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Archive for the ‘Gluckenmutter’ Category

Von mir aus sollen sie schnell groß werden und sich in ihrem eigenen Leben unangemessen anziehen oder morgens mit der neuen besten Freundin die gestrige anzicken. Dann weiß ich einfach nix davon.

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Gerade habe ich woanders formuliert gelesen, was mich letzte Woche so irritiert hat: statt so anschauliches Lehrmaterial wie eine Sonnenfinsternis zu nutzen, ging es allerorten an Schulen (ja, vermutlich auch ausgelöst durch Eltern) nur um Risikovermeidung.

Klar verstehe ich das. Aufsichtspflicht, Verantwortung und nicht zu vergessen: das Problem mit der Versicherung. Eine Freundin sagte mal, immer, wenn ein Verbot nicht zu hinterfragen ist, dann hat es versicherungstechnische Gründe. Das funktioniert gut in Deutschland. Wie gesagt, hatte ich alles verstanden, auch das mit den besorgten Eltern.

Meine Handykamera beweist: es gab gar keine Sonnenfinsternis.

Meine Handykamera beweist: welche Sonnenfinsternis?

Aber trotzdem. Man könnte sich ja auch vorbereiten und den Kindern mit der Sonnenfinsternis wieder ein Stück mehr von der Welt näherbringen. Gleichzeitig aufpassen, dass ihnen dabei nichts Schlechtes passiert. Ist das nicht die Kunst des Erziehens, Aufziehens, Ins-Erwachsenenleben-Begleitens? Geht es nicht genau darum? Aus unterschiedlichsten Gründen scheint in der Gesellschaft, in der ich lebe, dieses Ideal aus den Augen geraten zu sein. Der Fokus auf größtmögliche Sicherheit ist einer davon.

Es machte mich richtiggehend glücklich beim jeweiligen Heimkommen der Töchter zu erfahren, dass sie beide die Sonenfinsternis tatsächlich gesehen hatten. Unbeschadet.

Bei der kleinen Tochter war eine Brille organisiert worden, die jede_r mal aufsetzen durfte, um angeleitet direkt in die verdeckte Sonne zu gucken. Die anderen wurden so lange anders beschäftigt, bis sie dran waren. Hat wohl funktioniert.

Bei der großen Tochter kam die Englischlehrerin ins Zimmer gestürzt, um zu fragen, was denn alle drinnen machten, sie sollten sofort rauskommen und sich das großartige Schauspiel betrachten, sie selbst wisse ja nicht mal, ob sie bei der nächsten Sonnenfinsternis noch am Leben sei. Im Hof standen dann wohl zahlreiche Eltern und NaturwissenschaftslehrerInnen mit allerlei gekauftem und selbstgebasteltem Equipment für eine gefahrlose Betrachtung des Ganzen. So geht Schule, finde ich.
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Abgesehen von meiner Freude, dass die Mädchen teilhaben konnten, ist auch die kleine Bestätigung nicht zu verachten, beide Kinder auf brauchbare Schulen geschickt zu haben.

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Die große Tochter: Eindrücke aus einer neuen Welt.
Boah.

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St. Martin

Laternenumzug, ach wie rührend. Mit den Kleinen durch den dunklen Novemberabend ziehen, Liedchen trällern, an deren erste Strophe ich mich bis heute erinnere als wäre es gestern. Am liebsten noch mit weißem Pferd voraus – ein Highlight des mütterlichen Daseins. Wie glänzende Kinderaugen, in denen sich die Lichter des Weihnachtsbaumes spiegeln…

Highlight, ja klar. Das Kind quengelt, meist von Anfang an, weil es ihm zu kalt ist, die Laterne ständig vom Stock fällt, es neben hmhmhm gehen will, die aber lieber mit sososo läuft. Früher ist die Laterne abgebrannt, oder das Selbstgebastelte war nicht winddicht genug, um das Teelichtflämmchen am Leuchten zu halten. Heute sind die Batterien alle oder das Billigplastikding hat einen Wackelkontakt. Irgendwas ist immer. Manchmal findet man das Kind im Dunkeln nicht mehr, vor allem, wenn sich verschiedene Martinsumzüge mischen, was in der großen Stadt schon mal vorkommt. Martinsumzugsstau.

