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Archive for the ‘Alltagstaugliches’ Category

Mal abgesehen von den Waren, die es so auf einem Markt zu kaufen gibt und selten so auch woanders, mag ich Markt, weil er mehr menschelt als die meisten anderen Verkaufsorte, die ich so frequentiere. Es ist – meist – mehr Zeit, mehr Muße, mehr Gespräch.

Heute war es besonders schön: noch nicht viel los, kein so hübsches Wetter, recht früh am Vormittag. Frühstücksgebäck für die große Tochter nebst Gast aus England beim „Brotgarten“ besorgt, wo man es am Stand wie im Laden fast ausschließlich mit grandios freundlichen Menschen zu tun hat und beste Vollkornbrote und -kuchen, aber auch eher wenig verbreitete oder sogar originäre Spezialitäten wie knusprig-weiche Seelen oder saftig-fruchtige Apfelbrötchen erstehen kann. Und dann ist auch noch der Lieblingsbrotgärtner am Stand, bei dem ich immer das Gefühl habe, genau in diesem Moment die Lieblingskundin zu sein.

Die Tomatenfrau verkauft dieser Tage biologisch Angebautes aus Sizilien, gerade auch Zitrusfrüchte, die so lecker aussehen, wie sie schmecken. Due Mandarinen -ja, Mandarinen, keine Clementinen – haben Kerne, aber schmecken nach Kindheit. Am Gemüse- und Obststand ist es unspektakulär, ein paar Äpfel, unbehandelte Zitronen, 2 Kiwis. Sollte die Avocado innen braun sein, wie von einem anderen Kunden letzthin angemahnt, soll ich auf jeden Fall beim nächsten Mal Bescheid sagen. Man sieht ja so schlecht rein.

Der Käsehändler meines Vertrauens übergibt gerade an eine Vertretung, die so viel Leidenschaft fürs Produkt mitzubringen scheint wie er selbst, und ja, sie haben auch heute Burrata, köstliche, sahnige, zarte, schmelzige Burrata, meine kulinarische Neuentdeckung.

Beim Neulandfleischer höre ich das Ende der Konversation mit meinem Vordermann, die Fleischerin habe sich schon Sorgen gemacht, ob er wieder krank sei, aber nein, und Gott sei Dank, und „Bitte noch drei Ihrer guten Buletten“. Nein, kleiner hat er es nicht, die Münzen habe er gerade der jungen Frau nebenan am Blumenstand gegeben. „Na, dann weiß ich ja, wo ich sie wiederkriege.“ „Aber seien Sie nicht zu grob, sie ist doch eine so freundliche junge Frau.“

Gegenüber gibt es vermutlich sehr gutes griechisches Olivenöl, mein Blick aber fällt auf die Kalamataoliven, von denen ich ein kleines Schälchen möchte. Nach dem Wiegen bietet mir der Ölmann an, mit seinem guten Olivenöl aufzufüllen, meine Ablehnung wird mit so irritiertem Blick quittiert, dass ich mich bemüßigt fühle, ihm zu sagen, dass sie heute noch auf die Pizza kommen. „Aber doch ohne die Kerne?“ „Nein, die Kerne bleiben drin, da müssen meine Gäste durch.“ „Sind Sie denn Zahnärztin?“, will nun die freundliche junge Floristin von nebenan wissen. „Das wäre ja dann praktisch.“ Auch die Fleischerin von gegenüber findet die Idee witzig, sie lacht auch. Ich verspreche, meine Gäste vorher zu warnen und gehe weiter, zu den Pilzen.

Die Champignons hätte ich schon vorher mitnehmen können, aber wenn es schon den extra Pilzstand gibt? Er ist gerade unbesetzt und ein bisschen Warten macht mir heute nichts aus. Die BetreiberInnen der umliegenden Stände halten nach der Pilzkönigin Ausschau, winken, gestikulieren, einer brüllt quer übers Karree nach ihr und sagt zu mir: „Mensch, dann soll Se halt wenigstens Bescheid geben.“ Es dauert eine ganze Weile, der Rufer sagt zum Kollegen: „Sieh mal, so geduldig können Kunden auch sein, nur bei uns muss immer Zack-Zack gehen…“ Wir wechseln ein paar Worte über Hektik und Muße und hätte ich noch mehr als drei Euro fünfzig in der Tasche, hätte ich ihm auch einen kleinen Strauß oder ein Balkonpflänzchen abgekauft.

Die Pilzkönigin ist immer noch nicht in Sicht, selbst mir wird es zu lang, aber nun habe ich ja schon so lange gewartet…ein Kollege schlendert herbei: „Die lässt sich ganz schön Zeit, was? Wissen Sie was, ich verkauf’s Ihnen mal. Was brauchen Sie denn?“ Den Champignonkauf bringen wir ganz unzeremoniell hinter uns – „wo sind denn hier die Tüten? Wie, das wissen Sie nicht – ich dachte Sie kaufen hier öfters?“ „Ja, aber ich muss nie selber einpacken…“ – dafür war ich besser beim Gewichtschätzen, 200 g sind nicht so viele Champignons. Sie kommt, aber ich warte jetzt nicht mehr, Ware und Geld sind über die Theke gereicht und ich stehe ja nun wirklich schon lange genug. Ein bisschen Feixen und Spott kündigen sich schon an zu ihrer Ankunft, da muss sie durch und böse wird es nicht werden, bei dieser Menschelei.

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Früher habe ich ja mal ganz viel gelesen. Ich lese gerne und schnell. Alles Mögliche, aber fast nur Belletristik. prinzipiell. Heute lese ich ziemlich wenig, ich komme nicht mehr dazu. Die Bücher türmen sich schneller auf als ich die Stapel abbauen kann. Da stößt man selbst in Altbauwohnungen an Grenzen.

Vielleicht wird ja jetzt was anders: wird haben nämlich kein normales Fernsehen mehr, sondern nur einen DVB-T Stick für den Laptop. Für Notfälle wie Tatort und Die Sendung mit der Maus. Und der funktioniert sogar einigermaßen. Jetzt.

Zwei Tage hat es mich gekostet, das Zeug zu installieren, und nein, es lag nicht an mir, andere Menschen im weiten Netz hatten ähnliche Probleme mit der Kombination aus gehasstem Betriebssystem und dieser Software/ den Treibern/ der Sternenkonstellation, wer weiß das schon so genau.

Seit Sonntag nachmittag – gerade noch rechtzeitig! – gibt es ein Bild und passenden Ton zu den vorher zwar empfangenen, aber nicht wiedergegebenen Sendern. Darauf bin ich ziemlich stolz.

Allerdings habe ich jetzt Probleme mit dem Internetzugang. Der DNS-Server mag nicht mehr antworten. Sagt Windows, aber wieviel man dem glauben kann, weiß man ja. Kann nicht mit dem Fernsehen zusammenhängen, sagt der benachbarte Informatiker, ist ja nicht aus dem Internet. Nee, klar. (Falls jemand anderer Meinung ist, und einen guten Rat hat: her damit!)

Dann halt Zufall, an den glaube ich ja gerne. Ein sehr lästiger Zufall. So lästig, dass der geliebte Mann gesagt hat, da zieht er doch lieber ein Kabel über zwei Räume, um den in den Mietnebenkosten bereits abgegoltenen Basiskabelempfang zu nutzen.

Dagegen spricht: warum jetzt? Warum, nachdem ich mich verzweifelt auf die Suche nach einer neuen Lösung begeben habe, als der vorherige IPTV-Anbieter gnadenlos zum Jahresanfang den Dienst eingestellt hat? Fuck you, O2: Du bist schuld. Nachdem ich alle entsprechenden Buchstabenkombinationen auswendig gelernt habe, um mit einem funktionablen Produkt den Elektronikmarkt wieder zu verlassen? Und dann tatsächlich mit DVB-T Stick zuhause angelandet bin, nicht mit DVB-C-Receiver, der es dann für den Kabelempfang am AltTVgerät sein müsste?

Dagegen spricht auch: sechs teilweise absurde Telefongespräche („Wie war Ihr Name?“ „…“ „Oh Gott!“) mit unterschiedlichen angeblichen Servicestellen von Telecolumbus, unserem Kabelversorger, lassen nicht auf Kompetenz und/oder Dienstleistungsmentalität schließen. Mit denen werden wir nicht glücklich.

Dagegen spricht vor allem: was wird dann aus meinen so romantisch intendierten Leseabenden mit einem Glas Rotwein im Urlesesessel am Ofen? Aus endlich ausreichend Zeit um alle hochgelobten Serien in Originalsprache auf DVD zu gucken? Aus gemeinsamen familiären Spieleabenden? Aus dem Ausbrechen aus der Gewohn- und Bequemlichkeit der Fernbedienung? Daraus, nun nur noch den Drang unterdrücken zu müssen, aus ähnlichen Gründen im Netz herumzueiern, um endlich zu einer hochwertigen Heimabendgestaltung zu gelangen?

Nee, nee, nee. Da verbringe ich meine Abende lieber damit, mit meinem Smartphone im Internet herauszufinden, warum mein DNS-Server jetzt immer wieder nicht mehr mit mir redet.

Wenn der geliebte Mann nicht ausgelastet ist, soll er noch ein paar Hochbetten bauen. Oder das Schlafzimmer neu verputzen. Keine Kabel legen. Nirgendwohin.

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Eigentlich sollte ich das hier gar nicht schreiben. Die Schlange ist mir bereits zu lang, manchmal. Aber ich will mal nicht so sein, denn dafür könnte ich zur Vegetarierin werden und den Grund dafür möchte ich nicht vorenthalten: Der Käsestand Allerlei Käse bietet jeden Mittwoch und Samstag auf dem Markt am Karl-August-Platz Käse ausschließlich in Bioqualität.

Das für mich wirklich Ausschlaggebende ist allerdings die Qualität und die Vielfalt des Angebots: Von Leuchtturmkäse einer kleinen dänischen Kooperative, Deichgrafkäse von den Salzwiesen über Cheddar aus der gleichnamigen Höhle in Somerset, jungem Pecorino aus Italien zu einer Auswahl vom nahegelegenen Brodowin und Siebengiebelhof. Letzterer lieferte kürzlich versuchsweise auch Vorzugsmilch und Rohmilchquark, ob der Versuch weitergeht, ist mir aber augenblicklich nicht bekannt.

Außerdem wird man vorzüglich beraten vom Betreiber, der beseelt scheint von purer Begeisterung für sein Produkt. Er kann nicht nur den Geschmack des jeweiligen Käses einleuchtend beschreiben, sondern auch von den verschiedenen Herstellern oder der Geschichte dieses oder jenes Rezeptes erzählen. Dazwischen lässt er das Angepriesene probieren.

Ich kaufe Käse mittlerweile fast immer hier. Ein bisschen Zeit muss mitgebracht werden, Schnellkauf ist woanders. Und ganz billig ist es natürlich auch nicht – wie soll es? Dafür verzichte ich dann halt auf die teure Biowurst.

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Ich kann nicht nähen. Wirklich nicht. Es muss sich auch keine und keiner bemühen, mir das jetzt ausreden zu wollen. Ich. Will. Nicht. Nähen. Ich hasste Handarbeit zu Schulzeiten. Zu schlampig, zu hudelig, zu wenig Durchhaltevermögen. Aber ich habe gelernt zu häkeln, stricken und sogar sticken. Alles schon mal unter Beweis gestellt. Und es macht mir auch mal Spaß, zumindest eine Weile lang. Ca. eine Sockenlänge. Wenn ich keine Ärmel ein- und Fäden vernähen muss.

Nähen kann ich nicht. Und – ich mag es auch nicht, Kein Spaß, überhaupt keiner. An der Nähmaschine werde ich aggressiv und sauer. Auf die Welt, auf das blöde Stück Stoff, auf diejenige, die mir das eingebrockt hat, also meistens mich. Damals.

Jetzt tut mir das das erste Mal in meinem Leben leid. Weil ich nämlich einen ganz reizenden Nähblog entdeckt habe, mit Schnittmustern im Angebot, die mich wirklich mal ansprechen: die Plaudereien aus Nähkästchen und Schnittlabor von Stefanie Kroth. Mit Schnittmustershop. Ich werde es nicht ausprobieren, ich kann es einfach nicht. Aber vielleicht jemand von Ihnen? Ich weine derweil ein wenig um eine nicht zu nützende gute Gelegenheit.

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Gott sei Dank: der Weinversand Vinatis liefert NICHT mit DHL. Von denen ist mir nämlich schon seit Monaten niemand persönlich begegnet, dem ich hätte sagen können, wie hundsmiserabel ihre Leistung geworden ist, seit ich im 4.OG wohne. Ich arbeite hier, ich bin die meiste Zeit anwesend und dennoch habe ich gefühlt ewig keine Sendung von DHL mehr direkt bekommen.

