Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Kulturratschlag’ Category

Früh im Jahr war ich mit dem Mann als unser gegenseitiges Weihnachtsgeschenk in Prag, seit langer Zeit einmal wieder eine große Liebe der anderen Art besucht. In dem Zusammenhang hat mir eine der Besten – ausgesprochene Pragliebhaberin und -kennerin – Nachts unter der steinernen Brücke von Leo Perutz empfohlen, das ich uns dann dort zugelegt und im Lauf der letzten Monate unter den Stapeln der noch nicht gelesenen Büchern aus den Augen verloren habe.

Gott sei Dank habe ich es wieder gefunden, sonst wäre mir dieser großartige Fabulierer entgangen. Geschichte und Geschichten, verwoben zu einem Roman um Prag, den Kaiser, die Judenstadt, die schöne Ester, Rabbi Löw und den Streit der Engel.

Einer von ihnen, Asael, fragt den Rabbi:

„Ihr Menschenkinder“, sprach der Engel weiter, „gar arm und voll von Kümmernissen ist Euer Leben. Warum beschwert Ihr es mit der Liebe, die Euch den Sinn verstört und Eure Herzen elend macht?“

Ich überlege, ob ich vielleicht lieber Engel geworden wäre?

Read Full Post »

Die kurze Dokumentation „Noen Gang“ der Filmphantomes aus Norwegen war einer meiner persönlichen Favoriten dieses Jahr.

Read Full Post »

Ganz vernarrt bin ich in die Arbeit des Studio Da: um Verständigung, Klang und Bedeutungen geht es in der kurzen Animation, die die Trickkünstler mit russischen und deutschen Kindern mit Behinderungen in den vier Tagen des Festivals geschaffen haben.

Read Full Post »

Gestern ging das 21. REC for Kids zu Ende. Vielleicht schreibe ich über das geliebte Kinder- und Jugendfilmfestival (Filme VON Kindern und Jugendlichen) die Tage noch ein wenig mehr. Für heute nur ein erster Link zu Filmen, die dort im Programm waren, um zu sehen, wie großartig dieses ist:
1) Can we be happy now: eine bezaubernde Animation von Tahnee Gehm, USA

Read Full Post »

Als ich die U-Bahntreppen hinunterlief, war ich froh, dem intensiven Regenschauer zu entkommen und mein nur halbseitig zu verschließendes Plastikcape loszuwerden. Beim Herauskommen aus der U-Bahn konnte ich immerhin die Knöpfe am Hals offen und die Kapuze unten lassen – es regnete immer noch unablässig, aber weicher, weniger störend.

Viele Leute standen auf dem Weg zur Veranstaltung, versuchten Karten loszuwerden. Ob sie es geschafft haben? Ich bezweifle es, bei diesem Wetter. Kein Mitleid für die Schacherer, so es welche gab. Pech für diejenigen, die sich nicht den Tod holen wollten bei einem Open-Air-Konzert im Rahmen des Citadel Music Festivals an diesem graunassen Juniabend.

Nur wenige Künstler wären es wert, dass man sich ihretwegen den Tod holt, meine ich; auch nicht Lou Reed. Aber: das Wetter passt zu ihm und seiner Musik. Ein lauer Abend mit den hellen Lichtern der längsten Tage, das ist zu rund, zu gefällig, zu sehr Idylle. Lou Reed klang wie – Lou Reed. Nicht nur so wie man es erwartet, sondern so wie man ihn mag, wie ich ihn mag. Zeitlos, bedeutungsvoll, die Stimme ist erstaunlicherweise nicht alt geworden. Der, zu dem sie gehört, ist immerhin um die 70.

Ich war mit Freunden da, die ich nicht oft sehe. Auch das hat gut getan, die Stimmung war unaufgeregt, die Gespräche wie immer inspirierend, das Bedauern über die wieder einmal zu kurze gemeinsame Zeit aufrichtig. Nach knapp zwei Stunden war Schluss. Aber auch das hatte irgendwie seine Richtigkeit.

Lou Reed hat vieles erzählt – ausschließlich über die Musik, es gab kaum Ansprache ans Publikum, außer die zweimalge Vorstellung der Musiker, am Schluss sagt er: „Thank you for having us.“ Der Dank ist ganz auf meiner Seite. Mit den Freunden habe ich das Netz wieder ein bisschen enger, ein bisschen haltbarer gesponnen.

