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Archive for the ‘Kulinarische Improvisation’ Category

Strudel mag ich gerne. Fast egal, mit was drin. Süß oder salzig. Und Rhabarber mag ich auch, seine Säure im Gegensatz zu was ganz Süßem, zum Beispiel mit süßem Baiser. Aber das hatten wir schon.

Was wir noch nicht hatten, war der Rhabarberstrudel aus Österreich vegetarisch. Also wir hier hatten ihn letztes Jahr schon mal, aber Sie hatten hier noch nichts darüber gelesen. Dabei ist der toll. Vor allem, wenn man zwecks der Süße am Ende noch mal Puderzucker drüber gibt. Ansonsten begeistert mich der Gegensatz zwischen dem dünnen knusprigen Strudelteig und dem weichen, ein bisschen schmelzigen Rührteig. Jaha. Strudelteig und Rührteig. Sind Sie interessiert?

Also, dann machen Sie mal zuerst den Strudelteig aus 200g glattem Mehl (laut Frau Seiser am besten 480, ich hatte nur 550 da), einer Prise Salz, 100g lauwarmem Wasser und 40g Pflanzenöl. Verkneten, Kugel formen, leicht mit Öl bestreichen und bei Zimmertemperatur 1 Stunde ruhen lassen.

Für den Rührteig 110g weiche Butter mit 100g Puderzucker und 1 Essl. Vanillezucker schaumig schlagen, zusammen mit einer Prise Salz und der Schale einer halben Zitrone. Dazu kommen die Dotter von drei Eiern, aus deren Eiweiß Sie mit 1 Essl. Kristallzucker schönen luftigen Schnee geschlagen haben, der fast am Schluss untergehoben wird, aber noch vor den 110g Mehl, die sind das Letzte.

Ich persönlich habe kein Strudeltuch, könnte aber bei meiner Freude am Strudel mal herausfinden, was das ist und mir dann eines zulegen. Ich habe ein Küchentuch genommen, bemehlt und darauf den Teig ausgewargelt, wie es in den süddeutschen Küchen heißt, in denen ich groß geworden bin. Mit dem Wargelholz nämlich. Kein Unterschied zum Nudelholz, falls das besser verstanden wird. Also, jedenfalls wird der Teig dünn ausgewargelt und dann über den Handrücken so dünn ausgezogen, dass man dadurch die Zeitung lesen kann.

Diese Aufgabe gefällt mir am wenigsten am Strudelmachen. Ja, der Teig reißt leicht. Ja, es kann passieren, dass Sie ihn wieder zusammenmantschen müssen und von vorne anfangen mit dem Auswargeln. Das geht auf dem Küchentuch auch nur so bedingt prima, zumal Sie ja ein einigermaßen gleichmäßiges Rechteck haben wollen. Schustern Sie es irgendwie zusammen. Wenn das mit dem Handrücken nicht so gut geht, entwickeln Sie ruhig eine eigene Technik, wenden Sie Tricks an, suchen Sie nach YouTube-Videos. Das wird schon irgendwie. Mein erster Apfelstrudel mit 12 Jahren war ein Batzen Teig mit Apfelstücken, Nüssen und Rosinen irgendwie reingewurstelt. Seither geht es stetig bergauf.

Das wie auch immer entstandene hauchdünne Rechteck teilen Sie in zwei Hälften. Ich habe gleich den Teig in zwei Hälften geteilt und zwei separate Rechtecke gestaltet – das schien mir erfolgversprechender. Die Rechtecke werden nun mit einer Mischung aus zerlassener Butter (3 Essl.) und Ei beträufelt, aber lassen Sie noch was davon über. Darauf wird je die Hälfte des Rührteigs gestrichen – und ja, der rutscht weg, auf der Butter-Ei-Mischung, also Geduld – und darauf kommen die auf die Länge des Strudels zugeschnittenen und geschälten Stangen Rhabarber (insgesamt ca. 500g). Ja, roh. Dann wickelt man das ganze mit Hilfe des Tuchs auf, pinselt den Rest Butter-Ei, darüber und schiebt es auf dem mit Backpapier ausgelegten Blech in den bereits am Anfang der Prozedur auf 180° aufgeheizten Ofen. Bis er schön appetitlich gebräunt ist, so ungefähr 35 Minuten dauert das.

