Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Kulturratschlag’ Category

Kurz vor dem Jahreswechsel überraschten uns die Gegebenheiten mit einem kinderlosen Abend. Dieses Mal wussten wir ihn spontan zu nutzen, gingen zum Lieblingskino in nächster Nähe, schauten, was es zu bieten hatte und einigten uns auf etwas, von dem wir beide keine Ahnung hatten: Beasts of the Southern Wild. Ich liebe diese Vorgehensweise. Und unseren Wohnort, der diese durch die Nähe zum Kant Kino überhaupt erst möglich macht.

Doch zurück zum Eigentlichen. Bisher habe ich nicht über den Film geschrieben und es fällt mir auch jetzt noch schwer. Denn zum ersten Mal seit langem hat mich ein Film sehr berührt, bei dem ich mir gleichzeitig schwer tue ihn zu verstehen, rational zu verstehen. Das kann ich auch jetzt noch nicht wirklich, aber ich akzeptiere langsam, dass es nicht notwendig ist. Denn dafür ist es ja ein Film geworden, keine soziologische Abhandlung. Es ist das, was diesen Film ausmacht: es ist für mich die Idealform von Film, sich in erster Linie auf die Bilder zu verlassen und sie nicht nur als Hintergrund für die zu treffende Aussage zu benutzen.

In den Sinn gekommen ist mir das Zauberwort „Magischer Realismus“, den ich aus der Literatur kenne: der Realismus einer Gioconda Belli, eines Gabriel Garcia Marquez und vor allem einer von mir vor Jahren sehr geschätzten Angela Carter, an deren Heroes and Villains ich zum ersten Mal seit Jahren gedacht habe. Dieser Roman einer nachzivilisatorischen Gesellschaft hat mich damals ähnlich fasziniert wie Beasts of the Southern Wild, obwohl ich sonst dem Genre der Utopie oder gar der Dystopie wenig zugeneigt bin.

Eine kurze Recherche im Netz ergibt, dass die Rezensenten dieses Romans in den Siebzigern ähnlich reagierten wie ich auf den Film: Das Buch ist intelligent, hervorragend geschrieben, verstörend. Und irgendwie unverständlich. Ich muss es mal wieder lesen und sehen, was ich heute darüber denke.

Über die grandiose Hauptdarstellerin der Hushpuppy, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, sage ich jetzt nichts mehr. Schauen Sie sich den Film doch selbst an, er hat sicher nicht zu Unrecht mehrere Auszeichnungen bekommen, darunter den Hauptpreis des Sundance Film Festivals und die Goldene Kamera in Cannes für den besten Debütfilm.

Read Full Post »

Kinogängerin

Als eine solche hätte ich mich früher auf jeden Fall bezeichnet. Eigentlich sogar als eine passionierte solche. Seit einigen Jahren lege ich Pause ein. Nicht, weil ich nicht mehr gerne ins Kino gehe, ich habe nicht mehr so viel Zeit zu meiner freien Verfügung. Ich gehe davon aus, dass sich das wieder ändern wird. Vielleicht ist es schon dabei, sich zu ändern.

Das wäre sehr praktisch, wenn ich mir die anstehenden Monate kinotechnisch betrachte. Ich war nämlich letztens in dem äußerst sehenswerten neuen Ken Loach-Film Angel’s Share. Sehenswert, weil der ausgeprägte Humor des Films und der Figuren nicht beschönigt. Weil der Underdog der Underdog bleibt, dieser eine mit einer echten Chance, was zu ändern, die anderen mit der Aussicht, dass es so bleibt, wie es ist. Natürlich steht Ken Loach auf der Seite der Verlierer im neoliberalen Großbritannien. Deshalb mag ich ihn ja so. Und natürlich verkörpert er auch das Prinzip Hoffnung. Sonst würde ich seine Filme nicht aushalten.

Vor der eigentlichen Vorstellung wurden wie immer mehrere Trailer gezeigt, dank derer ich jeden der dazugehörigen Filme sehen will, außer vielleicht Skyfall – trotz extrem guter Besprechungen. Auf jeden Fall möchte ich Oh Boy sehen, Fraktus und die Doku über Bienen. Außerdem eine neue opulente Verfilmung von Anna Karenina, wenn ich den alten Moralisten schon nie zu Ende gelesen habe. Sehr spannend erscheint mir Winterdieb, ebenso Cloud Atlas von Tom Tykwer und den Machern von Matrix und 7 Psychos. Mit Tom Waits!

