-Clip verliehen.

Die Preisverleihung ist am Samstagnachmittag, nach der Vorführung von Axel Ranischs „Reuber“ – auf den ich mich ganz besonders freue – und dem Familienprogramm, einer Auswahl aus den Filmen der vorhergehenden Tage.

Das genaue Programm findet sich hier, mehr Informationen hier, den Katalog gibt es vor Ort.

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