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Archive for Februar 2014

Mach’s gut

Heute bist Du gegangen.

Es war ein langes Leben. Jemand mag sagen, ein erfülltes. Ob Du das selbst so gesehen hast?

Getroffen haben wir uns nicht mehr oft, aber vieles vom täglichen Leben der anderen gewusst, manchmal mehr, als mir lieb war. Ich habe mich nicht selten über Dich geärgert, über Deine Forderungen nach ungeteilter Aufmerksamkeit und Dankbarkeit, über Dein Gift, wenn sie Dir nicht erfüllt wurden.

Geliebt warst Du trotzdem. Von Dir habe ich die wertvollsten Geschichten meiner Kindheit, unsere gemeinsamen Tage in Wien, Dublin, Würzburg, Berlin bleiben mir unvergessen. Nur in Russland hast Du mich nicht besucht. Vor ein paar Wochen haben wir das letzte Mal miteinander gesprochen, Du fühltest Dich aufgehoben.

Dein Fortgang reißt ein Loch, so tief wie ein Krater. Ich werde Dich so vermissen.

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Weil es heute schon soweit ist, schreibe ich nur ganz kurz aus Vollständigkeitsgründen zum letzten Dienstag, obwohl dieses oberflächliche Darüberhinweggehen dem gezeigten Film auf keinen Fall gerecht wird.

Der Mann hat zum oben genannten Thema Fahrraddiebe (Ladri di biciclette) gezeigt. Ich kann Ihnen nur raten ihn anzusehen, wenn Sie ihn noch nicht kennen. Auch ich muss ihn mir nochmal anschauen, denn leider war es wieder einer dieser Abende mit spätem Essen und viel Müdigkeit – ich habe nur so viel vom Film mitbekommen, dass ich weiß, ich habe viel verpasst dadurch, dass meine Augen einfach nicht offen geblieben sind.

Zu essen gab es Pasta mit Puntarelle nach dem Rezept von lamiacucina. Ich fand es sehr gut, der liebe Freund auch. Sonst niemand. Zu bitter.

Ich bin heute dran mit dem fröhlich-frischen Motto „Mir san mit’m Radl da“.

Für Freunde der bayrischen Lebensart.

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Recht und Moral

Wie merkwürdig das alles ist. Und wie sehr die Berichterstattung der Medien die relevanten Aspekte ausklammert, ich meine die für mich relevanten Aspekte.

Bei Sebastian Edathy wurde durchsucht. Verdacht auf Besitz von Kinderpornographie. Oder so ähnlich. Was denn nun genau? Wann ist etwas Kinderpornographie und damit strafrechtlich relevant?

Mir ist es nicht so wichtig, ehrlich gesagt. Der Name Edathy ist aufgetaucht im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen kanadischen Kinderpornoring, der über lange Zeit Schreckliches getan hat, Unfassbares. Kinder wurden missbraucht im großen Stil, damit wurde Geld gemacht. Wenn dabei – sozusagen nebenher – auch ’nur‘ Nacktfotos entstanden sind, mit denen es keine strafrechtliche Bewandtnis hat und auf diese, wie Gerüchte nun behaupten, von Herrn Edathy zugegriffen wurde, finde ich persönlich das nicht entschuldbar, moralisch nicht entschuldbar. So wie ich es generell mindestens irritierend finde, dass überhaupt jemand im Netz nach Bildern von nackten Kindern sucht und diese herunterlädt. Ich würde schon sehr genau den Grund wissen wollen, warum das jemand tut. Und vieles anzweifeln.

Allerdings: es ist nur ein Gerücht, wie so vieles in dieser Geschichte. Und auch eine Person des öffentlichen Lebens hat das Recht, nur dann ver- und beurteilt zu werden, wenn eindeutig Schuld feststeht. Möchte ich wissen, ob jemand, der mich in der Regierung dieser Gesellschaft, in der ich lebe, vertritt, ein Interesse an Kindern als sexuelle Objekte hat? Ja, möchte ich. Ob ich ein Recht darauf habe, so lange er nach dem offiziellen Recht dieser Gesellschaft handelt? Eher nicht. Auf keinen Fall aber ist es Recht, dass diese Vorgänge einer Öffentlichkeit präsentiert werden, so lange dieser Person nichts nachgewiesen ist. Ich sehe an mir selbst, was passiert, wenn solche Gerüchte in die Welt gesetzt werden.

Der andere Punkt ist: ich bin keine Verschwörungstheoretikerin, eigentlich nie. Bei Bundes- und Landeskriminalämtern allerdings bin ich vorsichtig. Seit einiger Zeit halte ich da alles für möglich. Was für ein Zufall, dass ausgerechnet Herr Edathy diesen Ämtern im letzten Jahr sehr nahe gekommen ist, sie mehrfach massiv kritisiert hat wegen ihrer schweren Versäumnisse bei den NSU-Morden. Ist er nur lästig oder kann er ihnen tatsächlich gefährlich werden? Wer weiß.

Vielleicht nicht. Vielleicht haben sich auch nur bestimmte Leute in bestimmten Positionen sehr auf den Schlips getreten gefühlt. Vielleicht gibt es nur ganz leichte Berührungspunkte zwischen Edathys IP-Adresse und dem kriminellen kanadischen Unternehmen – wenn überhaupt -, die so geartet sind, dass sie keinen was angehen. Und vielleicht haben bestimmte Menschen die willkommene Gelegenheit ergriffen, auf dieser Basis einen unangenehmen Gegner auszuschalten. Nachhaltig und auf Dauer.

Ich behaupte nicht, dass es so war. Ich halte es nur für möglich. Und ich wundere mich. Dass kaum eine der renommierten Medien bislang auch nur einen dieser Aspekte aufgegriffen hat. Dass sich alles an der Oberfläche aufhält, ein bisschen gerechten Volkszorn entzündet: ob der Geheimnisausplauderei des Bundesinnenministers. Und vielleicht anderer Politgrößen. Komischerweise kaum ob der Geheimnisausplauderei von wem auch immer gegenüber Lokaljournalisten („Die Harke“), die bei der Hausdurchsuchung vor Ort waren.

Bundesinnenminister Friedrichs ist keiner jener, von denen ich gerne vertreten werde. Dennoch ist sein Verhalten – so unrechtmäßig es nach offizieller Lesart gewesen sein mag – für mich bisher am nachvollziehbarsten und moralisch eher in Ordnung, mag er aus rein menschlichen Beweggründen so gehandelt haben oder um die neue Regierung vor größerem Schaden zu bewahren. Verständlich finde ich ebenso das Verhalten derjenigen, die Sebastian Edathy offenbar von den Anschuldigungen gegen ihn berichtet haben. Nahestehenden sagt man rechtzeitig, wenn sie bedroht werden. Ich fände es eher merkwürdig, würde das nicht geschehen.

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