Die Dänin Susanne Bier wurde uns schon mehrfach vom guten Freund empfohlen, die romantische Komödie, die so ist wie andere, aber gleichzeitig ganz anders, klingt verflixt attraktiv. Meine Erfahrung mit Fatih Akin ist, dass er machen kann, was er will, es wird immer gut. Dann also auch noch seine Doku über eine Mülldeponie in dem Heimatdorf seiner Großeltern. Bei den Empfehlungen für Januar interessiert mich nur Ulrich Seidls Film nicht, weil der mir nach Hundstage erst beweisen muss, dass er Menschen nicht hasst. Das wären also nochmal mindestens vier.

Gut. Für November, Dezember und Januar macht das Minimum dreizehn Filme, also 1-2 pro Woche. Das wäre doch mal wieder ein guter Anfang in die Passion einzusteigen.

Read Full Post »

Um nochmal darauf zurückzukommen…
Der Engel enttäuschte mich dann doch noch – als Gegenentwurf taugt er nicht so richtig, der Verräter:

Der Engel Asael senkte sein Haupt und seine Gedanken flogen zurück durch die Jahrtausende zum Urbeginn der Zeiten.
„Ja, sie war schön, Namea, die Schwester des Tubalkain, der die Spangen schmiedete und die goldenen Ketten“, sagte er leise. „Schön war sie und lieblich. Schön war sie wie ein Garten in der Frühlingszeit um die Stunde, da der Morgen anbricht. Ja, sie war schön, die Tochter des Lameth und der Silla.“
Und wie er der Geliebten seiner fernen Jugend gedachte, fielen zwei Tränen aus den Augen des Engels, die waren den Menschentränen gleich.

Und dann war es auch noch das letzte Kapitel: was soll ich denn jetzt lesen?

Read Full Post »

Früh im Jahr war ich mit dem Mann als unser gegenseitiges Weihnachtsgeschenk in Prag, seit langer Zeit einmal wieder eine große Liebe der anderen Art besucht. In dem Zusammenhang hat mir eine der Besten – ausgesprochene Pragliebhaberin und -kennerin – Nachts unter der steinernen Brücke von Leo Perutz empfohlen, das ich uns dann dort zugelegt und im Lauf der letzten Monate unter den Stapeln der noch nicht gelesenen Büchern aus den Augen verloren habe.

Gott sei Dank habe ich es wieder gefunden, sonst wäre mir dieser großartige Fabulierer entgangen. Geschichte und Geschichten, verwoben zu einem Roman um Prag, den Kaiser, die Judenstadt, die schöne Ester, Rabbi Löw und den Streit der Engel.

Einer von ihnen, Asael, fragt den Rabbi:

„Ihr Menschenkinder“, sprach der Engel weiter, „gar arm und voll von Kümmernissen ist Euer Leben. Warum beschwert Ihr es mit der Liebe, die Euch den Sinn verstört und Eure Herzen elend macht?“

Ich überlege, ob ich vielleicht lieber Engel geworden wäre?

Read Full Post »

Die kurze Dokumentation „Noen Gang“ der Filmphantomes aus Norwegen war einer meiner persönlichen Favoriten dieses Jahr.

Read Full Post »

Ganz vernarrt bin ich in die Arbeit des Studio Da: um Verständigung, Klang und Bedeutungen geht es in der kurzen Animation, die die Trickkünstler mit russischen und deutschen Kindern mit Behinderungen in den vier Tagen des Festivals geschaffen haben.

Read Full Post »

Gestern ging das 21. REC for Kids zu Ende. Vielleicht schreibe ich über das geliebte Kinder- und Jugendfilmfestival (Filme VON Kindern und Jugendlichen) die Tage noch ein wenig mehr. Für heute nur ein erster Link zu Filmen, die dort im Programm waren, um zu sehen, wie großartig dieses ist:
1) Can we be happy now: eine bezaubernde Animation von Tahnee Gehm, USA

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »