Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Unterwegs’ Category

0:3 haben sie an unserem letzten Abend in Irland verloren, gegen die deutsche Mannschaft. Wir sahen das Spiel in der Bar des Flughafenhotels, außer uns waren kaum Interessenten. „Wer interessiert sich hier schon für eine randständige Garnisonssportart?“ fragt der geliebte Mann mit Null Fußballverständnis.

Vielleicht ist da was dran. Die irischen Sportarten Gaelic Football und Hurling scheinen sich größerer Beliebtheit zu erfreuen. Immer noch oder wieder? Am Wochenende vor unserer Ankunft fand das All Ireland – Finale in Croke Park in Dublin, dem traditionellen ‚Home of Gaelic Games‘ und Schauplatz tragischer Geschichtsereignisse, statt. Unser Taxifahrer mit Dauerkarte erzählte uns von der mehrtägigen Party rund ums Stadion und dass er seine zwei Dauerkarten für Tausende von Euros oder einen zweiwöchigen Urlaub auf Mallorca mit allem losgeworden wäre. Er hat sie aber natürlich nicht hergegeben.

Gewonnen hat übrigens Dublin, so dass unser Mitbewohner im B&B, der auf Mayo eine kleine Summe gewettet hatte, diesbezüglich leer ausgegangen war. Er erzählte uns dafür von der Hochzeit, auf die er am selben Tag gehen würde: eine 73-jährige Freundin hatte vor wenigen Wochen in Paris von ihrem 81-jährigen Freund einen Antrag bekommen. In Paris. Auf seine Frage, ob der Freund denn vor sie hingekniet sei dazu, meinte sie, ja, sei er und sie hätte es echt mit der Angst zu tun bekommen, ob er wieder hochkomme. Aber das war natürlich nur ein Scherz, der alte Herr sei so fit, der könne heute noch Football spielen. Gaelic Football, versteht sich.

Croke Park musste übrigens auf öffentlichen Druck hin während der Bauarbeiten am anderen Dubliner Stadion in der Lansdowne Road von 2007 bis 2009 auch Fußball und Rugby beherbergen, sehr zum Verdruss der GAA (Gaelic Athletic Association), dem Verband für irische Sportarten wie Gaelic Football und Hurling aber auch Irish Handball, Camogie und Rounders. Ich weiß nicht mit Sicherheit, wovon bei letzteren die Rede ist …

Eine Woche später kamen wir genau rechtzeitig zur zweiten Halbzeit der Wiederholung im All-Ireland-Finale, dieses Mal in Hurling, in Donegal an. Wiederholt wurde, weil das erste Spiel mit einem Unentschieden geendet hatte. Unser Hausherr machte extra für den geliebten Mann den Fernseher an, geschaut habe dann ich. Ich mag nicht behaupten, die Nuancen des Spiels erfasst zu haben, aber ich verstand genug um folgen zu können, und so kann ich Ihnen mitteilen, dass Clare den diesjährigen Titel geholt hat und dass es knapp und spannend war bis zur letzten Minute. Außer mir hat sich noch die kleine Tochter interessiert, die große Tochter und der Mann bevorzugen Rugby, die andere Garnisonssportart, die allerdings recht weit verbreitet zu sein scheint, wenn man von den Sportübertragungen in den Pubs ausgeht.

Fast überall wurden Rugbyspiele mit irischen Mannschaften übertragen. Es gibt vier davon in der Celtic League, und zwar entsprechend den alten Provinzen: Connaught, Leinster, Munster und Ulster. Eine Aufteilung die nicht republikanisch anmutet. Das Interesse meiner Familienmitglieder wird begründet mit „weil hier mal wirklich etwas passiert“ (Tochter) bzw. „es mal richtig zur Sache geht“ (Mann). Nun ja. Wer es mag. Und versteht… Die kleine Tochter fand auch das interessant, wenn auch bedenklich gewalttätig.

Ich hätte mich übrigens gefreut, wenn die ‚Boys in Green‘ am Freitag gewonnen hätten, die deutsche Mannschaft hätte sich sicher noch anders qualifiziert. Aber vielleicht muss man einfach akzeptieren: sie können es nicht wirklich. Pure Begeisterung, singende Fans und Kampfgeist helfen nicht viel, wenn einem der Ball vom Fuß hüpft, man keine Tore schießen kann und nur der Torwart zu wissen scheint, was er tut. So würde ich sagen: ist nicht wirklich ihr Ding.

Advertisements

Read Full Post »

Leben in einer globalisierten Welt: die kleine Tochter sieht eine Stechpalme, mir eher bekannt unter dem englischen Namen ‚Holly‘, und sagt: „Schau mal, ein Weihnachtsbaum.“

holly

Weitaus mehr haben sie aber die unzähligen Hinweise auf das bevorstehende Halloween beeindruckt. Kaum ein Laden, der sich nicht in Deko und/oder Warenangebot darauf ausrichtet. Immer wieder wollte sie wissen, wie es kommt, dass das Fest in Irland so viel stärker präsent scheint als bei uns.

Die große Tochter wiederum ist der Faszination schon beinahe entwachsen. Sie bemängelt, dass die Kostüme für – erwachsene – Frauen wenig mit Gruseln, Grauen oder wenigstens Originalität zu tun haben als vielmehr mit nicht allzu subtiler Erotik – ganz im Gegensatz zu denen für Männer. Ich war es nicht, ich schwöre. Sie ist ganz allein darauf gekommen, kann ja denken, das Kind.

this is halloween

Auch wenn sie einem gelegentlich im Weg herumstehen – aber nur, wenn man motorisiert unterwegs ist, sie scheinen vor Menschen mehr Respekt zu haben als vor Autos -, es gibt nicht mehr so viele Schafe. Diesen Eindruck hat mir Tommy von der Coastguard Station bestätigt. Es lohnt nicht mehr. Eigentlich lohnt gar keine Landwirtschaft im kleinen Stil mehr, aber wenn, dann halten die Leute eher noch ein paar Kühe. Die stehen zwar kaum auf den Straßen herum, dafür aber manchmal vor dem Haus.

Sonst werden noch Esel und Ponys gehalten, um der Überwucherung der Weideflächen Einhalt zu gebieten, was die Schafe ehemals übernommen hatten. Kühe machen das nicht. Die fressen nur Gras, nicht das andere Kroppzeug. Das Ganze hat etwas Familienfreundliches, da Wanderungen mit kleiner Tochter leichter zu bewältigen sind, weil immer wieder weiße Connemara-Ponys und neugierige Esel den Weg beleben.

Geritten wird im Oktober nicht mehr in Irland. Zumindest nicht von Touristen, die ansässigen Riding Centres hatten zu. Die kleine Tochter hat es mit Fassung getragen. Die große ist ohnehin kein Pferdemädchen. Möchte lieber einen Hund.

IMG_9827

Ich mochte in Irland keinen Kaffee – egal, wie gut er gemacht war, und nicht nur in Dublin gibt es mittlerweile an jeder Ecke guten Kaffee. Das finde ich höchst eigenartig, weil ich – selbst guten – Tee zu Hause nur in Ausnahmesituationen trinke. Dass ich schwarzen Tee in Irland und England lieber mag als in Deutschland, wusste ich. Aber dass mir Kaffee einfach gar nicht mehr schmeckt? Wie soll das weitergehen? Und werden wir die Unmengen mitgebrachten Tees aufbrauchen können, bevor er das Aroma verliert?

Das zweite Highlight für die große Tochter nach der großen Stadt: die kleine Stadt. Auch Galway hat ihr gut gefallen, die Entscheidung steht noch aus, wer gewinnt. Mein Tipp bleibt aber Dublin.

Seit einiger Zeit interessiert mich die Vegetation der Orte, an die ich reise, vor allem die blühende. Das hat wahrscheinlich mit dem Alter zu tun. Ich hatte nicht in Erinnerung, dass es so viele Fuchsiensträucher in Irland gibt. Und sonst: ein paar Hortensien in den Gärten, viele rote Beeren, Brombeeren, Brombeeren, Brombeeren, benannte Stechpalmen und eigentlich eher im Frühsommer blühender Stechginster.

