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Archive for the ‘dienstag abend’ Category

Jeggelesnah. Ich komme nicht mehr hinterher. Der Filmabend leidet ein wenig unter der neuartigen Arbeitssituation. Das ist schade. Aber dann haben wir doch einfach mal so drei Filme gesehen und ein neues Motto schon angefangen und ich habe noch gar nichts zum vorhergehenden geschrieben…
Ich mache es kurz: der geliebte Mann hat TGV, einen ganz großartigen, senegalesischen Film von 1998 über eine Bustour von A nach B mit einem Sammelsurium an Charakteren, gezeigt. Ich hatte den Film damals im Kino gesehen und mich zu Recht über das zweite Mal gefreut.
Von mir kam Taxi Teheran von Jafar Panahi, der seit seinem Berufsverbot wegen Kritik an der Regierung Taxi fährt und das einfach zum Film gemacht hat. Ein Potpourri aus Eindrücken aus der iranischen Hauptstadt, das mir ein weiteres Mal klarmacht, dass ich nichts weiß über dieses Land. Nichts. Nado. Viel zu wenig.
Und dann kommt der liebe Freund und setzt noch einen drauf. Nichts richtig Freudiges. The Road ist düster, eine Dystopie, Vater und Sohn auf der Reise ins vermeintlich noch Lebenswerte. Nicht schlecht, bis auf das verkitschte Ende.
Wir haben schon begonnen mit dem nächsten: Der Traum vom Fliegen. Und heute bin ich dran und MIR.FÄLLT.NICHTS.EIN. HILFE!

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Was für ein düsteres Thema. Und ja, Schenkelklopfer waren da eher nicht dabei.

Den ungewöhnlichsten Beitrag hat der geliebte Mann gezeigt mit Morituri (ich glaube zum ersten Mal: der IMDB – Eintrag gibt hier nichts her). Es handelt sich nicht um einen in Vergessenheit geratenen Sandalenfilm, sondern um den Beginn einer Aufarbeitung der 1948 gerade vergangenen deutschen Geschichte – ob in Vergessenheit geraten oder einfach nur mir gänzlich unbekannt, weiß ich nicht. Für beides gibt es keinen guten Grund, denn der Film ist nicht allein durch seine Handlung, sondern auch in seiner Machart äußerst sehenswert. Die Idee dazu hatte Artur Brauner, der die Naziherrschaft im Untergrund und durch Flucht überlebt hat, und er hat ihn letztendlich auch produziert – unter widrigen Umständen und ohne finanziellen Erfolg, wie ebenfalls im Wikipedia-Beitrag nachzulesen ist.

Ich habe tatsächlich, wie schon Lakritze angemerkt hat, es als offensichtlich empfunden, zu diesem Motto Dead Man zu zeigen, ein weiterer höchst geschätzter Film eines meiner Helden. Aber ich kann nichts dazu sagen, ich bin kurz nach dem Aufeinandertreffen von William Blake und Nobody eingeschlafen und erst zum Showdown wieder aufgewacht. Das fand ich ausnehmend ärgerlich und ich spiele mit dem Gedanken, den lieben Freund zu fragen, ob er den Film in seiner umfangreichen Filmothek besitzt und mir zum Nachsitzen leiht. Dann könnte ich auch gleich das große Kind dazu verdonnern, den mit mir zu sehen….

Und zu guter Letzt kam auch noch der Film Noir zu seinem Recht, wenn auch nicht in der von Chris Kurbjuhn vorgeschlagenen Form (ist aber vermerkt). Der liebe Freund zeigte Sorry, Wrong Number, eine nervenzerreißende Hinführung auf ein mich für amerikanische Filme und schon gleich gar jener Zeit ungewöhnlich anmutendes Ende, mit einer bemerkenswerten Schauspielleistung von Barbara Stanwyck und einem atemberaubend attraktiven Burt Lancaster. Es wird klar durch diese Worte: vom US-amerikanischen Film Noir der 40er und 50er habe ich keine Ahnung. Ich bin begeistern und jetzt gerne mehr davon!

Das kommende Motto „Der Weg ist das Ziel“ führt tendentiell allerdings eher zu einem anderen Genre, würde ich vermuten.

