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Archive for September 2015

…war gar kein so leichtes Motto, wie es mir auf den ersten Blick schien. Auch der Mann hatte seine Mühe damit, es dennoch perfekt erfüllt mit Lasse Hallströms Shipping News. Quoyle, der sowieso mit dem Leben eher schwer zurande kommt und dessen geliebte, aber von ihm gelangweilte Frau mit ihrem neuen Liebhaber bei einer wilden Fahrt, auf der sie das gemeinsame Kind verkauft, ums Leben kommt, sucht mit Kind und Tante auf Neufundland nach seinen Wurzeln und fängt nochmal neu an. Nach dem Roman von Annie Proulx, den ich auf Grund meines unerklärlichen Desinteresses an Bestsellern nicht gelesen habe.

Ich konnte mich erinnern, dass ich den Film bei seinem Kinostart auch nicht geschaut habe, weil die Kritiken nur mäßig waren. Jetzt würde ich sagen, ich verstehe einige davon, aber so what? Hallström mit seinem atmosphärischen Erzählkino ist einfach ‚mein Ding‘. Große Kunst? Vielleicht nicht. Große Geschichten, spannend und ergreifend erzählt – auf jeden Fall. Und das ganze mit Julianne Moore und Judy Dench, Cineastenherz, was wünschst Du viel mehr?

Ich zeigte zum Thema Couscous mit Fisch („La graine et le mulet“), eine ganz andere Geschichte eines Neuanfangs. Nachdem er zum alten Eisen degradiert wurde, versucht der Werftarbeiter Monsieur Slimane, in der Hafenstadt ein Couscous-Restaurant zu eröffnen. Ein feiner, kleiner Film mit ungewöhnlichen Konstellationen und offenem Ende, allerdings – wie ich dieses Mal feststellen musste – sehr wortlastig, was ihn nicht unbedingt geeignet macht für späte Stunden nach ausgiebigem Abendmahl (Buchteln mit Vanillesoße, köstlich, aber dazu ein andermal) und dann schon gleich gar nicht für die vom lieben Freund und mir präferierte Originalversion mit Untertiteln…

Und zu guter Letzt sahen wir vom lieben Freund ausgesucht den Schweizer Film Kleine Fluchten aus dem Jahr 1979. Nach 30 Jahren unhinterfragter Akzeptanz der alten bäuerlichen Strukturen kauft sich der Knecht Pipe ein ‚Töff‘ und fängt an, die Welt für sich jenseits der eingefahrenen Vorstellungswelten zu entdecken. Er erlebt allerhand, verliert sein Mofa, bekommt eine Polaroidkamera und versinnbildlicht wie verkrustetes Althergebrachtes aufbricht, zerreißt, sich Prioritäten und Lebenswelten verändern, Generationen und Denkweisen auch unabhängig vom Alter einander ablösen, auch in der dörflichen Abgeschiedenheit der Protagonisten.

Dabei hält sich der Film mit eindeutigen Wertungen zurück. Manches ist langsamer Wandel, manches verzweifelte Rebellion, nicht alles Althergebrachte ist schlecht und nicht alles Moderne ist gut. Trotz langer Kameraeinstellungen und mehr als 2 Stunden Spielzeit ein von Anfang bis Ende sehenswerter Film – darüber waren wir uns in der Filmrunde tatsächlich mal einig. Einer der ganz Großen, tät ich sagen.

Für die nächsten drei Male hat die kleine Tochter uns eine neue Vorgabe gezogen: „Die Stärke der Schwächeren“ scheint mir ein attraktives Thema mit vielerlei Deutungsmöglichkeit. Ich habe eine Idee, Sie auch?

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