Irland ist nicht hauptsächlich Moorland. Nicht mehr. Habe ich im Connemara National Park in einer ausgezeichneten, kleinen Ausstellung über die Moorlandschaft Connemaras und Irlands gelernt. Torfstechen und das Urbarmachen von Flächen für die Landwirtschaft, aber auch Tourismus und generell unachtsamer Umgang mit den Torfmooren hat seit dem 18. Jhdt., aber wie so oft vor allem in den letzten 60 bis 70 Jahren zu einem deutlichen Schrumpfen der ‚peatlands‘ geführt. Seit ein paar Jahren scheint sich ein Bewusstsein dafür zu regen, dass es die verbliebenen Moore wert sind, geschützt und erhalten zu bleiben. Ich drücke die Daumen, dass genug einflussreiche Menschen es ernst meinen und dass es gelingt. Wäre sehr schade drum.

Moor

Was ich am meisten vermissen werde? Mistress of fire zu sein. Oder wie mein Vater sagte: Zündelwichter.

Kaminfeuer

Die Bilder übrigens: teilweise von mir, der Rest: Dank an Stroheim.

Read Full Post »

Auch in Connemara gibt es Leute mit viel Geld, keine Frage. Die neu gesetzten Steinmauern mit den herrschaftlichen Toren und Einfahrten gehören zu großen Gebäuden, die ja auch jemandem gehören müssen. Wem, weiß ich nicht. Daneben immer wieder Verlassenes, Heruntergekommenes, Zerfall, ein seltsamer Kontrast.

Noch auffälliger mag dies allerdings anderthalb Jahrhunderte früher gewesen sein, als reiche Zuwanderer sich in den kargen, aber so wildromantischen Gegenden im Westen Irlands ihre alte Zeiten heraufbeschwörenden Schlösser hinstellen ließen. Mitten in Gebieten, in denen das Leben für die durch die Hungersnöte sowieso stark dezimierte Bevölkerung einen täglichen Kampf darstelte.

Allenthalben stehen sie hier herum, üblicherweise erbaut und aufgekauft von Magnaten verschiedenster Coleur und sind mir bei früheren Besuchen doch nie aufgefallen. So liegt auf unserem täglichen Weg nach Clifden oder darüber hinaus die Ruine des Schlosses der D’Arcy. John D’Arcy hat Clifden gegründet und für sich und seine Familie das Schloss gebaut. Da ihm das Geld ausging, wohnte die Familie nur 40 Jahre dort. Insgesamt war das Schloss 100 Jahre bewohnt, dann fing es an zu verfallen und tut das bis heute. Rundherum weiden Kühe, Connemara-Ponys und Schafe. Ähnliches habe ich nochmal in der Nähe von Ballyconneely gesehen. Im Verfall eventuell ionteressanter als je zu Lebzeiten.

D'arcy

Ballyconneelly

Kylemore Abbey dagegen ist bis heute erhalten, dank der irischen Benediktinerinnen von Ypres. Seinen Bau veranlasst hat Mitchell Henry, ein steinreicher Engländer, für seine Frau, um 1870. Danach gehörte es ein paar Jahre dem Duke und der Duchess of Manchester, bis der Herr des Hauses es der Legende nach beim Kartenspiel verlor. König Edward VII zeigte Interesse, winkte aber ab, als er erfuhr, wie hoch die Unterhaltskosten waren, da sich das ein König nicht leisten könne.

1920 übernahmen die Irischen Benediktinerinnen von Ypres Kylemore Castle und machten es zur Abbey, nachdem sie vorher unterstützt vom englischen Roten Kreuz vor deutschem Beschuss an der Westfront in Belgien über Kanal und Meer geflohen waren. Sie erhielten das Schloss gegen eine zurückzuzahlende Summe, bevor es ebenfalls zur pittoresken Ruine mutierte und gründeten ein Eliteinternat für Mädchen von internationalem Ruf. (Dank an Stroheim für die Fotos und den Hinweis auf die fehlerhaften historischen Daten!)

kylemore01

Da es sich bei den Irischen Nonnen von Ypres offenbar um einen sehr zurückgezogenen Orden handelte, hatten viele der damaligen Bewohnerinnen Jahre und Jahrzehnte die Klostermauern nicht verlassen. Als die Kriegshandlungen des Ersten Weltkriegs dies unumgänglich machten, hatten einige nicht nur mit der an sich schon gefährlichen Flucht zu tun, sondern waren überdies auch sehr verwirrt und desorientiert, da sie keine motorisierten Gefährte kannten.

Sie siedelten sich kurz in England an, wurden dann weiter nach Wexford, Irland gebracht, bevor sie in ihrem immer noch bestehenden Zuhause in Connemara ankamen. Die Boarding School übrigens musste 2010 schließen, den Grund erfährt man nicht so recht. Bewohnt und bearbeitet wird Kylemore Abbey bis heute von den Nonnen, um die Weitererhaltung kümmert sich eine Stiftung.

Doch genug der Schlösser, deren Geschichte(n) zwar oft spannend wirkt – auch durch die erzählerische Begabung der bisherigen irischen Schlossführerinnen -, die aber nicht zuletzt durch ihre Vielzahl, die dann doch immer ähnlichen Motive und Gegebenheiten und ihre an weit zurück liegenden Zeiten orientierte Architektur irgendwann nicht mehr nur die kleine Tochter langweilen.

Nicht sie empfinde ich als Anziehungspunkt dieser Gegend, es ist und bleibt das Land selbst, seine Farben und seine Formen, sein Licht.

Read Full Post »

Mittlerweile sind wir in Connemara angelangt. Die Coastguard Station am Eingang zur Bucht von Clifden wurde in den 1920-ern während des Bürgerkriegs zerstört – assoziiert mit der als verräterisch wahrgenommenen Regierung in Dublin, die auf den Deal mit den Engländern eingegangen war, das Land zu teilen. 70 Jahre später wurde das Gebäude rekonstruiert mit dem Zweck, an exponierter Stelle Reisenden ein ‚home from home‘ zu schaffen, darunter gerne und oft Menschen, die in Irland ihre Wurzeln suchen oder sie noch ganz genau kennen, weil sie in den letzten 50 Jahren von hier aus in die Welt gezogen sind, um nicht nur zu überleben.

coastguard station

coastguard station01

„It is beautiful to live here, but making a living is a different thing“, sagt Tommy Whelan, der zuständig ist hier. Und: „Young people from here go away. They go to Australia, Canada, the USA. Our capital is not Dublin, but New York or Chicago. I am more connected to the States than I am to Dublin.“ Wie traurig, von so einem schönen, wilden Ort weggehen zu müssen. Die Sehnsucht scheint zu bleiben, man trifft auf viele, die woanders leben und zu Besuch da sind. Die Nachbarin aus dem Süden der USA bleibt den ganzen Oktober. Ich beneide sie und weiß doch nicht, ob ich es aushalten würde, ganz alleine hier im Außenposten, über zwei Kilometer entfernt vom nächsten Ort mit Laden, Pub, Cafe und Ansprache.

coastguard station02

clifden bay outwards

Clifden bay

Aber ‚beautiful‘ ist es in der Tat. Manchmal sieht es aus, wie ich mir den Wilden Westen der USA vorstelle. Es gibt Berge, Moor und Seen. Und natürlich immer wieder das Meer. Nach jeder Kurve, um die man fährt oder geht, besteht die Möglichkeit, dass einem die Schönheit des Anblicks den Atem nimmt. Jede Tageszeit und jedes Wetter lässt die immerselbe Aussicht ganz neu erscheinen. Und so ergibt das irische Wetter auch Sinn: immer nur Sonnenschein nähme dem Land die Hälfte seiner Faszination. Mal ganz abgesehen von dem Wohlgefühl, einen heißen Tee zu trinken oder sich an einem Torffeuer zu wärmen.

