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Archive for the ‘Memories’ Category

Die Paradiesfrage von Karu hat mich trotz meiner unmittelbaren Assoziation mit der irischen Westküste ganz schön Zeit gekostet, bzw. kostet mich noch.

Sie hat mich nämlich auf die Suche nach den passenden Bildern geschickt. Mal abgesehen davon, dass es dann nicht schnell gehen kann, weil die Fotos von mehreren Jahrzehnten keinesfalls ein geordnetes Dasein führen, sondern sich in wildem Durcheinander mit denen des geliebten Mannes im Karteikastenschrank vermischen, beschäftigen sich meine Gedanken seither mit den Erinnerungen, die selbst ein kurzes Durchsehen der fotografischen Dokumentation meines Lebens ausgelöst hat.

Erinnerungen an andere Zeiten und Orte: manch Anblick lässt mein Herz immer noch hüpfen, von manchem weiß ich nichts mehr. An Menschen, die auch heute an meiner Seite sind, oder wieder oder anders. Und an Menschen, die in meinem Leben selbst keine Rolle mehr spielen, sehr wohl aber die Spuren, die sie darin hinterlassen haben. An die Erfahrungen, für die ich ihnen dankbar bin, manchmal auch nur dank des langen Abstands.

Wenn ich die Zeit finde, werde ich die Vergangenheit mal ordnen. Es ist langsam Zeit, zu wissen, wo das Wesentliche zu finden ist und vielleicht auch, sich vom Unwesentlichen zu trennen. Mal sehen.

Ein Lieblingsbild aus der Vergangenheit: eine (andere) der Besten

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Als ich die U-Bahntreppen hinunterlief, war ich froh, dem intensiven Regenschauer zu entkommen und mein nur halbseitig zu verschließendes Plastikcape loszuwerden. Beim Herauskommen aus der U-Bahn konnte ich immerhin die Knöpfe am Hals offen und die Kapuze unten lassen – es regnete immer noch unablässig, aber weicher, weniger störend.

Viele Leute standen auf dem Weg zur Veranstaltung, versuchten Karten loszuwerden. Ob sie es geschafft haben? Ich bezweifle es, bei diesem Wetter. Kein Mitleid für die Schacherer, so es welche gab. Pech für diejenigen, die sich nicht den Tod holen wollten bei einem Open-Air-Konzert im Rahmen des Citadel Music Festivals an diesem graunassen Juniabend.

Nur wenige Künstler wären es wert, dass man sich ihretwegen den Tod holt, meine ich; auch nicht Lou Reed. Aber: das Wetter passt zu ihm und seiner Musik. Ein lauer Abend mit den hellen Lichtern der längsten Tage, das ist zu rund, zu gefällig, zu sehr Idylle. Lou Reed klang wie – Lou Reed. Nicht nur so wie man es erwartet, sondern so wie man ihn mag, wie ich ihn mag. Zeitlos, bedeutungsvoll, die Stimme ist erstaunlicherweise nicht alt geworden. Der, zu dem sie gehört, ist immerhin um die 70.

Ich war mit Freunden da, die ich nicht oft sehe. Auch das hat gut getan, die Stimmung war unaufgeregt, die Gespräche wie immer inspirierend, das Bedauern über die wieder einmal zu kurze gemeinsame Zeit aufrichtig. Nach knapp zwei Stunden war Schluss. Aber auch das hatte irgendwie seine Richtigkeit.

Lou Reed hat vieles erzählt – ausschließlich über die Musik, es gab kaum Ansprache ans Publikum, außer die zweimalge Vorstellung der Musiker, am Schluss sagt er: „Thank you for having us.“ Der Dank ist ganz auf meiner Seite. Mit den Freunden habe ich das Netz wieder ein bisschen enger, ein bisschen haltbarer gesponnen.

Die Feuchtigkeit wurde jetzt langsam zu kühl, die Vorstellung von heißem Tee, warmer Dusche und Sich-unter-eine Decke-Kuscheln wurde übermächtig. Mit mir auf dem Rückweg: viele grau- und langhaarige Männer und Frauen, ein paar Junge, alle sahen zufrieden aus, hatten bekommen, auf was sie sich gefreut hatten. Schön wars.

Und weil er es gestern nicht gespielt hat:

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Eigentlich habe ich gar keine Zeit, ich bin am Geldverdienen. Aber erstens war endlich wieder Filmabend und das Thema „Liebe heilt alle Wunden“, das der geliebte Mann fast abgelehnt hätte wegen des hohen Kitschfaktors und weil ihm halt nicht so recht was einfallen wollte, dann doch herausragend erfüllt mit Kirschblüten – Hanami, dem einzigen mir bekannten Dörrie-Film, den ich nicht für prätentiös und überbewertet halte. Mit einer vergötterungswürdigen Schauspielerleistung Elmar Weppers. Und dem Motto für nächste Woche: „Männer in Frauenkleidern“.

Ich bin dankbar für eine Einengung der großen in Frage kommenden Auswahl durch hier eingehende Tipps. Obwohl aus mehreren Gründen fast schon feststeht, was es nächsten Dienstag sein wird.

Und zweitens habe ich beschlossen, gelegentlich hier auch darüber zu schreiben, wenn mir ein Gericht besonders gut gelingt, dessen Rezept ich nicht eins zu eins aus einem der in vier Regalmetern vorhandenen Kochbücher abschreiben könnte.

Nun steht heute an, meinen ersten Plov seit vielen Jahren zu kochen. Plov ist ein Gericht, das ich aus Russland mit nach Hause gebracht habe. Dort haben sie es wiederum aus einer der südlichen Exrepubliken, laut Internet aus Usbekistan. Gelernt habe ich es ohne jeglichen Schnickschnack, Fleisch, Karotten, Zwiebeln, Reis und Knoblauch. Salz und Pfeffer. Mehr war an Zutaten im winterlichen Sibirien auch nicht zu bekommen. Das Ganze stammt aus einer Zeit, in der ich mich an Rezepte gehalten habe, weil mir an Erfahrung und Selbstsicherheit mangelte. Deshalb ist das Gericht auch meistens nichts geworden, ich hatte ja kein Rezept, nur inspirative Maßgaben.

Heute habe ich erstens die Erfahrung und zweitens ist die Erinnerung an den damaligen Geschmack weit genug verblasst, so dass zumindest darin keine Enttäuschung zu erwarten ist, dass es nicht schmeckt, wie ich es kenne. Und deshalb kann ich heute Koriander, Kreuzkümmel und Berberitze verwenden. Letztere ist angelesene Inspiration, dank derer ich endlich mal wieder dem türkischen Markt am Maybachufer einen Besuch abstatten durfte. Aber das ist ein weiteres Thema.

Wenn es was geworden ist, veröffentliche ich hier. Wenn nicht, dann nicht.

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Die Überlegungen zu Wein im irischen Pub haben mich darauf gebracht: warum gibt es immer wieder Ess- und Trinkbares, das nur in seinem Herkunftsland richtig gut schmeckt? Bei Meeresgetier und Mango ist dies leicht mit dem Frischeargument zu erklären. Aber was ist mit Guinness? Warum erscheint das samtschwarze Gesöff mit der Haube aus cremigem Schaum im Pub in Dublin wie von einem keltischen Gott den Menschen als Geschenk dargebrachte Verführung und im Fiddler’s Green um die Ecke nur als müder Abklatsch mit deutlicher Karamalznote?

Was mir da an Erklärungen schon alles unter kam: es liegt am Gas, mit dem das Bier gezapft oder vom Keller hochgepumpt wird (wird Bier gemeinhin mit Gas gezapft?), welches in Deutschland nicht erlaubt ist, für den Export wird es anders gebraut – auch hier gelegentlich mit der Komponente, dass das Original die strengen Lebensmittelkontrollen in Deutschland nicht besteht. Vielleicht hat es doch einen Grund, dass Barkeeper in Irland ein Ausbildungsberuf ist. Einer der wenigen, dafür dauert die Lehrzeit extra lange. Und dafür gibt es an einer Bar auch nichts Schnelleres, Kompetenteres und Faszinierenderzubeobachtendes als einen irischen Barmann. Vielleicht liegt es dennoch an etwas anderem.

Freunde haben vom mitgebrachten Retsina bei der Rückkehrfeier im griechischen Stil nur heftige Kopfschmerzen davon getragen, keineswegs den Zauber warmer Mittelmeernächte. Meine Mutter mochte Asti nur in Italien. Interessanterweise würde er sie heute auch auf der Terrasse eines kleinen Hotels an der Riviera nicht mehr begeistern. Aber die Änderungen des Volksgeschmacks sind ein anderes Thema. Im eigenen Wohnzimmer mochte sie ihn jedenfalls noch nie.

Wir haben kistenweise Kaffee, Tee, Oliven und einmal sogar Tonic Wasser aus anderen Landen importiert, die Rucksäcke vollgestopft damit, den alten Passat bis zur Beugegrenze beladen. Um die Unbeschwertheit des Reisens wenigstens noch kulinarisch ein wenig zu verlängern. Um den grauen Winter mit ein bisschen Fernweh zu würzen. Doch der Zauber hat nicht mehr gewirkt. Eines der Highlights war ein Oliventopf zur Aufbewahrung der mitgebrachten kleinen Schwarzen aus der Provence. Sie waren nach zweieinhalb Wochen verschimmelt, keine Ahnung, wie man sie haltbar bekommt. Egal, denn hier haben sie gar nicht so gut geschmeckt. Zuhause mag ich gar nicht jeden Tag Oliven essen.

Der Freund, mit dem ich damals unterwegs war, hat letztens seinen Hausrat entmüllt. Als ich zu Besuch kam, stand der Oliventopf auf dem Tisch. Ob ich den mitnehmen möchte, der sei damals bei ihm gelandet, aber Verwendung habe er dafür eigentlich nie gefunden. Ich widerstand meinen Anwandlungen von Nostalgie und Sentimentalität und überließ den Topf einem unbestimmten Schicksal. Möge er jemandem in die Hände fallen, der Oliven auch in den hiesigen Gefilden zu schätzen weiß und überdies ein brauchbares Rezept zur Konservierung hat. Man kann ihn sicher auch mit Gummibärchen füllen.

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So ganz komme ich nicht los davon, von diesem Qype. Das liegt einerseits an zugegeben nur noch wenigen Leuten, andererseits aber an der monatlichen Qype City Nacht, die so oft einen angenehmen und lebendigen Abend verspricht.

Ich war sehr gespannt. Das bin ich vor einer QCN natürlich immer, ich weiß ja nie, was sie mir bringen wird. Werden die Gespräche an der Oberfläche plätschern oder neue Gedanken mit nach Hause nehmen lassen? Wird die Mischung der Anwesenden eher Leichtigkeit und Witz bergen oder liegen zähe Stunden vor mir? Keine Ahnung, wie ich darauf komme – langweilig waren bisher die wenigsten QCNs. Während sehr wohl der ein oder andere kulinarische Reinfall dabei war.

In diesem Fall war ich nun aber besonders gespannt auf den kulinarischen Part, da ich mich ja auf vertrautes, aber lang zurückliegendes, ja schon beinahe nostalgisches Terrain begab: Russischen Hering im Pelz habe ich zuletzt wohl vor 15, 16 Jahren gegessen.

Die Frage stellt sich: kann irgendetwas überhaupt irgendwo jemals wieder so schmecken wie damals zu der Zeit meines Uniaufenthaltes in der südsibirischen Stadt Barnaul? (Wie, kennen Sie nicht? Ist doch die Hauptstadt des Regierungsbezirks Altai mit mindestens 750.000 Einwohnern.) In einem russischen Restaurant in Wilmersdorf, das in erster Linie für sein Frühstück berühmt ist?

Ja, ja, die legendären russischen Brunchbuffets…So sehr ich mich auch zu erinnern versuche, viel fällt mir zum russischen Frühstück nicht ein, außer, dass es keine Scheu gab, auch jene Mahlzeit als eine warme zu sich zu nehmen. Mit dem Berliner Phänomen des ausgedehntesten SonntagvormittagbisfrühenAbendgelage hatte es aber nichts zu tun. Jedenfalls nicht in Barnaul.

Worauf will ich hinaus? Der Hering im Pelz war einer der köstlichsten, den ich jemals gegessen habe. Die Kombination aus Kartoffeln, Gemüse, Dill, Rote Bete und Mayonnaise hat selten so perfekt zusammengespielt. Die Pelmenji waren selbstgemacht, der Teig nicht zu weich und nicht zu hart, ein zarter Geschmack unterstützt von der schmelzig-säuerlichen Smetana.

Die Portionen waren nicht groß, was zwar unüblich ist für die russische Küche, es dafür aber erlaubt, mindestens Vor- und Hauptspeise zu sich zu nehmen. Ich mag das.

Russisch fand ich hingegen die Kellnerin: sehr schön, ein wenig streng und ein wenig genervt. Ab irgendeinem Zeitpunkt ist sie am hinteren Ende des Tisches gar nicht mehr erschienen. Entweder war es schon Teil der Hinauskomplimentierens oder sie ist einfach nicht mehr von einem oder zwei der besonders angetanen männlichen Mitqypern losgekommen, ich kann es nicht sagen.

Gestört hat es mich insofern nicht, weil ich den ganzen Abend über außerordentlich charmante und interessante Tisch- nachbarn hatte, deren spannende Erzählungen und Berichte mir bei einem weniger leckeren Essen wieder einmal nicht erlaubt hätten, der gastronomischen Seite des Abends viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wie ich es halt kenne von fast den meisten QCNs in Berlin. Deshalb gehe ich ja auch jedesmal wieder hin.

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Lang her

Manchmal, wenn ich alte Freunde treffe, die ich aus einem bestimmten Lebensabschnitt kenne, darf ich mit ihnen in diesem Lebensabschnitt schwelgen. Wenn ich es jedes Mal tue, habe ich mir mit diesem Freund nicht genug anderes zu sagen.

Wie auch immer: heute abend war es ein Freund und der Lebensabschnitt spielt in Irland. Im Winterland. Im Land meiner Sehnsucht. Gibt es ein Land um das mehr Sentimentalität, Klischee und Projektionen kreisen?

Ich war lange nicht mehr da, und die Vorstellung dorthin zu fahren macht mir Angst, denn ich weiß nicht, ob das, was ich heute dort finde, meiner Erinnerung entspricht.

Weiß eigentlich jemand, ob es auf den Aran Islands noch das Hostel mit dem launischen Hostelowner gibt, der ein so unglaublich feines vegetarisches Büffet zaubern konnte?

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