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Archive for April 2016

Eigentlich wollte ich unbedingt erst auf die Kommentare zum letzten Beitrag antworten, warum es bis jetzt nicht passiert ist,  dafür habe ich keine wirkliche Begründung.
Aber nun muss ich loswerden, dass ich mich schäme, dass ich wütend bin, und hilflos.
Nein, wir können sie nicht alle aufnehmen. Aber noch viel mehr als bisher. Und unsere Diplomatie, unseren außenpolitischen Einsatz und unsere diesbezügliche Macht für Konstruktiveres einsetzen als den schmutzigen Deal mit der Türkei. Wir müssen uns nicht so benehmen :🙈🙉🙊. Wir müssen nicht für alles eine Lösung haben, aber wir müssen bereit sein, eine gemeinsame zu finden.  So wie jetzt geht es jedenfalls nicht, Herrgott nochmal.

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Ich persönlich gebe in meinem Alltag selten die Hand. Es scheint mir eine in dieser Zeit und in meiner Lebenswelt aus der Mode gekommene Begrüßungsgeste zu sein. Das ist anders auf einer formellen und offiziellen Ebene der Begegnung, nichtsdestowenigertrotz ist es für mich keine geläufige oder gern ausgeführte Form der Begrüßung. Ich denke meist einfach nicht darüber nach.

Nun haben muslimische Schüler in der Schweiz einer Lehrerin zum Abschied den Händedruck verweigert – die Schule hat ihnen dies genehmigt (!?) – und nicht nur die Schweiz ist in Aufruhr. Wegen der bewiesenen Respektlosigkeit. Wegen des Affronts gegen die Gleichberechtigung. Wegen der Ablehnung unserer Werte. Weil die ihre Werte jetzt bei uns durchsetzen wollen. Weil und wegen.

Ehrlich gesagt, wer sich persönlich zurückgewiesen oder nicht ernstgenommen fühlt, weil das Gegenüber signalisiert, dass eine hier übliche Geste dort, wo es herkommt, mindestens als merkwürdig gilt und ihm unangenehm ist, und es diese aus dem Grund nicht ausführen möchte, hat ganz schön einen an der Waffel.

Wäre ich in einem fiktiven Land, in dem man zum Gruß die rechte Hand diagonal in den Himmel reckt, dann hülfe auch kein Beteuern, dass dies hier das Zeichen der höchsten Ehrerbietung gegenüber der begrüßten Person darstellt, ich würde mir diese Geste ums Verrecken nicht aneignen.

Dass es muslimische Männer gibt, die mit der Verweigerung, einer Frau die Hand zu geben, auch Verachtung oder mindestens mangelnden Respekt gegenüber Frauen an sich zum Ausdruck bringen – keine Frage. Deutsche, mittel-, süd- und nordeuropäische, asiatische, australische, buddhistische, jüdische, hinduistische, christliche, nord- und südamerikanische Sexisten oder deren Vertreter aus Mormonen, Zeugen Jehovas, der AfD, der Front National, der Internationalen Linken und jeder anderen sozio-politischen, Interessen gelenkten, religiösen, ethnischen, usw., Gruppe finden andere Wege, um dieselbe Verachtung zu zeigen.

Für mich stellt eine solche formalisierte Geste eine Norm, keinen Wert, dar und wenn ich auch nicht will, dass Leute ins Land kommen und ungefragt ihre Normen bei uns durchdrücken – ich glaube nicht wirklich, dass dem Gros derjenigen Muslime in Deutschland, Österreich, der Schweiz und sonstwo, wo der Islam nicht die Mehrheitsreligion ist, die nicht gerne jemandem vom anderen Geschlecht die Hand geben, daran gelegen ist, den Händedruck zwischen Mann und Frau generell für alle abzuschaffen und dies gesetzlich zu verankern.

Ich glaube aber, es ist ihr gutes Recht, tut niemandem weh, und wird die freiheitlich-demokratische Grundordnung dieser Länder – sofern sie denn besteht – nicht untergraben, wenn Menschen für sich in Anspruch nehmen, dieses Ritual der Begrüßung persönlich nicht auszuführen.

Die Diskussion darüber tut not und unserer Gesellschaft gut, aber nur dann, wenn die Argumente der anderen Seite offen angehört und die Bereitschaft besteht, die eigenen kritisch zu hinterfragen. Dann kann es uns alle nur weiterbringen. Was ich dieser Tage aber beobachte, lässt mich befürchten, dass in den gegenwärtigen Debatten über Integration und was damit zusammenhängt, eine solche Bereitschaft zu einer ehrlichen und ernsthaften Auseinandersetzung auf „unserer“ Seite kaum vorhanden ist.

PS: Ausgelöst wurde dieser Blogpost durch die Pro- (siehe oben) und Contra- (exzellent geschrieben) Ausführungen zum Thema in der Süddeutschen Zeitung und die unbändige Lust, beides mit ellenlangen Kommentaren zu bedenken. (http://www.sueddeutsche.de/politik/ihr-forum-ist-ein-aus-religioesen-gruenden-verweigerter-haendedruck-respektlos-1.2938328)

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