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Archive for the ‘A Bavarian in Berlin’ Category

Stadtspaziergang möchte sie gerne einen machen, sagte eine der Besten, denn ihr Liebster läuft lieber in der Natur. Sie drückt mir ein entsprechendes Buch in die Hand und sagt: „Such aus. Nicht Mitte, Friedrichshain oder Kreuzberg, da bin ich durch.“ Letztendlich entscheide ich mich nicht, sondern stelle sie vor die Wahl. Britz oder Wilhelmsaue. Da bin ich quasi nie. Interessen-Renaissance für das ganz alte, mir unbekannte Westberlin.

Sie wählt Wilmersdorf. Auf dem Weg vom Fehrbelliner Platz zur Berliner Straße stelle ich fest, das stimmt so nicht, ich bin gar nicht so selten in der Ecke, zumindest liegt sie von Charlottenburg aus – auch ziemlich Westberlin – immer mal wieder auf dem Weg. Eine der Besten kommt hier praktisch nie her. Sie findet das alles neu und interessant, die komischen kleinen Läden, das Altbackene, die mehr oder minder leichte Verstaubtheit, die sie hier vorfindet.

Was uns beiden unbekannt ist und gefällt: die Ruhe, die Dörflichkeit der Wilhelmsaue. Eine kleine Oase. Zum Luftholen in der großen Stadt. Der Volkspark Wilmersdorf gibt doch noch mal so einen Anschein von Natur, Herbst ist schon schön.

Noch schöner ist für mich die Zeit mit ihr. Die Gespräche, das Lachen, das Hin und Her der Gedanken, vom Hölzchen zum Stöckchen, die Vertrautheit, die nie in Routine erstarrt ist oder an der Oberfläche vertuscht, dass man gar nicht mehr viel gemeinsam hat. Wo wir laufen, ist fast egal, vielleicht auch ganz.

Auf dem Weg nach Hause fühle ich mich froh und zufrieden. Glücklich. Darüber so eine und noch zwei, drei andere solche der Besten zu kennen. Und darüber, meinen Sonntag so sinnvoll verbracht zu haben.

PS: Auch wenn die Umwelt zweitrangig war: zum inneren Erleben bot das kleine Zimt und Zucker Wohncafe den würdigen Rahmen: ein kuschliger Ort zum Kaffeeklatschen, Kuchenessen, Zeitunglesen, vertraute Gespräche genießen, in Ruhe gelassen werden. Name und äußerer Anschein wirken auf mich gewollt, die gemütliche Atmosphäre, die Qualität von Kuchen, Kaffee und Tee und der freundlich-zuvorkommende Service sind dann allerdings echt.

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Ich spreche nicht mehr in meinem angestammten Dialekt. Man hört deutlich, aus welcher Ecke des Landes ich komme, aber im Großen und Ganzen geht es um Aussprache und Satzmelodie, nur in seltenen Fällen um Struktur oder Bedeutung. Ich sage „Wägen“, nicht „Wagen“, wenn es um mehr als einen geht, aber laut Duden ist das sogar erlaubt. Zumindest Süddeutschen.

Ich habe den Dialekt nie so stark gesprochen wie meine Eltern, vor allem mein Vater, den ja manchmal auch seine große Enkeltochter nicht verstand. Von beiden kenne ich noch Worte, die ich verstehe, aber nie aktiv verwendet habe, manchmal erinnert sich meine Mutter noch heute an Begriffe oder Formulierungen, die ich noch nie gehört habe, was dann bedeutet, sie kennt sie, hat sie aber wohl auch kaum jemals benutzt.

Und dann gibt es nicht nur Worte, auch grammatikalische Konstrukte, da muss ich mich bis heute sehr konzentrieren, um sie richtig, will sagen: hochdeutsch, hinzubekommen. Während ich nie mehr von ‚dem‘ Butter rede, stutze ich bis heute manchmal, ob mein Nebenan nun das oder den Teller aus dem Schrank holen soll und ich bitte darum, den Radio anzumachen. Auch das Cola geht mir leichter von den Lippen. Dies alles ruft Belustigung bei meiner Umwelt hervor, bei den dialektfreien Kindern auch mal ein Stirnrunzeln, denn das Zurückfallen ihrer Mutter ins heimische Idiom schätzen sie auch bei Besuchen im Süden nicht sehr. Oder wie es die kleine Tochter letzthin formulierte: „Dann sprichst Du wieder Dein dahergelaufenes Augsburgerisch.“

Richtig schwierig wird es aber erst, wenn mir nur mehr das bayrisch-schwäbische Wort einfällt, zum Beispiel beim Wargelholz und beim Spelter. Dann wissen die Herrschaften plötzlich nicht mehr, von was ich spreche. Wobei ich finde, sie stellen sich ganz schön an, selbst wenn sie den Kontext vor Augen haben.