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Wenn Sie Glück haben, sieht er zum Wasserimmundzusammenlaufen und Anbeißen aus, wie auf dem Foto im Buch. Am besten noch schön dekoriert mit gehackten Pistazien, Zitronenmelisse und marinierten (in was halt gut passt und schmeckt) Erdbeeren. Dazu gibt es Vanillesauce, Kanarimilch (dünnere Vanillesauce) oder Himbeersauce.

Manchmal sieht er nicht ganz so gut aus. Und das liegt nicht nur am Foto. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen: schmecken tut er trotzdem. Vergessen Sie aber den Puderzucker nicht.

20150519_200659Nachtrag: Weil es mir so im Kopf herumschwirrte: die Typisierung des Mehls ist in Österreich eine andere als in Deutschland. 480 dort entspricht dem 405 hier. Meines war trotzdem ein anderes, vielleicht lag es daran, dass der Strudel auseinandergefallen ist.

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Aus „Österreich vegetarisch“ hat sich ganz schnell ein neues kleines Standardgericht in unseren Speiseplan geschlichen, das verblüffend einfach ist, auf das ich aber nie gekommen wäre und das mir trotz österreichischer Verwandtschaft bis dato nie begegnet ist: Der Erdäpfelkas (also Kartoffelkäse).

Da er auch beim Geburtstagsbüffet einiges an Lob geerntet hat, vor allem auch solcherart, wie es wegen hoher Ansprüche nicht oft vergeben wird, und bei einem nachfolgenden Fest die mitgebrachte Schüssel in Nullkommanichts leer war, möchte ich das Rezept meinem Bloglesepublikum nicht vorenthalten. Zumal – und das freut mich ganz besonders an diesem Essen – damit die übrig gebliebenen gekochten Pellkartoffeln höchst ansprechend verwertet werden können, auch von so einem Bratkartoffeldeppen wie mir.

Also reibt man 500 g gekochte abgekühlte Kartoffeln, vermengt sie mit 250 g Sauerrahm und 125 g cremigem Frischkäse (oder was der Kühlschrank so an ähnlichen Milchprodukten hergibt; das kann bei mir auch mal nur eine Sorte sein, Creme Fraiche, Schmand, ich habe auch schon mit mittelfettem Quark gestreckt,…), 1 kleine feingehackte Zwiebel oder 2 Frühlingszwiebeln, auch gehackt, Salz, Pfeffer, eine Prise (Vorsicht damit) gemahlener (gern frisch gemahlener) Kümmel, evtl. eine kleine Knoblauchzehe (mache ich nicht, weil sie beim ersten Mal zu intensiv herausgeschmeckt hat), 1 Essl. gehackte Petersilie, evtl. 1 TL gehackter, frischer Majoran. Letzteres habe ich nicht, ich habe an Kräutern Petersilie, Kerbel und – wenig – Liebstöckel genommen. Und wenn Sie mögen, streuen Sie obendrauf noch eine kleine Handvoll geriebener Kartoffeln und toppen mit ein paar Kümmelkörnern und krausen Petersilie-Blättern. Fürs Auge.

Und dann ein gutes Lieblingsbrot dazu – meine Güte, ich sag’s Ihnen.

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Im Rückblick sage ich: er hätte nicht nicht gezeigt werden können. Nicht nicht zu diesem Thema. Und deshalb bin ich sehr froh, dass der Mann Das Fest von Thomas Vinterberg gezeigt hat. Auch deshalb, weil ich diesen Film unter „Sollte man auf jeden Fall gesehen haben“ einordnen würde. Nicht nur, weil es der erste „Dogma“-Film ist und obwohl die Geschichte um einen 60. Geburtstag und den dabei aufkommenden Eklat ziemlich verstört, zumindest mich verstört hat.

