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Archive for the ‘Kulturratschlag’ Category

Susanne Albrecht war beteiligt am Mord an Jürgen Ponto. Ihre kleine Schwester Julia hat darüber einen sehr privaten Film, Die Folgen der Tat gemacht, der dennoch weit über eine reine Aufarbeitung von Familiengeschichte hinausgeht. Sie können ihn augenblicklich noch in der Mediathek der ARD sehen. Tun Sie das.

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In meiner Erfahrung gibt es drei Arten von Chören, mal grob gesagt:

Da sind einmal diejenigen, oft pop- oder jazzorientiert, die singen Stücke, die ursprünglich nicht für einen Chor konzipiert wurden. Das macht Spaß, wie ich selbst weiß, weil ich das schon mehrmals in meinem Leben praktiziert habe.

Zum Zuhören sind sie oft – nun ja, nett. Nur nett, denn man merkt dem Stück an, dass es nicht für diese Verwendung gedacht war und, ehrlich gesagt, außer dem Spaß für die Sänger wird manchmal denjenigen, die zuhören, nicht ganz klar, was sie davon haben, das nun von einem Chor gesungen zu bekommen.

Dann gibt es die klassische Variante, Chöre, die meist in einem Bereich zugange sind, den ich hauptsächlich der Kirchenmusik zuordnen würde. Das geht von ganz Klassischem zu sehr Abseitigem, und wenn der Chor ein qualitativ guter ist, dann ist das oft sehr schön, die Stücke in der richtigen „Instrumentierung“ zu erleben, das passt dann.

Und dann weiß ich seit gut einem Jahr, seit einer Chorkonzertnacht im Radialsystem, die so leider dieses Jahr nicht wiederholt wurde, dass es auch solche Ensembles gibt, bei denen ist es völlig egal, wofür und von wem das Stück geschrieben und arrangiert wurde. Die machen daraus ein Chorstück, Ihr eigenes, etwas, das nur eine Vielzahl von Stimmen so schön und so gelungen und so perfekt darbieten kann. Geräusche, Dissonanzen, Stille, Improvisation spielen häufig eine Rolle. Der Raum wird genutzt, das Publikum oder der Dialog mit anderem Gesang oder Instrumenten. Manchmal ist es auch die spezielle Präsentation, die die Lieder in dieser Art dargebracht zu etwas Besonderem werden lässt.

Wer sich vor allem von der zweiten und dritten Kategorie angesprochen fühlt, der sollte die Konzerte der Sonntagskonzertreihe des Chorverbandes im Kammermusiksaal der Philharmonie einmal besuchen, diese Gelegenheit besteht dieses Jahr noch drei Sonntagnachmittage um vier, ab Januar 2016 hoffentlich wieder sechsmal, auch als Abonnement zu 2,3,4,5 oder 6 Konzerten erhältlich. Doch schon der Einzelpreis ist mit 10 Euro für die beste Kategorie mehr als fair für diese Qualität.

Ich war letztes Jahr schon mal da und gestern wieder und das Einzige, was ich sehr schade fand, waren die nicht vollständig gefüllten Reihen, denn das hätten alle drei Chöre mit ihren hervorragenden Sängern, Sängerinnen und sonstigen Verantwortlichen mehr als verdient. Berlin verpasst da was und ich verstehe nicht wieso. Sonst ist es doch auch überall dabei…

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Je älter ich werde, desto mehr weiß ich gewisse Dinge aus der mal enger, mal weiter gefassten Gegend, aus der ich komme, zu schätzen. Von den Menschen, die dort geblieben sind, mal ganz abgesehen, sind das, um nur einige zu nennen, Weißwürste und Leberkäse, Bergwiesen, helles Bier, viel Schnee – und das zweite Radioprogramm des Bayrischen Rundfunks. Wer hier schon länger mitliest, weiß das alles bereits.

Ebenfalls bekannt ist denjenigen, dass ich auf den Fahrten in die alte Heimat in dem Moment, in dem ich die Brückenraststätte Frankenwald passiert habe, anfange, das Autoradio zu trietzen, bis es Bayern 2 gefunden hat. Auf der Rückfahrt wird die Reichweite ausgereizt, bis nichts mehr zu verstehen ist, was erstaunlich schnell geschieht, wenn man die Grenze zu Thüringen überschritten hat.