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Je älter ich werde, desto mehr weiß ich gewisse Dinge aus der mal enger, mal weiter gefassten Gegend, aus der ich komme, zu schätzen. Von den Menschen, die dort geblieben sind, mal ganz abgesehen, sind das, um nur einige zu nennen, Weißwürste und Leberkäse, Bergwiesen, helles Bier, viel Schnee – und das zweite Radioprogramm des Bayrischen Rundfunks. Wer hier schon länger mitliest, weiß das alles bereits.

Ebenfalls bekannt ist denjenigen, dass ich auf den Fahrten in die alte Heimat in dem Moment, in dem ich die Brückenraststätte Frankenwald passiert habe, anfange, das Autoradio zu trietzen, bis es Bayern 2 gefunden hat. Auf der Rückfahrt wird die Reichweite ausgereizt, bis nichts mehr zu verstehen ist, was erstaunlich schnell geschieht, wenn man die Grenze zu Thüringen überschritten hat.

Das alles mag ziemlich zum Leidwesen der häufig jungen MitfahrerInnen geschehen, die auf der Suche nach einer günstigen Reisemöglichkeit auf mich im einschlägigen Mitfahrgelegenheitsportal gestoßen sind. Mir wenigstens wäre Anfang 20 eine solche Person am Steuer schrecklich alt vorgekommen. Aber da müssen sie durch. Mit der Familie ist das schwieriger.

Mein Mitfahrer auf dem Weg nach Augsburg war dieses Mal ein zurückhaltender, vielleicht auch, weil es ihm nicht ganz leicht fiel, Deutsch zu sprechen und zu verstehen. Mir war es recht, ich war nicht in Plauderlaune. Die Mitteldeutscherundfunksvermeidungs-CD war gerade zu Ende, als wir nach Bayern hineinfuhren. Der Lieblingssender war schnell gefunden, aber im ersten Moment war ich nicht sicher, ob die Anzeige des Radios richtig liegt: die Musik klang außergewöhnlich orientalisch in meinen Ohren und ich dachte, einen Weltmusik- oder einen Fremdsprachensender erwischt zu haben.

Bevor ich aber weitersuchen konnte, bat mich der Beifahrer, die Musik ein bisschen lauter zu stellen, ein Wunsch, dem ich natürlich nachkam. Und siehe da: wir waren beim „Breitengrad“ gelandet, der samstäglich/mittwöchigen Auslandreportage, in der es in diesem Fall um Jugend und Heiraten in Marokko ging, dazu die mich orientalisch anmutende Musik, Hochzeitsmusik marokkanischer Herkunft.

Ob mein Mitfahrer die Reportage mochte, ob er genügend davon verstanden hat, um das zu beurteilen – ich weiß es nicht, obwohl auch ein solches Gespräch sehr spannend gewesen wäre. Aber wir genossen beide zu sehr, nicht reden zu müssen, die Fahrt verlief auf eine angenehme Weise schweigend, zuhörend, in freundlicher Stimmung.

Mit der jungen Frau auf der Rückfahrt hatte ich mehr Gesprächsstoff, wir unterhielten uns phasenweise angeregt, mit Pausen, in denen sie versuchte zu schlafen und sich und die angestrengten Stimmbänder von ihrer schweren Erkältung zu erholen. In einer solchen Pause machte ich das Radio an, um nicht selbst wegzuschlummern. Das allerdings führte dazu, dass es auch ihr nicht gelang, ganz zur Ruhe zu kommen. Grund war offenbar nicht, dass sie sich vom Gerede gestört fühlte, sondern dass sie den Bericht über „Die Lebensaufgabe der Sintiza Rita Prigmore“ so spannend fand, dass sie nicht aufhören konnte zuzuhören.

Nach dem Hinweis auf das nachmittägliche Hörspiel – Die Blendung von Elias Canetti – fragte sie interessiert, was das denn für ein hervorragender Radiosender sei. Leider kam das Hörspiel für uns außer Reichweite, aber häufig lassen sich die Hörspiele, und auch andere Sendungen, auf der Webseite herunterladen.

Neuerdings überlege ich, ob ich nicht gleich bei der Suche nach Mitfahrenden angebe: Interesse an hochwertiger Radiounterhaltung von Vorteil.

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Man muss Pressack mögen, sonst geht es nicht.