Ausblick02

Nebel

sonnenuntergang

Clifden selbst scheint vom Tourismus zu leben, die Menge der Seafood-Restaurants und Souvenierläden, Wollpullovergeschäfte und Juweliere deutet darauf hin. Doch es darauf zu reduzieren, würde ihm nicht Genüge tun. Am kleinen feinen Buchladen mit einer ausgezeichneten Auswahl auch irischer Belletristik und einem Poster im Fenster, das besagt: „A town without a bookshop is not a town.“ und dem nebenan gelegenen Cafe mit Tagessuppe, Sandwiches, allerlei süßem Gebäck und einer guten Auswahl an Kaffee erfreuen sich auch die Leute, die hier wohnen.

clifden

Read Full Post »

Und sonst so in Donegal?

Eine Schwindeln machende Bootsfahrt zu einer der nordwestlichen Küste vorgelagerte Insel, auf der immer noch einige EinwohnerInnen den Plänen der Regierung in Dublin trotzen, den Ort gänzlich zu entvölkern, damit keine Kosten fürs Gemeinwesen mehr anfallen. Warum sie das tun, ist dem Stadtmenschen nicht ganz erklärlich. Die Landschaft ist karg, die klimatischen Verhältnisse rauh, um das Mindeste zu sagen. Wenn das Wetter zu schlecht ist, kommt kein Boot. Mir persönlich würde das Angst machen. Der großen Tochter wohl auch.

Fähre

Tory02

rote bank

Tory

Wasser in Blei

Ein merkwürdiges viktorianisch anmutendes Schloss mitten im Torfmoor, umgeben von einem prächtigen, wuchernden Garten mit allerlei Exotischem, zeichnet sich durch eine äußerst bewegte Geschichte aus: erbaut von dem schottischstämmigen Landspekulanten John George Adair, der sich vor allem dadurch einen Namen machte, dass er zu dem Zeitpunkt, als der von ihm in Auftrag gegebene Schlossbau begann, unrechtmäßig von diesem Gebiet 46 Familien aus ihren Häusern vertrieb, um A) entweder Schafzucht in großem Stil betreiben zu können oder B) die Gartenlandschaft um sein neu zu erbauendes Schloss auszuweiten – die vorhandenen Quellen sind sich da nicht ganz einig. Außerdem hat er Rotwild in der Gegend angesiedelt, was dazu führt, dass es sich um eine der ganz raren Gegenden in Irland handelt, in denen im Herbst im Pub Hirschsteak angeboten wird.

Glenveagh01

Castle01

Die nächsten Besitzer waren US-Amerikaner, die es als Sommersitz führten: Harvard-Professor Porter, der bei seinen keltischen Studien spurlos auf der Insel Inishbofin verschwand und Henry McIlhenny, irischer Abstammung, der Glenveagh bis in die 80-er als mondänes Gästehaus führte, Greta Garbo als Gast bei sich hatte und auf Grund einer offenbar auch bestehenden Liebe zu Österreich seinen Angestellten vorschrieb, in österreichischer Tracht zu servieren. Nun ja, warum nicht. Und deshalb hatte die kleine Tochter doch recht, als sie beim Durchgehen der Kleiderkammer sagte: „Da hängt ja ein Dirndl.“

Neben der Bewirtung von Gästen diente das Schloss als Ausgangspunkt für allerlei Vergnügungen wie Jagen und Angeln. Ein seltsamer Kontrast zu der unwirtlichen Landschaft, der die ursprünglichen Bewohner alles mit großer Mühe abtrotzen mussten.

swimming pool

Auf dem Rückweg erlebten wir dann endlich irisches Wetter, nachdem es bis dato unnatürlich freundlich gewesen war. Durchgängig. In den Bergen dachte ich einen kurzen Moment, dass wir weggeschwemmt würden, der Schweibenwischer bewältigte die Massen Wasser von oben nicht mehr. Und dann brach vor uns die Wolkendecke wieder auf und wir fuhren in gleißendes Licht hinein und hinunter. Diese Augenblicke sind im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend. Dramatisch. Und wenn man so mag, auch mystisch.

