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Archive for the ‘Ankunft in Charlottenburg’ Category

Beim Gemüsehändler in der Wilmersdorfer kaufe ich ja nicht mehr ein, seit er mein kleines Kind angefahren hat und danach gleich mich, weil sie sich die Plastiknuckelflasche mit den Zuckerperlen in ihrer Greif- und Augenhöhe geschnappt hat und in den Mund gesteckt hat. Aus der Perspektive des Kindes eine sehr nachvollziehbare Handlung. Aus meiner eine befriedigende Aktion, die dem Handel vorführt, was passiert, wenn die Begehrlichkeiten für Kinder so verkaufsträchtig platziert werden.

Abgesehen davon sind die Preise hoch, aber nicht zwangsläufig die Qualität. Heute hatte ich plötzlich überwältigende Lust auf Erdbeeren und wollte eine Ausnahme machen, ließ noch andere Stände auf dem Weg links liegen, um ‚doch noch mal dem Laden in der Nachbarschaft eine Chance zu geben‘.

Der genaue Blick in die folierten Schälchen ergab aber, dass das, was ich in den meisten Fällen spontan für Schimmel gehalten hatte, tatsächlich Schimmel war, flächendeckend, nicht, wie von mir sogleich vermutet, eine optische Täuschung durch Kondenströpfchen. Mein entsprechender Hinweis an den Herrn an der Obsttheke wurde mit einem unfreundlichen „Ja, ich weiß“ beantwortet. Solche Kundinnen wie ich scheinen eine echte Zumutung zu sein.

Manchmal sehne ich mich nach Moabit zurück, und speziell dorthin.

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So langsam bin ich angekommen. Nicht in der Wohnung: die Eroberung des einen, noch nicht begehbaren Zimmers kostet die mühsam erreichte Bewohnbarkeit der Restwohnung. Im Klartext: es sieht schlimmer aus als bei Hempels unterm Sofa, der Wiederfindungsindex ist im Minusbereich angelangt. Aber wir sind dran. Es ist ein bisschen wie funktionierende Homöopathie, es muss erst schlimmer werden, bevor es gut wird. Sagt man.

In erster Linie ist der Mann hier gefragt: es ist sein altes Regalsystem, er hat die Erfahrung und die Vorstellung, wie es sein muss, wie es hält. Als technisch rudimentär begabte Nichthandwerkerin kümmere ich mich derweil ums Kind, sorge fürs leibliche Wohl und schließe die Stereoanlage wieder an. Beide Boxen funktionieren. Außer man spielt eine Schallplatte (nochmal langsam und zum Mitschreiben: eine Langspielplatte aus Vinyl) ab, dann geht nur einer der beiden Lautsprecher, vermutlich ist entweder der Kontakt am Plattenspieler oder der am Verstärker im Eimer. Aber immerhin.

Wenn ich es nicht mehr aushalte gehe ich raus. Es gefällt mir gut in meinem neuen Kiez und langsam werde ich auch mutiger, verlasse die bereits bekannten Pfade und Bäckerläden, probiere auch aus, wofür ich keine Empfehlung vom Kenner habe. Oder endlich eine der vielen Empfehlungen, je nachdem.

Neue Alltagswege gilt es zu finden, zum Beispiel zum Kindergarten. Das eröffnet Perspektiven, bietet neue Möglichkeiten, lässt mir das Unbekannte ein kleines bisschen vertrauter werden. Ich liebe es, in Berlin Fahrrad zu fahren, habe ich das schon erwähnt? Für mich ist es die beste Art, mir die riesige Stadt kleinteilig zu erschließen, auch nach mehr als 10 Jahren noch. Und was ich besonders liebe, sind die kleinen Oasen, die Strecken, die einen Moment Ruhe vermitteln, die so ganz anders sind und doch so typisch: die Bärenbrücke in Moabit, am Kanal und alten Industriegebäuden entlang von Charlottenburg nach Moabit, am Bellevue links ab zum Englischen Garten.

Und nun eben am Lietzensee entlang zur Kita. Der Weg ist noch nicht optimal, eher am Wasser oder eher näher an der Böschung, Fahrrad unten stehen lassen oder die Treppen hinauftragen? Eine frühere „Ausfahrt“ suchen? Aber ich habe noch ein paar Jahre Zeit, das wird sich finden. In jedem Fall kann ich sie genießen, die Stimmung morgens am Wasser, geteilt von ein paar Joggern und Walkern, Müttern mit Kinderwagen und Senioren beim Frühsport an den öffentlichen Fitnessgeräten. Hübsch hier, in Charlottenburg.