Bei den Würstchen/ dem Süßkram danach ist dann alles zu spät: die Kinder sind müde vom Tag und enttäuscht vom Umzug (siehe oben), die Eltern wollen nochmal kurz mit dem befreundeten Erstklasselternpaar reden, die Kinder zerren und nölen, wollen Würstchen/ noch eine Süßigkeit, bekleckern sich mit Ketchup, kippen dem Nebenkind den Kakao über den Mantel. Das wärmt bestenfalls noch ein paar Minuten, dann wird es in der jahrzeitlich bedingten Witterung kalt im feuchten Gewand.

Dieses Jahr war die Krönung. Die DrecksLaterne war noch nicht fertig, als ich zum Abholen kam. Ich musste mit fertigbasteln. Nein, falsch: ich musste fertigbasteln. Das Kind hat unterdessen Puppenhaus gespielt. Habe ich schon mal erwähnt: ich bin da nicht gut drin? Und ich mache es auch nicht gerne, keineswegs. Nicht mit Schere, nein, nicht mit Klebstoff. Auch nicht mit Papier und Draht. Ich bastle so gerne wie ich nähe…

Beim Befestigen des völlig schief gefalteten Eulenschnabels – im Stehen, einhändig, Flüssigkleberflasche mit verstopfter Düse und zugegebenermaßen starkem Druck, um die Verstopfung zu beheben – ist der vordere Teil abgesprungen und der ganze schöne Flüssigkleber im Schwall auf Hemd (meines, apropos hat jemand ein altes Hausmittel? Entfernen von UHU aus Baumwolle? Hierher bitte. Schnell.), Stuhl, Tisch und Boden. Nur ein sehr letzter, sehr verborgener Rest an Countenance und Schamgefühl hat mich davon abgehalten, alles in die Kleberpfütze zu schmeißen, den Plastiklaternenstab mittendurch zu brechen, mein Kind an einen der nebensitzenden Bastelväter abzugeben, der Erzieherin den Hals zu brechen und unter lautem Schluchzen das Gebäude zu verlassen und einen Schnaps trinken zu gehen.

Mein Kind und eventuell auch andere Familienmitglieder werden mir lange dankbar sein für diesen letzten Rest, hoffe ich. Es wurde dann noch ganz nett. Ich habe mein Kind nur zeitweise nicht wieder gefunden. Gequengelt hat es nur, weil es in der Kirche beim Martinsspiel nichts sehen konnte, weil ich nach gefühlt mehreren Stunden nach Hause gehen wollte und auf dem Heimweg, weil es keinen Kakao, keine Marshmellows und keinen Lolli bekommen hat. Sie wusste nämlich nicht, dass es das alles gibt. Hat ja auch eigentlich nix mit Martin zu tun.

Jetzt habe ich auch noch läuten hören, dass er gar nicht der Wunderknabe war, als den man ihn gerne so hinstellt, der gute Martin von Tours, der uns wohl diesen Krampf eingebrockt hat: 20.000 Sklaven soll er gehabt haben und recht brutal in seiner Begeisterung für den christlichen Glauben und seinem Bemühen, diesen den gottlosen Galliern beizubringen, soll er obendrein gewesen sein. Davon erzählt natürlich wieder keiner, aber ich habe mir immer schon gedacht, dass was nicht stimmt mit diesem Typen.

Die Erzieherin würde nächstes Jahr lieber Drachen basteln. Finde ich gut. Solange ich nicht mitbasteln muss.

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Es sind zwei Gründe, die mich vom Bericht über den letzten Filmabend abgehalten haben, jedenfalls zwei Hauptgründe neben vielen anderen, weniger wichtigen.

Zum einen ist das Leben zur Zeit schnell und vielfältig, das Muttersein spielt sich in den Vordergrund. Einschulung der kleinen Tochter, Elternabende allenthalben, Kontakthalten zum großen Kind. Schrittweises Loslassen scheint die Devise des Augenblicks bei beiden, und wenn ich mich auch für ganz gut darin halte, die Selbstständigkeit meiner Kinder zu unterstützen und sie nicht übermäßig zu beglucken, fallen mir die großen Schritte doch immer erstaunlich schwer.