Nahaufnahme

Wenn man das aber tut, steht einer erfrischenden schwäbisch-bayrischen Sommermahlzeit nichts mehr im Wege. Offizielle Schriften führen auf der Inhaltsliste weißen und roten Pressack, Emmentaler, Romadour oder Limburger Käse, Zwiebeln. Meine Mutter sprach noch von hart gekochten Eiern und Essiggurken. Zuerst war ich skeptisch, habe dann darauf bestanden, dass wir entweder Käse oder Eier nehmen, dafür habe ich noch eine grüne Pepperoni hineingeschnitten.

Stadium2

Mit Salz, Essig, Öl, und viel Pfeffer abschmecken. Nach Lust und Laune Schnittlauch drüber, Petersilie (wie hier) geht auch. Die Pressackstückchen würde ich das nächste Mal größer machen, würfeliger. Und mal den Käse dazu ausprobieren, erstmal mit Emmentaler, an Tagen mit viel Geschmackslust den Romadour. Dann aber die Eier weglassen. Ansonsten: jeder Zeit wieder. Schade, dass es in Berlin keinen Pressack gibt.

Gemisch

brot
Tellergericht

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Winter in Berlin

Kurz bevor wir uns unsere jährliche Dosis – hoffentlich – echten Winter im Allgäu abholen, ein paar Impressionen vom Winter in der großen Stadt. Kurz. Aber nicht schlecht.

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Früher mochte ich ja nicht mal die Biermösl Blosn hören. Wiewohl ich ihre Texte schätzte, waren sie mir zu bayrisch. Zu Blasmusik, auch wenn es gar keine Blasmusik ist, die sie mach(t)en.

Auf jeden Fall zu bayrisch. Für mich klang das alles nach Bierzelt, einem Ort, den ich seit frühester Kindheit schon fast körperlich verabscheue, wegen der schlechten Luft und dem vielen dummen Geschwätz. Und der gräßlichen Musik. Daraus spricht zugegebenermaßen keine sehr differenzierte Haltung, weder gegenüber der alpenländischen Volksmusik noch gegenüber Bayern. Meine Abneigung auch und vor allem gegen das Blech bezieht übrigens andere Abarten dieses Genres wie Dixie, Marschmusik und in gewissem Ausmaß auch Big Band-Sound mit ein.

Schleichend und hinterrücks weicht nun mit zunehmendem Alter meine Abwehrhaltung auf. Ich behaupte, angefangen hat es mit dem Radio. Diesem Medium schon früh zugetan war ich in meiner frühen Jugend bekennende Bayern-3-Hörerin: Pop nach Acht, die Schlager der Woche. Der Sprechteil war sekundär, nicht ganz blöd, wenig Gehalt. Bayern 1 war schlimm wegen der Musikauswahl, Bayern 2 ebenso, weil es überhaupt kaum Musik dort gab. Aus dieser Zeit stammt meine selten bekundete Sympathie für Gottschalk und Jauch.

Mit den Jahren wurde SDR 3 – Das Radio für den Wilden Süden – spannend, das Programm war ein wenig politischer und die Musik ein wenig ungewöhnlicher. Richtig begeistert hat mich einer der Schweizer Sender, aber der Empfang war so selten zu bewerkstelligen, dass ich nicht mehr weiß, welcher das nun war. Die Mutter eines Freundes machte damit einmal tiefen Eindruck auf mich. Erstens, weil sie den Sender hören konnte und zweitens weil sie es tatsächlich tat.

Vor ca. fünf Jahren war ich im Auto bei einer Fahrt vom einen Ende Augsburgs zum anderen auf der Suche nach Hörbarem – Bayern 3 ist es längst nicht mehr für mich. Ich vermisste mein geliebtes Radio Eins, fand nichts Adäquates. Gelandet bin ich bei Bayern 2. Und hängengeblieben, weil es so fesselnd war, das Radiofeature dieses Nachmittags. Ich bin bis zum Ende des Aufenthaltes dem Programm treu geblieben und war ein bisschen traurig, mich kurz nach der Grenze zu Thüringen von ihm verabschieden zu müssen.

Seither höre ich Bayern 2, wann immer ich es empfangen kann. Neuerdings geht das auch hier, aber leider nur in einem Raum, in dem ich nicht viel Radio höre. Ganz im Gegensatz zum Ruf, den das Bayrische FreistaatsFernsehen diesbezüglich inne hat, ist an der politischen Ausrichtung der Beiträge wenig auszusetzen, es wird kritisch hinterfragt, empfunden sauber recherchiert, differenziert dargestellt. Kommentare bleiben mir im Gedächtnis, wirken nach, beschäftigen mich. Die Empfehlungen für Hörbücher in der Kindersendung radio mikro sind hervorragend.