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Die kleine Tochter geht jetzt in der Kindergarten. Am dritten Tag sagt sie nach dem Absteigen vom Fahrrad zu mir: „Du gehst hinter mir.“ Sie drückt die Ellenbogen nach außen, schiebt sie im Wechsel nach vorn und nach hinten und stapft so breitschultrig, wie eine Dreijährige sein kann, durch das Tor in den Hof der Kita. Ich übergebe sie ihrer Erzieherin und setze mich auf die Terrasse, bleibe verfügbar, falls sie mich nochmal braucht, so wie ein paar andere Eltern auch. Nach einer Viertelstunde kommt sie und sagt: Tschüß, Mama. Du kannst jetzt gehen.“

Mir einredend, dass nur zufriedene Kinder sich so leicht vom Nest und den zugehörigen Insassen trennen, radle ich in Gedanken zurück.

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Sonntag nachmittag am Tag vor dem längsten des Jahres, drei Tage vor Johanni, Ende der Spargelzeit.

Statt mit meinen Töchtern die höchstschwangere Freundin auf einen Kaffee zu besuchen, bevor Wochenendstille für sie wieder zum Fremdwort wird, sitze ich hier und arbeite am Überraschungsauftrag.

Draussen hupt es mehrstimmig und ich freue mich verwundert über die ersten Paraguayaner auf Berlins Straßen. Hier gibt es alles, warum also keine Paraguayaner? Gibt es wahrscheinlich, doch dieses Mal war es doch wieder eine türkische Hochzeit.

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Obwohl ich mir fest vorgenommen habe hauptsächlich Neues auszuprobieren, hier in meinem neuen Kiez, stelle ich bereits jetzt die Tendenz bei mir fest, Etablissements zum zweiten, dritten und vierten Mal zu besuchen, und nicht nur deshalb, weil sie so gute Ware, Atmosphäre oder Preis-Leistungs-Verhältnisse haben. Nein, allein und einzig deshalb, weil ich sie nun schon kenne.

Die Begründungen, mit denen ich mein Tun rechtfertige, sind mannigfaltig und nicht wert, hier im Einzelnen erörtert zu werden. Denn im Wesentlichen laufen sie immer auf Eines hinaus: das Bekannte ist einfacher und daher bequemer. Nicht unbedingt besser. Im Fall der Leberkäsesemmel von Rogacki wenigstens genauso gut. Aber mit dem Kennenlernen wird das so nichts, meine Liebe.

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Es wird besser. Nicht gut, aber definitiv besser. Nach einem Mittelding zwischen Schlachtplan und Pause. Jetzt ist es nur noch ein Zimmer, das allerdings rappelvoll mit Kartons und anderem steht. Meine Befürchtung ist, es wird wie mit Rubik’s Cube oder den Plastik-Schiebepuzzles aus der Kindheit: beim letzten Teil geht alles wieder alles im Chaos unter, aus man es vorher schon heraus geholt hat. Ich konnte das nie, habe es nie zu Ende gebracht. Vielleicht reicht die Zimmeranzahl ja auch so?
Ich glaube, eine neue Liebe nimmt ihren Lauf – das Charlottenburg, das mich hier umgibt, gefällt mir ausgesprochen gut. Eine schier therapeutisch erholsame halbe Stunde habe ich am Sonntag morgen vor dem Brotgarten verbracht, die Straßen hinter dem Klausener Platz könnten Gassen sein. Es gibt zu gucken, zu entdecken, zu finden. Manchmal werde ich schon ungeduldig, weil mir die Vertrautheit fehlt.
Vor ein paar Tagen habe ich die Vormieterin getroffen, sie geht im bekannten Kiez einkaufen, das „geht schneller als bei uns da draussen, da kenne ich mich noch nicht aus“. Ich habe sie ganz gut verstanden.

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Ich möchte heute einfach mal jammern. Darüber, dass die Kisten immer noch den größten Teil der neuen Wohnungsfläche einnehmen. Darüber, dass sie ausgeräumt und zusammengefaltet bereits zu neuen Platzkonkurrenten werden. Darüber, dass von zwei notwendigen Dübeln der zweite einfach durchfällt und die ganze Arbeit vergeblich war. Darüber, dass ich mir immer wieder an in den Weg ragenden Plastikfaltboxen und scharfkantigen Metallwerkzeugkästen Schienbein oder Zehen breche. Darüber, dass ich keine Ahnung habe, wo sich mein Ersatzhandy befindet, nötig, da die Tochter im Chaos ihr Ladegerät verlegt hat. Und darüber, dass jede freie Stunde mit schlechtem Gewissen ob der vorwurfsvoll herumstehenden Kartons erkauft wird.

Ich möchte mal wieder einen Samstag nachmittag auf dem Sofa liegend ein Buch lesen. Mich am hellichten Vormittag mit einer Freundin zum Kaffeetrinken treffen. Am Sonntag mit Mann und Kind und Kind ins Grüne fahren. Dienstag abend abgefahrene Filme gucken und mir seltsame Motti ausdenken.

Das Schlimme ist, dass es sich heute so anfühlt als würde das Leben nie mehr normal.

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