 

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Drei Filme zum Thema, das – leicht vorstellbar – filmisch unerschöpflich häufig und vielfältig verarbeitet wurde.
Den Anfang machte der geliebte Mann mit dem belgischen Film Die Beschissenheit der Dinge. Der Name ist Programm: skurril, so schwarz der Humor, dass ich seit langem mal wieder physisch erfahren habe, was es bedeutet, wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Die Frage bleibt: kann man anhand der Art der Filme, die einem als typisch für ein bestimmtes Land, für eine bestimmte Nation, erscheinen, Rückschlüsse auf eine nationale Befindlichkeit ziehen? Und wenn ja, was sagt und das über die Belgier?

Mein Film passte vielleicht am wenigsten zum Motto, hat es aber auch nicht verfehlt und wer definiert schon ‚dysfunktional‘? Eine totgeglaubte Mutter, sexueller Missbrauch und die Vertuschung eines Totschlags, wenn auch aus Notwehr, das sind schon Elemente, die ich mit einer gewissen familiären Dysfunktionalität in Verbindung bringen kann, oder? Sie können Volver einfach selbst gucken und mir dann sagen, wie Sie das sehen. LOhnt sich so oder so.

Verstörend war dagegen die Wahl des Freundes, also nicht direkt die Wahl an sich, sondern der gezeigte Film aus Griechenland, Dogtooth („Kynodontas“) über eine Art Familienexperiment in absoluter Abgeschiedenheit. Es geht um Manipulation, Formung, Gewalt und Kontrolle, um faschistische Strukturen. Und das vielleicht nicht nur im familiären Mikrokosmos. Sehenswert, aber verstörend.

Ab nächster Woche: Filme zum Thema des geliebten Mannes, „Dem Tode geweiht“. Wieder nicht so ein Komödienthema, ich bin Erste. Und ich kenne mich bei Gladiatoren nicht so aus. Kann aber auch was anderes sein. Ideas?

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Wie ich schon angesprochen hatte: mein und unser Leben muss sich neu justieren, weil ich neuerdings festangestellt arbeite und das auch noch in einer Art Schichtbetrieb. Darunter leidet auch der Filmabend: Einmal hatten wir Gäste und die Auswahl wurde dadurch bestimmt, dass der Film arabische Untertitel hat. Arabischsprachige Arthaustitel waren dabei nicht gefragt – sie entsprachen nicht dem Geschmack der SciFi-begeisterten Muttersprachler. Über die im DVD-Verleih sehr spontan getroffene Auswahl legen wir den Mantel des Schweigens – auch weil ich vor lauter Belanglosigkeit sowohl Titel als auch Handlung bereits wieder vergessen habe. Das geht besser und daran arbeiten wir noch…

Dann fiel sie zweimal aus, die geliebte Institution, weil Dienstagabend ein beliebter Zeitpunkt für Versammlungen aller Art ist – warum eigentlich? Mittwoch, Donnerstag: was spricht gegen die? -, so eben auch für die Unterstützer*innen-Treffen für meine neue Arbeitsstätte, an denen ich als Ansprechpartnerin auf Seiten der Hauptamtlichen teilgenommen habe.

In den letzten Wochen treibt es mir immer wieder mal Tränen in die Augen. Wegen Geschichten, Situationen, Geschehnissen, die mit der Geschichte von Geflüchteten zu tun haben oder auch mit ihrer Gegenwart. Das wird bereits weniger, das ist auch nicht professionell, aber verhindern lässt es sich weiterhin nicht immer. Die eine oder andere Träne verdrücke ich auch, wenn ich über jene Menschen schreibe, die sich mit vollem Engagement der Unterstützung von geflüchteten Menschen widmen. Die Dienstag abend zu einem solchen Treffen kommen, weil sie „wissen wollen, was sie tun können“ genauso wie jene, die das schon wissen und nun die „Neuen“ einführen und Strukturen schaffen. Sie alle machen das neben ihrem sonstigen Tagesgeschäft.

Gerührt bin ich, wenn ich darüber sinniere, so wie jetzt. Wenn ich diesen Leuten, die sich im Rahmen von Pankow Hilft zusammengefunden haben, beim Koordinieren, beim Informationen sammeln und zur Verfügung stellen, beim Planen und Organisieren zusehe, bin ich davon weit entfernt. Denn das ist effiziente und pragmatische Arbeit. Strukturiert, durchdacht, kreativ. Zupacken mit einer großen Selbstverständlichkeit und weit entfernt von rührseliger Gefühlsduselei. Und wenn ich mir das so überlege, könnte ich schon wieder heulen, weil es mich geradezu ins Herz trifft, dass es neben allem anderen auch sie gibt.

Und eins noch: über die Prenzlauer Berger lasse ich nichts mehr kommen, echt nicht. Sie mögen veganen Caffe Latte trinken. Aber sie stehen auch bei uns in der Unterkunft und fragen: wo soll ich mit anpacken? Oder gehen mit ihrem Schachbrett rein in die Halle und lassen sich mit einer Runde Männer auf dem Boden nieder zum Spiel. Bringen eine Kiste Clementinen vorbei. Sammeln Geld in der Yogaklasse. Männerschuhe bei allen Nachbarn.

Nächste Woche gibt’s hoffentlich wieder Film. Egal mit welchen Untertiteln.

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Der liebe Freund und ich haben das Thema ähnlich interpretiert, wenn auch anhand unterschiedlicher Genres. Bei uns beiden geht es um den Aufbruch aus unaushaltbaren Zuständen und Milieus, um drastische Eskalationen als Auslöser und um Frauen als zentrale Figuren, die den Aufbruch wagen.

When Animals Dream erzählt von einer jungen Frau in einem provinziellen Umfeld, die von derselben „Krankheit“ befallen ist wie es schon ihre mittlerweile ruhig gestellte Mutter war. Mit seinen dem Horrorgenre entlehnten Elementen ist es in den Augen des lieben Freundes ebenso wie in meinen eine vielschichtige Allegorie – auf die Einschränkungen des Anderen, von der Norm Abweichenden durch eine etablierte Regelhaftigkeit, in diesem Fall durch Traditionen und ungeschriebene Gesetze der lange bestehenden Gemeinschaft ohne nennenswerte äußere Einflüsse, aber ebenso auf die Abwehr der neu erwachten weiblichen Sexualität, die in ihrer ungebändigten, freien Form einem restriktiven, patriarchal geprägten Milieu Angst macht, und auch auf die Ängste und starken Emotionen, die die Pubertät und die einhergehende Veränderung in Körper udn Seele im eigenen Inneren verursacht. Das muss man mögen und wie sich schon bei The Company of Wolves zeigte, ist es das Ding des geliebten Mannes nicht. Überhaupt nicht.

In der folgenden Woche war der Konsens wieder größer. Ich hatte das Motto ausgesucht, weil ich seit langem einen Film zeigen wollte, der mich vor fast zwanzig Jahren ungeheuer beeindruckt, aber auch emotional so mitgenommen hatte, dass ich mich lange nicht mehr an ihn ran traute. Once Were Warriors von Lee Tamahori schildert tief berührend ein städtisches Maori-Milieu am sozialen Rand, geprägt von sozialem Wohnungsbau, Alkoholmissbrauch und unkontrollierten Gewaltausbrüchen, in dem die Protagonisten mehr oder weniger perspektivlos gefangen sind.

Für beide Männer war der Film von 1994 neu, beide fanden ihn gut. Übereinstimmend stellten wir fest, dass wir wenig bis keine Ahnung vom Leben der Maori haben, wobei ich nicht glaube, dass es zum grundsätzlichen Verständnis des Films notwendig ist, er funktioniert auch ohne Hintergrundwissen. Ich befand ihn auch dieses Mal als äußerst sehenswert, obwohl er mir ein wenig schablonenhafter – vor allem in der Gegenüberstellung des desolaten städtischen Milieus mit dem Positiv einer traditionell orientierten, außerstädtischen Maori-Gemeinschaft – vorkam. Eher nachdenklich stimmt mich die Tatsache, dass ich mit der Gewalt im Film deutlich weniger Probleme hatte als vor 20 Jahren: die explizite Darstellung hielt ich damals wie heute für notwendig, damit der Film funktioniert. Aber meine Sehgewohnheiten scheinen sich dahingehend verändert zu haben, dass mich die Darstellung heute weit weniger berührt und entsetzt; sie scheint für das Medium zur Norm geworden zu sein.