Bei einer Heimfahrt mit zwei jugendlichen Mitfahrern habe ich sie gnadenlos und ohne nachzufragen der Bayernchronik ausgesetzt: kleinen, feinen, spannenden Geschichten aus Mikrokosmen aller Winkel des Freistaates und dazwischen bayrischer Musik unterschiedlichster aber immer guter Machart. Vielleicht haben die Jungs es gehasst. Vermutlich: sie waren auf dem Weg in die Clubs der Hauptstadt. Ich hätte es gehasst an dem Punkt in meinem Leben, an dem sie sich gerade in dem ihren aufhielten. Ab dem Thüringer Wald haben wir uns dann doch noch unterhalten. Sie haben sich nichts anmerken lassen.

Jedenfalls glaube ich, war dies der Anfang meiner Öffnung gegenüber der bayrischen Musik. Und nicht nur ihr gegenüber. Ich stelle fest, dass ich mich zunehmend aussöhne mit Bayern; ja, manchmal gestehe ich mir sogar ein, dass ich ein bisschen Heimweh empfinde nach dem Süden. Der Blick aus der Ferne hat mir mehr Nähe geschenkt, mir erlaubt, auch die guten Seiten zu sehen. Das radikale Bayern eines Gerhard Polt, eines Georg Ringsgwandl, eines Hans Söllner war mir natürlich bekannt, die Opposition, die Rebellion gegen das konservative, das katholische, das Bayern der CSU.

Aber es gibt auch ganz anderes. Zwischentöne. Josef Bierbichler. Hanami. Franz Xaver Gernstl. Alpenländisches statt Nationales:

Junge Musiker, die aus der Tradition schöpfen, um Neues zu erschaffen…:

…oder Musikerinnen…:

…oder manchmal ganz Neues…:

In Berlin habe ich nicht viel Zugang zu dieser Musik. Es gibt Verständnisschwierigkeiten. Wir überlegen, im Juni aufs Woodstock der Blasmusik zu fahren. Für einen Abend. Vorsichtiges Herantasten. Mal sehen.

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In der Tat. Oder eigentlich doch? Aber selbst als er die 800-jährige Gefängnisstrafe antritt, hofft Virgil Starkwell auf Straferlass um die Hälfte bei guter Führung. Oder er bricht wieder aus. Irgendwie ist er völlig unfähig zu einer Verbrecherkarriere und irgendwie ist es gleichzeitig seine Berufung.

Ich war mir nicht sicher, ob Take the Money and Run nicht in die Kategorie Filme gehört, die in ihrer Zeit gut und richtig waren, die aber jetzt nur noch bestenfalls historische Bedeutung haben. Gehört er nicht. Er ist stellenweise genial witzig, urkomisch und nie dumm. Ein echtes Woody-Allen-Frühwerk. Es ist sowieso kaum zu fassen, dass es über 100 dienstägliche Treffen gebraucht hat, damit endlich ein Film von Allen auf dem Programm steht. Von Woody Allen, dem Lieblingsregisseur meiner jungen Erwachsenenjahre.

Das Hauptgericht an diesem Abend war selbst erfunden und eine gelungene Variante aus der Serie „Kartoffeln mit Teig“: 4 übriggebliebene gekochte Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden, 2 Stangen Lauch in dünne Halbringe schneiden, in Butter und Olivenöl andünsten, wenn sie weich sind, Kartoffeln dazugeben, warm werden lassen, dazu 200 g Ziegenfrischkäse, verlaufen lassen. Ich habe mit Paprika und Majoran gewürzt, gesalzen und gepfeffert, das hat gut gepasst. Die Masse dann auf 2/3 einer Lage Blätterteig streichen und wie einen Strudel zusammenrollen. Diese Menge Füllung hat für zwei Lagen Blätterteig, also für zwei Strudel, gereicht. Mit Ei bestreichen und für ca. 20-25 Minuten in den 200° heißen Backofen. Dazu gab es Salat und Joghurt, angereichert mit Kerbel, Schnittlauch, Knoblauch und Salz. Erstaunlich gut. Dafür waren es nicht die richtigen Äpfel für den Bratapfel: zu mehlig, zu wenig aromatisch. Da half auch das Innenleben aus Marzipan, Holundergelee und Rumrosinen nicht so viel. Ging schon, war aber kein Highlight.

„Verbrechen zahlt sich aus“ sagt Virgil im Interview. Mal sehen, welche filmische Umsetzung dieses Zitats uns in zwei Wochen erwartet. Vorher bin ich noch im Allgäu, glücklich gelebtes Rind erstehen.

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