Zum anderen war der Film nicht einfach einzuordnen und hat – wie im richtigen Leben auch – zu einer erstmal recht aggressiv geführten Kontroverse unter den Dienstagscineasten geführt. Der Mann wollte im Kleingedruckten nochmal nachlesen, welches Propagandaministerium diesen CIA-Film finanziert hat, während ich es keineswegs so empfunden habe, dass Bigelow in Zero Dark Thirty irgendetwas rechtfertigt – weder die Obsession mit Bin Laden den Drahtzieher des Terroranschlags vom 11. September 2001 zur Strecke zu bringen und schon gleich gar nicht die dazu angewandten Methoden bis hin zur Folter.

Für mich – und der liebe Freund tendierte zu einer ähnlichen Sichtweise – hinterfragt sie das Vorgehen der staatlichen Institutionen der USA ohne einfache Antworten zu liefern. Sie tut das ganz eindeutig aus einer US-amerikanischen Perspektive und warum auch nicht? Ich finde es legitim, nur ein Täterprofil zu erstellen, solange es kritisch ist und nicht rechtfertigend oder gar Verständnis wecken will.

Dass sie sich auf einem sehr schmalen Grad bewegt, ist klar. Dass der ganze Film anders interpretiert werden kann, auch – diese Gefahr besteht bei einer differenzierten, nicht eindeutigen Darstellung immer. Ob er bei US-Patrioten auch so ankommen würde wie bei mir, ist eine Frage im hitzigen Streit. Ich weiß nicht, was in deren Köpfen vorgeht, eventuell nicht. Aber dieses Problem besteht häufig: Nazis haben American History X auch anders interpretiert als vom Regisseur vermutlich intendiert – mit furchtbarem Ergebnis.

Mir liefert dieser Film keine Identifikationsfigur. Nicht in den Personen der CIA-Mitarbeiter, die sich geschäftig-unbeteiligt über den Nutzgrad der durch Folter erzwungenen Informationen unterhalten, nicht in der toughen, gefühlskalten und sozialautistischen CIA-Agentin, die vom Ehrgeiz und wer weiß was noch besessen sich gegen die Männerwelt der Geheimsdienste und Militärs behauptet, was letztlich zur Liquidierung Bin Ladens und seiner engen Helfer führt und schon gleich gar nicht in dem charmanten Sonnyboy mit Hippieattitüde, der aus seinen grausam-brutalen und doch exakt berechneten Foltermethoden keine Genugtuung zu ziehen scheint, sondern business as usual betreibt, alles auf der Seite der – angeblich – Guten, der Träger von Demokratie und freiheitlicher Weltordnung, der Tugendbolde in der eigenen Wahrnehmung.

Es gibt eine Stelle, wo mir fast Verrat droht in der kritisch-distanzierten Haltung des Films. Die Schluss-Sequenz der Ergreifung und direkt folgenden Erschießung Bin Ladens ist dermaßend spannend inszeniert, mit einer Lust am Filmerischen, am Effekt, am Unterhaltenden, dass das Kritische, das Ambivalente ins Hintertreffen gerät und nur mit halbherzigen Platitüden wie dem unglaubwürdigen, in der Aktion auftretenden moralischen Anfall eines Soldaten, dass er töten musste, hinübergerettet werden soll.

Hinüber zu der nun wieder großartigen und meiner Ansicht nach dem Film voll gerecht werdenden Schlussszene, in der die Agentin, die vermeintliche Heldin, allein im Bauch des großen Fliegers sitzt und weint. Was war all das wert? For god and country …

Und damit steht auch das Motto fürs nächste Mal.

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Zeugnistag

Das Kind mitsamt seinem Zeugnis begrüßt. Es ist toll, Zeugnistag nicht schwierig finden zu müssen. Es ist toll, dieses Kind zu haben. Das andere auch.
Jetzt hört sie sogar schon Leonhard Cohen (okay, bisher nur ein Lied, aber immerhin). Vielleicht kommt der ganze Ärger ja erst noch?

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Ich habe es jetzt raus: wir gehen da nur noch in den Ferien hin. Kaum Leute, leere Duschen, Platz in der Umkleide. Und wie durch einen Zauber sind alle entspannt und freundlich. Naja, zumindest entspannt-ER. Es hat mich sogar eine andere Mutter angelächelt. Und ich zurück. Echt wahr.

So lässt sich doch ein nasser Ärmel viel leichter ertragen. Und danach waren wir Burger und hausgemachte Pommes essen. Aber dazu ein andermal.

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