Und gestern hat nun der Mann ein echtes Schätzchen gezeigt. Ich kann mir nicht erklären, warum Cheyenne – This Must be the Place mit einem grandiosen Sean Penn als gewesener Popstar amerikanisch-jüdischer Herkunft so vollkommen an mir vorbeigegangen ist, als er vor drei, vier Jahren ins Kino kam. Ich habe gestern abend Dialoge gehört, die zum Besten gehören, was mir seit Jahren im Kino untergekommen ist, gespickt mit wunderbaren Weisheiten und Witz, beeindruckende Bilder gesehen, die mich wünschen ließen, den Film nochmal auf großer Leinwand sehen zu dürfen, mich in Sean Penn verliebt.

Ich habe nichts erwartet und Großartiges bekommen – da könnte es aber auch einen Zusammenhang geben. Ich muss den Film nochmal anschauen, um zu entscheiden, ob wirklich unter den ersten Zwanzig besteht, und ich freue mich darauf. Man muss das sehr Skurrile mögen, man muss sich einlassen können aufs Absurde, so wie sich die Menschen auf dem Weg auf den exaltierten Cheyenne einlassen müssen. Dann bietet sich einem viel zu lachen sowie ein insgesamt sehr erfreuliches cineastisches Erlebnis.

Mal sehen, was die nächsten sein werden, wenn wir nach Herrn Nils Klims Vorgabe „Dysfunktionale Familie“ gucken.

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Manchmal bin ich hin und weg davon, wie unterschiedlich ich und meine beiden Mitgucker ein Motto interpretieren und in welchen Filmen das zum Ausdruck kommt.

Der Mann zeigt Die Strategie der Schnecke (La estrategia del caracol), eine wunderbare kolumbianisch-italienisch-französisch koproduzierte Geschichte in der Tradition des magischen Realismus. Ein skrupelloser Investor agiert – offenbar unterstützt von Politik und Exekutive – in Bogota nach dem Recht des Stärkeren, in dem Fall ‚Reichen‘, wird dann aber von den findigen Bewohnern eines alten Hauses auf höchst kreative Weise überlistet. Ein Film voller Witz, Charme und politischer Weisheit.

Von mir kommt Body Heat, ein zu Unrecht in Vergessenheit geratener Krimi von Lawrence Kasdan. Höchst wirkungsvoll setzt eine sehr heiße Kathleen Turner all das ein, was das „schwache Geschlecht“ ausmacht, um am Ende die Einzige zu sein, die alles im Griff hat. Zum blonden Gift Turner spielt ein überzeugender William Hurt den Winkeladvokaten, es gibt viel schwüle Atmosphäre, viel Anlehnung an den Film Noir. Kann man gut sehen.

Und zu guter Letzt kredenzt der liebe Freund den SciFi-Banausen einmal wieder eine beklemmende Dystopie: Snowpiercer beruht auf der Vorlage eines französischen Comics. Der Rest der Menschheit befindet sich in einem Zug, der im Jahresrhythmus die durch Menscheneinfluss völlig vereiste, unbewohnbare Erde umfährt; die Reichen und Schönen mit dem Erste-Klasse-Ticket schwelgen im vorderen Zugteil im Luxus, im hinteren Teil starten die Noch-Aufgesprungenen, völlig eingeengt gehalten als menschliche Nutzwesen, genährt durch Proteinblöcke, gelenkt mit Polizeigewalt und Terrormaßnahmen, die Revolution. Die anders endet als von den meisten Protagonisten erwartet, wobei die Erwartungen durchaus unterschiedlicher Art sind.
Nicht ganz ‚my cup of tea‘, aber sehr spannend, keine/r ist eingeschlafen, dafür war die Spannung zu hoch. Dennoch haben bei mir andere sozusagen pädagogische Maßnahmen des lieben Freundes mehr Eindruck hinterlassen, so zum Beispiel Blade Runner oder 12 Monkeys. Aber ich freue mich sehr über die Gelegenheit, die der Filmabend mir bietet, auch mal Genres und Werke zu sehen, die ich mir nicht aus Eigeninitiative ansehen würde.