Die Feuchtigkeit wurde jetzt langsam zu kühl, die Vorstellung von heißem Tee, warmer Dusche und Sich-unter-eine Decke-Kuscheln wurde übermächtig. Mit mir auf dem Rückweg: viele grau- und langhaarige Männer und Frauen, ein paar Junge, alle sahen zufrieden aus, hatten bekommen, auf was sie sich gefreut hatten. Schön wars.

Und weil er es gestern nicht gespielt hat:

Read Full Post »

Am Sonntag war ein vegetarischer Freund zu Gast. Ich konnte mich austoben: drei Gänge gänzlich ohne Fleisch. Die Herren waren wandern, ich habe Kinder ins Theater ausgeführt.

Kleiner Einschub zum Thema Kultur mit Kind in Berlin: Hans Wurst Nachfahren sind verlässlich gut, auch für Erwachsene mehr als nur zu ertragen. Es gibt ein kleines Cafe zum Draußensitzen. Üblicherweise wird es voll. Richtig voll, weshalb man nicht zu lange im Cafe draußen verweilt, sondern sich ca. 20 Minuten vor Beginn an die Saaltüre stellt, um dann nicht in der letzten oberen Ecke die nächsten 45 Minuten mit je einem Kind auf dem angewinkelten Knie zu verbringen. Vorbestellen ist ratsam. Ich war mir beim „Sängerkrieg der Heidehasen“ nicht ganz sicher mit der Altersangabe. Für 4-jährige finde ich es teilweise noch schwer zu verstehen, außer natürlich für diejenigen, die den anderen sowieso weit voraus sind. Aber mit denen kann man ja dann auch schon in die Deutsche Oper gehen. Für die anderen schien es mir, wie gesagt, ein wenig ambitioniert. Den beiden mitgebrachten Kindern, 4 Jahre, hat es allerdings trotzdem gefallen, auch wenn sie die Geschichte nicht ganz nachvollziehen konnten.

Wieder zu Hause gab es bei lamiacucina entdeckte Rote Bete Caprese allerdings ohne Pistazienpesto, weil ein solches Pesto aber mit Mandeln ja schon letzte Woche entstanden war. Daher gab es auch keinen Essig in meinem Pesto, so dass ich den getrennt darüber geträufelt habe. Irgendwie ist er aber nicht wieder aufgetaucht im Geschmackserlebnis. An sich ist das Gericht toll, bei mir fehlte es an Würze für den doch sehr subtilen Geschmack von Fave, Mozzarella und leider auch der Roten Bete. Meersalz und Balsamico wurden offenbar aufgesaugt. Mein Tipp fürs nächste Mal: ganz neue junge Randen, nicht ganz weich gekocht, dünner geschnitten als ich das getan habe und wie im Rezept angegeben noch lauwarm auf den Tisch gebracht und man hat ein großartiges Essen, das farblich kaum zu überbieten ist.

Die Lauchquiche aus dem goldenen Vegetarisch-Kochbuch von Gräfe und Unzer war weder raffiniert noch schwierig, hat auch gut einen Teil Dinkelvollkornmehl vertragen und prima geschmeckt, obwohl sie zu lange im Ofen gestanden hatte. Ungewöhnlich fand ich das Wasser im Mürbteig, das sich extrem vorteilhaft auf die Handhabbarkeit des Teigs auswirkt. Die Füllung besteht aus 3 Stangen feingeschnittenem, gedünstetem Lauch, 150 g Creme Fraiche, 4 Eiern, 100 ml Milch, 200 g Bergkäse, Salz, Pfeffer, Gewürz nach Wahl wie Muskatnuss, Paprika, bei Bedarf auch etwas Schärferes.

Dazu einen einfachen Blattsalat, bei mir war es Romana, mit einer – Lob muss auch mal sein – nahezu perfekt gemischten Vinaigrette aus Brombeeressig, Salz, Pfeffer, Apfelsaft und Sonnenblumenöl.

Dessert war ein bewährtes, gut gelungenes, und selbst vom kritischsten Esser am Tisch gelobtes Quarkmousse mit Heidelbeerkompott, wobei sich hier für mich einmal wieder bewahrheitete, dass ich lieber mit saisonalen frischen Früchten arbeite als mit Tiefkühlkost und Zuchtheidelbeeren sowieso nicht viel abgewinnen kann. An die Zutaten für das Pistazienkrokant hatte ich dieses Mal nicht gedacht, das würde ich nächstes Mal wieder tun, denn das Krokant liefert das Tüpfelchen und kann vielleicht über das flache Aroma der TK-Heidelbeeren hinwegtrösten.

Netter Gast, schöner Abend, gutes Essen. So lobe ich mir den Wochenendausklang.

Read Full Post »

Kommenden Montag gehe ich ins Konzert. Und ins Kino. Pippo Pollina weilt in Berlin. Schon als Teenager hatte ich die Tendenz, mir die Bands immer wieder anzusehen. Über die damalige Auswahl schweige ich mich lieber aus, oft habe ich es auch nur zwei- oder dreimal geschafft, da ich sie erst entdeckt hatt,e als ihr Stern bereits im Sinken begriffen war. Gelegentlich auch fast nicht mehr zu sehen. Pippo Pollina habe ich nun schon viermal gesehen und gehört und von Sinken kann bei diesem Stern keine Rede sein.

Unter anderem liegt es sicher daran, dass Pippo Pollina ein ausgezeichneter Musiker ist, der es mir von einem zum anderen Mal gar nicht erlaubt, seine Musik langweilig zu finden. Weder, wenn er alleine mit der Gitarre und Klavier auf der Bühne zugegen ist, noch wenn er von anderen exzellenten Künstlerinnen begleitet wird wie z.B. letztes Jahr von den vier Streicherinnen des Piccola Orchestra Altamarea. Geschichten erzählen kann und tut er auch – hier in Berlin üblicherweise auf Deutsch – humorvolle, nachdenkliche, bestürzende. Er ist ein Weltverbesserer und es gibt wenige Menschen, denen ich das abnehme. Wenn es irgendwer schafft, dann vielleicht Pippo Pollina mit seiner Musik.

Sein Projekt mit dem Jugend Sinfonieorchester Zürich wurde verfilmt, die Dokumentation „Zwischen Inseln“ über die Barrieren dieser Zusammenarbeit und die Überwindung derselben ist am Montag, 21.11.2011 im Babylon-Mitte in Berlin zu sehen. Und nicht nur das, danach spielt Pippo Pollina zusammen mit dem mir unbekannten Saxophonisten Roberto Petroli.

Der einfache Grund, warum ich schon wieder hingehe, ist, dass sich das Leben nach seinen Konzerten immer ein klein bisschen lebenswerter anfühlt.

Read Full Post »

Elvis Costello

Zuerst wollte ich eigentlich ganz viel über das hier schreiben. Aber das haben nun schon andere für mich erledigt. Nur kurz das, was der Tagesspiegel nicht weiß: ich wusste nicht, dass ich an dem Abend einen der ganz Großen zu sehen bekomme. Das war kein alter Herr, der das Portfolio der letzten 30 Jahre runterklampft, das ist ein besessener, großartiger Musiker, der in der Interpretation seiner Stücke Erstaunliches und Niegehörtes liefert. Ein Großmeister.

Mein Eindruck war, es hat ihm Freude gemacht und deshalb hat er zweieinhalb Stunden gespielt. Mich hat es begeistert und ich bin mehr denn je erstaunt, warum das einzige Deutschlandkonzert nicht ausverkauft war.

Read Full Post »

Gerade eben bin ich über den (D)FssgF 7 von Schnuppensuppe gestolpert. Die Idee im Groben: Vollblut- und Schmalspur-Foodblogger (Essen sollte gelegentlich Thema sein im eigenen Blog) schicken sich nach ausgeklügeltem System gegenseitig Leckereienpakete. Ich selbst mag gerade nicht teilnehmen, weil es mich überfordert. Deshalb schicke ich die Aufforderung an meine LeserInnenSchaft, unter der ich so manches Interesse an so was vermute: Macht mit, berichtet davon und dann schaffe ich es vielleicht bei einem nächsten Mal auch.
PS: Und jetzt funktioniert sogar der Link 😉

Read Full Post »

„Das Leben ist hart, aber das nehm‘ ich in Kauf.“ Schon lange keine so gute Liedzeile mehr gehört. Kompletter Text – hier.

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »