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Archive for November 2015

Es gibt etwas ganz Neues im Leben des Eichhorns, hinter dem momentan alles andere zurückstehen – oder besser: das mit allem anderen erst in einen neuen Rhythmus eingetaktet werden muss. Auch mit dem geliebten Filmabend und dem Geflüster aus der Baumkrone. Es ist ein Job und zwar einer, wie ich ihn noch nie hatte. Es ist mein erster Ausflug in die Soziale Arbeit und vielleicht bleibe ich da jetzt einfach.

Ich betreue geflüchtete Menschen in einer Notunterkunft, versuche, gemeinsam mit meinen neuen Kolleg_innen, das Beste daraus zu machen für die, die erstmal – oder im schlechteren Fall auch für länger – in einer Turnhalle mit zweihundert fremden Menschen unterkommen müssen, die für die nächste, nicht einmal genau festgelegte Zeit keine oder nur geringfügige Mittel zur Verfügung haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die augenblicklich ein Leben führen, das ich mir kaum vorstellen kann, geschweige denn mich im Stande sehe, ein solches für einen nennenswerten Zeitraum zu ertragen.

Das ist keine leichte Aufgabe. Und sie geht mir immer wieder nah, zu nah für die professionelle Distanz. Die muss ich lernen wie so vieles andere auch. Aber ich bin froh. Denn ich habe das Gefühl, in diesem Moment auf meinem Weg einen für mich passenden Platz gefunden zu haben, einen Platz, an dem ich das tue, was ich gut kann. Einen Platz, an dem ich eine Arbeit leiste, die für mich Sinn ergibt, weil sie in meiner Vorstellung eines lebenswerten Lebens in einer Welt, wie ich sie gerne hätte, notwendig ist. Weil ich damit eventuell einen klitzekleinen Beitrag dazu leiste, Frustration, Perspektivlosigkeit, Isolierung, Aggression und Gegeneinander zu vermeiden und stattdessen Gespräch, Verstehen, Austausch, Neugier und Offenheit einen Weg zu bahnen.

Deshalb bin ich gerade ungeachtet der Schwere dieser Zeiten ein bisschen froh.

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