Mystisches01

Wir hatten das heute nochmal auf einer Wanderung. Ein plötzlicher Regenguss, alles verschwand hinter Nebelwolken, dann siehst Du auf einmal durch ein paar Nebelfetzen hindurch, es klart so unmittelbar auf, wie es vorher zugezogen ist und auf einmal hatten wir eine fantastische Aussicht auf Klippen und Meer. Nur der Feenhügel blieb verhüllt. Warum nur?

feenhuegel01

Feenhuegel02

Hexenküche

Und fast wieder vergessen: das Copyright für die Bilder liegt bei Stroheim.

Read Full Post »

So war das eigentlich nicht gedacht, als ich Donegal als ersten Fixpunkt für unsere Ferien in Irland ausgesucht hatte. Eine karge einsame Landschaft, deren Farbigkeit sich erst bei längerem Hinsehen erschließt, die einen nicht ganz schnell in ihr Herz schließt – und umgekehrt. So etwas hatte ich vor dem inneren Auge, nicht die ‚am dichtesten besiedelte ländliche Gegend Westeuropas‘, in der wir jetzt wohl gelandet sind.

Donegal01

Aber macht nichts. Die karge einsame Landschaft ist gleich nebenan, unser Cottage ist zauberhaft und auch die dichte Besiedlung und ihre Gründe, die Abwesenheit von Gärten und andere Eigenheiten dieser Gegend im Nordwesten Europas sind interessant genug, um sich eine Woche lang damit zu beschäftigen. Im Gegenteil, das Ausschwärmen wird nicht in großem Maßstab stattfinden, da es in nächster Nähe zu viel Spannendes gibt.

macalla_aussen02

Statt Garten

Statt Garten

Wir sind in einer ‚Gaeltacht area‘, einer der immer kleiner werdenden Regionen Irlands, in denen Irisch als erste Sprache gilt und auch so in den wenigen Schulen unterrichtet wird. Gesprochen habe ich es bisher nur ein einziges Mal gehört und selbst da bin ich mir nicht ganz sicher, da sich mir auch das sehr melodische Englisch Donegals nicht immer sofort als solches zu erkennen gibt.

Viel zu reden scheinen die Menschen hier sowieso nicht, anders als in anderen Teilen Irlands, die ich kenne. Sie sind freundlich, aber man hat nicht unbedingt den Eindruck, dass sie sich freuen einen zu sehen. Das könnte ich ja nachvollziehen, kennen sie mich ja gar nicht und mir als Bayrischer Schwäbin ist eine gewisse Vorsicht gegenüber mir nicht Bekanntem selbst nicht fremd.

Aber auch ihre Kommunikation untereinander ist für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar. So warf der Abend im nahegelegenen Pub Hiudái Beag’s unzählige Fragen auf, von denen noch keine einzige beantwortet ist: warum kommen die Musiker und Musikerinnen einzeln oder in kleinen Grüppchen, aber grüßen keinen derjenigen, mit denen sie gleich gemeinsam zur „traditional session“ aufspielen werden? Und warum, um Himmels Willen, beginnt so eine Session mit relativ normal wirkenden Menschen an einem Montag abend nach hipper Großstadt-Manier erst um halb elf Uhr, wenn legalerweise der Pub eigentlich die Türen schließen sollte?

Woher kommen diese vielen verschiedenen Menschen, die sich nach und nach zum Zuhören einfinden? Sind sie alle von hier? Oder sind manche ebenfalls Touristen, so wie wir? Ein Paar, mehrere mittelalte, wettergegerbte Männer, zwei Tische nur mit Frauen: zwei ältere, sehr gediegen aussehende Matronen, eine Handvoll ausgehfeiner Frauen Mitte Vierzig. Ich erinnere mich, dass ich das immer gern mochte in irischen Kneipen, diese Frauenrunden, die offensichtlich wissen, wie man einen fröhlichen Abend verbringt. Jameson wird gern geordert, Guinness natürlich auch. Und immer wieder: eine Tasse Tee. Für mich im irischen Pub ein absolutes Novum.