Die kleine Tochter hat das nächste Motto gezogen, wieder einmal eines der meinen: „Aufbruch“. Da gibt es was, ich bin ganz sicher.

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…war gar kein so leichtes Motto, wie es mir auf den ersten Blick schien. Auch der Mann hatte seine Mühe damit, es dennoch perfekt erfüllt mit Lasse Hallströms Shipping News. Quoyle, der sowieso mit dem Leben eher schwer zurande kommt und dessen geliebte, aber von ihm gelangweilte Frau mit ihrem neuen Liebhaber bei einer wilden Fahrt, auf der sie das gemeinsame Kind verkauft, ums Leben kommt, sucht mit Kind und Tante auf Neufundland nach seinen Wurzeln und fängt nochmal neu an. Nach dem Roman von Annie Proulx, den ich auf Grund meines unerklärlichen Desinteresses an Bestsellern nicht gelesen habe.

Ich konnte mich erinnern, dass ich den Film bei seinem Kinostart auch nicht geschaut habe, weil die Kritiken nur mäßig waren. Jetzt würde ich sagen, ich verstehe einige davon, aber so what? Hallström mit seinem atmosphärischen Erzählkino ist einfach ‚mein Ding‘. Große Kunst? Vielleicht nicht. Große Geschichten, spannend und ergreifend erzählt – auf jeden Fall. Und das ganze mit Julianne Moore und Judy Dench, Cineastenherz, was wünschst Du viel mehr?

Ich zeigte zum Thema Couscous mit Fisch („La graine et le mulet“), eine ganz andere Geschichte eines Neuanfangs. Nachdem er zum alten Eisen degradiert wurde, versucht der Werftarbeiter Monsieur Slimane, in der Hafenstadt ein Couscous-Restaurant zu eröffnen. Ein feiner, kleiner Film mit ungewöhnlichen Konstellationen und offenem Ende, allerdings – wie ich dieses Mal feststellen musste – sehr wortlastig, was ihn nicht unbedingt geeignet macht für späte Stunden nach ausgiebigem Abendmahl (Buchteln mit Vanillesoße, köstlich, aber dazu ein andermal) und dann schon gleich gar nicht für die vom lieben Freund und mir präferierte Originalversion mit Untertiteln…

Und zu guter Letzt sahen wir vom lieben Freund ausgesucht den Schweizer Film Kleine Fluchten aus dem Jahr 1979. Nach 30 Jahren unhinterfragter Akzeptanz der alten bäuerlichen Strukturen kauft sich der Knecht Pipe ein ‚Töff‘ und fängt an, die Welt für sich jenseits der eingefahrenen Vorstellungswelten zu entdecken. Er erlebt allerhand, verliert sein Mofa, bekommt eine Polaroidkamera und versinnbildlicht wie verkrustetes Althergebrachtes aufbricht, zerreißt, sich Prioritäten und Lebenswelten verändern, Generationen und Denkweisen auch unabhängig vom Alter einander ablösen, auch in der dörflichen Abgeschiedenheit der Protagonisten.

Dabei hält sich der Film mit eindeutigen Wertungen zurück. Manches ist langsamer Wandel, manches verzweifelte Rebellion, nicht alles Althergebrachte ist schlecht und nicht alles Moderne ist gut. Trotz langer Kameraeinstellungen und mehr als 2 Stunden Spielzeit ein von Anfang bis Ende sehenswerter Film – darüber waren wir uns in der Filmrunde tatsächlich mal einig. Einer der ganz Großen, tät ich sagen.

Für die nächsten drei Male hat die kleine Tochter uns eine neue Vorgabe gezogen: „Die Stärke der Schwächeren“ scheint mir ein attraktives Thema mit vielerlei Deutungsmöglichkeit. Ich habe eine Idee, Sie auch?

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