Es geht um Familie, aber nicht nur, es geht um Solidarität und Mangel an Vertrauen, um Zerbrechen an erfahrenem Leid, um Überleben erfahrenen Leids, tiefe Nähe und abgrundtiefe Zerwürfnisse. Um das Blenden und Vorspielen, um Fassade und (Wein)Kellergewölbe. Und das in einer meisterhaften Darstellung, mit einem „Küchenchor“ und immerhin einer Art Happy End im Sinne von: das hätte auch noch schlimmer ausgehen können. Sollten Sie ihn nicht kennen – sehen Sie ihn sich an. Aber nur in Momenten, in denen Sie auch etwas aushalten können.

Zum Essen: den ersten Spargel der Saison mit Frühkartoffeln. Und weil eine Sauce Hollandaise für mich unweigerlich mit Schinken verbunden ist, gab es dazu eine Neuentdeckung aus „Deutschland vegetarisch“: Eier-Frühlingszwiebel-Stippe aus 3 Essl. Weißwein- oder, wie bei mir, Kräuteressig, 100 ml Gemüsebrühe, 1 Essl. Senf, 1 Essl. Honig (bei mir ein bisschen weniger), 120 ml Sonnenblumenöl, 2 hartgekochten und kleingehackten Eiern, 4 Zweigen Estragon, 1 kleinen Bund Pimpinelle (bei mir Kerbel), 2 Frühlingszwiebeln, Salz und Pfeffer. Zuerst die (Zäh-)Flüssigkeiten verrühren, feingehacktes und geschnittenes Grünzeug dazugeben, dann die Eier untermischen. Würzen. Fertig. Sehr, sehr fein und passend.

Und zum Nachtisch Vanilleeis, frische Erdbeeren und leicht gesüßte Sahne. Da braucht es nicht viel mehr. Vielleicht noch einen Ticken süßere Erdbeeren. Aber das Warten fällt halt so schwer.

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Manche Abende sind äußerst zufriedenstellend als Gastgeberin, einfach, weil alles gelungen ist: das Essen ebenso wie die Unterhaltung(en). So geschehen am Freitag mit den Doppelkopffrauen. Wir treffen uns reihum meist einmal im Monat bei einer von uns zu Hause, zum Kartenspielen. Vorher gibt es Essen, ursprünglich als kleiner Imbiss gedacht für diejenigen, die direkt von der Arbeit kommen. Ein bisschen aus den Fugen geraten hat sich das nun meist zu einem kleinen 3-Gänge-Menü gemausert…

Das sah dann letztens so aus: Die Vorspeise orientierte sich an diesem Rezept von lamiacucina. „Orientiert sich“, weil ich es – wie beim ersten Versuch auch – wieder nicht zum Pistazienpesto geschafft habe. Denn – ebenfalls wie beim ersten Versuch – war der Grund, sich für diese Vorspeise zu entscheiden, das Vorhandensein eines bereits hergestellten Pestos, in diesem Fall ein Bärlauch-Mandelpesto (Bärlauch, Petersilie, Mandeln, Bergkäse, Sonnenblumenöl) aus Deutschland vegetarisch.

Ansonsten habe ich dieses Mal:
1) die Rote Bete im Ofen gegart und damit mehr Aroma erhalten,
2) die lauwarme Bete in sehr dünne Scheiben geschnitten,
3) nur mit Maldon Sea Salt gewürzt,
4) statt Mozzarella Burrata, meine neue kulinarische Liebe, verwendet, aus dem einfachen Grund, weil der beste Käsehändler Berlins eine hatte,
5) die Fave weggelassen, weil ich keine frischen gefunden hatte und
6) Mandeln darüber gestreut, weil die besser zum Bärlauch-Mandelpesto passen.
Voller Erfolg. Hat dieses Mal auch mir einwandfrei geschmeckt. Nächstes Mal dann mit Pistazien.

Auch das Hauptgericht war ein zweiter Versuch und auch dieser deutlich besser gelungen als der erste wegen
1) mehr Soße und
2) – ich muss es leider zugeben – nicht selbstgemachten, sondern getrockneten Cannelloni. Da reden wir ein andermal drüber…
Das Rezept stammt aus Italien vegetarisch, es geht um Cannelloni mit Ricotta und Spinat mit Bechamelsauce. Ich bin der Variation gefolgt und habe die Bechamel- durch Tomatensauce und den Spinat durch Mangold ersetzt. Dafür habe ich die Cannelloni außer mit Parmesan auch mit Büffelmozzarella überbacken. Alles zusammen: total lecker. Und gar nicht so viel Arbeit, nachdem ich darauf gekommen bin, die Cannelloni nicht mit dem Löffel füllen zu wollen, sondern mit der Spritztülle.

Also: Tomatensugo nach eigenem Rezept herstellen, ich bin auch hier Claudio del Principe gefolgt, der da sagt: Zwiebel ODER Knoblauch in gutem Olivenöl, und davon nicht zu wenig, angehen lassen, passierte Tomaten aus dem Glas oder Dosentomaten oder reife, aromatische Tomaten, die es hier fast nicht mehr gibt und gewiss nicht im April, bester Qualität verwenden, köcheln lassen, bis die Konsistenz passt, gut salzen, vorsichtig pfeffern, eventuell Geschmackvolles erst am Schluss ran, z.B. frischen Basilikum. Oder so. Ich habe Sauce von zwei kleinen Dosen Tomaten gemacht.

Mangoldblätter (die Mengenangabe für Spinat ist 500g, da die Strünke wegfallen, ist das für den Mangold zu wenig; ich hatte ca. 800 g) von den Strünken trennen, – vielleicht haben Sie für diese eine andere Verwendung? – waschen und in kochendem Salzwasser blanchieren, gut ausdrücken und klein hacken. 400g Ricotta cremig schlagen, 2 Eier mit 100g Parmesan verquirlen, mit dem Spinat/Mangold zum Ricotta geben, mit Salz, Pfeffer und ein wenig Muskatnuss würzen. Ein bisschen Sauce in eine Auflaufform geben, darauf dann die gefüllten Cannelloni (ca. 16 Stück, bei mir waren es, glaube ich, zwei mehr, und, ja, – falls Sie sich das fragen – in einer 250 g Packung sind mehr als 16), darauf wieder Sauce, mit Mozzarella, wenn gewünscht, belegen, nur geriebenen Parmesan darüberstreuen tut es auch.

Der Ofen war natürlich bereits auf 200° vorgeheizt, da kommt die ganze Angelegenheit jetzt rein und bleibt dort, bis der Käse appetitlich gebräunt ist, ca. 20 bis 30 Minuten. Im Rezept wird empfohlen, am Schluss für 5 Minuten für die Kruste die Grillfunktion zu nehmen, ich habe das weggelassen, weil meine Käsedecke eh eher von der weich-schmelzigen Sorte war. Meiner Meinung nach ist das kein Essen, dass ofenheiß gegessen werden muss, man kann es getrost erst noch kurz ruhen lassen, gerne auch ein paar Minuten länger als die 1-2 angegebenen.

Zum Nachtisch gab es aus dem Neuen Bayrischen Kochbuch von Alfons Schuhbeck die „Karamellisierte Rahmcreme“, um nicht zu sagen „Crème Brulée“, denn als solche passte sie ja dann nicht mehr ins Bayerische Kochbuch. Eine Panna Cotta im Übrigen schon, die läuft dort nicht unter Sahnepudding. Aber München ist halt schon irgendwie auch Italien.

Trotz meiner mehr als ambivalenten Haltung gegenüber Alfons Schuhbeck ist dieses Kochbuch eines meiner Standardwerke. Nirgendwo darin wird empfohlen, doch lieber die Fertigsuppen von Escoffier zu verwenden oder gleich bei McDonalds zu Abend zu essen, noch kommen seine eigenen Gewürzmischungen, auch schon gelegentlich mit Geschmacksverstärker versetzt, in den Rezepten vor. Es handelt sich einfach um ein Kochbuch mit – mehr oder weniger bayrischen – Standardgerichten, die durch kleine Raffinessen und ein bisschen mehr Aufwand große Wirkung erzielen; mit Rezepten, die zum allergrößten Teil höchst verlässlich und sauber recherchiert und dokumentiert erscheinen.

So funktioniert auch die Rahmcreme jedes Mal, bis auf die Karamellproblematik, die ich aber nicht dem Rezept und auch nicht Alfons Schuhbeck in die Schuhe schieben kann. Ich kann mit dem blöden kleinen Bunsenbrenner, den wir zu diesem Zweck unser eigen nennen, nicht umgehen. Bis unsere Grillfunktion den Zucker karamellisiert hat, ist leider die ganze Crème wieder warm und nichts ist es mit dem Kontrapunkt, den die kalte Creme gegenüber der warmen, knackigen Karamellschicht setzt. Schmecken tut sie trotzdem. Das war das Einzige, was vielleicht an diesem Freitagsabendsdoppelkopfessen in meinen Augen nicht ganz rund war. Die Unterhaltung war sowieso und erwartbar über jeden Zweifel erhaben. Und ja, ich habe an dem Abend gewonnen. Und nein, ich glaube nicht, dass das irgendetwas mit dem vorhergehenden Essen zu tun hatte.

Für den Rest des Wochenendes zeichnet kulinarisch der Mann verantwortlich, nämlich mit den schönsten und leckersten belegten Broten am Samstag abend, und es ist nicht übertrieben, dass ich für seine belegten Brote so manche warme Mahlzeit stehen lasse, weil sie nicht nur durch ihr gutes Aussehen punkten, und mit Torte und Hauptgericht für den Sonntag.

Da hatten wir nochmal liebe Gäste, welche, von denen, die wir leider viel zu selten sehen. Es gab Fenchelhuhn (ein großartiges Standardrezept des Mannes nach Poletto) mit selbstgebackenem Weißbrot (von mir; ein erster, ganz gelungener, aber nicht umwerfender Versuch; insgesamt scheint es sich bei diesem Thema um eine solche Wissenschaft zu handeln, dass ich noch nicht weiß, ob ich mich weiter damit beschäftige). Und zum Nachmittagskaffee süchtig machende Zimtwecken und eine sizilianische Ostertorte, die mir leider zu mächtig ist und zu „kandiert“ schmeckt – ich mag kandierte Früchte nicht, ebenso wenig wie Zitronat und Orangeat. Den Gästen hat sie augenscheinlich gemundet, aber mehr als ein Stück haben sie leider auch nicht geschafft…

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Spinat mit Kartoffeln und Ei. Nicht, dass ich dafür wirklich ein Rezept bräuchte, nein, ich bin nur nicht mehr auf die Idee gekommen. Ich hatte das Konzept vergessen. Dabei geht es schnell, unkompliziert und ist gut. Und schmeckt, zumindest in Teilen, vermutlich auch den Kindern.

Ganz schnell geht es allerdings nicht, wenn man frischen Spinat nimmt, denn der will ja erst ordentlich gesäubert sein. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland scheint das Gericht geläufig, ich schaute in beide kochbücher für Inspiration, wollte eigentlich von der Nachbarin das pochierte Ei machen und die grandiose Idee übernehmen, statt Knoblauch einfach einen Bund Bärlauch mit zu verarbeiten. Dafür habe ich aus dem „deutschen“ Rezept, dass man statt der nicht sehr geliebten Salzkartoffeln einfach Kartoffelstampf dazu machen kann.

Im Endeffekt habe ich dann gar nichts gemacht, weil mich eine elterliche Pflicht gehindert hat, sondern dankenswerter Weise hat sich der Mann dem Gericht angenommen. Mit Kartoffelstampf, Bärlauch, Spiegel- sowie Rührei für die Kinder. Und ich musste mich nur an den Tisch setzen und durfte genießen. Sogar die kleine Tochter hat Spinat nachverlangt. Obwohl sie den gar nicht mag. Noch nie. Überhaupt nicht.

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Begeistert hat mich die Biskuitrolle aus Österreich vegetarisch. Mit der von meiner Mutter selbstgemachten Aprikosenmarmelade. Erdbeer wäre auch gegangen. Aber es muss richtig gute Marmelade sein. Mit Sahne und Erdbeeren mag ich die Roulade auch, aber wenn kein ordentliches Obst mehr und noch nicht zu haben ist, dann ist eine fein aromatische Marmelade eine gute Alternative.

Wenn ich mich nicht täusche, gab es Bikuitrolle mit Marmelade früher auch bei meiner Großmutter. Auf jeden Fall erinnert es an Kindheit. Auch dafür liebe ich dieses Rezept. Seit ich weiß, wie man einen Biskuitteig zum Rollen bringt, ohne, dass er bricht, mache ich die Roulade bedenkenlos (Achtung, der im Video beschriebene Teig wird anders hergestellt als dieser hier). Das Einzige, was mich jetzt noch davon abhalten könnte, ist das gefühlt stundenlange Schlagen der Eimasse, denn ohne das wird er nicht: ganz leicht und fluffig und schwammartig.

Das ist es dann auch im Endeffekt, was es braucht zum Gelingen: eine gute Füllung und Schlagkraft. Im Gegensatz zum Teig aus der oben verlinkten Vorführung kommt dieser ohne Stärke und Backpulver aus. Ich habe nichts gegen Stärke und Backpulver, aber ich finde, es schmeckt besser ohne. Allerdings – habe ich das schon erwähnt? – man muss recht lang schlagen.

Und so geht es: Backofen auf 190 – 200 Grad vorheizen. 4 Eier mit 100 g Kristallzucker, 1 Essl. Vanillezucker, einer Prise Salz und dem Zitronenabrieb einer halben Zitrone über Wasserdampf cremig aufschlagen. Im Rezept steht mit dem Schneebesen. Als ich nicht mehr konnte, habe ich das elektrische Rührgerät dafür genommen – bei mir hat es funktioniert. Mit selbigem wird die ganze Masse dann ohne Dampf so lange gerührt bis sie wieder kalt ist. Dann sollte sie deutlich mehr Volumen angenommen haben. Da drunter zieht man vorsichtig 100 g Mehl.

Dann wird das Ganze gleichmäßig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech gestrichen. Backpapier statt Fett ist essentiell, habe ich gelesen. 6-8 Minuten backen, bis er eine appetitliche Farbe hat. Zu dunkel geht relativ schnell….Den gebackenen Teig kippen Sie mitsamt Papier auf ein vorbereitetes und eingezuckertes Tuch. Oder noch mal auf ein Backpapier. Tuch rutscht nicht so leicht weg, Backpapier ist weniger Schweinerei, denn wohin danach mit dem eingezuckerten Küchentuch?

Mit einem Pinsel das am Teig haftende Papier mit kaltem Wasser bestreichen, dann lässt es sich gut lösen. Und jetzt rollen Sie die noch heiße Platte mit Hilfe von Tuch oder Backpapier sofort ein, lassen sie auskühlen und können sie ab dann aus- und einrollen, wie Sie lustig sind – sie bricht dann nicht mehr. Also jedenfalls nicht bei ein-, zweimal Aus- und Einrollen. Aber wozu sollten Sie das noch öfter tun? Eigentlich muss ja nur einmal ausgerollt, die Marmelade, der Quark, die Sahne mit den Erdbeeren aufgestrichen und wieder eingerollt werden. Fertig. So lecker. Und wenn man das einmal Schritt für Schritt gemacht hat auch: einfach und schnell.

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Zum Filmabend gab es letzte Woche Pasta mit Artischocken und Erbsen aus Italien vegetarisch.

Erste echte Erbsen

Erste echte Erbsen

Die Antwort, auf die Frage, wie es geschmeckt hat, hängt von den Befragten ab: der Mann mochte die Artischocken nicht, ich habe ihn im Verdacht, eventuell Artischocken gar nicht zu mögen, denn ich fand sie das Beste am Ganzen. Der liebe Freund war begeistert. Die kleine Tochter hat sich erst komplett verweigert, denn: sie mag ja keine Pilze. Auch dann nicht, wenn die Pilze Artischocken heißen. Die Nudeln ohne Fremdkörper, aber mit Kräutern fanden ihre Gnade. Bei mir war es schwierig: ich hatte überlegt, die im Rezept aufgeführte Minze wegzulassen, denn Minze in meinem Essen und in meiner Schokolade stehe ich eher ambivalent gegenüber. Das kann gut gehen, muss aber nicht. Dann wollte ich nicht so ein Feigling sein und habe sie eben doch dazu gegeben. Naja.

Es kann übrigens gut sein, dass das „Naja“ an der Art der Minze lag, vielleicht hätte eine andere Sorte besser gepasst. Aber ich hatte nur die, von der ich nicht einmal weiß, welche es war. Beim Aufwärmen hat sie deutlich weniger herausgeschmeckt, und schon kam ich besser mit dem Gericht klar. Für die anderen – auch die kleine Tochter – stellte die Minze übrigens kein Problem dar. Wahrscheinlich würden sie auch Lamm mit Minzsoße essen…sofern sie denn Lamm essen würden.

Und so macht man das: Erstmal 4 kleine (bei mir: 3 große) Artischocken (laut Rezept am besten Albenga, Brindisino oder Violetto, ist jetzt in Berlin nicht so ganz leicht zu finden, ich war froh, überhaupt irgendwelche zu bekommen – siehe auch Minze) putzen: eine ziemliche Arbeit und viel Abfall. Ich bin da keine Expertin, ich glaube, das muss man auch ein bisschen ausprobieren. Ganz wichtig: stellen Sie vorher eine Schüssel mit Zitronenwasser bereit, in die jedes bearbeitete Artischockenteil gleich eingetaucht wird, damit es sich nicht unansehnlich verfärbt. Stiel kürzen, äußere Blätter abzupfen bis sie heller werden. Dann die verbliebenen Blätter großzügig abschneiden und die Artischocke von unten nach oben schälen, vierteln, die weichen lila Blätter aus der Mitte entfernen und das Heu wegkratzen, eventuell noch dunkle oder harte Blattteile nochmal wegschneiden, ins Zitronenwasser damit.

Oder schauen Sie mal bei Youtube nach einer Anleitung.

8 Essl. Olivenöl in einer Pfanne erwärmen, eine angedrückte Knoblauchzehe und ein Lorbeerblatt zum Aromatisieren dazugeben, wieder entfernen und dann die ganz nassen Artischockenviertel direkt aus dem Zitronenwasser in die Pfanne geben, Salz und Pfeffer drauf und zugedeckt ca. 30 Minuten schmoren lassen. Erbsen, wenn frisch, palen, eine fein gewürfelte Zwiebel in 4 Essl. Olivenöl weichschmoren, die Erbsen dazu und knapp mit Wasser bedeckt 15 Minuten köcheln. Jetzt wird noch ein kleiner Bund Petersilie und – wer mag – Minze (vorzugsweise „Italienische Bergminze“, ich glaube auch unter Römische Minze bekannt; ich werde mal bei den Kräuterleuten gucken gehen. Oder sehen, dass ich auf dem Augsburger Stadtmarkt einen Topf ergattern kann) feingehackt.

Tropfnasse Pasta, Erbsen und Kräuter unter die Artischocken mischen, wer will, noch mehr gutes Olivenöl darüberträufeln und fertig. Im Rezept wird eine Pastasorte namens Spatzenzungen angegeben, ich kenne sie nicht, habe auf den Alternativvorschlag Tagliatelle zurück gegriffen. Ich fand es war – mit den genannten Abstrichen – ein großartiges Frühlingsessen.

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