Und wie passt in all dies die seltsame, hippieske Gruppe in der Mitte des Raumes? Vier Frauen und ein Mann, mit fusseligem Lockenkopf in komplizierter Zopffrisur. Sie hören nicht groß auf die Musik, übertönen sie mit ihren lebhaften Gesprächen. Er sagt nicht viel, hört zu und lächelt, ist aber auch nicht peinlich berührt von der offensichtlichen Ignoranz seiner sich irgendwie zur Schau stellenden Begleiterinnen. Oder vielmehr wirkt er als Begleiter, der geliebte Mann meint, er darf das illustre Grüppchen fahren …

Sie sind nicht fremd hier, sie nicken hier und da, immer wieder kommt es zu kurzen Gesprächen zwischen einer von ihnen und einem der anderen – männlichen – anwesenden Gäste. Ich fühle mich erinnert an den Roman Songs of the West, der mich vor Jahren ein wenig verstört zurückgelassen hat, weil er so gründlich desillusionierend das Leben einer kleinen Auswanderer- und Aussteigergemeinde an der irischen Westküste beschreibt.

Aber vielleicht bin es nur ich. Die Musik war in Ordnung, mir durch das sphärisch klingende Keyboard zu sehr in eine Richtung, die ich nicht mag. Ich hätte dennoch gerne noch ein bisschen zugehört, aber als reguläre Touristin mit vollem Tagesprogramm war ich um diese Uhrzeit einfach zu müde.

Read Full Post »

Reisetagebuch Irland / 1

Nach anderthalb Tagen Dublin in Donegal angekommen. Erstmal tief ausatmen.

Tor zum Westen

Auch wenn fast alle Teilnehmer der kleinen Reisetruppe noch gerne ein wenig geblieben wären. Die Liebe zur schmutzigen alten Stadt habe ich wohl an die große Tochter weitergegeben, vielleicht ist es auch genetische Vorbelastung. Der geliebte Mann hatte in anderthalb Tagen gerade mal genug Zeit um herauszufinden, dass es zehnmal so lange dauern würde, um alles anzusehen, was ihn interessiert. Und vermutlich auch darüber hinaus nicht langweilig würde.

Meine Befürchtungen einer argen Enttäuschung nach den vielen Jahren haben sich nicht erfüllt. Die Zuneigung – und die Vertraulichkeit – waren sofort wieder da, ließen sich selbst durch den Anblick von Temple Bar nicht verscheuchen.

Eineinhalb Tage waren auch mir nicht genug, und doch fast zu viel mit kleinem Kind. Dublin ist keine Stadt für Kinder, war es noch nie – zumindest nicht in meiner Wahrnehmung. Aber doch offenbar eine Stadt für Teenager. Oder für bestimmte Teenager. Und für mich. Für bestimmte Leute. Eckig und kantig, laut, lebendig, bunt und nicht ordentlich, außer vielleicht um die neuen Bankenpaläste herum; eher nicht sauber, jung, sehr jung – nach wie vor.

Temple Bar wird woanders stattfinden, und ein bisschen altes Temple Bar gibt es auch noch am alten Ort, wenn man in die Hinterhöfe schaut. Oder ins Irish Film Institute.

Rathmines

Das ganz Neue habe ich eher von der Ferne gesehen, was nicht daran liegt, dass es mich nicht interessiert. Es befindet sich nur einfach in einer Gegend, in der ich mich auch früher nicht bewegt habe. Zu ernst waren die Warnungen der Einheimischen vor den Gefahren, die dort lauern.

new dublin

Jetzt weiß ich, dass ich wieder hinfahren möchte. Öfter. Mit mehr Zeit und mit größerem Kind. Und dass ich mich nicht mehr davor fürchten muss. Wir können immer noch ganz gut miteinander, Dublin und ich.

Für die Fotos danke ich herzlich Stroheim vom Strandgut.

Read Full Post »

Older Posts »