Das alles mag ziemlich zum Leidwesen der häufig jungen MitfahrerInnen geschehen, die auf der Suche nach einer günstigen Reisemöglichkeit auf mich im einschlägigen Mitfahrgelegenheitsportal gestoßen sind. Mir wenigstens wäre Anfang 20 eine solche Person am Steuer schrecklich alt vorgekommen. Aber da müssen sie durch. Mit der Familie ist das schwieriger.

Mein Mitfahrer auf dem Weg nach Augsburg war dieses Mal ein zurückhaltender, vielleicht auch, weil es ihm nicht ganz leicht fiel, Deutsch zu sprechen und zu verstehen. Mir war es recht, ich war nicht in Plauderlaune. Die Mitteldeutscherundfunksvermeidungs-CD war gerade zu Ende, als wir nach Bayern hineinfuhren. Der Lieblingssender war schnell gefunden, aber im ersten Moment war ich nicht sicher, ob die Anzeige des Radios richtig liegt: die Musik klang außergewöhnlich orientalisch in meinen Ohren und ich dachte, einen Weltmusik- oder einen Fremdsprachensender erwischt zu haben.

Bevor ich aber weitersuchen konnte, bat mich der Beifahrer, die Musik ein bisschen lauter zu stellen, ein Wunsch, dem ich natürlich nachkam. Und siehe da: wir waren beim „Breitengrad“ gelandet, der samstäglich/mittwöchigen Auslandreportage, in der es in diesem Fall um Jugend und Heiraten in Marokko ging, dazu die mich orientalisch anmutende Musik, Hochzeitsmusik marokkanischer Herkunft.

Ob mein Mitfahrer die Reportage mochte, ob er genügend davon verstanden hat, um das zu beurteilen – ich weiß es nicht, obwohl auch ein solches Gespräch sehr spannend gewesen wäre. Aber wir genossen beide zu sehr, nicht reden zu müssen, die Fahrt verlief auf eine angenehme Weise schweigend, zuhörend, in freundlicher Stimmung.

Mit der jungen Frau auf der Rückfahrt hatte ich mehr Gesprächsstoff, wir unterhielten uns phasenweise angeregt, mit Pausen, in denen sie versuchte zu schlafen und sich und die angestrengten Stimmbänder von ihrer schweren Erkältung zu erholen. In einer solchen Pause machte ich das Radio an, um nicht selbst wegzuschlummern. Das allerdings führte dazu, dass es auch ihr nicht gelang, ganz zur Ruhe zu kommen. Grund war offenbar nicht, dass sie sich vom Gerede gestört fühlte, sondern dass sie den Bericht über „Die Lebensaufgabe der Sintiza Rita Prigmore“ so spannend fand, dass sie nicht aufhören konnte zuzuhören.

Nach dem Hinweis auf das nachmittägliche Hörspiel – Die Blendung von Elias Canetti – fragte sie interessiert, was das denn für ein hervorragender Radiosender sei. Leider kam das Hörspiel für uns außer Reichweite, aber häufig lassen sich die Hörspiele, und auch andere Sendungen, auf der Webseite herunterladen.

Neuerdings überlege ich, ob ich nicht gleich bei der Suche nach Mitfahrenden angebe: Interesse an hochwertiger Radiounterhaltung von Vorteil.

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…auf die ich mich besonders freue:

Die aserbeidschanisch-deutsche Koproduktion „Die Schaukel des Sargmachers.“ Schon allein wegen des Titels

Drei Animationsfilme aus drei verschiedenen Ländern, die sich mit Nationalsozialismus beschäftigen: „Dresden“ aus den USA, „Andersartig“ aus Deutschland und „Witness No. 501“ aus Schweden. „Dresden“ ist übrigens von Tahnee Gehm, deren Animation „Can we be happy now“ letztes Jahr auf dem REC lief.

Eine Dokumentation über nächtliche Müllentsorgung in der Stadt, die niemals schläft: „We pick it up“.

Erfahrungsgemäß ist es der Rest auch wert, dass ich die nächsten drei Abende in der Weissen Rose verbringe.

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Ab morgen ist wieder REC in Berlin. Das von der Öffentlichkeit zu Unrecht vernachlässigte Filmfestival, auf dem von Mittwoch bis Samstag Filme nicht unbedingt nur für 6-27-jährige, aber ausschließlich von 6-27-jährigen gezeigt werden, wegen der großen Altersspanne in zwei Sektionen.

Im REC for Kids laufen die Werke der 6 bis 15-jährigen an den Vormittagen von 9-13 Uhr mit medienpädagogischer Moderation, das REC – Junges Internationales Filmfestival findet dann jeweils an den Abenden statt, am Mittwoch ab 18 Uhr, Donnerstag und Freitag ab 19 Uhr – mit Filmen und kurzem Juryfeedback zwischen den Blöcken. Einsteigen kann man jederzeit, weil es sich um eher kürzere Filme in zwei 1 1/2 stündigen Einheiten handelt, und es macht auch Spaß, im schönen Foyer der Weissen Rose noch ein Glas Wein oder eine Bionade zu trinken, während man auf den Beginn des nächsten (Kurz-)films wartet.

Dort kann man sich auch ein bisschen mit den Machern des Festivals unterhalten, vielleicht auch mit dem einen oder der anderen angereisten Filmemacher/in oder einem der Jurymitglieder aus den verschiedensten Bereichen des Films und der Medienpädagogik. Denn ausgezeichnet werden die besten Filme, gestaffelt nach Altersgruppen, auch. Oder nominiert für andere internationale Nachwuchsfestivals. Oder sie bekommen vom Dokumentarfilmfestival in Leipzig den DOK-Clip verliehen.

Die Preisverleihung ist am Samstagnachmittag, nach der Vorführung von Axel Ranischs „Reuber“ – auf den ich mich ganz besonders freue – und dem Familienprogramm, einer Auswahl aus den Filmen der vorhergehenden Tage.

Das genaue Programm findet sich hier, mehr Informationen hier, den Katalog gibt es vor Ort.

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Vorsätze gebrochen I

Ich hatte abgeschlossen mit Tarantino. Nach Jackie Brown. Ich hatte das Gefühl, alles gesehen zu haben und nun ist gut mit inszeniertem Blutgespritze. Kein Interesse mehr.

Bis Inglorious Basterds habe ich durchgehalten. Bei Kill Bill ein bisschen gewackelt. Kill Bill 2 vor allem nicht gesehen, weil ich Kill Bill 1 nicht gesehen hatte.

Jetzt bin ich schwach geworden: alle, ausnahmslos alle, die ich kenne und ihn gesehen haben, waren begeistert von Django Unchained. Und darunter mehrere, deren Argumentation ich folgen konnte und/oder deren Filmgeschmack ich hochschätze.

Das Ergebnis: ich habe abgeschlossen mit Tarantino. Das war okay, brilliant war es nicht. Kein neues Pulp Fiction. Im Kern ein ziemlich archaisch anmutender Macho-Rachefeldzug. Alles schon mal gesehen, alles schon mal gehört. Außer vielleicht Christoph Walz. Der war toll, charmant und herrlich anzuhören. Der war es fast wert, finde ich.

Die Verwendung der Sklaverei, der Elends, der Unterdrückung, der Demütigung war in meinen Augen reine Kulisse für Tarantinos Gewaltästhetisierung und das kunterbunte und wohl auch gekonnte Zitieren aus der Filmgeschichte der letzten hundert Jahre. Das mochte ich nicht.

Also. Die nächsten vier bis fünf Tarantinos werden keine Chance bei mir haben. Glaube ich. Wahrscheinlich. Aber er überlegt ja wohl sowieso, das Medium zu wechseln und Bücher zu schreiben. Denen entgehe ich leichter als den Filmen.

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Bochum. Neben anderem hieß das für mich auch: allein in der fremden Stadt. Ich war zweimal im Kino, im Union und im Casablanca, zwei auch in ihren kleineren Sälen ansprechende Kinos, habe Lincoln und Hannah Arendt gesehen und war von beiden sehr angetan.

Von Lincoln, weil es gutes Erzählkino ist, 145 Minuten, keine davon langweilig. Unterhaltend im guten Sinn, ein zutiefst befriedigendes Kinoerlebnis, einer der Lieblingsschauspieler in einer für ihn perfekten Rolle.

Hannah Arendt hat mich beschäftigt. Das Prinzip durch differenziertes Denken zu anderen Schlüssen zu kommen als zu den momentan und in einem bestimmten Kreis ‚erlaubten‘. Rational zu sein und die Emotion – der anderen und die eigene – zu vernachlässigen. Die Erfahrung, dass wenige sich die Mühe machen, genau hinzuhören, alles zu lesen, mitzudenken. Aber auch: das Schwelgen in der eigenen intellektuellen Brillianz, das keinen Raum lässt für Sensibilität, für Schmerz, Leid, auch Hass, berechtigten Hass?

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