Das Dutzend Flaschen hätte ich vermutlich mit dem Fahrrad von der ‚Postfiliale‘ abholen und dann selbst nach oben schleppen dürfen. Wieso begreift eigentlich DHL nicht, dass ich, wenn ich das wollte, einfach hier zum Weinhändler gehen könnte? Dass ich nicht mehr auf ihre Dienste zurückgreife, wenn diese Dienste nicht geleistet werden? Und dass ich nicht die Einzige bin, die das so handhabt?

Freue mich neuerdings sehr über die Freundlichkeit und Kompetenz der Zusteller von Hermes und GLS …

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Die kleine Tochter ist heute auf Kitareise gegangen: 5 Tage. Und ich dachte unmittelbar: Yeah! Freiheit! – Rabenmutter…

Es sieht so aus, als zögen Ringeltauben die langsam grünende Ulme vor dem Fenster als Wohnstatt in Betracht. Sie waren letztes Jahr schon hier, wechselten sich bei der Besichtigung mit einem Eichelhäherpaar ab, am Ende ist keiner geblieben. Mal sehen, ob wir dieses Jahr Taubenaufzucht erleben. – Ah, die Ringeltaube wurde soeben von einem laut krächzenden Rabenvogel verscheucht, ich vermute, von einer Nebelkrähe. Ja, ja, jetzt streiten sie rum und am Ende sitzen wir wieder alleine hier oben.
AprilUlme

 

Auf ihr Konzert in der Zitadelle Spandau gehe ich mit der großen Tochter. Und freue mich sehr darauf.

 
Ich stehe auf Honig, aber trotzdem, so nachhaltig hat mich schon lange kein Film mehr beschäftigt wie der am Wochenende gesehene More than Honey von Markus Imhoof:

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Ich mag Döner. Sehr und schon immer. Irgendwie liegt mir die Kombination aus mundgerecht geschnetzeltem Fleisch, Salat und Brot zum Mitnehmen und unterwegs essen. To go war eh schon immer meins, auch beim Kaffee. So hat jede ihre Leichen im Schrank.

Allerdings habe ich ihn immer seltener gegessen, den Döner, weil ich es meistens nicht mehr schaffte, die Gedanken abzulenken, bevor sie bei den Bildern von eingepferchten, zerrupften, kahlen Tieren aus landwirtschaftlicher Industrie landeten. Wenn diese Bilder sich vor dem inneren Auge formierten, war es meist zu spät, ich hörte schon die höhnische Stimme im Kopf: wie mag wohl ein Tier gehalten worden sein, aus dessen Resten Dein Mittagessen für 2,50 Euro hergestellt wird? Da wäre ein Untersuchungsergebnis, dass gar kein Fleisch im Döner enthalten ist, noch positiv.

Zack, und schon wieder eine Kuh/ein Huhn/ ein Pferd gerettet: da geht es nicht mehr mit dem Döner, auch nicht mit Schawarma, denn ich glaube zwar an den Menschen als Fleischesser, aber auch daran, dass das kein guter Grund ist, ein anderes Lebewesen zu quälen. Also doch lieber Käsebrot zu Hause …

Der Dönerladen in der Wilmersdorfer Straße hatte Neueröffnung und zwar – als Falafel- und Halloumiladen. Billiger Trick, Alibiaktion, denke ich. Der Spieß dreht sich ja trotzdem noch und die vorgefertigten Bollen, die es üblicherweise an fleischdominierten Fastfoodbuden als Falafel gibt: geschenkt. Es mag kein Tier für sie gelitten haben und das ist das einzig Gute, was man über sie sagen kann.

Vorurteile sind blöd, also habe ich gestern die Falafel probiert. Als Teller mit frittiertem Gemüse, Hummus, Sesam- und Mangosauce. Und was soll ich sagen: lecker! Frisch gemacht, so gewürzt, wie ich sie zum Reinlegen finde. Das Gemüse war in Ordnung, die Saucen aromatisch, das Hummus hatte eine schön cremige Konsistenz. Die Falafel jedoch, die waren phantastisch. Da gehe ich wieder hin. Ist kein Döner, aber fein.

Berlin, Wilmersdorfer Straße, schräg gegenüber von Rogacki

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